Deutsche MMA-Kämpfer in der UFC

Mixed Martial Arts (MMA) hat in Deutschland in den letzten Jahren stetig an Popularität gewonnen. Besonders die Ultimate Fighting Championship (UFC) - als größte und prestigeträchtigste MMA-Organisation der Welt - bietet Athleten aus allen Ländern die Möglichkeit, sich auf höchstem Niveau zu messen.

Aktuelle Deutsche UFC-Kämpfer

Während Länder wie die USA, Brasilien oder Russland traditionell stark vertreten sind, kämpfen auch einige deutsche Athleten unter dem Banner der Ultimate Fighting Championship.

Islam Dulatov

Deutschland hat einen weiteren Kämpfer in der UFC: Der 26-jährige Islam Dulatov konnte sich durch einen Sieg bei der Dana White Contender Series (DWCS) einen Vertrag in der größten MMA-Organisation der Welt sichern. Der Düsseldorfer besiegte den Brasilianer Vanilto Antunes in der ersten Runde durch Knockout. Dulatov, der im Kindesalter als Kriegsflüchtling aus Tschetschenien nach Deutschland gekommen war, hatte bereits vor zwei Jahren verkündet, dass die UFC sein Ziel sei. Bei der DWCS war seine Chance gekommen.

Er deckte seinen Gegner nach wenigen Sekunden bereits mit einem Schlaghagel ein. Viele Treffer gingen in die Deckung des Brasilianers, der aber sichtlich überrumpelt wirkte. Der Düsseldorfer dominierte den Kampf und bestimmte das Tempo. Nach zwei Minuten setzte er erneut eine Salve an Schlägen an und streute einen Ellbogen mit ein, der den Brasilianer sauber traf und zu Boden schickte. UFC-Boss Dana White hielt es nicht mehr auf seinem Sitz.

Dass Dulatov (Bilanz 11-1) nun weniger Zeit für sein sehr ungewöhnliches zweites Standbein hat, ist klar: Er modelte jahrelang für Marken wie Versace, Gucci oder Hugo Boss. "Ich nehme nicht mehr so viele Modelaufträge an.

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Abus Magomedov

Abus Magomedov (34) hat seinen nächsten Sieg in der UFC gefeiert. Der Düsseldorfer besiegt den Brasilianer Michel Pereira (31) in Kansas City nach Punkten. Magomedov: „Ich bin glücklich. Das war eine harte Vorbereitung und ein harter Gegner. Top 15, ich komme.“

Magomedov steigt mit seinem dritten Sieg in Folge in der UFC-Rangliste immer weiter nach oben, gehört im Mittelgewicht jetzt zu den besten 15 Athleten der Welt. Der letzte Deutsche, der in den Rankings so weit oben stand, war Dennis Siver (46/Top-10 im Federgewicht). Heißt auch: Für Magomedov, der als Jugendlicher aus Dagestan (russische Republik) nach Deutschland kam, beginnt nun ernsthaft das Titelrennen in der Champions League des MMA.

Gleich zu Beginn der ersten Runde erwischt Magomedov seinen Gegner mit einem linken Schwinger, der Wirkung zeigt. Der Brasilianer wackelt bereits, fängt sich aber wieder. Direkt im Anschluss holt sich der Düsseldorfer einen Takedown und sichert sich den ersten Durchgang.

Magomedov agiert über den gesamten Kampf äußerst variabel, zeigt das ganze Spektrum (im Stand, am Boden) seiner Klasse. Im zweiten Durchgang er seinem Kontrahenten allerdings zu viel Raum, sodass er in der letzten Runde noch einmal aufdrehen muss. Am Ende des Gefechts ist es ein deutlicher Sieg für unseren Deutschen. Alle drei Punktrichter werten 30:27 (3:0-Runden) für Magomedov.

Alina Dalaslan

Ihren ersten Kampf hat Alina Dalaslan souverän gewonnen. Gegen Kamila Šimková aus Tschechien siegte sie in der dritten Runde durch technischen K.o. und zeigte dabei von Beginn an eine dominante Vorstellung. Alina Dalaslan fällt auf, wenn sie die Matte betritt. In der zwölfköpfigen Trainingsgruppe ist sie die einzige, die sich zunächst einmal ihre langen, schwarzen Haare zu einem Dutt binden muss, bevor es losgehen kann. Bis auf sie und den Trainer tragen alle anderen Athleten Kurzhaarfrisur. Alina Dalaslan ist die einzige Frau in der Gruppe.

