Grüne Medizin: Einzelkämpfer Pflanzen und ihre Heilkraft

Die Natur bietet eine Vielzahl von Pflanzen mit bemerkenswerten heilenden Eigenschaften. Seit Jahrhunderten werden diese Pflanzen in der traditionellen Medizin eingesetzt und finden auch heute in der modernen Pharmazie und Naturheilkunde Anwendung.

Anguraté - Heilkraft aus den Anden

In Peru, auf über 2000 m Höhe, wächst die Heilpflanze Anguraté (Mentzelia cordifolia Dombey). Sie wird seit Jahrtausenden in der südamerikanischen Volksmedizin traditionell bei Magenverstimmung angewendet.

1956 entdeckte der deutsche Diplomvolkswirt Wilhelm E. Ronneburg das beachtenswerte Potenzial der Anguraté-Pflanze für die Behandlung von Verdauungsbeschwerden. Jahrzehnte später zählt Anguraté nach wie vor zu den beliebtesten Produkten und wird gerne als effektive, natürliche und bekömmliche Hilfe bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen, gelegentlichem Sodbrennen und bei verdorbenem Magen verwendet.

Der Arzneitee enthält als einzigen arzneilich wirksamen Bestandteil die geschnittenen Stängel und Zweigspitzen der Pflanze - weitere Wirkstoffe oder Hilfsstoffe sind nicht enthalten. Die gesamte pflanzliche Zubereitung wird als wirksamer Bestandteil angesehen.

Schlüsselblume: befreit die Atemwege

Die Schlüsselblume oder Primel gehört zu den Primelgewächsen (Primulaceae). Sie hat einen kurzen Wurzelstock und trägt samtig behaarte, gewellte Blätter, die rosettenförmig angeordnet sind.

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Ihre charakteristischen goldgelben, glockenförmigen Blüten wachsen in Dolden zu einer Seite geneigt und erinnern an einen Schlüsselbund. Die botanische Bezeichnung Primula veris geht darauf zurück, dass die Schlüsselblume zu den ersten (primus) Boten des Frühlings (veris) gehört.

Die Primel ist in ganz Europa sowie in Teilen Asiens verbreitet und bevorzugt Wiesen, sonnige Böschungen oder trockene Mischwälder.

In der modernen Pflanzenmedizin werden Extrakte aus den Blüten der Schlüsselblume sowie aus dem getrockneten Wurzelstock samt Wurzeln verwendet, die unter anderem Saponine enthalten.

Die schleimlösenden, antientzündlichen sowie antimikrobiellen Eigenschaften werden vor allem bei Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege genutzt. Schlüsselblumenblüten sind beispielsweise in Kombination mit weiteren Heilpflanzen in Sinupret® enthalten, das zur Behandlung von akuten bzw. chronischen Entzündungen der Nasennebenhöhlen und Schnupfen eingesetzt wird. Primelwurzel wird in Bronchipret® Filmtabletten mit Thymianextrakt kombiniert und zur Behandlung von erkältungsbedingtem Husten und Bronchitis angewendet.

Rosmarin: lindert Krämpfe und Entzündungen

Rosmarin gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der immergrüne Strauch besitzt harte, nadelförmige Blätter, die an der Unterseite weiß-filzig behaart sind.

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Auf der Oberfläche tragen die Blätter Drüsenschuppen mit aromatisch duftendem ätherischem Öl. In den Blattachseln stehen kleine blassblaue bis hellviolette Lippenblüten. Die als Gewürz beliebte Pflanze stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wird heute in geeigneten Klimazonen weltweit kultiviert.

Arzneilich werden die getrockneten Blätter und das daraus gewonnene Öl verwendet. Die Blätter enthalten neben dem ätherischen Öl, das vor allem aus Terpenen wie Campher besteht, unter anderem auch Bitter- und Gerbstoffe wie Rosmarinsäure.

Rosmarin wird beispielsweise bei krampfartigen Verdauungsbeschwerden, zur Verbesserung der Leber- und Gallenfunktion sowie äußerlich zur unterstützenden Behandlung bei rheumatischen Erkrankungen, bei Kreislaufbeschwerden und zur Förderung der Wundheilung eingesetzt.

Wegen der entzündungshemmenden und krampflösenden Wirkung sind Rosmarinblätter auch in Kombination mit weiteren Heilpflanzen in Canephron® N enthalten, das zur unterstützenden Therapie bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege eingesetzt wird.

