Gleison Tibau: Eine Karriere im Zeichen des MMA

Gleison Tibau ist einer der bekanntesten Trainer des Spitfire-Gyms und einer der erfolgreichsten Leichtgewichtskämpfer aller Zeiten.

Frühe Karriere und UFC-Debüt

Vor einem Monat wurde berichtet, dass der langjährige UFC-Veteran Gleison Tibau auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber ist. Tibau konnte in seiner langen Karriere unter anderem Rafael dos Anjos, Jeremy Stephens, Francisco Trinaldo und Pat Healy besiegen und konnte auch seinen Kampf gegen Khabib Nurmagomedov in den Augen der meisten Fans und Experten gewinnen.

Der Kampf gegen Khabib Nurmagomedov

Tibau gilt als der einzige Kämpfer, der den aktuellen UFC Lightweight Champion Khabib Nurmagomedov an den Rande einer Niederlage treiben konnte.

Wechsel zu Golden Boy MMA

Nun hat der Brasilianer einen solchen gefunden: Golden Boy MMA. Die von Oscar de La Hoya gegründete Kampfsportpromotion Golden Boy war bisher nur Veranstalter von Boxkämpfen, wagt nun am 24. November 2018 aber auch erstmals den Schritt ins Mixed Martial Arts.

Mit Gleison Tibau wurde nun der erste Kämpfer für die PPV-Undercard verpflichtet. Wer sein Gegner wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar.

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Bezüglich der Gewichtsklasse ist sowohl das Leichtgewicht (155 lbs.) als auch das Weltergewicht (170 lbs.) im Bereich des Möglichen. Tibau selbst sagte aber schon, dass er sich im Weltergewicht sehr wohl und weiterhin dort antreten möchte.

Herausforderungen und Rückschläge

Heute Nacht geht es für Gleison Tibau bei UFC Fight Night 131 gegen Desmond Green um alles. Drei Niederlagen in Folge und finanzielle Not nach einer zweijährigen Doping-Sperre haben den 34-Jährigen in eine Situation gebracht, in der ein Sieg mehr als nur Pflicht ist.

„Ich denke momentan überhaupt nicht über meine Kampfbilanz nach, ich hab es nur auf den Sieg abgezielt“, sagte Tibau über seinen anstehenden Kampf. „Ich brauche diesen Sieg, um etwas zur Ruhe zu kommen, um atmen zu können. Ich bin nach einer langen und schlimmen Zeit in meiner Karriere ins Octagon zurückgekehrt und hatte nicht den Erfolg, den ich erwartet hatte.

Tibau musste zuletzt eine lange Zwangspause einlegen, nachdem er Ende 2015 gleich durch zwei Dopingtests gefallen war, unter anderem direkt nach seinem Kampf gegen Abel Trujillo. Man konnte ihm die Einnahme der leistungssteigernden Substanz EPO nachweisen.

Als Tibau dann nach 24 Monaten Sperre wieder fürs Kämpfen freigegeben wurde, nahm er im Januar dieses Jahres direkt einen Kampf gegen Islam Makhachev bei UFC 220 an und wurde nach nicht einmal einer Minute K.o. geschlagen.

Wie Tibau nun erklärte, hatte er sich in der Vorbereitung auf den Kampf die Hand gebrochen und sich einen Bizepsriss zugezogen. „Bei meinem letzten Trainingscamp hatte ich viele Verletzungen“, sagte Tibau über seine Vorbereitung auf seinen Comeback-Kampf Anfang 2018.

„Die Ärzte wollten mich aus dem Kampf nehmen, aber ich konnte nicht absagen. Ich habe ihnen gesagt, dass ich kämpfen muss, weil ich kein Geld mehr übrig habe. Ich musste kämpfen, um an Geld zu kommen. Ich sagte meinen Trainern, dass mir das Ergebnis egal sei. Ich hätte mit nur einem Arm oder einem Bein gekämpft. Ich musste einfach kämpfen. Aber diesmal habe ich keine Verletzungen.

Im Vorprogramm von UFC Fight Night 131 steht Tibau nun Desmond Green gegenüber.

„Es wird diesmal anders laufen, weil ich viel aufmerksamer sein und mit mehr Rhythmus kämpfen werde“, so Tibau. „Ich werde keine Angst vorm Grappling oder Faustkampf haben, da ich keine Schmerzen habe.

Trainer im Spitfire Gym

MMA, Ringen, Brazilian Jiu Jitsu, No-Gi, Kickboxen, Thaiboxen, Boxen, Kurse nur für Frauen oder Kinder: Auf 3600 Quadratmetern schlägt Wedding ab 29. September im Spitfire-Gym zu, Europas größtes MMA-Studio.

Das Spitfire Gym als Talentschmiede

Das Spitfire Gym gibt es jetzt in XXXL. Wo früher ein Real-Markt sein Zuhause hatte, ist nun das Spitifre Gym beheimatet. Für Kampfsportbegeisterte dürfte die Halle mit den hohen Decken und dem imposanten MMA-Käfig etwas Tempelartiges haben.

