Gonosen no Kata Judo: Eine detaillierte Erklärung

Die Nage-Waza-Ura no-Kata gehört zu der Gruppe der Go-no-sen-no-Kata (Form der Gegenwürfe). Sie wurde von Kyuzo Mifune (1883-1965; 10. Dan Judo) entwickelt.

„Kata“ bedeutet im Wortsinn Form, Stil, Muster. Im Judo gibt es verschiedene Kata, die jeweils spezifische Aspekte der Kampfkunst vermitteln.

Jigoro Kano beabsichtigte im Jahre 1938 diese von Kyuzo Mifune entwickelte Kata in das Programm des Kodokan aufzunehmen, verstarb dann aber. Seine Nachfolger an der Spitze des Kodokan haben diese, wie auch andere Kata, jedoch nicht mehr eingeführt. Gleichwohl wird sie noch an verschiedenen Dojo, darunter auch im Kodokan und der Meiji-Universität unterrichtet. Diese Kata, die im Drei-Schritt-Rhythmus in Form von Tsugi-ashi ausgeführt wird, ähnelt insoweit der Nage no Kata und umfasst u.a. auch Gegenwürfe zu den ersten drei Gruppen dieser Kata.

Quelle:Deutscher Judo-Bund (Hrsg.): Begleitheft zum Dan-Prüfungsprogramm. Ein Nachschlagewerk zu verschiedenen Themen der Dan-Prüfungsordnung im Deutschen Judo Bund e.V. 106).Der Inhalt wurde leicht verkürzt und ergänzt.

Go no sen: Die Kunst des Konterns

Go no sen ist eine von drei grundlegenden Strategien, die frei übersetzt werden kann mit Kontern. Bei der Ausgestaltung dieser Kata stand die Erkenntnis im Vordergrund, dass es praktisch unmöglich ist, sich gegen einen Angreifer wirksam zu schützen, wenn der Verteidiger nicht selbst bestimmte, grundlegende Verhaltensweisen beherrscht und besondere Reflexe entwickelt hat.

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Auch mit einem vollkommenen Wissen über die verschiedenen Verteidigungsbewegungen gegen die unterschiedlichen Angriffe ist es sonst unmöglich, sich wirksam zu verteidigen. Denn zum einen weiß der Angreifer stets im Voraus, welchen Angriff er anwenden wird. Zum anderen hat er die entsprechenden Fertigkeiten für seine Lieblingstechnik ebenso automatisiert, wie der Judoka seine bevorzugte Technik (Tokui waza).

In der Selbstverteidigung ist dagegen die Kenntnis des Abstands, wie zwei Personen sich einander nähern und aus welcher Richtung, wie sie zufassen, wie sie mit der Faust schlagen und dem Fuß treten usw. in bestimmten Fällen wichtiger, als die Techniken der Selbstverteidigung selbst.

Für Tori ist es stets wichtig, eine Stellung einzunehmen, die verhindert, dass er besiegt wird. Sie muss ihn zugleich befähigen, in jedem Augenblick zweckmäßig zu handeln und eine in den Händen und Füßen konzentrierte Kraft zu nutzen. Dabei ist es das Wichtigste für ihn, sich vollständig aufrecht zu halten und den Gegner gut zu beobachten. Deshalb steht er stets vollkommen gerade, fest und zugleich geschmeidig in einem dynamischen Gleichgewicht, so dass er jederzeit entsprechend den Erfordernissen agieren oder reagieren und sich auf die folgenden Angriffe vorbereiten kann. Dabei hält er den Nacken gerade und sieht Uke unmittelbar ins Gesicht.

Die Bedeutung der Kata im Judo

Jigoro Kano stellte im Jahr 1887 die Ju no Kata als Kodokan-Kata vor. Die Ju no Kata erleichtert es dem Judoka, durch die harmonische Verbindung mit den Angriffen und Verteidigungen des Partners Atmung und Technik zu schulen und die Grundlagen und Bewegungen des Judo zu erfahren (Kata als Mittel zum Bewegungslernen).

Uke und Tori arbeiten nicht gegeneinander, sondern miteinander und lernen auf diese Weise voneinander (Moralisches Prinzip des Judo, d.h. gegenseitige Hilfe zu beiderseitigem Wohlergehen; Ji ta kyo ei). Mit ihren stilisierten Angriffen und durch die ausgeprägte Darstellung des Nachgebens als Mittel der Verteidigung führt die Ju no Kata Theorie und Praxis zusammen. Die langsam fließenden Aktionen und Reaktionen erfordern ein hohes Maß an Genauigkeit.

