Die Besetzung der WWF Superstars of Wrestling: Eine Legende wird lebendig

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Kurz nach der Wende. Mit dem Privatfernsehen hielten die martialischen, knallharten Fights der WWF, der „World Wrestling Federation“, Einzug in mein mediales Erleben. Jedes in Deutschland gezeigte Match wurde goutiert und richtig mitgefiebert. Dass man dann im Nachhinein erfuhr, dass die Fights nur inszeniert waren, war eigentlich vollkommen egal.

Die Anfänge des Wrestlings selber liegen im 19. Jahrhundert. Es diente schon hier dem reinen Entertainment, etwa auf Jahrmärkten usw. Der Showcharakter war schon immer da, jedoch bei weitem noch nicht so ausgeprägt wie in den 80er oder 90er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Wrestling im Film: Mehr als nur Muskeln

Sylvester Stallone erkannte als einer der Ersten, dass Wrestling auf der großen Leinwand gut kommen kann. Und so sahen die ersten Rollen der Wrestler eben auch aus: Meist waren sie gigantische Erscheinungen für einen WOW-Effekt eines Filmes, blieben aber im Abspann meist unerwähnt oder gingen letztlich trotz ihres beeindruckenden Körperbaus im Hintergrund unter.

Einer der ersten Wrestler, der ins Filmbusiness strebte, war Tor Johnson, sein Kämpfername deutet sein Herkunftsland an: „Super Swedish Angel“. Von kleinsten Minirollen arbeitete sich der Hüne (191 cm bei 136 Kilo) zu einem Lieblingsschauspieler von Ed Wood empor. Damit verbunden ist zwar keine besonders ruhmreiche Filmografie, aber immerhin eine wundervoll trashige (man denke nur an „Plan 9 aus dem Weltall“ (1959) oder „Die Rache des Würgers“ (1955)).

Wesentlich interessanter für uns ist das Jahr 1964, als ein gigantischer Asiate Sean Connery das Leben schwer machte und bevorzugt mit seinem todbringenden Zylinder um sich warf. Die Rede ist freilich von „Goldfinger“, in dem Harold Toshiyuki Sakata als „Oddjob“ einen der einprägsamsten Schurken-Sidekicks im Bond-Franchise verkörperte.

In der Folgezeit gab es zwar keinen Run auf Bösewichtsdarsteller aus dem Wrestling-Zirkel, aber die damaligen Stars der Szene ergatterten immer wieder einmal kleine Rollen in den unterschiedlichsten Filmen. Meist als menschliche Absurditäten oder eben schrankwandgroße Bösewichter.

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1974 erschien mit „The Wrestler“ ein Film, der eine ganze Armada an Wrestlings-Stars aufzuweisen hatte und als einer der ersten Filme auch die Sportart selber zumindest oberflächlich ins Rampenlicht rückte.

Ob Sylvester Stallone bei diesem Film Wrestling-Lunte gerochen hat, man weiß es nicht. Zumindest brachte er 1978 mit „Vorhof zum Paradies“ seinen Beitrag zum Wrestling-Film auf den Weg. Auch er versammelte eine beeindruckende Menge an Wrestlern (Ted DiBiase, Terry Funk oder Ray Stevens seien genannt) vor der Kamera, landete allerdings mit dem Film einen Flop.

… doch er ließ nicht locker und verschaffte Hulk Hogan einen extravaganten Auftritt in „Rocky III - Eye of the Tiger“.

Die goldene Ära des Wrestlings und seine Stars

In den 80ern erlebte das Wrestling seine absolute Hochzeit. Vor allem die Gründung der WWF gab dem Show-Sport einen unfassbaren Popularitätsschub. Eng damit verknüpft ist der Name Terrence Gene Bollea, der als „Hulk Hogan“ für das Wrestling das leistete, was Schwarzenegger kurz zuvor für das Bodybuilding geleistet hatte: Er machte es über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Kurz darauf stand Sylvester Stallone bei ihm auf der Matte und bat ihn um ein Mitwirken in „Rocky III“.

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Der clevere Marketingmensch Hogan sagte hier freilich nicht nein, konnte man das weltweit bekannte Franchise um Rocky doch nutzen, um den Sport weltweit bekannt zu machen.

