Mixed Martial Arts (MMA) hat in Deutschland in den letzten Jahren stetig an Popularität gewonnen. Die Ultimate Fighting Championship (UFC) bietet Athleten aus allen Ländern die Möglichkeit, sich auf höchstem Niveau zu messen. Dieser Artikel wirft einen Blick auf deutsche Kämpferinnen in der UFC.
Alina Dalaslan: Ein aufstrebendes Talent
Alina Dalaslan fällt auf, wenn sie die Matte betritt. In der zwölfköpfigen Trainingsgruppe ist sie die einzige Frau. "Das ist natürlich ein bisschen schade", findet sie, aber es habe auch Vorteile, da ihre Gegnerinnen ihr regelmäßig eher schwach erscheinen, weil sie es gewohnt ist, mit Männern zu kämpfen. Consultant Controlling steht in ihrem Berufsprofil. Ein Duales Studium im Rechnungswesen hat sie vor drei Jahren abgeschlossen, mittlerweile arbeitet sie für einen großen schwäbischen Automobilkonzern. "Klassische Buchhaltung", erklärt sie lächelnd im SWR-Interview. Auf den ersten Blick sieht man ihr das Hobby nicht an, das sie ab sofort professionell betreiben wird.
Mixed Martial Arts, kurz MMA, ist momentan eine der am schnellsten wachsenden Sportarten in Europa. Zehntausende kommen zu den Events. Kein Wunder, denn der Sport ist spektakulär, spannend und blutig. Häufig als "moderne Gladiatoren" bezeichnet, ist den MMA-Kämpfern im Käfig fast alles erlaubt - nur Tiefschläge, Schläge auf Rücken und Hinterkopf, Kratzen, Beißen sowie Stechen in Körperöffnungen ist verboten. Wer am Boden liegt, darf weiter geschlagen werden. Tritte zum Kopf sind dann aber nicht mehr erlaubt. Der Sport vereint die besten Techniken aller bekannten Kampfsport-Disziplinen. Alina Dalaslan kann all das. Zumindest die besten Tricks dieser Sportarten. Auch wenn sie selbst am liebsten im Stand kämpft, wie sie erzählt. "Ich komme aus dem Kickboxen", erklärt sie am Rande der Trainingseinheit.
Schwitzend und glücklich steht sie nach dem anstrengenden Athletik-Training in der Balinger Kampfsportschule "Planet Eater" vor der Kamera. Dann schnürt sie sich die dünnen, fingerfreien Handschuhe, um noch ein kurzes Sparring einzuschieben. "Ich werde niemals müde", lacht sie und beweist das auch gleich im Pratzentraining. Trainer Mert Özyildirim bestätigt das: "Schaut mal, die Jungs sind schon alle in der Umkleidekabine. Die sind platt. Dass Alina Dalaslan als eines der größten weiblichen MMA-Talente in Deutschland gilt, liegt auch an ihrer kurzen, aber erfolgreichen Amateur-Karriere, die im Stallion Gym in Stuttgart beginnt.
Ihren ersten Kampf im September 2023 gewinnt Dalaslan gegen die Österreicherin Narges Mohseni auf der Veranstaltung "Savage 1" im österreichischen Korneuburg. "Als ich sie damals beim Aufwärmen gesehen habe, wusste ich sofort, dass sie ein riesiges Potenzial hat", erinnert sich Veranstalter Marjan Macic zurück. Wenig später wird Alina Dalaslan bereits für die Weltmeisterschaft nominiert, darf für Deutschland antreten: "Es war so eine geile Erfahrung gegen richtig gute Kämpferinnen", erzählt Dalaslan. Am Ende darf sie sich über den Titel freuen: Weltmeisterin der IMMAF (International Mixed Martial Arts Federation). "Mit dem Gürtel nach Hause zu kommen war natürlich der Hammer", sagt sie und freut sich über das Lob aus der Szene.