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Der Handlungsablauf stärkt die körperliche und geistige Konzentration sowie die Sensibilität des Körpers für Zeit und Raum, lenkt die Aufmerksamkeit durch gleichsam meditative Bewegungsübung nach innen und gleicht Anspannung und Entspannung aus, indem er Geschicklichkeit zum Vernichten von Gewalt nutzt. Weil Ju no Kata verschiedene natürliche, effektive Bewegungen enthält, Bewegungen wie Beugen, Dehnen und Drehen (Tai sabaki) ist sie sehr wirkungsvoll, um den Körper rundum zu entwickeln und in einen guten konditionell-technischen Zustand zu bringen. Ju no Kata lockert das Rückgrat und die Schultern und macht sie beweglich und stärkt zugleich die Muskeln des Rumpfes und der Beine. Die Wirkung des Dehnens und Kräftigens wird insbesondere durch Halten der Endposition erreicht.

Ju no Kata weist einen weiteren Vorteil auf. Frauen und Männer, Junge und Alte mit oder ohne Judogi können sie ausüben. Im zielstrebigen Gegeneinander der Aktionen von Uke und Tori geht Genauigkeit vor Schnelligkeit und Krafteinsatz. Tori achtet stets darauf, Ukes Angriffen nicht zu früh auszuweichen. Er leitet die gegnerische Kraft weiter und um und verdeutlicht die Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit seiner Bewegungen.

Tori zielt letztlich darauf ab, Ukes Beweglichkeit unter Wahrung der eigenen Stabilität erkennbar einzuschränken und ihn so aus dem Gleichgewicht zu bringen, dass er sich in der Endphase nicht mehr oder nur noch wenig bewegen kann. Tori und Uke ergreifen niemals den Stoff des Judogi. Das Verstehen und die Ausführung dieser Kata setzt ein gutes Wissen um alle Techniken des Judo, insbesondere des Würgens und der Hebel und ebenso der Selbstverteidigung durch Tritt- und Schlagtechniken voraus.

Tori ergreift niemals die Initiative. Er wartet gelassen, den Körper entspannt, aber mit ständig wachsamem Geist (Zanshin, d.h. „sechster Sinn“) und unternimmt nichts, als auf den Angriff Ukes mit aller Entschiedenheit zu reagieren.

Kime no Kata: Die Kata des wirklichen Kampfes

Kime no Kata ist die Kata des wirklichen Kampfes (Shinken shobu no kata), deren Atmosphäre durchdrungen ist von jenem „Geist der Entscheidung“ (Kime), der eine Technik beseelen muss, wenn es das angestrebte Ziel ist, die lebenswichtigen Punkte des Gegners anzugreifen, um ihn sicher zu besiegen. Die Zahl fünf ist im asiatischen Raum sehr bedeutungsträchtig. Sie hat in der chinesischen und japanischen Philosophie einen tiefen Sinn. Für Chinesen und Japaner bestand der Kosmos und alles in ihm aus fünf eher abstrakten Elementen (China: Wasser, Feuer, Holz, Metall, Erde; Japan: Feuer, Wasser, Wind, Erde, Leere, d.h.

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Nach eingehendem Studium der Lehrsysteme alter Ju jutsu-Schulen, insbesondere der Tenjin shin’yo ryu, hatte Kano die Überzeugung gewonnen, dass er die fünf (Itsutsu) Prinzipien gefunden habe, die alle kriegerischen Künste beherrschten. Ippon me Fortwährender Angriff bringt auch gegen starke Kraft den Sieg (fließendes, sich stauendes Wasser). Nihon me Die Angriffsenergie des Gegners gebrauchen (umleiten), um ihn zu besiegen (stürmische Welle), d.h. Siegen durch Nachgeben. Sanbon me Wirbelwind oder Wasserstrudel, bei dem der innere Ring den äußeren kontrolliert. Yonhon me Kraft der Gezeiten, die alles von der Küste in den Ozean ziehen will, wie groß es auch sein mag (Sog einer großen Welle).

Jigoro Kano hat von seiner Itsutsu-no-kata im Hinblick auf ihren symbolischen Gehalt gesagt, dass sie das „Herz des Judo“ enthalte. Den Lehren der Kito-Schule lagen vor allem die Prinzipien des Wa (Harmonie, Einklang, Flüssigkeit) und des Ju (Biegsamkeit, Weichheit, Geschmeidigkeit). Die Ryu verfolgte aber auch höhere, erhabenere, esoterische und geistige Ziele, sich selbst in den Einklang mit dem Universum zu bringen.

