Farbige Gürtel sind im Karate ein relativ junges Phänomen, das erst Anfang des 20. Jahrhunderts im Judo eingeführt wurde. Meister Gichin Funakoshi führte das Gürtelsystem dann in das Karate-Do ein. Die Farbe des Gürtels eines Karatesportlers zeigt seine ungefähre Stärke an, also den Trainingserfolg, der in verschiedenen Prüfungen nachgewiesen werden muss. Das System der Gürtelfarben ist jedoch nur eine grobe Angabe darüber, wie weit ein Karateka in seiner Ausbildung fortgeschritten ist.
Generell kann man sagen, dass die Rangfolge bei sehr hellen Farben beginnt und die Gürtelfarben mit fortschreitender Ausbildung immer dunkler werden. Lediglich der Gürtel des Zehnten Dans bildet hier eine Ausnahme.
Die Schülergrade (Kyu)
Die Schülergrade sind in unterschiedliche Farben aufgeteilt, die für die einzelnen Schritte auf dem Weg zum Meister stehen. Im Kyokushin wurde das Gurtsystem von Sosai Mas Oyama entwickelt und eingeführt.
- Weißer Gürtel (Mukyu): Der weiße Gürtel stellt keine Stufe dar. Er zeigt an, dass man neu beim Karate ist und noch nicht an einer Prüfung teilgenommen hat. Anfänger sind wie weiße, unbeschriebene Blätter, die keine Erfahrungen haben und voller Potenzial stecken. Er symbolisiert Reinheit, Klarheit und Unerfahrenheit.
- Gelber Gürtel (8. Kyu): Als Gelbgurt soll man eine klare Entwicklung in der körperlichen Stärke und Fähigkeiten durchgemacht haben. Im Vergleich zu anderen farbigen Gürteln vorher soll man als Gelbgurt aber auch eine innere Entwicklung durchmachen. Karate ist nicht nur ein körperliches Training. Man soll als Mensch wachsen. Karate bringt vieles bei, was man für das gesamte Leben braucht: Durchhaltevermögen, Disziplin, Respekt, Konzentration und vieles mehr.
- Orangener Gürtel (7. Kyu): Orange steht für Feuer und die Wärme der Sonne. Im Japanischen sagt man über den orangefarbenen Gürtel: "Die Sonne erwärmt die Erde und macht sie fruchtbar." Das bedeutet, dass der Karate-Schüler die Anweisungen des Trainers oder Meisters besser umsetzen kann. Orangegurte dürfen aber nicht nur die körperlichen Grundlagen verstehen lernen. Nein, sie sollen auch Ehrgeiz, Dankbarkeit, Beharrlichkeit und Respekt entwickeln. Dazu gehört auch, dass man regelmäßig zum Training kommt.
- Blauer Gürtel (4. Kyu): Blau ist die Farbe für Wasser. Als Blaugurt sollte man sich mehr und mehr mit seinem Karate an die unterschiedlichsten Situationen anpassen und reagieren können. Man lernt, Karate den eigenen körperlichen Stärken und Schwächen anzupassen und es besser zu nutzen. Es ist die Zeit, wo man seinen Körper immer weiter stärkt, besonders im Rumpf und in den Armen.
- Grüner Gürtel (6. Kyu): Grün ist eine Farbe für fortgeschrittene Schüler. Als Grüngurt sollte man seine Grundtechniken beherrschen. Man lernt auf diesem Weg, seine Technik mit Geschwindigkeit und Kraft zu kombinieren, die man durch das Training entwickelt hat. Auf diese Weise sollten alle Grüngürtel an der Kraft von Karate arbeiten. Der Grüngurt sollte diese Stärke in seinem Charakter und im Karate zeigen.
- Brauner Gürtel (2. Kyu): Als brauner Gürtel sollte man sehr stark und sehr vertraut in der Ausführung aller Techniken sein, während man aber nicht einfach damit zufrieden ist. Man soll immer weiter daran arbeiten, besser zu werden. Deswegen sollten Anfänger dazu neigen, dass sie einem als braunen Gürtel vertrauen können und man sollte dieses Vertrauen durch Ehrlichkeit, Integrität und Loyalität bestätigen.
Die Meistergrade (Dan)
Alle Meister haben den schwarzen Gürtel, wo man die Stufe an der Anzahl von goldenen Streifen erkennen kann. Schwarz vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die stärkste aller Farben. Schwarz soll auch die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der Meister symbolisieren.
Was im Judo der schwarze Gürtel ist, muss im Karate noch lange keiner sein. Auch zwischen den Verbänden gibt es hier starke Unterschiede. Während der eine Verband zwischen den einzelnen Prüfungen bis zum 1. Dan verschieden lange Wartezeiten bis zum schwarzen Gurt hat, wirbt der andere Verband mit verkürzten Wartezeiten und Sonderbehandlung bis zur 1. Dan.
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Die Danträger der Grade 1 - 4 (YUDANSHA) werden als Meister bezeichnet. Der erste Dan bedeutet für ihn ein Ausgangspunkt für seine Entwicklung auf den Weg der geistigen Reife. Oft besteht allerdings die Gefahr, dass er sich jetzt auf seinen 1. Dan ausruht und glaubt, schon genug erreicht zu haben.
Die Dan-Grade im Detail
- 1. Dan (Shodan): Der erste Meistergrad. Hier hat das Lernen allerdings noch kein Ende, denn es gibt insgesamt neun Meistergrade, die durch den schwarzen Gürtel symbolisiert werden.