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"Sie hat wirklich die größte Chance, irgendwann in die UFC zu kommen und einen Titel zu holen", sagt Mert Özyildirim. Die UFC ist die größte und wichtigste MMA-Organisation der Welt. Klein sind die Hoffnungen also nicht, die auf Alina Dalaslan ruhen. Auch am Abend, beim Ringertraining, steht Dalaslan als einzige Frau auf der Matte. Wieder muss sie ausschließlich gegen Männer ran. "Es wäre schon schön, wenn es mehr Frauen in unserem Sport gäbe", gibt sie im Interview zu. Vor allem in Deutschland ist der MMA-Sport noch immer eher eine Männerangelegenheit. Bezeichnend daher, dass sie für ihren ersten Profikampf in Stuttgart auf eine Tschechin traf. Mit Kamila Šimková bekam es Dalaslan mit der zweifachen tschechischen MMA-Meisterin zutun. Gleich beim Debüt also eine sehr erfahrene Gegnerin - die sie souverän besiegt. Alina Dalaslan ist bereit für den nächsten Schritt.
Am Samstag wurde in der Stuttgarter Schleyerhalle wieder im Käfig gekämpft. Ihren ersten Kampf hat Alina Dalaslan souverän gewonnen. Gegen Kamila Šimková aus Tschechien siegte sie in der dritten Runde durch technischen K.o. und zeigte dabei von Beginn an eine dominante Vorstellung.
Am 14. Juni steigt Alina Dalaslan zu ihrem zweiten Profikampf in den Käfig - vor 27.000 Zuschauer:innen in Prag. Sie gilt als eine der spannendsten MMA-Kämpferinnen Deutschlands. Und als jemand, der nicht gekommen ist, um sich langsam heranzutasten.
Im März gab sie ihr Profidebüt. Und zeigte, was sie in den vergangenen zwei Jahren gelernt hat: schlagen, treten, ringen und den Körper ihrer Gegnerin werfen. Möglichst hart, möglichst präzise. Was Dalaslan tut, steht unter der Prämisse FSK 18. Wenn man sie kämpfen sehen möchte, muss man volljährig sein. Kein Wunder, es erinnert an Gladiatorenkämpfe aus dem alten Rom. Oder an blutige Prügelfilme aus Hollywood.
Was aber oft in Vergessenheit gerät: MMA ist Hochleistungssport. "Und kein sinnloses Draufhauen", sagt Dalaslan im watson-Gespräch. "Wer MMA nur als Gewalt sieht, hat sich noch nie wirklich mit dem Sport beschäftigt."
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Sie trainiert mit Männern, schwerer, stärker, aber nicht vorsichtiger. "Ich brauche ehrliches Sparring", sagt sie. Dass sie auf dem Trainingsplan nicht in rosa Sonderfarbe steht, ist für sie selbstverständlich. Dass sie so stark sei wie ein Mann, nimmt sie als Kompliment. Ihre Diäten hält sie durch. Drei Tage ohne Kohlenhydrate? "Gehört halt dazu."
Alina Dalaslan kämpft im Prager Fußballstadion. Die Karriere von ihr ist noch jung. September 2023: erster Amateurkampf. Dezember 2024: Weltmeisterin der Amateure (IMMAF). März 2025: Profidebüt. Das alles sieht aus wie ein Raketenstart, aber Dalaslan sagt: "Das wirkt von außen vielleicht so, aber da steckt viel Arbeit drin."
Nun ist sie auf dem Weg, die MMA-Welt zu erobern. Allmählich wird man auf Dalaslan aufmerksam. Auf Instagram, wo sie mit dem Weltmeistergürtel posiert. Oder auf Youtube, wo der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR) sie für eine Doku begleitet hat.
Am 14. Juni folgt ihr bisher größter Kampf - live übertragen auf RTL+. Vor 27.000 Zuschauer:innen in der Prager Eden Arena. Dort, wo normalerweise der Fußballverein Slavia Prag spielt, trifft sie auf Roza Gumienna. Neun Profikämpfe, erfahren und unbequem.
Gegen die Polin will Dalaslan natürlich gewinnen. Das sei aber nur ein kurzfristiges Ziel. "Langfristig will ich mich mit den Besten der Welt messen." Die besten Frauen kämpfen in den riesigen Hallen der Ultimate Fighting Championship (UFC). Sie heißen Kayla Harrison, Julianna Peña und Raquel Pennington. Und stammen aus den USA.
