Der Judo Club Kreuzlingen feierte sein 50-jähriges Jubiläum mit einer Vorführung verschiedener Kampfsportarten aus der Region, darunter Aikido, Karate und Tai-Chi. Angefangen hatte alles in einem Schopf in Emmishofen unter kargen Bedingungen. Die Trainingsfläche bestand aus einem mit einer Zeltplane überdeckten Stapel Zeitungen, im Winter musste manchmal mit Skisocken trainiert werden.
Umso grösser war der Enthusiasmus des 1962 offiziell gegründeten Judo Clubs Kreuzlingen, der mit vollständigem Namen Judo Club Asahi Kai Kreuzlingen heisst. Die Mitgliederzahl wuchs an, sportliche Erfolge folgten.
Historische Erfolge im Judo
Den bisherigen Höhepunkt erlebte der Judo Club Kreuzlingen Anfang der Neunzigerjahre. Eric Born gewann 1991 Gold an der EM in Prag, 1992 Gold an der Schweizer Meisterschaft und ein weiteres Jahr später Silber an der Weltmeisterschaft in Kanada.
Herausforderungen für Einzelsportarten wie Judo
Heute ist es um den Judo Club ruhiger geworden - so wie um viele Einzelsportarten. «Es ist ein grundsätzliches Problem, das nicht nur wir haben», sagt Daniel Fritschy, langjähriger Club-Präsident. «Heute sind Fussball, Basketball und andere Teamsportarten modern. Einzelsportarten wie Judo, aber auch Karate, geraten etwas in den Hintergrund.»
Gegenüber anderen Kampfsportarten kommen beim Judo zwei weitere Faktoren erschwerend hinzu. «Erstens ist Judo sehr anspruchsvoll», sagt Fritschy. «Der Aufbau dauert lange, und man muss auch im Kopf voll dabei sein. Wer nach Feierabend einfach Dampf ablassen möchte, ist beim Judo falsch.» Zweitens fehle es der Sportart an Aushängeschildern, die in den Medien stark präsent seien. «Wir haben niemanden wie Bruce Lee, entsprechend ist es auch nicht so cool, ins Judo zu gehen.» Einzelne bekannte Judokas wie früher Eric Born oder in jüngerer Zeit Sergei Aschwanden würden zwar einen gewissen Run aufs Judo auslösen, aber doch wieder rasch verblassen.
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Judo als Lebensschule
Dabei ist Judo mehr als nur ein Sport, es ist eine Lebensschule, von der viele profitieren könnten. «Man lernt Verantwortung zu übernehmen», sagt der Präsident. Wer in einem Kampf unterliege, könne die Schuld nicht anderen im Team in die Schuhe schieben und sich hinter einer kollektiven Schuld verstecken. «Wenn ich im Kampf verliere, habe ich entweder einen Fehler gemacht, oder aber der andere war schlicht besser», sagt Fritschy. Dieses Erkenntnis sei wichtig, denn man lerne, mit Niederlagen umzugehen und aus ihnen zu lernen.
«Wer gut sein will, muss verlieren können. Wer besser sein will, muss noch mehr verlieren können.» Judo sei eine wunderbare Lebensschule, gerade, wenn man noch jünger sei und dazu tendiere, sich zu überschätzen. «Im Judo wird man sich nie überschätzen», meint er und lacht.
Aktuelle Erfolge: Nils Stump wird Weltmeister
Nils Stump hat sich an der Judo-WM in Doha sensationell zum Weltmeister gekürt. Der 26-Jährige gewann in der Kategorie bis 73 kg sämtliche fünf Kämpfe und holte als erster Schweizer überhaupt WM-Gold. Im Final setzte sich Stump gegen den Italiener Manuel Lombardo durch.
Stump, der zuvor noch nie an einem offiziellen Turnier gegen Lombardo angetreten war, übernahm im finalen Kampf schnell die Initiative, verpasste aber vorerst die Entscheidung. Nach Ablauf der regulären Kampfzeit von vier Minuten ging der Kampf in den «Goldenscore». Bei seinem Seoi-nage-Angriff stützte sich Lombardo unerlaubterweise auf dem Kopf ab, was mit der Disqualifikation bestraft wurde.
Die darob zunächst etwas getrübte Freude wich bei Stump aber schnell dem Jubel. Bislang standen die WM-Silbermedaillen von Sergei Aschwanden (2003) und Eric Born (1993) als grösste Schweizer Erfolge an Judo-Weltmeisterschaften zu Buche.
