"Gewitterregen" von Karat: Eine unvergessliche Sommerromanze in Liedform

Wenn es Musik gibt, die als Aushängeschild für die DDR hergenommen werden konnte, so war es die Musik von Karat. Von ihrer vielen Musik blieb eins im Sinn: Der „Gewitterregen“ ist eins der ungewöhnlichsten Lieder, die ich jemals im Radio gehört habe. Und so blieb mir das in Erinnerung.

Eine kurze Sommerromanze

Und Erinnerung ist das richtige Stichwort, denn genau darum geht es in dem Lied: Die Erinnerung an eine kurze Sommer-Romanze. Er erinnert sich an sie, wie sie ihm vor einem Jahr Ende Sommer gab, was er von ihr wollte. Die beiden waren so verliebt und verzaubert, dass sie den Regen gar nicht bemerkten.

Der Regenguß schlug hart auf sie nieder und Wolken zogen Richtung Süden. Aber wenn ihn jemand fragt, was daraus geworden ist, dann sagt er ohne Scheu, dass er ausgeträumt hat. Er weiß nicht mal ihren Namen, den er in der Ekstase rief. Er fällt ihm nicht mehr ein. Es ist halt vorbei. Er sieht den Regen und die Wolken. Und es ist so, als ist da noch etwas ganz weit oben. Ja, so schnell kann es gehen. Das war eine wirklich kurze Romanze. Aber so etwas soll es geben.

Die Musik hinter der Geschichte

Die Geschichte ist das Eine, die Musik ist das Andere. Wir bewegen uns hier von 7/8-Takt zu 3/4-Takt und zu 4/4-Takt. Das ist eine ganz feine Musik, die einen schwelgen und tanzen und mit dem Kopf nicken lässt. Für mich eins der schönsten Lieder, die es in der DDR gab. Dabei soll das Lied von der bulgarischen Folklore beeinflusst sein.

Der „Gewitterregen“ befindet sich auf der zweiten Seite der LP „Über sieben Brücken“ aus dem Jahr 1979. Meine Güte, ist das ewig her. Damals hatten sich die Musiker noch etwas getraut. Und deren Plattenfirmen auch. Gut, in der DDR gab es eben nur die AMIGA. Aber allein schon diese aberwitzige Instrumentierung in dem Lied erfordert ziemlichen Mut.

Lesen Sie auch: KARAT: Musikalisches Denkmal gesetzt

Leider ist das Lied aus dem Bewusstsein vieler verschwunden. Zu sehr wurde es mit dem „Blauen Planeten“ oder mit dem „Schwanenkönig“ oder mit „Über sieben Brücken musst du geh’n“ überdeckt.

Karat heute

Mittlerweile gibt es die Band Karat über 40 Jahre, wenn auch in wechselnder Formation. Einziges Mitglied aus den Anfangszeiten ist noch Gitarrist Bernd Römer. Und wie passend spielte die Band ein Lied über eine kurze Sommerromanze: „Gewitterregen“.

So erzählte Dreilich die Kurzgeschichte, dass Medienspezialisten herausgefunden haben (wollen), dass kein Lied länger als 3 Minuten 20 dauern sollte. Auch Neues gab es zu hören, aus dem am 19. Oktober diesen Jahres erscheinenden Album „1000 Karat“.

Die Halle wurde gerockt am Samstag, mit tollen Gästen und Fans. Ein besonderes Erlebnis war das Konzert ganz sicher für den 6-jährigen Ole aus Vacha, der laut seiner Mutter Jana bereits seit seinem 2. Lebensjahr ein großer Fan von Karat ist.

Tracklist Karat - Original Album Series (5-CD)

CD Track Titel
1 08 Ballade von den sieben Geistern
2 05 Musik zu einem nichtexistierenden Film
2 10 Wenn das Schweigen bricht
2 11 Über Sieben Brücken Musst Du Geh'n
4 02 Und der Mond schien rot
4 07 Die sieben Wunder der Welt
4 08 Mich zwingt keiner auf die Knie
4 10 Unterwegs nach Haus #2
5 05 Hab' den Mond mit der Hand berührt
5 08 Er kam, sah und siegte

Lesen Sie auch: Gewitterregen im Kontext von Karat

Lesen Sie auch: Interpretation von Gewitterregen