Parallel war im Filmgeschäft mit Einführung der Videokassette ein neues Genre aufgelebt: Der Actionfilm. Der genau wie das Wrestling vom Eskapismus lebte und sich immer wieder auch Wrestler hernahm und in prägnanten Rollen präsentierte.

Hulk Hogan: Der Pionier

Hulk Hogan (geboren am 11. August 1953 in Augusta, Georgia) kann mit Fug und Recht als Galionsfigur des modernen Wrestlings angesehen werden. Er war dabei so erfolgreich, dass er als erster Wrestler der Welt in Form einer Actionfigur Einzug in die Kinderzimmer wrestlingvernarrter Menschen hielt.

Er ist fünfzehnfacher World Heavyweight Champion und seine Moves wie der „Immortal Legdrop“ gingen gefühlt in den täglichen Sprachgebrauch über.

1982 nahm er eigenmächtig und ohne Absprachen mit der WWF eine Rolle in „Rocky III - Eye of the Tiger“ an und flog dafür aus der berühmtesten Liga der Welt. Damit begründete er gleichzeitig seine Filmkarriere, die entgegen seiner parallel laufenden Wrestling-Karriere nur wenige Highlights aufzubieten hat. Familienkompatiblen Streifen wie „Der Ritter aus dem All“ (1991) oder „Mr.

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Rowdy Roddy Piper

Während Hogan mit seinen Komödien und „Rocky III“ sogar kurzzeitig A-Luft schnuppern durfte, buk Roderick George Toombs (geboren am 17. April 1954 in Saskatoon, Saskatchewan) alias Rowdy Roddy Piper deutlich kleinere, dabei aber deutlich unterhaltsamere Brötchen. Rowdy Roddy Piper begeisterte seine Fans mit starken Sprüchen und echt netter B-Ware. Darunter „Jungleground“.

Bei „Wrestlemania III“ (1987) begegnete Piper dem Regisseur John Carpenter. Der überredete ihn zum Mitwirken in dem Kinofilm „Sie leben“ (1988), der aber ebenfalls keine Superstarkarriere zur Folge hatte. Ganz im Gegenteil, landete Piper doch nun vollends in den Untiefen des B-Movies: „Back in Action“, „Bad Pack“, „Jungleground“, „Last to Surrender“, „Sci-Fighters“, „Shepherd“, „Terminal Rush“ oder „Tough and Deadly“ seien allen B-Action-Fans ans Herz gelegt.

Tom „Tiny“ Lister

Thomas „Tiny“ Lister junior (geboren am 24. Juni 1958 in Compton, Kalifornien) hat unter Wrestlingfans kein sonderlich gutes Standing. Eine der gefragtesten Hackfressen Hollywoods: Tom „Tiny“ Lister.

Sein Filmdebüt gab er 1985 in dem Eric Roberts Streifen „Runaway Train“ und er beeindruckte mit seiner unfassbaren Physis und dem fiesen Gesichtsausdruck unter der Regie von Walter Hill in dem Actionknaller „Ausgelöscht“ (1987), im Renny Harlin Horrorstreifen „Prison - Rückkehr aus der Hölle“ (1988) und unter der Führung von Tony Scott in „Beverly Hills Cop II“ (1987).

Dabei muss er Hulk Hogan aufgefallen sein, der ihm eine Rolle in seinem Wrestling-Streifen „Der Hammer“ (1989) vermachte. Bei den Dreharbeiten überredete Hogan Lister dazu, eine Karriere als Wrestler zu starten.

Über sechs Jahre machte sich Lister daraufhin zur Pfeile und gilt vielen als schlechtester Wrestler überhaupt. Doch erstaunlicherweise lief es für den extrem unsympathisch wirkenden Lister in der Filmbranche wie geschnitten Brot!

Der Actionfilm der 80er und frühen 90er Jahre griff sehr oft auf die Sportler der verschiedenen Wrestlingligen zurück.

Die Attitude Era und ihre Stars

Mitte der 90er bekam die WWF Konkurrenz durch die neue Wrestling-Liga “WCW”. Es entstand ein irrsinniger Konkurrenzkampf, der ausnahmsweise mal nicht inszeniert war. Beide Ligen setzten alles daran, neue Taktiken zu fahren und die Zuschauer zu binden.