Mönchspfeffer: harmonisiert den weiblichen Zyklus

Mönchspfeffer gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Der Strauch wird bis zu fünf Meter hoch. Er trägt fingerförmig gespreizte Fiederblätter und ährenartig angeordnete, weiße bis bläulich-violette Blüten.

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Die Pflanze ist im Mittelmeerraum bis Westasien beheimatet. Schon in der Antike und auch im Mittelalter galt die Pflanze als anaphrodisierendes Mittel, um den Sexualtrieb zu dämpfen. Daher stammt auch die Bezeichnung Keuschlamm (lat. agnus = Lamm, castus = keusch).

Die Bezeichnung Mönchspfeffer weist außerdem darauf hin, dass die Früchte aufgrund ihres Aussehens und Geschmacks als Pfefferersatz verwendet wurden.

Wichtigstes Anwendungsgebiet seit der Antike sind Frauenleiden. In der modernen Pflanzenmedizin werden Extrakte aus den getrockneten Früchten verwendet, für deren Inhaltsstoffe regulierende Einflüsse auf den weiblichen Hormonhaushalt aufgezeigt werden konnten.

Vitex agnus-castus hat sich insbesondere in der Behandlung des Prämenstruellen Syndroms wie zyklusbedingten Brustschmerzen und zur Harmonisierung des Zyklus bei Menstruationsstörungen bewährt. Agnus-castus-Extrakte sind beispielsweise in den Präparaten Mastodynon® und Agnucaston® enthalten.

Bittere Schleifenblume: heilsam für Magen & Darm

Die Bittere Schleifenblume, auch Bitterer Bauernsenf genannt, ist ein Kreuzblütengewächs (Brassicaceae). Die krautige Pflanze besitzt einen flaumig behaarten Stängel und längliche, an den Rändern gezähnte Blätter. Ihre kleinen, weißen Blüten erinnern an Schleifchen.

Als Früchte bilden sich rundliche Schoten, in denen die Samen stecken. Die Bittere Schleifenblume wächst in Mittel- und Südeuropa und bevorzugt trockenwarme Standorte mit kalkhaltigen und steinigen Lehmböden.

Die Heilpflanze hat eine lange Anwendungstradition vor allem bei Beschwerden des Verdauungstraktes. Arzneilich genutzt wird das Kraut der Pflanze.

Wichtige Inhaltsstoffe sind Senfölglykoside, Flavonoide wie Quercetin und Kaempferol sowie die bitter schmeckenden Cucurbitacine. Das Pflanzenkraut wird eingesetzt, um die Bildung von Verdauungssäften zu regulieren, Krämpfe zu lösen und Entzündungen im Magen-Darm-Trakt zu lindern.

Moringa - Der Wunderbaum

Moringa ist eine der nützlichsten und vielseitigsten Pflanzen, die es auf dieser Erde gibt. Eine Spezies vom Fuße des Himalaya, die von sich reden gemacht hat und vielerorts als Wunderbaum bezeichnet wird.

Diese schnell wachsende, sommergrüne Pflanze wird als Nutz- und Zierpflanze kultiviert, gedeiht auf fast jedem Boden und bildet gefiederte Blätter aus. Die goldfarbenen Blüten duften nach Honig.

Seine Blätter sind ein natürliches, außergewöhnlich vielseitiges Multi-Vitamin und -Mineralstoff und Vitalstoffkonzentrat, seine Samen befreien Wasser von Bakterien und Viren und liefern eines der edelsten und stabilsten Öle. Die Früchte sind Bestandteil von Gewürzmischungen wie z.B.Curry und werden als Gemüse oder roh gegessen.

„Moringa olifeira“ heißt der Baum, der wegen seiner vielfältigen Wirksamkeit auch „Wunderbaum“ oder „Baum des langen Lebens“ genannt wird. Je nach Region ist er auch als Meerrettichbaum, Trommelstockbaum oder Behenbaum bekannt.

Ursprünglich stammt er aus dem indischen Bereich der Himalaya-Region, jedoch wächst er heute weltweit in den tropischen und subtropischen Regionen der Erde in Afrika, Arabien, Südostasiens und den karibischen und kanarischen Inseln.

