Es war eine gute Woche für Florian Kröger. Kein Wunder, denn für den Kickboxer der Ellerauer Kampfsportschule Mudo Kwan haben sich die positiven Ereignisse dieser Tage überschlagen.
Frühe Erfolge und Deutsche Meisterschaft
Vor heimischem Publikum in der Sporthalle Wandsbek hatte der Oberstufenschüler am Gymnasium Kaltenkirchen gleich zweimal die Chance, nach Gold zu greifen, und die ließ sich Florian Kröger nicht entgehen. Zuerst durfte der Jugend-Weltmeister von 2008 und Dritte der Junioren-EM 2009 in seiner eigentlichen Altersklasse antreten. Nach einem Freilos ließ er zuerst Armend Ftac (Bayern) im Halbfinale ebenso wenig eine Chance wie im Endkampf dem Hessen Sascha Dehmer.
Am zweiten Meisterschaftstag wandelte sich die Laune von Florians Vereinstrainer von einfacher Zufriedenheit in schiere Begeisterung. Als Nationalkader-Mitglied hatte Florian Kröger das Recht, auch bei den Männern zu starten, erneut in seiner Gewichtsklasse bis 74 Kilogramm. Nach einem glatten Auftaktsieg über Gürhan Güven (Bayern) arbeitete sich der junge Ellerauer gegen zwei weitere, erfahrenere Gegner bis ins Finale vor.
Vor der letzten Runde hatte der Hesse noch zwei der drei Richterstimmen auf seiner Seite. In einem furiosen Endspurt kombinierte er mit zahlreichen Faust- und Fußtechniken und kam besonders mit seiner Spezialtechnik, dem Axekick, immer wieder durch. Der Kraftakt überzeugte die Jury, und am Ende hatte Florian Kröger zwei Kampfrichter auf seiner Seite. Seine erste Deutsche Meisterschaft bei den Herren war perfekt.
Dieser Ansicht waren auch die Nationaltrainer Bianka Jäger und Rainer Giel. Beim Kadertraining in Hamburg überprüfte das Trainerduo nun noch einmal die Form seiner Aktiven und kam zum für Florian Kröger erfreulichen Urteil.
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Weitere Erfolge und Wettkampfpause
Unter der Leitung von ihrem Trainer und Coach Großmeister Frank Kumm (5. Dan, schwarzer Gürtel) sicherten sich die Ellerauer 4 x den 1. Platz, 2 x den 2. Platz, 1 x den 3. Platz und 1 x den unbeliebten 4. Florian Kröger (18 Jahre) startete zum letzten Mal in der Junioren-Altersklasse im Vollkontakt und danach ist auch erstmal eine Wettkampfpause geplant, da bei Florian im Frühjahr 2012 das Abitur Priorität hat.
Florian hatte „nur“ einen Gegner, Richard Lichtenwald aus Lüdenscheid. Für Richard war es das erste nationale Turnier. Florian hielt sich sehr zurück, trotzdem warf der Trainer des Lüdenscheiders in der zweiten Runde das Handtuch.
Florian Kröger (18): 1.
"Get in the Ring" und Lokale Erfolge
Die Kickbox-Erfolgsserie "Get in the Ring" feierte am Samstag ihre 13. Veranstaltung. Hamburger Kampfsport-Fans möchten das Konzept nicht mehr missen, denn die Kulisse - das Audimax der Universität - ist einzigartig und auch die Fightcard wusste erneut zu überzeugen.
Lokalmatador Florian Kröger lieferte sich mit Vasyl Halych aus Polen eine Ringschlacht. Halych marschierte nur nach vorn, aber Kröger stand stabil in der Doppeldeckung, konterte mit präzisen und harten Techniken. Halych änderte seine Marschroute aber nicht, selbst als Kröger mehrmals mit einem Frontkick zum Gesicht - seinem Markenzeichen - traf.
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CISM-Weltmeister
Auch der amtierende CISM-Weltmeister H Florian Kröger (LKdo Bremen) konnte seine Klasse unter Beweis stellen.
Herausforderungen und Zukunftspläne
Wie es wäre, wenn er sich nur auf seinen Sport konzentrieren könnte, wüsste Florian Kröger schon gern. Wäre er ein Star in Asien oder in der „Glory“-Kampfserie, wo sich die Weltelite des Kickboxens herumschlägt? Was könnte er herauspressen an Reserven aus seinem Körper, den er längst unter Profibedingungen trimmt? „Ich finde diese Fragen sehr interessant, aber wahrscheinlich werde ich die Antworten nie herausfinden“, sagt er.
Florian Kröger, 25 Jahre alt, aufgewachsen in Ellerau im Kreis Pinneberg und seit knapp vier Jahren Schüler von Lutz Burmester im X’ite-Gym in Trittau, hat den Weg gewählt, den viele Kickboxer in Deutschland gehen. Weil ihr Sport sich zwar ob der aktuellen Baisse im Profiboxen steigender Beliebtheit erfreut, aber ein finanziell sorgenfreies Leben nicht ermöglicht, müssen sie zweigleisig planen.
Viele Fans erwartet. Zeit für den Sport, den er seit seinem elften Lebensjahr ausübt, bleibt da oft nicht in dem Umfang, wie er nötig wäre, auch wenn sein Arbeitgeber durchaus Rücksicht auf Leistungssportler nimmt. Und so muss sich Kröger, der täglich aus Winterhude zum Training pendelt, mit dem Status eines Lokalhelden zufriedengeben. In Hamburg sind seine Kämpfe Publikumsmagneten.
Im August 2017 hatte Kröger die Chance, Weltmeister zu werden. In St. Tropez kämpfte er gegen den Franzosen Yohan Lidon um den WKN-Gürtel im Supermittelgewicht. Er verlor nach Punkten. „Das war ein Kampf, wie ich ihn mir vorstelle. Seitdem trainiere ich noch härter, um noch einmal eine solche Chance zu bekommen“, sagt er. Seine Spezialität, den frontal zum Gegner stehend ausgeführten Highkick zum Kopf, versucht er zu perfektionieren, zudem seine Schlag- und Tritthärte kontinuierlich zu verbessern.
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Gut 40 K1-Kämpfe hat Florian Kröger hinter sich gebracht, dazu kommen rund 80 Amateurfights im Kickboxen. Spektakulär sind seine Ringschlachten meistens. Auch am Sonnabend will er eine gute Show bieten.