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Mandy Böhm: Eine Pionierin im MMA
Mandy Böhm (34) verschwendet keine Zeit. Die Kämpferin aus Gelsenkirchen war die einzige Deutsche in der UFC. Jetzt greift das „Monster“ als Profi-Boxerin an. Und stellt klar: „Ich hab' richtig Bock auf Boxen und möchte so schnell wie möglich an die Spitze!“
Nach nur einem Kampf ist Böhm in Deutschland schon die Nr. 5 im Leichtgewicht (61,2 Kilo). Samstag steigt sie in München zum zweiten Mal in Ring. Ihre Gegnerin: Karina Szmalenberg (34). Die erfahrene Polin (Bilanz 14 Siege, 59 Niederlagen, 4 Unentschieden) stand schon mit der gesamten deutschen Elite im Ring - ging dabei aber noch nie k.o.! Das will Böhm ändern. Und stellt klar: „Ich habe keine Ambitionen, sechs Runden mit ihr zu tanzen.“
Dabei bekommt sie starke Unterstützung! Im Gegensatz zu ihrem Debüt im November ist diesmal Ehemann Khurshed „Killer“ Kakhorov (31) in ihrer Ecke. Der MMA-Kämpfer ist PFL-Europameister. „Ich bin froh, dass er wieder dabei ist“, sagt Böhm. „Er hat eine gute Übersicht und sieht, was die Gegner können. Und er gibt mir Ruhe.“
Weitere deutsche UFC-Kämpfer
Während Mandy Böhm die einzige deutsche Frau in der UFC war, gibt es auch einige deutsche Männer, die in der UFC gekämpft haben. Hier ist eine Übersicht von fünf erfolgreichen deutschen UFC-Kämpfern:
- Dennis Siver: Bekannt für sein vielseitiges Striking und seine spektakulären Spinning-Kicks.
- Ottman Azaitar: Bekannt für seinen explosiven Kampfstil und seine Knockout-Power.
- Nasrat Haqparast: Bekannt für seinen aggressiven Boxstil und soliden Bodenkampf.
- Abusupiyan “Abus” Magomedov: Bekannt für seinen spektakulären K.o. in der ersten Runde seines UFC-Debüts.
- Nick Hein: Bekannt für seinen zähen und disziplinierten Kampfstil.
Obwohl Deutschland bislang keinen UFC-Champion hervorgebracht hat, haben diese Kämpfer bewiesen, dass deutsches MMA-Potenzial auf der größten Bühne des Sports existiert. Dennis Siver ebnete als Pionier den Weg für viele andere, während aufstrebende Talente wie Ottman Azaitar, Nasrat Haqparast und Abus Magomedov zeigen, dass der Traum vom UFC-Gold für deutsche Athleten längst nicht unerreichbar ist.
Herausforderungen und Vorurteile
Viele sehen Mixed Martial Arts als Inbegriff von purer Gewalt. Tätowierte Schlägertypen, dicke Muskeln und blutig-gebrochene Nasen - mit diesen Dingen wird der Sport, kurz auch MMA genannt, häufig in Verbindung gebracht. Der Kampfsport hat einen umstrittenen Ruf, vor allem in Deutschland, wo mehrere Jahre lang ein striktes Übertragungsverbot der UFC herrschte, der amerikanischen Ultimate Fighting Championship.
Anna Gaul, eine weitere deutsche MMA-Kämpferin, weiß, dass an ihrem Sport viele Vorurteile haften. „Das größte ist vermutlich, dass es im MMA keine Regeln gibt“, sagt sie, „aber das stimmt so nicht.“ Erst seit den Neunzigern existiert der Vollkontaktsport, der unterschiedliche Kampfsportstile wie das Boxen, Ringen, Judo oder Grappling in einem Kampf vereint.
Trotzdem hänge Deutschland, was die Finanzierung des Sports betrifft, noch ziemlich hinterher. Während viele andere Länder große und staatlich finanzierte Teams haben, stehe Deutschland im Vergleich dazu mit einem kleineren und selbst finanziertem Team da. „Das kann eigentlich nicht sein“, findet Gaul.