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An Olympischen Spielen holte Jürg Röthlisberger einst Gold (1980) und Bronze (1976), Eric Hänni liess sich 1964 die Silbermedaille umhängen. In jüngster Vergangenheit hatte Stump sein Potenzial immer wieder angedeutet.
Im Oktober 2022 triumphierte er beim Grand-Slam-Turnier in Abu Dhabi und gewann damit als erster Schweizer Judoka überhaupt einen Wettkampf auf dieser Stufe. Im Februar doppelte er in Tel Aviv nach, im März schaffte er es in Taschkent als 3. zum dritten Mal in Folge an einem Event dieser Grössenordnung auf das Podest. In der Weltrangliste gehört der Zürcher seit geraumer Zeit zu den Top 10 seiner Gewichtsklasse, aktuell wird er auf Platz 9 geführt.
Für Stump ist es die zweite Medaille an einem Grossanlass. An den Europameisterschaften in Lissabon holte er 2021 die Bronzemedaille. An den selben Titelkämpfen kürte sich übrigens Finalgegner Lombardo zum Europameister, damals aber in der Kategorie bis 66 kg.
Weitere Entwicklungen im Judo
Wegen des Tragens russischer Militärembleme ist eine Zuschauergruppe bei der Judo-WM aus der Halle geworfen worden. Das gab der Weltverband IJF am Mittwoch bekannt. Die Betroffenen hätten zuvor die Aufforderung nicht befolgt, ihre Abzeichen zu entfernen. Die IJF hatte Sportlern aus Russland und Belarus grünes Licht für den WM-Start gegeben, unter der Bedingung, dass diese als neutrale Einzelsportler antreten.
Erfolge im Karate Nachwuchsbereich
Jedes Jahr finden gesamtschweizerisch drei Junior-Karate-League-Turniere statt, welche speziell für die jungen Karate-Nachwuchssportler durchgeführt werden. An diesen Wettkämpfen können sich die Kinder in verschiedenen Alterskategorien bis 13 Jahre messen und Erfahrungen im Karate-Wettkampf sammeln. Die Anlässe sind jeweils sehr gut besucht.
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Am Junior-Karate-League-Turnier in Solothurn nahmen 350 Kinder aus der ganzen Schweiz teil und massen sich in 710 Einzelstarts. Mit dabei waren auch zehn Kinder aus dem Kenseikan Karate-Do Saanen-Gstaad-Zweisimmen, welches von Roland Pfäffli geleitet wird. Alle Kinder starteten in den beiden Disziplinen Kata und Kumite.
Kata ist eine Art Schattenkampf gegen einen imaginären Gegner, bei welchem der Karateka eine festgelegte Abfolge von Abwehr- und Angriffstechniken vorführt. Beim Kumite handelt es sich im Gegensatz zur Katadisziplin um einen Kampf gegen einen realen Gegner. Die Karatekas können dabei ihre Techniken frei wählen und müssen versuchen, innerhalb der Kampfzeit möglichst viele Treffer zu erzielen. Im Karatesport sind Treffer mit Körperkontakt weder bei den Kindern, noch bei den Erwachsenen erlaubt.
- Eric Würsten erreichte in der Disziplin Kumite der 13-jährigen Knaben den sensationellen 1. Platz.
- Maya Baur erreichte in der Disziplin Kata bei den 13-jährigen Mädchen den 2. Rang.
- Sarah Tschanz konnte eine Silbermedaille mit nach Hause nehmen; sie startete in der Kategorie der 10-jährigen Mädchen und erreichte in der Disziplin Kata den 2. Platz.
- Lea Matti konnte sich in der Kategorie der 11-jährigen Mädchen gleich zwei Mal in die Medaillenränge kämpfen: Sie erreichte sowohl in der Katadisziplin als auch in der Kumitedisziplin den dritten Platz in der Kategorie der 11-jährigen Mädchen.
Das Kenseikan Karate-Do gratuliert euch herzlich zu euren tollen Leistungen in Solothurn!
Schwarzgurt für Jessica Tschanz
Am vergangenen Wochenende konnte Jessica Tschanz in Thun ihr Karate-Schwarzgurtdiplom in Empfang nehmen. Jessica hat im Sommer erfolgreich ihre Schwarzgurtprüfung vor einer mehrköpfigen Prüfungskommission abgelegt. Dabei musste sie ihr Können in den Bereichen Kata, Kumite und Technik-Grundschule ausführlich unter Beweis stellen. Damit ein Karateka die hohe Auszeichnung des Schwarzgurt-Trägers erlangen kann, muss er in der Regel 5-10 Jahre intensiv trainieren. Wir gratulieren Jessica herzlich zu ihrer erfolgreichen Prüfung!