Die WWF konzentrierte sich vor allem darauf, neue Superstars zu kreieren. Diese gaben sich fortan deutlich rebellischer und die Storylines, die das Wrestling-Geschehen begleiteten, wurden deutlich düsterer und komplexer. Zwei wichtige Stars dieser Zeit waren Dwayne „The Rock“ Johnson und „Stone Cold“ Steve Austin.

Steve Austin

Steve Austin wuchtet sich seit dem Ende seiner Wrestling-Karriere durch die verschiedensten B-Kracher. Wie „Damage“.

Steve Austin (geboren am 18. Dezember 1964 in Austin, Texas, USA) war unter anderem in der WCW und WWF engagiert und Hauptprotagonist der soeben angedeuteten Attitude Phase: Er war der Wadenbeißer des Systems, er legte sich sogar mit den Bossen der Liga an und leerte gerne volksnah im Ring ein Glas Bier.

Als Bret „The Hitman“ Hart 1997 seinen Hut in der WWF nahm, wurde Austin durch die Liga zum Superstar gepusht.

2003 trat er nach einer Fehde gegen „The Rock“, die bei dem Großevent „Wrestlemania 19“ endete, vom aktiven Sport zurück.

Sein Filmdebüt gab er 2005 in dem Adam Sandler Vehikel „Spiel ohne Regeln“, um danach von einem straighten B-Actioner zum nächsten zu springen.

Seinen größten Erfolg markiert das Action-Hero-All-Star-Vehikel „The Expendables“, bei dem er als Sidekick des Bösewichts Eric Roberts dem Helden Sylvester Stallone kräftig in den Arsch treten durfte. Für den richtigen Durchbruch hat es aber bisher noch nicht gereicht.

Dwayne „The Rock“ Johnson

Dwayne „The Rock“ Johnson kann wohl mit Fug und Recht als erfolgreichster Wrestler im Filmgeschäft angesehen werden.

Als Steve Austin aus dem aktiven Wrestling-Geschehen zurücktrat, tat er das mit einem Kampf gegen Dwayne „The Rock“ Johnson.

Geboren am 2. Mai 1972 in Hayward, Kalifornien begann dieser 1995 mit dem professionellen Wrestling - in der United States Wrestling Association, einer Talentschmiede der WWF.

Der Wrestler in dritter Generation fehdete irgendwann sogar gegen Hulk Hogan, den er bei „Wrestlemania 18“ besiegte. In der Folge trat er nur noch sporadisch als Wrestler auf, wollte er sich doch stärker auf eine mögliche Filmkarriere konzentrieren, für die dank „Die Mumie kehrt zurück“ (2001) und seiner ersten Hauptrolle in „Scorpion King“ (2002) Tür und Tor geöffnet wurde.

Doch das Wrestling konnte er nicht zu den Akten legen. Schon 2002 stand er wieder im Ring, kündigte 2006 aber an, nie mehr aktiv wrestlen zu wollen. 2011 waren diese Worte wieder Geschichte und Fehden gegen unter anderem John Cena mussten im Ring ausgetragen werden.

Auch filmisch gesehen ist die Karriere von The Rock ein ständiges Auf und Ab. Mal wollte er Actionfilme drehen: „Welcome to the Jungle“ (2003) und „Walking Tall“ (2004), mal nicht: „Be Cool“ (2005). Dann wieder doch: „Doom“ (2005), dann wieder nicht: „Southland Tales“ (2006), „Spiel auf Bewährung“ (2006) …

Doch auf eine schreckliche Phase witzloser, familienkompatibler Komödien wie „Daddy ohne Plan“ (2007) folgte eine Phase der echten Besinnung auf seine Actionmanfähigkeiten: „Faster“ (2010), „Fast & Furious Five“ (2011), „Snitch - Ein riskanter Deal“ (2013), „G.I. Joe - Die Abrechnung“ (2013) und „Fast & Furious 6“ (2013) waren die Folge.

WWE Studios: Der Sprung ins Filmgeschäft

Wie das so ist, steckt hinter jedem großen Business immer auch ein wirtschaftliches Grundgerüst. Corporation, ein Medienunternehmen, das 1952 gegründet wurde und von Vince McMahon, der im Übrigen auch gerne aktiv als Akteur in die Storylines seiner Liga eingriff, geleitet wird.