In Ostafrika gibt es bereits erste Projekte wo er als natürliches Mittel im Kampf gegen Unter- und Fehlernährung erfolgreich genutzt wird, denn in den Blättern des Moringa-Baumes sind sämtliche lebenswichtige Aminosäuren und Fettsäuren enthalten, sowie eine große Bandbreite an Vitaminen und Mineralstoffen die einen höheren Anteil aufweisen als die bekannten Gemüse.

Sein Gehalt an Vitalstoffen ist so hoch, dass bereits geringe Mengen des getrockneten Blattpulvers eingenommen, den empfohlenen Tagesbedarf vieler notwendiger Vitalstoffe deckt. Er liefert die ideale Nahrung, die vielseitig in Küche und Speiseplan eingesetzt werden kann.

Beispielsweise werden:

  • die Blätter und Früchte als Nahrungsmittel (frisch oder getrocknet) verwendet
  • die Blüten als Gewürz, für die Bienenzucht und als Medizin
  • die Samen als Nahrungsmittel, Öl, zur Wasserreinigung und Anpflanzungen
  • die Rinde als Medizin, zur Seil- und Papierherstellung
  • die Wurzeln als Nahrungsmittel und Medizin
  • die Pflanze als Ganzes für Tierfutter, Biomasse für alternative Energie
  • die „Abfallprodukte“ zur Bodenverbesserung, Biodünger und Tierfutter.

Da der Baum gerade in jenen Ländern der Erde gut wächst, in denen oft auch der Hunger groß ist, kann seine gezielte Nutzung Mangelzustände lindern helfen. So berichten Mitarbeiter von afrikanischen Hilfsprojekten, dass Kinder durch nur drei Esslöffel Moringapulver pro Woche deutlich gekräftigt wurden.

Ein Professor eines Tropenzentrums betont, „der Moringabaum ist außerordentlich hilfreich gegen ernährungsbedingte Krankheiten - sowohl bei Unterernährung und gerade auch bei westlicher Fehl- und Mangelernährung.

Die Kombination und Zusammensetzung der Inhaltsstoffe des Moringa-Baumes sind sehr konzentriert, ausgewogen und einzigartig unter allen bekannten Pflanzen. Er enthält einen äußerst hohen Gehalt an Mineralien wie z.B. Pothassium, Magnesium, Kalzium und Phosphor, ausreichende Mengen an Eisen, Zink und Kupfer, Chrom um einige aufzuzählen und obendrein noch 18 essentielle Aminosäuren, die wichtigsten Bausteine zum Aufbau von Proteinen im Körper und Immunsystem. Fast alle Vitamine wie Vitamin A, B1, B2, B3, B6, B7, C, D, E, K und Vitalstoffe, über 46 Antioxidantien und auch den vor kurzem neu entdeckten Botenstoff Zeatin.

Zeatin öffnet die Türen für Vitalstoffe, lässt sie herein und begleitet sie bis an den Platz, wo sie von den Zellen benötigt werden. Zeatin sorgt quasi dafür, dass sämtliche Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren durch den Körper aufgenommen werden. Zeatin, ein wichtiger Regulationsfaktor der Zellen und eine starke Antioxidantie und daher zellschützend und zellregenerierend. Zwar findet man Zeatin in vielen Pflanzen, jedoch meist nur in Mengen von unter einem Mikrogramm pro Gramm. Das Moringa-Blatt dagegen enthält mehr als das Hundert- bis Tausendfache je Gramm.

Ebenso außergewöhnlich ist der hohe Gehalt an Mangan, Chrom und an dem seltenen Bor. Mangan ist unter anderem für gesunde Gelenke und Knochen wichtig und Chrom kommt im Stoffwechsel und bei Stressbelastung eine zentrale Bedeutung zu.

Bor wurde bisher nicht zur Gruppe der lebenswichtigen Spurenelemente gerechnet, doch in den letzten Jahren wird seine Bedeutung immer mehr erkannt: Bor ist grundlegend für den Aufbau von Serin, einer Aminosäure, die in nahezu allen Proteinen des menschlichen Organismus enthalten ist.

Bor spielt für den Calcium-, Magnesium und Phosphorhaushalt eine dominante Rolle und wird medizinisch erfolgreich bei Osteoporose eingesetzt. Es reduziert stressbedingte Oxidation, hemmt die Zellteilungsrate von Zellen ohne Differenzierung (wie Krebszellen) und ist dasjenige Spurenelement, was normalerweise im Gehirn am meisten zu finden ist.