Der Großteil der Kurse im Spitfire ist auf Hobbysportler zugeschnitten. Ganz anders war es im "alten Spitfire", das ntv.de vor rund eineinhalb Jahren unter die Lupe genommen hatte. Schon damals war das Gym gut besucht, stieß aber regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen, wie sich Geschäftsführer und Leiter Yigit Muk zurückerinnert.

"Die 500 Quadratmeter waren für ein Studio im Kampfsportbereich schon nicht übel, mit dem enormen Zulauf sind wir in den Räumlichkeiten aber irgendwann überhaupt nicht mehr zurechtgekommen. Die Leute standen sich gegenseitig auf den Füßen."

Im Schillerparkcenter ist Muk zusammen mit seinem Geschäftspartner Bünyamin Topal schließlich fündig geworden. Die Ausmaße sind gigantisch. 3600 Quadratmeter misst die gesamte Anlage, alleine die Mattenfläche beträgt 1200 Quadratmeter. "Die Entscheidung, so ein großes Gym zu betreiben, war nicht ohne Risiken", betont Muk.

Aber die Tendenzen, die man in den letzten Jahren gesehen hat, hätten viele Zweifel zerstreut. Trotz des Umzugs in den Wedding sind fast alle dem Spitfire treu geblieben, mittlerweile liegt die Zahl der Mitglieder bei mehreren Tausend.

Internationale Trainer für alle Mitglieder

Eine Recovery-Anlage mit Sauna, eine große "Strenght and Conditioning"- Anlage, ein Gebetsraum, einen Bereich für Physiotherapie, geplant sind noch ein Café und eine Kinderbetreuung. Dafür war im alten Spitfire einfach kein Platz.

Während sich das Gym in einem völlig neuen Gewand präsentiert, hat sich am Image und an der Philosophie nichts geändert. "Egal, wo du herkommst, welcher Religion du angehörst oder was du beruflich machst - hier werden alle gleich behandelt. Wer die Matte betritt, legt alles ab - es geht nur um den Sport und den gegenseitigen Respekt", sagt Muk.

Dazu kommt, dass viele im Spitfire trainieren wollten und wollen, weil das Team seit Jahren für Qualität steht. "Was wir in unseren über 110 Kursen in der Woche lehren, beweist sich auf den populärsten Wettkampfbühnen des Globus'. Unser Wettkampfteam gehört zu den größten und erfolgreichsten Europas und das spricht sich natürlich in Berlin herum", erklärt Muk.

Viele Trainer kommen aus dem Ausland, sind Spezialisten in bestimmten Kampfsportdisziplinen. Darunter sind beispielsweise Gleison Tibau, ein UFC-Veteran, der Khabib Nurmagomedov seinen wohl härtesten Kampf der Karriere geliefert hat. Oder Alexandr Sommer, ehemaliger Trainer für Ringen am Olympiastützpunkt.

Gabriel Rainho Fontes, amtierende Europameister im No Gi Grappling oder Ikram Kerwat, eine Boxtrainerin, die seit vielen Jahren mit Roy Jones Jr. zusammenarbeitet. Davon profitieren Profis und Hobbysportler gleichermaßen. "Uns ist es wichtig, dass ein Gleison Tibau beispielsweise auch die Jugendlichen trainiert und so sein Wissen weitergibt", sagt Muk.

Disziplin und Ordnung dank Kampfsport

Was ebenfalls für alle Mitglieder gilt, sind Haus- und Mattenregeln, die zum einen die Hygiene, aber auch den respektvollen Umgang gewährleisten sollen.

Muk selbst ist ein Beispiel dafür, wie Kampfsport Disziplin und Ordnung in das Leben eines jungen Menschen bringen kann. Mit elf Jahren war er Anführer einer Jugendbande in Berlin und regelmäßig auf Konfrontationskurs. Über den Sport fand er einen Weg runter von der schiefen Bahn. Er absolvierte das Abitur mit 0,8 - seiner Zeit das beste Deutschlands.

Der pädagogische Aspekt nimmt daher einen hohen Stellenwert im Spitfire ein. "Jeder Tag, an dem die Menschen hier bei uns auf der Matte trainieren, sind sie nicht auf der Straße. Können Stress ab-, statt aufbauen. Und das ist es am Ende alles wert", sagt der 36-Jährige.

Dementsprechend soll es für Jugendliche auch in Zusammenarbeit mit sozialen Vereinen gesonderte Angebote geben, auch Stipendien im Bereich MMA oder anderen Kampfsportdisziplinen sind laut Muk möglich.

Kampfstatistik

Hier ist eine Zusammenfassung von Gleison Tibaus Kampfstatistik:

Kategorie Statistik
Gesamte Kämpfe 10
Siege 6 (60.0%)
- Aufgaben 2 (33.3%)
- nach Punkten 4 (66.7%)
Niederlagen 4 (40.0%)
- (T)KOs 1 (25.0%)
- Aufgaben 1 (25.0%)
- nach Punkten 2 (50.0%)
Unentschieden 0 (0.0%)
keine Wertung 0 (0.0%)