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Auf den ersten Blick sieht man ihr das Hobby nicht an, das sie ab sofort professionell betreiben wird. Mixed Martial Arts, kurz MMA, ist momentan eine der am schnellsten wachsenden Sportarten in Europa.

Alina Dalaslan kann all das. Zumindest die besten Tricks dieser Sportarten. Auch wenn sie selbst am liebsten im Stand kämpft, wie sie erzählt. "Ich komme aus dem Kickboxen", erklärt sie am Rande der Trainingseinheit. Schwitzend und glücklich steht sie nach dem anstrengenden Athletik-Training in der Balinger Kampfsportschule "Planet Eater" vor der Kamera. Dann schnürt sie sich die dünnen, fingerfreien Handschuhe, um noch ein kurzes Sparring einzuschieben.

Dass Alina Dalaslan als eines der größten weiblichen MMA-Talente in Deutschland gilt, liegt auch an ihrer kurzen, aber erfolgreichen Amateur-Karriere, die im Stallion Gym in Stuttgart beginnt. Ihren ersten Kampf im September 2023 gewinnt Dalaslan gegen die Österreicherin Narges Mohseni auf der Veranstaltung "Savage 1" im österreichischen Korneuburg.

Wenig später wird Alina Dalaslan bereits für die Weltmeisterschaft nominiert, darf für Deutschland antreten: "Es war so eine geile Erfahrung gegen richtig gute Kämpferinnen", erzählt Dalaslan. Am Ende darf sie sich über den Titel freuen: Weltmeisterin der IMMAF (International Mixed Martial Arts Federation). "Mit dem Gürtel nach Hause zu kommen war natürlich der Hammer", sagt sie und freut sich über das Lob aus der Szene.

Weitere Deutsche UFC-Kämpfer

In diesem Abschnitt werden weitere deutsche Kämpfer vorgestellt, die in der UFC aktiv waren oder sind.

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Dennis Siver

Dennis Siver ist zweifellos der bekannteste Name unter den deutschen UFC-Kämpfern. Geboren in Russland, wuchs er in Deutschland auf und trat ab 2007 in der UFC an. Siver fiel durch sein vielseitiges Striking und seine spektakulären Spinning-Kicks auf. Er erzielte mehrere Siege, die ihn zeitweise in die Top-10 der Federgewichtsdivision katapultierten. Trotz eines hochkarätigen Kampfes gegen Conor McGregor blieb ihm ein Titelkampf verwehrt.

Ottman Azaitar

Der in Köln aufgewachsene Ottman Azaitar machte zunächst in regionalen Ligen auf sich aufmerksam, bevor er 2019 in der UFC debütierte. Sein explosiver Kampfstil und seine Knockout-Power verschafften ihm rasch einen Ruf als gefährlicher Finisher. Gleich in seinem ersten UFC-Kampf gegen Teemu Packalén gewann Azaitar mit einem krachenden K.o. und wiederholte das Kunststück im zweiten Kampf gegen Khama Worthy.

Nasrat Haqparast

Nasrat Haqparast, in Afghanistan geboren und in Hamburg aufgewachsen, ist ein weiterer aufstrebender Name im Leichtgewicht. Mit seinem aggressiven Boxstil und soliden Bodenkampf hat er sich in der UFC schnell einen Ruf als harter Gegner erarbeitet. Nachdem er anfangs einige spektakuläre Siege - darunter gegen Marc Diakiese - feiern konnte, wurde er auch als potenzieller Kandidat für einen Platz in den oberen Regionen des Rankings gehandelt.

Nick Hein

Nick Hein, ein ehemaliger Polizeibeamter aus Köln, ging 2014 in der UFC an den Start und machte sich einen Namen als zäher und disziplinierter Kämpfer. Mit einem starken Judo-Hintergrund und guten Boxfähigkeiten konnte Hein mehrere Siege einfahren und begeisterte mit seinem Entertainer-Charakter sowohl die deutschen als auch die internationalen Fans.