Professor Keno war einer der letzten Schüler der Kito-Ryu, der aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten noch in die geheimen Lehren dieser Schule eingeweiht wurde. Die Techniken der Kito-Ryu wurden schnell, fließend und unmittelbar ausgeführt und beruhten in ihrer Wirksamkeit vor allem auf dem Freisetzen der inneren Energie. lm Vordergrund der Nage waza standen schleudernde und Opferwürfe (sutemi waza). Diese Kata hat Kano aus den fünf Kata der Kito-Schule zusammengestellt, weshalb sie auch Kito ryu no kata, Kata der Kito-Schule, genannt wird.

Auch der Begründer des modernen Aikido, Morihei Ueshiba hat lange Jahre ebenso Ju Jitsu an der Kito ryu studiert wie Kenji Tomiki, der ebenfalls eine in Japan und Amerika berühmte Aikidoschule ins Leben rief. Solange Jigoro Kane lebte, war diese Kata seine Lieblingskata, die er als Tori in einen feierlichen schwarzen Hakama gekleidet mit seinen Schülern Yamashi-ta Yoshioka (10. Dan) und lsogai Haji-me (10. Dan) demonstrierte.

Koshiki no Kata: Eine Verbindung zur Vergangenheit

Koshiki no Kata stellt ein wesentliches Bindeglied zwischen dem alten Ju Jitsu und dem modernen Judo dar Ihre Techniken bauen auf den Erfahrungen auf, welche die Berufskrieger (Samurai) auf den Schlachtfeldern im Kampfgetümmel des Nahkampfes (kumi uchi) über Jahrhunderte hinweg gesammelt hatten, wenn sie sich im tödlichen Kräftemessen nach dem Verlust ihrer Waffen mit bloßen Händen gegenüber standen.

Die kräftigen Beinschienen, abnehmbaren Schenkelpanzer, metallbeschlagenen Ärmel, der aus Eisenlamellen gefertigte Leibpanzer, die breiten Schulterklappen, der eiserne Kragen mit metallener Latz, die grimmige Maske aus lackiertem Eisen und ein Helm mit Schirm und eisengepanzertem Nackenschutz (shikorol) ließen leichtfüßiges Ausweichen und flinkes Handeln nur in sehr eng begrenztem Maße zur Diese schweren Rüstungen der Feudalzeit(yoroi) boten zudem im Kampf Mann gegen Mann nur ganz bestimmte, eingeschränkt wirksame Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten.

Diese Kata umfasst insgesamt 2 Angriffe und Verteidigungen, die in zwei Gruppen, Omote und Ura, gegliedert sind. Omote (von vorn, auf der Stelle, positiv; erkennbar; grundlegend im übertragenen Sinne) umfasst 14 Techniken, die einem gemessenen Rhythmus folgend, mit deutlichen Pausen zwischen den Würfen dargestellt werden Jeweils zwei Techniken sind komplementär miteinander verbunden. Uke versucht, Tori nach erfolglosem erstem Angriff mit einer ähnlichen zweiten Attacke zu bedrängen. Tori und Uke bewegen sich entsprechend dem Gewicht der Panzer, in die sie aktiv eingekleidet sind, mit Ernsthaftigkeit, ein wenig steif, würdevoll und unerschütterlich wie ein schwerer Stein und folgen fast feierlich einem langsamen Rhythmus. Das Tai sabaki der Vorführenden erscheint starr und künstlich, vergleichbar dem Vorrücken eines Automaten.

Die zweite Gruppe, Ura (nach hinten, Rückseite, negativ; verborgen), umfasst sieben Handlungen, die sich im Gegensatz zu der ersten Serie in schnellerer Ausführung ununterbrochen und ohne unnützen Zeitverlust aneinander reihen. Koshiki no kata verdeutlicht das Prinzip des lu. Körperbewegungen und Krafteinsatz werden ohne Anstrengung ausgeführt und versetzen Tori in die Lage, Uke unter Kontrolle zu bringen, ohne gegen dessen Kraft anzukämpfen. Die grundlegenden Techniken für das Verständnis dieser Kata ist die Kenntnis der Prinzipien von Tai (Haltung des Aufbruchs, d. h. gerüstet sein für die folgenden Angriffe Ukes) und Yume no uchi. Sie lehren sowohl, dass wenige Wurfprinzipien auf viele Arten und Weisen erfolgreich angewendet werden können (z. B. Yoko wakare in den unterschiedlichsten Anwendungsformen sowohl als Yoko sutemi waza als auch als Ma suterni waza) als auch äußere Gelassenheit als auch innere Ruhe.