Heute wird die Firma nur noch als WWE geführt, um die Marke prägnanter zu gestalten und freilich auch eine größere Nähe zu der angeschlossenen Wrestling-Liga herzustellen, die sich, nachdem man einen Rechtstreit gegen den WWF (World Wide Fund for Nature) verloren hatte, WWE (World Wrestling Entertainment) nannte.

Die WWE ist für die Vermarktung aller Artikel der WWF/WWE Wrestling-Liga verantwortlich.

2002 kam McMahon auf die Idee, dass man das Starpotential der eigenen Wrestler doch vorzüglich für Filme nutzen könnte. „WWE Films“ wurde ins Leben gerufen und kurz darauf in „WWE Studios“ umbenannt.

Als solche co-produzierte man die The Rock Vehikel „The Scorpion King“, „Welcome to the Jungle“ und “Walking Tall” sowie eine der Direct to Video Fortsetzungen von „Behind Enemy Lines“.

Hier schickte man den Wrestler Mr. Als eigenständiger Produzent trat das Studio erstmals 2006 auf (die 2004er Dokumentation „The Mania of WrestleMania“ sei für diese Betrachtung einmal außen vor) und bereitete die Bühne für den gigantischen Kane in dem Slasher „See No Evil“ (2014 folgte Teil 2).

Die WWE Studios versuchten sich zunehmend auch an Projekten, die wohl eher ein gewisses Prestige aufbauen sollten und die eigenen Wrestling-Experten deutlich in den Hintergrund rückten. Genannt seien „That’s what I Am“ (2011) mit Randy Orton, „The Day“ (2012 - der Survivalthriller verzichtet auf Wrestler-Beteiligung), „Dead Man Down“ (2013) mit Wrestler Wade Barrett in einer Minirolle, „The Call“ (2013) mit Wrestler David Otunga oder „No One Lives“ (2013) mit dem Wrestler Brodus Clay.

Wrestling im Film: Eine ungenutzte Chance?

Obwohl die Amerikaner darauf stehen, die Helden ihrer Lieblingssportarten zu feiern (man denke an die unzähligen Baseball und American Football Filme), gibt es kaum wirklich brauchbare filmische Auseinandersetzungen mit dem Wrestling selbst!

Wrestling spielt immer mal kleine Nebenrollen in großen Studioproduktionen. Man denke an Hulk Hogan in „Rocky III - Eye of the Tiger“ oder an die Wrestling-Szenen in „Highlander“ und „Spider-Man“.

Ansonsten sind es eher kleine Produktionen, die Wrestling - meist wenig erfolgreich - thematisieren. Der killende Wrestler in „Wrestlemaniac“ ist da eher eine witzige Randnotiz und Stallones „Vorhof zum Paradies“ unterflog einst jeden Aufmerksamkeitsradar.

Die Groteske „The Naked Man“ amüsierte vor allem mit der seltsamsten Wrestler-Kostümierung überhaupt, blieb ansonsten aber weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, und das Jack Black Vehikel „Nacho Libre“ war so unwitzig wie der Finishing-Move vom Undertaker. Über die langweilige Klischeeparade „American Mad Dog“ breiten wir hier gleich von vornherein den Mantel des Schweigens.

Dennoch gibt es auch einige Filme, die das Thema einigermaßen gelungen aufnehmen. So „Ready to Rumble“ aus dem Jahre 2000, in dem zwei Wrestling-Fans ihrem großen Idol ein Comeback verschaffen wollen und dafür durch dick und dünn gehen.

„Body Slam“ von 1987 geht das Thema ebenfalls komödiantisch an und zeigt einen ehemaligen Musikmanager, der einige Wrestler unter Vertrag nimmt und versucht, Musik und Wrestling gewinnbringend zu koppeln.

Deutlich anspruchsvoller und unterhaltsamer kommt da Kim Je-woons („The Last Stand“) Beitrag zum Thema daher: „The Foul King“ (2000). Hier träumt ein schüchternen Angestellter von einer Karriere als Wrestler und fasst sich irgendwann ein Herz. Er erweist sich nach anfänglich peinlichen Auftritten als sehr gelehrig und ist so durchaus erfolgreich. Auch in Liebesdingen geht plötzlich ...