Gibt es echtes Wrestling? Fakten über das Phänomen

Was vor über 100 Jahren als Jahrmarktsattraktion begann, ist heute zu einem überaus erfolgreichen Medienphänomen geworden. Ja, was hat das denn mit Sport zu tun?! Diese gerne mit einem Unterton von Empörung geäußerte rhetorische Frage begleitet die Geschichte dessen, was in den USA immer schon Professional Wrestling hieß und in Deutschland zunächst als Catchen bezeichnet wurde, seit seinen Anfängen.

Was ist Wrestling?

Wrestling ist eine Mischung aus Sport und Theater. Es handelt sich um ein athletisches Körpertheater, das ebenso sehr auf die Mitarbeit seines Publikums angewiesen ist wie das Kaspertheater für Kinder.

Tatsächlich unterscheidet sich Wrestling in einem zentralen Punkt grundsätzlich von konventionellem Sport: Während zu Beginn eines 100-m-Laufs oder eines Fußballspiels vollkommen offen ist, wer gewinnen wird, steht der Sieger beim Wrestling vorher fest.

Trotzdem handelt es sich bei den Wrestling-Akteuren wie bei jeder konventionellen professionell betriebenen Sportart um Athleten, die viele Jahre trainiert haben, um das tun zu können, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen.

Hier sind einige Punkte, in denen Wrestling punkten kann:

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  • Selbst wenn Favoriten siegen, sorgen Autoren dafür, dass der Weg zum Sieg mit vielen überraschenden Wendungen gespickt ist.
  • Die Akteure sind immer auffällig und reizen zu emotionaler Anteilnahme, egal, ob zu Sympathie oder Antipathie.
  • Kein Wrestling-Match steht für sich allein - formal ist es in eine Dramaturgie aus Regelveranstaltungen und besonderen Events, inhaltlich in komplexe Storylines eingebunden.

Die Rollenverteilung: Faces und Heels

Wer sich auch nur peripher für Wrestling interessiert, weiß heute beispielsweise, dass Kämpfer in Faces und Heels eingeteilt werden.

  • Ein Face, kurz für „Babyface“, ist ein „Guter“, nett, der sich immer an die Regeln hält.
  • Ein Heel dagegen ist „böse“, kämpft unfair und setzt auch verbotene Hilfsmittel ein.

Ebenfalls nicht nur echten Fans ist bekannt, dass außer Wrestlern auch zusätzliches Personal wie als „Manager“ auftretende Akteure oder andere Begleiter als Face oder Heel auftreten können.

Obwohl sich allgemein herumgesprochen hat, dass Wrestling-Matches generell gescriptet sind, kennt nicht jede(r) die Details - etwa, dass die Autoren Booker genannt werden, diese alle Storylines und Charaktere festlegen, auch den Ausgang von Matches und gelegentlich besondere Kampfaktionen.

Kayfabe: Die Illusion der Echtheit

Der wichtigste Schlüsselbegriff zum Verständnis von Wrestling kann zwar wie alle anderen terminologischen Eigenheiten problemlos im Internet recherchiert werden, das damit gemeinte Konzept ist jedoch komplexerer Natur: Kayfabe.

Die Herkunft des Begriffs ist unklar, in erster Annäherung lässt er sich als wrestlingspezifische Adaption eines schauspielerischen Verständnisses von Fiktionalität interpretieren.

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Wie Schauspieler beim Theater agieren Wrestler als Darsteller in einem vorher festgelegten Stück und sollen ein Publikum mit ihrem Spiel überzeugen.

Kayfabe meint nicht nur, dass Wrestler und alle anderen sichtbaren Akteure trotz Rollenfestlegung und Storylines so tun, als sei das Geschehen im Ring „echt“, dieses So-tun-als-ob bezieht sich auf alle medialen Gestaltungsmittel (wie z.B. Interviews in Wrestlingshows oder anderem Fernsehen) und schließt sogar im Prinzip das Publikum ein.

Medienstrategien und kulturelle Kontexte

Der Aufstieg des Wrestlings zu einer Medienattraktion fand in den 1980er-Jahren statt, zentraler Akteur war dabei der Wrestling-Manager Vince McMahon, der 1983 die World Wrestling Federation (WWF) von seinem Vater kaufte.

Er modernisierte das Geschäft nicht nur durch die Einbeziehung aktueller Popprominenz und zeitgemäßer Inszenierungsformen, er erkannte auch das Potenzial des damals neuen Kabelfernsehens und der neuen Angebotsform Pay-per-View.

Dank eines geschickten Zusammenspiels von Regelsendungen, die das Interesse an der WWF dauerhaft hochhielten, und besonderen (Pay-per-View-) Events machte McMahon die WWF, die nach einer Klage des World Wide Fund For Nature (WWF) heute World Wrestling Entertainment (WWE) heißt, bald zum Marktführer und nach dem Aufkauf des wichtigsten Konkurrenten im Jahr 2001 faktisch zum Monopolisten.

