Die Bedeutung der Gürtelfarben im Karate und ihre Reihenfolge

Karate hat eine lange Geschichte, aber farbige Gürtel sind vergleichsweise neu. Obwohl Karate ohne sie kaum vorstellbar ist, ist ihre Geschichte noch jung. Sie stammen aus dem Judo, wo sie erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts verwendet wurden.

Das Gürtelsystem im Kyokushin Karate

Das Gürtelsystem im Kyokushin wurde von Sosai Mas Oyama entwickelt und eingeführt. Er selbst war 4. Dan im Shotokan Karate, 7. Dan im Gōjū-Ryū Karate und 4. Dan im Judo. Unser System ist in Schülergrade (Kyu) und Meistergrade (Dan) eingeteilt.

Die Schülergrade (Kyu)

Die Schülergrade sind in unterschiedliche Farben aufgeteilt, die für die einzelnen Schritte auf dem Weg zum Meister stehen. Im Karate wird der persönliche „Reifegrad“ eines Karatekas durch unterschiedliche Gürtelfarben verdeutlicht. Je mehr ein Karateka im regelmäßigen Training gelernt, geübt und verinnerlicht hat, desto höher steigt er im Gürtelrangsystem. In diesem werden alle Farbgurtstufen als „Kyu-Grade“ bezeichnet. Um den nächsthöheren Gürtelgrad zu erreichen, müssen spezielle Prüfungen abgelegt werden. Hierbei müssen die Karatekas ihr Können anhand eines Prüfungsprogramms unter Beweis stellen. Dieses setzt sich aus unterschiedlichen Bereichen zusammen.

Folgende Gürtelgrade werden unterschieden:

Grundstufe:

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  • 9. Kyu: Weißer Gürtel
  • 8. Kyu: Gelber Gürtel
  • 7. Kyu: Oranger Gürtel

Mittelstufe:

  • 6. Kyu: Grüner Gürtel
  • 5. Kyu: Erster blauer Gürtel
  • 4. Kyu: Zweiter blauer Gürtel

Oberstufe:

  • 3. Kyu: Erster brauner Gürtel
  • 2. Kyu: Zweiter brauner Gürtel
  • 1. Kyu: Dritter brauner Gürtel

Die Reihenfolge der Karategürtel-Farben kennzeichnet den Ausbildungsstand. Es gibt neun Einteilungen für Schüler. Der schwarze Gürtel hat nochmals eigene Einteilungen. Erfahren Sie hier mehr über die Reihenfolge des Karategürtels.

Neben dem Beherrschen einzelner Karate-Techniken, wird auch das Kata, ein stilisierter Kampf mit einem imaginierten Gegner und das Kumite, ein Kampf mit einem realen Gegner, geprüft.

Die Bedeutung der einzelnen Gürtelfarben

Weißer Gürtel (Mukyu/9. Kyu): Der weiße Gürtel stellt keine Stufe dar. Er zeigt an, dass du noch nicht an einer Prüfung teilgenommen hast und neu beim Karate bist. Anfänger sind wie weiße, unbeschriebene Blätter, die keine Erfahrungen haben und voller Potenzial stecken. Dies soll der erste Gürtel ausdrücken. Der weiße Gürtel symbolisiert Reinheit und Klarheit. Hier beginnt das Lernen. Geschwindigkeit und Kraft sind erst einmal nebensächlich. Wichtiger ist eine korrekte Ausführung der Techniken. Dein Weißgurt dürfen Sie nicht an jemand anderen überreichen. Er sollte immer in Ihrem Besitz bleiben.

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Gelber Gurt (8. Kyu): Als Gelbgurt sollst du eine klare Entwicklung in deiner körperlichen Stärke und Fähigkeiten durchgemacht haben (wie Gleichgewicht, Stabilität, Hand-/ Augenkoordination und technische Fähigkeiten). Im Vergleich zu anderen farbigen Gürteln vorher sollst du als Gelbgurt aber auch eine innere Entwicklung durchmachen. Karate ist nicht nur ein körperliches Training. Du sollst als Mensch wachsen. Karate bringt dir vieles bei, was du für dein gesamtes Leben brauchst: Durchhaltevermögen, Disziplin, Respekt, Konzentration und vieles mehr. Die Bewegungsabläufe in den Grundtechniken sind nun flüssiger.

Oranger Gurt (7. Kyu): Die erste Farbe ist mit der Farbe der Erde verbunden. Sie soll ein erstes Verstehen der körperlichen Grundlagen symbolisieren. Dein Karateweg soll auf einem soliden Fundament aufgebaut werden, das du nun kennst und welches dich weiter zum Lernen motivieren soll. Orangegurte dürfen aber nicht nur die körperlichen Grundlagen verstehen lernen. Nein, du sollst auch Ehrgeiz, Dankbarkeit, Beharrlichkeit und Respekt entwickeln. Dazu gehört auch, dass du regelmäßig zum Training kommst. Orange steht hier für das Feuer und die Wärme der Sonne. Mit dem Erhalt des orangenen Gurts ist die Unterstufe der Karate-Hierarchie beendet. Hier beherrschen Sie unter anderem die Kata Heian Nidanun und eine Kombination an Techniken.

Blauer Gurt (5. Kyu/4. Kyu): Als nächstes kommt blau, die Farbe für Wasser. Als Blaugurt solltest du dich mehr und mehr mit deinem Karate an die unterschiedlichsten Situationen anpassen und reagieren können. Du lernst, Karate deinen eigenen körperlichen Stärken und Schwächen anzupassen und es besser zu nutzen. Es ist die Zeit, wo du deinen Körper immer weiter stärkst, besonders im Rumpf und in den Armen. "Die Pflanze wächst zum blauen Himmel", heißt es in Japan über diese farbliche Kennzeichnung der Schülerklasse im Karate. Diesen Gurt erhalten Sie, wenn Sie bei der Prüfung nur Kombinationen an Techniken zeigen.