- 2. Dan (Nidan): "Der Grad der Erkenntnis". Der Schüler hat nun die Bedingungen des Weges durch seine rechte Haltung verstanden. Noch warten viele Hindernisse auf seinen Weg, doch er hat sich noch nicht endgültig entschieden, diese Herausforderungen mit allen Konsequenzen zu meistern.
- 3. Dan (Sandan): "Der Grad des anerkannten Wegschülers". Der Karateka ist nun entschlossen den Weg der Kampfkunst bis an sein Lebensende zu gehen. Meister als wahren Wegschüler anerkennen.
- 4. Dan (Yondan): "Der Experte der Technik". Ab dem 4. Dan beginnt der Weg des Budos. Budos-Weges neuen Herausforderungen stellen muss. Er lebt und verinnerlicht die geistigen Aspekte der Kampfkunst täglich im Dojo oder im Alltag.
- 5. Dan (Godan): "Experte der Übung". Der Karateka mit dem 5. Dan ist kein Schüler mehr, sondern ein wahrer Meister. Er hat die Theorie und die Praxis verinnerlicht und ist ein Vorbild und mit seinem Wissen eine Autorität für seine Schüler.
- 6. Dan (Rokkudan): "Experte der Übung". Auch bei dieser Stufe ist der Titel noch Renshi. Er wird sich trotz des 6. Dan bewusst um Klarheit, Selbsterkenntnis und Harmonie streben und sich ständig verbessern.
- 7. Dan (Kyoshi): Kyoshi ist ein Großmeister des jeweiligen Stils. Ihm ist klar, dass er tägliche Übungen nicht durch geistige Übungen ersetzen kann und trainiert täglich.
- 8. Dan (Hachidan): "Experte des Unterrichts". Der 8. Dan ist der Großmeister des jeweiligen Stils. Im Budo gibt es kein vorzeitigen Pensionsrecht oder Ruhestand. Das Training geht bis ins hohe Alter, für viele bis zum Lebensende.
- 9. Dan: Der 9. Dan ist der Großmeister des jeweiligen Stils und ist im Einklang mit sich selbst. Seine Handlungen zeichnen sich durch Harmonie mit den kosmischen Kräften aus.
- 10. Dan: Der 10. Dan ist der Großmeister des Stils. Diese Graduierung ist frühestens ab einem Lebensalter von 70 Jahren möglich. Die höchste Auszeichnung im Budo kann nur von der IMAF - Kokusai Budoin vergeben werden. Der höchste Meistergrad ist der 10. Dan, dessen Träger auch an einem rot-weißen Gürtel zu erkennen sind.
Die Bedeutung der Gürtelfarben im Taekwondo
Auch im Taekwondo signalisieren die Gürtel die Fähigkeiten des Trägers. Schwarz, Symbol für das Weltall, vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die stärkste aller Farben. Schwarz soll auch die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der Meister symbolisieren.
Um ein faires System bei den Gürtelprüfungen im Taekwondo zu gewährleisten, gibt es Prüfungsanforderungen, die von Schule zu Schule variieren können.
Die psychologische Wirkung der Gürtelfarben
Die Auszeichnung, die neue Farbe tragen zu dürfen, etwas geschafft zu haben und stolz auf sich sein zu können, ist ein wichtiger Aspekt. Erstaunlich ist oft der Entwicklungssprung im Training NACH der Verleihung. Eine Art "selbsterfüllende Prophezeiung". Einen neuen Gürtel tragen zu dürfen, zeigt auch die (soziale) Anerkennung durch den Lehrer bzw. bei den Dan-Graden durch die verleihende Organisation. Es ist eine "Auszeichnung".
Grüppchenbildung (oder auch Auf-/Abwertungen) nach Farben sollte eigentlich durch die wachsende Reife der Schüler ausbleiben und widerspricht dem Gedanken der Gleichheit.
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Die Gürtelfarben im Shotokan-Karate
Im Shotokan-Karate sind die Gürtelfarben ein sichtbares Zeichen für den Fortschritt und die Entwicklung der Karateka. Sie geben Aufschluss über den Kenntnisstand und die Erfahrung einer Person. Die Gürtelfarben dienen als Orientierungshilfe auf dem Weg des Karateka, sind jedoch nicht das eigentliche Ziel. Karate ist eine ganzheitliche Kunst, die sowohl den physischen als auch den geistigen Aspekt umfasst.
Es ist wichtig zu erkennen, dass der Weg des Karateka kein Wettbewerb gegen andere ist, sondern ein stetiger persönlicher Fortschritt. Jeder Karateka hat seine eigene Reise und individuelle Herausforderungen zu meistern.
Die Gürtelfarben im Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ)
Wie bei vielen anderen Kampfsportarten auch, signalisieren die Gürtel im Brazilian Jiu-Jitsu die Fähigkeiten des Trägers. Allgemein besteht ein Unterschied im Alter der Träger, bis zu 15 Jahren zählt man zu den Kindern. Hier werden Gürtel nach Fähigkeiten in der Reihenfolge weiß→grau→gelb→orange→grün vergeben, wobei diese ebenfalls noch einmal unterteilt werden können mit je einem horizontalen Streifen in weiß oder schwarz.
Zusätzlich können die Gurte, egal welcher Farbe (außer dem Schwarzgurt) noch mit bis zu 4 weißen Streifen, den sogenannten Dans, je nach Fähigkeiten im jeweiligen Stadium unterteilt werden. Der Schwarzgurt kann bis zu 6 Dans erreichen, bevor er den nächsthöheren Gurt erhält.
Prinzipiell nein, der Meister verleiht dem Schüler den nächsten Gürtel, wenn er es für angemessen erachtet. Bei manchen Schulen werden Gürtel zu bestimmten Zeiten verliehen, bei Anderen völlig willkürlich.
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