Tragische Todesfälle im MMA: Eine Übersicht

Die umstrittene Kampfsportart Mixed Martial Arts (MMA) hat in den letzten Jahren einige tragische Todesfälle erlebt, die Fragen nach den Risiken und der Sicherheit des Sports aufwerfen.

Aktuelle Todesfälle im MMA

Trauer um Hakaraia Wilson

Der MMA-Kämpfer Hakaraia Wilson ist im Alter von nur 26 Jahren plötzlich verstorben. Wie die neuseeländische Polizei mitteilte, ist Wilson am Neujahrstag gestorben. In einer Mitteilung heißt es: „Der Tod ist nicht verdächtig und wurde dem Gerichtsmediziner übergeben.“ Wilson verbrachte seine letzten Stunden auf einem Festival in der Nähe von Auckland in Neuseeland. Das „Rhythm and Vines Festival“ in der Stadt Gisborne fand vom 29. Dezember bis zum 31. Dezember statt, nach dem Besuch des Musikfestivals aber verstarb Wilson am 1. Januar.

Steve Oliver, Gründer von Oliver MMA: „Mit tiefer Trauer geben wir den Tod einer wahren Stütze unserer Familie und Gemeinschaft bekannt - unseres Bruders Hakaraia Wilson.“ Und: „Haks, dein Vermächtnis wird in jedem von uns weiterleben - dein Lächeln, dein Lachen, deine Wärme und dein Kampfgeist. Ruhe in Frieden, in dem Wissen, dass deine Zeit hier, obwohl viel zu kurz, Spuren hinterlassen hat, die niemals verblassen werden.“

Wilson hatte seinen ersten Profikampf Ende Dezember 2023, damals fightete er auf Bali bei der Canggu Fight Night gegen Mamurjon Khamidov. Seinen letzten Kampf hatte der Neuseeländer im Oktober 2024, damals gewann er bereits in der ersten Runde durch einen technischen K.o. gegen Mark Alcoba.

Die Plattform „The CoconetTV“ auf Instagram: „Ein junger, talentierter und weiser Hakaraia Wilson. Mögest du bei den Vorfahren ruhen, von denen du so liebevoll gesprochen hast.“ Vor allem sein Vater beeindruckte ihn und beeinflusste sein Leben. Wilson 2020: „Ich begann mit dem Kämpfen unter der Anleitung meines Vaters. Er war früher selbst Kämpfer, und als ich aufwuchs, ging ich zu seinem Training und schaute ihm zu. Von da an wusste ich, was ich tun wollte.“

Der Fall João Carvalho

Die umstrittene Kampfsportart Mixed Martial Arts hat einen tragischen Todesfall zu beklagen. Der portugiesische MMA-Kämpfer João Carvalho ist im Alter von 28 Jahren am Montag an den Folgen einer in einem Kampf erlittenen Verletzung gestorben.

Carvalho war zwei Tage zuvor während eines Kampfabends in Dublin in einem Fight gegen den Iren Charlie Ward technisch k. o. gegangen. "Carvalho wurde sofort medizinisch betreut und ins Krankenhaus eingeliefert, wo er sich einer Notoperation des Gehirns unterzog", heißt es in einer Mitteilung seines Vitor-Nóbrega-Teams. Nach der OP habe er sich in einem kritischen Zustand befunden, ehe er am Montag um 21.35 Uhr Ortszeit starb.

McGregor hatte zuvor kritisiert, dass der Kampf nicht früher abgebrochen worden war: "Der Referee hätte ein wenig auf Zack sein sollen."

Der tragische Tod von Josh Samman

Im Alter von nur 28 Jahren starb der Ultimate Fighter Josh Samman. Craig Mallak, Gerichtsmediziner des Broward County (Florida), zeichnete Sammans Todeskampf nach. Demnach habe der Athlet fünf Tage lang im Koma gelegen, am Montag dieser Woche stellten die Ärzte dann seinen Hirntod fest, am Mittwochmorgen starb er schließlich. Autopsie und toxikologische Untersuchungen stehen zwar noch aus, doch gegenüber „TMZ.com“ gab Mallak an, dass Drogenmissbrauch sehr wahrscheinlich eine Rolle bei der Todesursache gespielt haben dürfte.