Grüner Gurt (6. Kyu): Grün ist eine Farbe für fortgeschrittene Schüler. Als Grüngurt solltest du deine Grundtechniken beherrschen. Du lernst auf diesen Weg, deine Technik mit Geschwindigkeit und Kraft zu kombinieren, die du durch das Training entwickelt hast. Auf diese Weise sollten alle Grüngürtel an der Kraft von Karate arbeiten. Kyokushin ist das stärkste Karate. Der Grüngurt sollte diese Stärke in seinem Charakter und im Karate zeigen. Du solltest verstehen lernen, wie du im Verstand und mit dem Körper ohne bewusste Anstrengung richtig handelst. Dies ist eine sehr wichtige Stufe auf deinem Karateweg, die in ernsthafter, verantwortungsvoller und ausgereifter Denkweise durchgeführt werden sollte. Der Schüler kann schon viel differenzierter und vielseitiger agieren.

Brauner Gurt (3. Kyu/2. Kyu/1. Kyu): Du solltest als brauner Gürtel sehr stark und sehr vertraut in der Ausführung aller Techniken sein, während du aber nicht einfach damit zufrieden bist. Du sollst immer weiter daran arbeiten, besser zu werden. Beim Kämpfen solltest du die Fähigkeit entwickeln, einen Anfänger durch Timing, Distanzkontrolle und Sensibilität zu kontrollieren. Du solltest deine Stärke nicht durch reine Kraft zeigen, sondern durch Ruhe und Kontrolle. Deswegen sollten Anfänger dazu neigen, dass sie dir als braunen Gürtel vertrauen können und du solltest dieses Vertrauen durch Ehrlichkeit, Integrität und Loyalität bestätigen. Als brauner Gürtel hast du ein tapferes Herz und einen eisernen Willen. Du bist ein Vorbild geworden und musst aufpassen, dass du nicht selbstgefällig wirst. Bloß zufrieden damit, an der Spitze der Schülergrade zu stehen. Sei dir dessen bewusst und lerne, dich durch ständiges hartes Training zu überwinden und auf die nächste Stufe zu gelangen. Halte deinen Kyokushin Karate Weg hier nicht auf. Erhalten Sie den braunen Gurt, so können Sie die Kata Tekki Shodan anwenden und auch zum ersten Mal das Bunkai (hier wenden Sie Kata am Gegner an) der Kata Heian Godan vorführen. Die letzten drei Schülergrade, in denen die Farbe Braun aus dem Japanischen übersetzt bedeutet: "Der Baum hat eine starke Rinde.

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Die Meistergrade (Dan)

Schwarzer Gürtel (1. bis 10. Dan): Viele Menschen glauben, dass ein Karateka mit Schwarzgurt die Kampfkunst beherrscht. Tatsächlich symbolisiert das Erreichen des 1. Dan-Grades nur, dass der Karateka das technische Spektrum beherrscht und nun bereit ist, sich mit dem Geist des Karates zu befassen. Die Meistergrade sind unterteilt in 1. bis 10. Dan. Der erste Meistergrad. Hier hat das Lernen allerdings noch kein Ende gefunden, denn es gibt noch neun weitere und höherrangige Meistergrade, die durch den schwarzen Gürtel symbolisiert werden. Der höchste Meistergrad ist der 10. Dan, dessen Träger auch an einem rot-weißen Gürtel zu erkennen sein können. Das kann je nach Stilrichtung verschieden sein. Bis dorthin ist es ein sehr langer Weg und nur sehr wenige Menschen haben den 10. Dan im Karate zu Lebzeiten erreicht. Es heißt auch, dass dieser Grad posthum, also nach dem Tod des Karateka, ehrenhalber verliehen werden kann, um die Leistung und das Wirken des Meisters zu würdigen. Die Techniken werden immer schwieriger, Kata und Bunkai erhalten mehr Bedeutung. Beim schwarzen Gurt gibt es dann weitere Abstufungen. Hier gibt es insgesamt zehn schwarze Gurte.

Der 1928 in Tokio geborene Hidetaka Nishiyama absolvierte seine Prüfung zum 10. Dan im Jahr 2003, also im Alter von 75 Jahren. Mit 15 Jahren hat er begonnen, Karate zu lernen. Er brauchte also 60 Jahre, um vermeintlich das Ziel im Karate Do (Der Weg der leeren Hand) zu erreichen. Vermeintlich heißt hier, dass man nie vergessen darf, dass besonders im Karate immer der Weg das Ziel ist und ein 10. Dan wird nicht bedeuten, dass dessen Träger perfekt ist und nichts mehr hinzulernen kann.

Es sollte immer in Ihrem Besitz bleiben. Bekommen Sie von einer fortgeschrittenen Person oder gar einem/einer Lehrer:in einen Gurt vererbt, ist das etwas Besonderes. Haben Sie den Gürtel umgebunden, hat der Knoten ebenfalls eine Bedeutung. Ist der Knoten noch nicht geschlossen, symbolisieren Sie damit Passivität, das heißt aber nicht Unachtsamkeit.

Diese Farben haben in den unterschiedlichen Arten jedoch nicht durchweg die gleiche Bedeutung. Generell gilt aber, dass ein weißer Gürtel die unterste Klasse darstellt. Je höher die Klasse ist, desto dunkler wird in der Regel der Gürtel - bis hin zum schwarzen Gürtel, dem Meistergrad (japanisch: Dan). Der höchste Meistergrad ist der 10. Dan.