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Eine wichtige Rolle spielten dabei neue Charaktere, deren schrille Kostümierung und übertriebenes Auftreten schon andeuteten, dass es hier nicht um Sport im traditionellen Sinn ging.

Zugleich bewies er, wie gut sich Wrestling als Medium symbolischer Erzählungen eignet - und als symbolische Bühne des konservativen Amerikas der Reagan-Zeit.

Die WWE Survivor Series

Die WWE Survivor Series gehen in die letzte Runde, ehe sie im nächsten Jahr die 30 voll machen werden.

Somit sind die WWE Survivor Series nach WWE WrestleMania der langlebigste Pay Per View der WWE Geschichte.

Dementsprechend gibt es auch viele Fakten zu diesem Event.

Hier eine Übersicht über die ersten Eliminierungen einiger bekannter Wrestler bei den Survivor Series:

  • The Rock: Diesem gelangen im Jahre 1996 als Rocky Maivia die ersten Eliminierungen in einem Survivor Series Match.
  • Rey Mysterio: Dieser hatte seine ersten Eliminierungen bei den WWE Survivor Series 2005 im Match Team SmackDown!
  • Shawn Michaels: Dort hieß es im Main Event des Abends The Ultimate Warriors.
  • The Big Show: Im Match zwischen The Big Show und dem Big Boss Man, Prince Albert, Mideon & Viscera in einem 1 on 4 Survivor Series Elimination Match gelangen The Big Show sagenhafte drei Eliminierungen.
  • Randy Orton: So eliminierte er Rob Van Dam nicht nur per RKO, er war zudem auch der einzige Survivor des Matches, nachdem Batista in den Ring stürmte und Shawn Michaels die Batista Bomb verpasste und der Sieg für Randy Orton nur noch Formsache war.

Westside Xtreme Wrestling (wXw)

Die größte Wrestling-Promotion in Deutschland ist Westside Xtreme Wrestling (wXw). Als eine der größten Promotion in Europa hat die wXw großen Anteil am Karriereweg einiger der aktuell gefragtesten Wrestler.

Die WWE-Stars Seth Rollins (früher Tyler Black), Daniel Bryan (Bryan Danielson) oder Aleister Black (Tommy End) hielten den höchsten Preis der wXw, die wXw-Championship.

Auch die Deutschen Stars Alexander Wolfe (Axel Tischer) und Marcel Barthel (Axel Dieter Jr.) haben ihre ersten großen Karriereschritte bei der wXw gemacht.

André the Giant

André the Giant ist eine der erfolgreichsten und im wahrsten Sinne des Wortes größten Legenden der Wrestling-Geschichte.

Mit einer angekündigten Größe von 2,24 Metern und einem offiziellen Kampfgewicht von 236 kg bestaunte man ihn als einen waschechten Riesen.

Seine außerordentliche Größe machte ihn zum Wrestling-Superstar der 80er-Jahre. Er war aufgrund seiner Größe ein praktisch unbezwingbarer Gegner und blieb innerhalb der WWF unglaubliche 15 Jahre ungeschlagen.

André the Giant ist 1946 in der französischen Stadt Coulommiers als Sohn eines bulgarischen Vaters und einer polnischen Mutter zur Welt gekommen mit stolzen sechs Kilogramm Körpergewicht.

Vor und hinter den Kameras galt er als der „Gentle Giant“. Er hatte eine sehr offene und freundliche Art zu seinen Wegbegleitern und den Zuschauern.

Legendär sind aber insbesondere die unglaublichen Geschichten zu seinem Wein- und Bierkonsum. Er erhielt den Namen „the greatest drunk on earth“, als er an einem Abend in knapp sechs Stunden 119 Dosen Bier getrunken haben soll.

Am 27.01.1993 verstarb André the Giant im Alter von nur 46 Jahren.

Wrestling: Mehr als nur Kampf

Wrestling ist Grenzgänger zwischen Sport und Unterhaltung und somit eigenständig in der Welt des Entertainment.

Wrestling ist eine TV-Serie, in dem es um eine Wrestlingliga und die dort auftretenden Wrestler geht. In diesem "Entertainment-Kosmos" entwickeln sich die Charaktere der Wrestler von Woche zu Woche weiter, es gibt Differenzen untereinander, die am Ende im Ring gelöst werden.

Der Sport im Wrestling definiert sich über Athletik, Kraft und Akrobatik. Alle Wrestler sind trainiert, denn ein trainierter Körper beugt am Besten Verletzungen vor, jeder falsch berechnete Sturz oder Fehler kann theoretisch den Rollstuhl oder schlimmer bedeuten.

Unterm Strich ist Wrestling eine grandiose Unterhaltung für Jung und Alt, ein Entertainmentkonzept, dass sich bewährt hat (WWE RAW ist die am längsten am Stück laufende wöchentliche TV-Sendung der Welt, seit 1993).