Samman war am Donnerstag bewusstlos in seinem Apartment aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht worden. Für seinen Mitbewohner Troy Kirkingburg kam jede Hilfe zu spät, er war bereits tot, als der Notarzt eintraf. Die Nachricht vom Tod des Ultimate Fighters hat die Mixed-Martial-Arts-Szene geschockt. Nicht nur weil Samman mit seiner sympathischen Art überaus beliebt war, auch weil er ungeheuer viele Talente besaß.

Auch Samman spielte das Leben übel mit. 2013 traf ihn der Tod seiner Freundin Hailey Bevis schwer. Die 22-Jährige starb, weil sie auf regennasser Straße die Kontrolle über ihren Wagen verlor. „Es gibt niemanden, der mich mehr zu dem Menschen machte, der ich heute bin, als Hailey“, schrieb Samman damals in einem bewegenden Abschiedsbrief. „Der Schmerz über ihren Tod wird mich mein Leben lang begleiten.“

In den Jahren darauf geriet auch Sammans Leben aus der Spur, denn er gab sich eine Mitschuld an Bevis’ Tod. Zunächst stürzte Samman sich in den Sport, trainierte wie ein Besessener, was schließlich zu einer schweren Muskelverletzung und Absage eines Kampfes führte. Dann starb auch noch sein Stiefvater. Doch er gab nicht auf und schaffte ein Comeback bei der UFC - ausgerechnet am 6. Dezember 2014, dem Geburtstag seiner verstorbenen Freundin.

Sammans Schicksal ist auch deswegen so bedrückend, weil mit Box-Weltmeister Tyson Fury soeben ein weiterer Kampfsportler von schweren Depressionen und Drogenmissbrauch berichtete. Speziell für die MMA-Szene war 2016 bislang ein Horrorjahr. Samman ist schon der siebte prominente Todesfall. Jordan Parsons und Ryan Jimmo wurden von einem Auto überfahren, Kevin Randleman und Kimbo Slice erlitten einen Herzstillstand, Joao Carvalho starb im Ring, und Ivan Cole jagte sich beim russischen Roulette eine Kugel in den Kopf.

Der Tod von Guilherme Vasconcelos

Der brasilianische Käfig-Kämpfer Guilherme Vasconcelos ist im Alter von nur 38 Jahren verstorben. Wie brasilianische Medien berichten, ist er in der US-Metropole Los Angeles verstorben. die erschütternde Nachricht: „Wir haben uns auf seinen Besuch an Weihnachten gefreut. Das wird jetzt nicht mehr passieren. Das Leben ist vergänglich und wir sind mit dieser schrecklichen Nachricht aufgewacht. Wir beten für dich!“

Besonders tragisch: Vasconcelos hinterlässt eine einjährige Tochter, die aus seiner Beziehung mit dem Model Kayla Lauren stammt. Kurz vor seinem Tod teilte er in seiner Instagram-Story noch einen Schnappschuss aus einem Jiu-Jitsu-Studio.

Der Brasilianer ist im Käfig unter dem Spitznamen „Bomba“ angetreten. 2012 gab er sein Profi-Debüt, zwei Jahre später nahm er an der UFC-Serie „Ultimate Fighter“ teil. Einmal stand er bei einem offiziellen UFC-Fight im Käfig.

Danach kämpfte er noch einige Male für die US-Promotion Bellator. Neben seiner Kampfsport-Karriere erlangte Vasconcelos durch seine Beziehung zu Pop-Sängerin Demi Lovato (32) besondere Bekanntheit.

Kampfsport-Trainer Jamie Huey schreibt emotional: „Diese Erfahrung war für mich sowohl eine Ehre als auch ein Segen. Bomba, danke, dass du Teil meiner Reise warst und mich an deiner teilhaben ließest. Ruhe in Frieden, Champ.“

MMA im Überblick

Was ist MMA?