Die Theorie der Beziehungen zwischen Geist und Körper lehrt, dass körperliche Ruhe (zu der die Grundstellung Tai beiträgt) unmittelbar zur geistigen führt und umgekehrt. Dieser Artikel wurde von Sensei Tom Kohlrausch geschrieben. Diese von KANO Jigoro geschaffene Kata ist eine der intere...

Die Enstehung des Judo

Judo ist eine japanische Kampfsportart, die von Prof. Jigoro Kano aus dem klassischen Jujutsu entwickelt wurde. Dieser Artikel gibt eine kurzen Einblick in die Judo-Enstehung und dessen Geschichte. Jigoro Kano wird am 28. Kano nimmt an der IOC Sitzung in Kairo teil, und schlägt dort Tokyo als Austragungsort der 12. Olympischen Spiele vor. Auf der Rückreise stirbt Kano am 4.

Judo entstand in einer Epoche großer politischen und kulturellen Umbrüche. In der Zeit des Tokugawa-Shogunats sichert sich der Shogun, unter strenger Absperrung Japans von der Außenwelt, seine Macht mit polizeistaatlichen Mitteln. In der damals vorherrschenden Feudalordnung fanden sich der Hofadel (Kyuge), die Lehnsherren (Daimyo), die Beamten und Vasallen (Samurai) sowie das Volk (Heimin) wieder. 1868 brach nach über dreihundertjähriger Regierungszeit das Tokugawa-Shogunat zusammen, ihm schloss sich die Meiji-Ära (1886-1912, „Zeit des erleuchteten Regierung des Kaisers“) an.

Einführung der allgemeine Wehrpflicht, sowie Aufbau eines Heeres nach europäischen (französischem beziehungsweise preußischem) Vorbild. In kurzer Zeit übernahm Japan die allg. Einführung einer neuen Verfassung mit dem unabsetzbaren Kaiser als Spitze der Staatsgewalt. Aufstieg zur Großmacht. Ein starker Anstieg der Bevölkerung (Verdoppelung der Bevölkerung von 1867 bis 1913 auf 53 Mill.) fordert die Industrialisierung. Durch den starken Lerneifer und die Disziplin des japanischen Volkes gelingt ein rascher Anschluss an die Weltwirtschaft.

Während des Feudalismus wurden in Japan eine Vielzahl verschiedener Kampfkünste praktiziert. Bei den meisten war die Verwendung von Lanzen, Schwertern, Dolchen und anderen Waffen üblich. Die Meister (Lehrer) dieser Kampfkünste waren Mitglieder der Samurai (eine Kriegerkaste). In dieser Zeit (1603-1886) entwickelte sich das Jujutsu zu einer komplexen Kampfkunst mit einer Vielzahl von Stilrichtungen. Jeder Meister hatte seine Dojo, und die Schüler eines Meister waren ihm zur Treue verpflichtet, d.h. Am Ende des Tokugawa-Shogunat gab es etwa 700 Jujutsu-Schulen, die eigentlich mit dem Verbot des Tragens von Waffen (1872) und der Auf|lösung der Samurai-Kaste (1877) geschlossen werden sollten.

Während der Zeit des Umbruchs besann sich das Volk auf seine Traditionen und die Jujutsu-Schulen bekamen mehr und mehr Zulauf. Nach der Meji-Revolution siedelte Kanos Familie 1871 nach Tokyo. Kano besuchte dort die Kaiserliche Universität. Während der Studienzeit begann Kano über die Möglichkeit nachzudenken, wie die Harmonie von Körper und Geist zu erreichen wäre. Im Verlauf der nächsten Jahre lernte er Jujutsu bei verschiedenen Meistern, darunter auch Fukuda Hachinosuke und Iso Masatomo oder Ikubo Tsunetoshi. Er lernte dabei die verschiedenen Stile und Schwerpunkte der verschiedenen Meister kennen. Die einzelnen Jujutsu-Meister akzeptierten nur ihre eigene Meinung und verklärten die einzelnen Techniken mit blumigen Namen.