Jarjis Danho

Jarjis Danho: Der 32-Jährige ist der erste Schwergewichtler aus Deutschland in der UFC. Als Sechsjähriger floh Danho mit seiner Familie aus Syrien. In Deutschland durften die Danhos nur bleiben, weil sie den Behörden versicherten, für sich selbst sorgen zu können und keine finanzielle Unterstützung seitens der Ämter zu benötigten. Als 14-Jähriger arbeitete Danho bereits als Türsteher in seiner damaligen Wahl-Heimat Paderborn. Seinen ersten Profikampf gewann Danho nach nur zehn Sekunden. Wenige Auftritte später klopfte bereits die UFC an. Ein Ritterschlag.

Yessin Ayari

Yessin Ayari: Seit April steht der Weltergewichtler bei der UFC unter Vertrag. In Hamburg feiert der Nürnberger sein Debüt gegen den englischen Veteranen Jim Wallhead. Eine erste Bewährungsprobe für das 23-jährige Talent. Trainiert wird Ayari von Peter Sobotta, der in Hamburg auch selbst ins Octagon steigen wird. Der "kämpfende Coach" hat nur lobende Worte für seinen Schützling. "Natürlich bin ich stolz, dass unsere jahrelange Arbeit solche Früchte getragen hat. Das hat sich der Junge verdient - ich habe ihn nur begleitet.

Peter Sobotta

Peter Sobotta: Ayaris Mentor tritt selbst gegen Nicolas Dalby aus Dänemark an. Ein alter Bekannter. Der Kampf gegen den "Sharpshooter" hätte bereits im April 2013 stattfinden sollen. Damals legte den Deutschen eine Virusinfektion lahm.

Potenzial für die Zukunft

Obwohl Deutschland bislang keinen UFC-Champion hervorgebracht hat, haben diese Kämpfer bewiesen, dass deutsches MMA-Potenzial auf der größten Bühne des Sports existiert. Dennis Siver ebnete als Pionier den Weg für viele andere, während aufstrebende Talente wie Ottman Azaitar, Nasrat Haqparast und Abus Magomedov zeigen, dass der Traum vom UFC-Gold für deutsche Athleten längst nicht unerreichbar ist.

Die UFC in Deutschland

Seit vielen Jahren liegt Deutschland brach, was Events der größten Mixed-Martial-Arts-Organisation angeht. Das könnte sich nun bald ändern. Mitverantwortlich ist Abus Magomedov.

"Die UFC hat Bock auf Deutschland", sagt Magomedov. Die UFC plane nach Deutschland zu kommen, aber man brauche mehr Kämpfer. Der Düsseldorfer ist zurzeit die sportliche Speerspitze der deutschen MMA-Szene. "Ich alleine schaffe das aber nicht. Bald kämpft Islam Dulatov und wir haben noch ein paar andere aus Österreich und der Schweiz", zählt der Kämpfer aus dem UFD Gym die Möglichkeiten auf.

Um seine eigenen Träume zu verwirklichen, geht der 34-Jährige nun einen drastischen Schritt: Er wird Deutschland für längere Zeit verlassen. "Ich bin gezwungen, in die USA umzuziehen", sagt Magomedov mit einem Lachen. In Deutschland gebe es nicht das richtige Material - gemeint sind damit Trainingspartner.

Auch wenn sich der Sport in Deutschland in die richtige Richtung bewegen würde, das gehe "leider zu langsam", sagt der Mittelgewicht-Kämpfer, Frankreich oder Polen seien da schneller. "Aber es entwickelt sich. Wir haben viele Jugendliche, die den Sport hier machen." Aber bis die Bedingungen soweit seien, dass er sich auch in Deutschland auf entsprechend hohem Niveau vorbereiten könne, sei er bereits "Veteran", so Magomedov.

Tabelle: Deutsche UFC-Kämpfer

KämpferGewichtsklasseUFC-ZeitraumHighlights
Dennis SiverFedergewicht2007 - ?Top-10 Platzierung
Ottman AzaitarLeichtgewicht2019 - ?Schnelle K.o.-Siege
Nasrat HaqparastLeichtgewicht?Aggressiver Boxstil
Abus MagomedovMittelgewicht2022 - heuteBlitzschneller Erstrunden-K.o.
Nick HeinLeichtgewicht2014 - ?Disziplinierter Kämpfer
Islam Dulatov?2024 - heuteSieg bei DWCS