Elementares Bor ist jedoch giftig, als Nahrungsergänzung eignen sich daher nur Pflanzen mit hohem Borgehalt - allen voran Moringa-Blätter, die mit 31 Milligramm je 100 Gramm den höchsten Gehalt besitzen. Größere Mengen an organischen Borverbindungen besitzen sonst nur Quitten (ca. 10mg je 100g), Mandeln (3,4mg) und Rote Beete (2,1mg je 100g).

Moringa ist wahrscheinlich das vollkommenste und vollendete LEBENSmittel (nicht Nahrungsprodukt!), das alle Nährstoffe enthält, die der Mensch vom Mutterleib, als heranwachsender Fötus, bis ins hohe Alter benötigt.

Er ist ein Phänomen unter den Nahrungspflanzen.

Jeder kann aber die erstaunliche Kraft des Moringa-Baumes in Form von Blattpulver oder eines eigenen Moringabaums im Wohnzimmer nutzen. Das Pulver oder die Blätter können in Suppen, Speisen und ins Müsli gestreut, als Tee getrunken werden.

Als Tee hat Moringa einen Geschmack, der ein wenig an Brennnesseln erinnert; beim Einnehmen des Pulvers wird die leichte Schärfe von den enthaltenen Senfölen deutlicher spürbar.

Nährstoffgehalt von Moringa-Blättern (pro 100g)
Nährstoff Menge
Bor 31 mg

Bioökonomie - Grüne Chemie

Das Projekt “Bio-Ökonomie - Grüne Chemie” richtet sich mehr als das Vorgängerprojekt „Bio-Ökonomie im Non-Food-Sektor“ auf die Förderung der „grünen Chemie“; unter anderem sind neue Projekte zu Inhaltsstoffen wie z. B. Fettsäuren und Proteinen aus Pflanzen für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie geplant.

Dies führt auch dazu, dass neue Unternehmen und Hochschulen am Projekt teilnehmen werden (z.B. Hochschule Emden und Hanzehogeschool Groningen). Beim Thema Inhaltsstoffe geht es um eine höherwertige Nutzung von Komponenten aus Biomasse. Eine Anwendung, die hoch in der sogenannten Wertschöpfungspyramide grüner Rohstoffe steht. Hier steht die Prozess- und Produktinnovation an erster Stelle.

Produktentwicklung im Zusammenhang mit Nassanbau (Paludikulturen) ist ein weiteres neues Thema, das aus der Notwendigkeit entstand, Moorgebiete wieder zu vernässen aber auch rentabel zu bewirtschaften. Es wird eng mit KMU zusammengearbeitet und auf deren Wünsche hin werden neue Produkte entwickelt.

Dabei wird auf die Projektergebnisse aus dem bisherigen Bio-Ökonomie-Projekt zurückgegriffen. Im 3D-Druck und im Mikrospritzguss werden neben den bisher verwendeten Naturfasern nun auch Reststoffe aus der Textilindustrie (Bastfasern- und Baumwollkämmlingen sowie Wolle und Seide) bezüglich ihrer Eignung getestet.

Zudem sollen mit Hilfe neuer Biopolymere wie z. B. hochtemperaturstabiles PLA, PHAs (Polyhydroxyalkanoate) und TPS (Thermoplastische Stärke) neue Rezepturen für individuelle Anwendungen sowie neue Werkstoffe hergestellt werden, die z. B. in Salzwasser besser biologisch abbaubar sind, um so der steigenden Menge an Mikroplastik im Meer entgegen zu wirken.

Ein wichtiger Teil des Projektes ist der Austausch und die Weitergabe von Informationen. Diesem Wissenstransfer dient das „Advanced Study Programme II“, das gegenüber seinem Vorläuferprogramm thematisch noch mehr in die Tiefe geht und neue Zielgruppen ansprechen soll.

Geplant ist, jährlich ein Treffen für die gesamte Grenzregion zum Thema Bioökonomie zu organisieren, zu dem Teilnehmer an biobasierten Programmen und Kooperationsverbände eingeladen werden, um sich kennen zu lernen und Informationen auszutauschen Darüber hinaus ist Platz für einige neue innovative KMU-Projekte.

Eine neue Herangehensweise bei der Entwicklung der Innovativen Projekte (im Offenen Projektteil) ist, dass ein Expertenteam konkrete Produktlinien aus den Anträgen identifiziert und dass dann ein grenzübergreifendes Konsortium für die Entwicklung gebildet wird.