Dadurch das Kano bei verschiedenen Meistern lernte, bemerkte er insbesondere die Unterschiede der verschiedenen Jujutsu-Stilrichtungen. Kano musste oft entscheiden, welche Technik „richtig“ ist, da die Meister widersprüchliche Ansichten hatten. Um diesem Dilemma zu entrinnen, versuchte Kano das grundlegende Prinzip des Jujutsu zu entdecken. Er wollte eine Prinzip finden, das sowohl bei den Wurftechniken als auch den Schlagtechniken gilt. Als allen Techniken zu Grunde liegendes Prinzip formulierte Kano: „den effizientesten Gebrauch der physischen und psychischen Energie„.

Kano untersuchte alle ihm bekannten Jujutsu-Techniken auf Einhaltung dieses Prinzips. Die Techniken, die nicht diesem Prinzip gehorchten verwarf er und ersetzte sie durch Techniken die ihm entsprachen. Der Begriff Judo ist keine Erfindung von Kano, er wurde bereits in der Tokgawa-Epoche, eine der der vielen Jujutsu-Schulen nannte ihren Stil „Judo“. Kano wählte den Begriff Judo um diesen Stil von dem klassischen Jujutsu zu unterscheiden. Die Wörter jujutsu und judo werden beide mit zwei chinesischen Zeichen geschrieben. Das ju in beiden ist dasselbe und hat die Bedeutung „Sanftheit“ oder „nachgeben“.

Die Bedeutung von jutsu ist „Kunst,Übung „, und do bedeutet „Prinzip“ oder „Weg“; der Weg als dem Leben zugrundeliegendes Konzept. Jujutsu kann übersetzt werden als „die sanfte Kunst“ und Judo als „der sanfte Weg“, mit der Implikation erst nachzugeben, um schließlich den Sieg zu erringen. Das Kodokan ist, wörtlich, „die Schule um den Weg zu studieren“. Judo ist mehr als eine Kunst des Angriffs und der Verteidigung. Dieses Grundprinzip erläutert Kano mit folgendem Beispiel: Angenommen ein Mann mit der Stärke 10 steht vor mir, meine eigene Stärke hat den Wert 7. Wenn er mich so kräftig wie er kann stößt werde ich umfallen, egal wie stark ich dagegenhalte. Das ist das Gegenteil: Kraft gegen Kraft.

Gebe ich ihm den Weg (Platz) seinen Schlag auszuführen (weiche also aus), so wird er das Gleichgewicht verlieren während ich mein Gleichgewicht behalte. Geschwächt durch den Verlust den Gleichgewichts wird mein Gegner nicht mit seiner ganzen Kraft kämpfen können. Seine Stärke ist vielleicht auf 3 gefallen. Ich besitze immer noch eine Stärke von 7 und kann mich nun mit der Hälfte meiner Kraft verteidigen. In einem weiteren Beispiel folgert Kano, einen weiteren Grundsatz des Judos aus dem Prinzip des effizientesten Gebrauchens der physischen und psychischen Energie: Den Gebrauch von Hebeln.

Um einen Gegner zu werfen, ist also manchmal das Prinzip des Hebels wichtiger als das des Nachgebens. Jujutsu beinhaltet auch die Methoden des direkten Angriffs, wie schlagen, treten oder würgen. Wird dies berücksichtigt, so vermittelt die Bedeutung „Kunst des Nachgeben“ nicht die wahre Bedeutung des Jujutsu. Wenn wir Jujutsu als die Kunst oder die Übung der effizientesten Nutzung der psychischen und physischen Energie akzeptieren, können wir Judo als den Weg, das Prinzip dies zu Tun auf|fassen.

Von den Vertretern des klassischen Jujutsu wurde Kanos Kodokan immer wieder als „Intellektuellen-Schule“ angegriffen. Sie sprachen Kano jegliche Kompetenzen ab und entfachten wahre Schlammschlachten in der Presse. Zudem provozierten Sie Zusammenstöße außerhalb der Dojo mit Kanos Schülern. Im Jahr 1886 versuchte die kaiserliche Polizeiverwaltung Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Dazu ordnete Sie einen Entscheidungskampf zwischen den Schulen Kanos und der Totsuka Hikosuke (Kanos größtem Widersacher) an. Beide Schulen traten mit einer Mannschaft aus je 15 Kämpfern an. In 30 Kämpfen gewannen Kanos Schüler und zwei Kämpfe endeten unentschieden.

Hatten die Schüler Kanos verloren, wäre das Kodokan (und damit Judo) sicher verboten worden, da die Polizeiverwaltung als Norm eine besonders effektive Schule auswählen wollte (und alle anderen verbieten). Der triumphierende Sieg des modernen Judos über das klassische Jujutsu führte dazu, da Judo sehr rasch bei der Polizei und Armee eingeführt wurde. Zum klassischen Judo gehören neben den Wurftechniken (Nage-waza) und den fixierenden Techniken (Ich verwende den Ausdruck „fixierende Techniken“ für die Katame-waza, da er mir am geeignetsten erscheint.