Mixed Martial Arts (gemischte Kampfkünste) ist ein Vollkontakt-Kampfsport bei dem Techniken aus zahlreichen Kampfsportarten wie Boxen, Taekwondo, Muay Thai und Karate erlaubt sind. Dabei bestehen wenige Regelbeschränkungen. Erlaubt sind Schlag- und Tritttechniken sowie Knie- und Ellbogenstöße. Die Kämpfer, die in unterschiedliche Gewichtsklassen eingeteilt sind, befinden sich in einem achteckigen Käfig, dem Oktagon. Ein Sieg kann durch Aufgabe, K. o., Abbruch des Schiedsrichters oder Punkte errungen werden.

Wie gefährlich ist MMA?

Da Gegner auch am Boden attackiert werden dürfen, steht der Sport häufig in der öffentlichen Kritik. Neben Bandagen und Handschuhen sind Mund- und Tiefschutz die einzigen Protektoren der Kämpfer. Seit 2007 gibt es laut der irischen Zeitung Mirror 13 bekannte Todesfälle bei Mixed-Martial-Arts-Kämpfen. In Zusammenhang mit Boxkämpfen kam es zu deutlich mehr tödlichen Zwischenfällen. Die Manuel Velazquez Collection, ein Datenarchiv für Todesfälle im Boxen, listet 103 tote Sportler allein zwischen 2000 und 2010 auf.

Wissenschaftler in den USA beobachteten, dass die Verletzungsrate beim MMA in etwa auf dem Niveau anderer Kampfsportarten liege, die Gefahr einer Hirnschädigung beim Boxen wahrscheinlich sogar höher sei.

Wie beliebt ist MMA?

In den USA ist Mixed Martial Arts längst beliebter als Boxen, weil die Zuschauer die Sportart wegen der verschiedenen Kampfstile und der wenigen Beschränkungen spektakulärer finden. Die 196. Auflage der amerikanischen Ultimate Fighting Championship (UFC), der bekanntesten MMA-Organisation, verfolgten weltweit mehr als 100 Millionen Zuschauer. Die Sportart wird auch in vielen Ländern Europas immer beliebter und lockt zum Teil Zehntausende Zuschauer in die Hallen.

Bekannte Kämpfer

Der Ire Conor McGregor ist der größte Name der Szene. Durch seinen Kampf gegen Nate Diaz soll er mehr als zehn Millionen Euro eingenommen haben. Auch Frauenkämpfe sind deutlich populärer als im Boxen. Die UFC-Kämpferin Ronda Rousey gehört zu den bestbezahlten Sportlerinnen der Welt und spielte bereits in mehreren Hollywood-Filmen mit.

MMA in Deutschland

In Deutschland fristet MMA hingegen immer noch ein Nischendasein. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien setzte das Verbot 2010 durch. Mittlerweile wurde dieses durch das Verwaltungsgericht München jedoch wieder aufgehoben. Die UFC-Veranstaltung im Juni 2015 in Berlin verfolgten 8000 Zuschauer vor Ort. Der bekannteste Deutsche Kämpfer ist Nick Hein.

Vergleich von MMA und Boxen

Es gibt eine Debatte darüber, ob dünnere Handschuhe im Boxen zu einer höheren KO-Rate führen würden und ob dies das Gehirn stärker schädigen würde als einzelne KO-Treffer im MMA. Im MMA gibt es mehr Möglichkeiten zur Verteidigung und der Kampf wird oft schneller beendet, was möglicherweise die Anzahl der schweren Treffer reduziert.

Die Dicke der Handschuhe ist ein wesentlicher Unterschied zwischen Boxen und MMA. Dickere Handschuhe im Boxen erhöhen die Schutzwirkung, aber die Masse, die beschleunigt wird, ist größer, was zu einer höheren Impulskraft führt.