Der Begriff „Festhaltetechniken“ ist bereits als deutsche Bezeichnung der Osaekomi-waza üblich.) (Katame-waza) auch die Schlagtechniken (Atemi-waza). Katame-waza wird meist mit Bodentechnik übersetzt. Dies entspricht aber nicht der eigentlichen Bedeutung. Mit Katame-waza werden Techniken bezeichnet, mit denen der Gegner fixiert, bzw. kontrolliert wird. Dazu gehören die Haltegriffe (Osaekomi-waza), die Hebel (Kansetsu-waza) und die Würger (Shime-waza). Bei allen Techniken aus dieser Technikgruppe wird der Gegner bewegungsunfähig kontrolliert, entweder indem er physisch festgehalten wird, oder indem ihm Schmerz zugeführt werden kann. Die Hebel- und Würgetechniken eignen sich auch, um einem Gegner im Stand zu fixieren.

Ziel der Techniken der Atemi-waza ist es, den Gegner durch Angriffe mit der Faust, der Handkante, den Fingerspitzen, den Ellenbogen, den Knien, Fußballen, den Zehen, der Stirn oder des Hinterkopfes außer Gefecht zu setzen. Es handelt sich dabei um Selbstverteidigungstechniken. Bei der Atemi-waza werden besonders lebenswichtige Körperstellen angegriffen, dazu gehören z.B. die Augen, die Nase, der Solar Plexus oder die Hoden. Ein kraftvoller Angriff auf diese Körperstellen kann Schmerzen, Bewusstlosigkeit, Koma, Behinderungen oder sogar den Tod verursachen. Deshalb werden diese Techniken auch nie im Randori (Übungskampf) trainiert, den dort kann die Kraft eines solchen Angriffs nicht kontrolliert werden.

Aber auch der Umgang mit Messer, Stock und Pistole gehorten zur Atemi-waza und die Dan-Träger am Kodokan musste auch die Verteidigung gegen solche Angriffe lernen (siehe z.B. Es handelt sich dabei um Techniken der Akupressur (teilweise auch Akkupunktur), die von den Lehren der alten Jujutsu-Schulen weitergeben und entwickelt wurden. Die Verfahren des Kappo, also der sensiblen Körperpunkte, nach Auf|fassung der chinesischen Medizin, wurden nur vom Leiter der Jujutsu-Schule an den besten Schüler weitergegeben, den das Erlernen des Kappo brachte auch immer ein Erlernen des Sappo, der Techniken zur Schädigung der lebenswichtigen Körperpunkte mit sich.

Kano verfolgte mit dem Judo-Training hauptsächlich zwei Aspekte, die geistige und physische Entwicklung des Körpers sowie das Training von Angriff und Verteidigung. Randori bedeutet freie Übungform. Die Partner verhalten sich wie in einem Wettkampf. Sie dürfen werfen, hebeln, würgen und festhalten, aber nicht treten oder schlagen. Kata ist eine formale Übung. Es handelt sich um ein System von vorgegebenen Bewegungsabläufen, um die Grundlagen des Angriffs und der Verteidigung zu lernen. Die Kata sind in den meisten westlichen Ländern nicht so beliebt und werden oft nur im Zusammenhang der Dan-Prüfungen trainiert. Die Kata ist aber ein fester (und wichtiger) Bestandteil des klassischen Judo.

Zusätzlich zu den Techniken der Nage-waza und der Katame-waza beinhaltet die Kata auch Schläge, Stiche, Tritte und eine Vielzahl anderer Techniken und Angriffe. Die Techniken der Atemi-waza werden nur in der Kata trainiert, da durch die Vorgaben jeder Partner weis was der andere machen wird, kann dies ohne Verletzungsrisiko geschehen. A. Dolin. Kempo. J. Kano. J. Kano. Kodokan Judo. H. Kinder and W. Hilgemann. dtv, Atlas zur Weltgeschichte 2. M. Maekawa. Jigoro Kano’s thoughts on judo. M. Maekawa and Y. Hasegawa. Studies on Jigoro Kano. S. Oimatsu. The way of seiryoku zenyo - jita kyoei and its instruction. K. Tomiki. Kokokan judo and its technical development which contributed to the modernization of budo.