Im Wrestling gibt es eine große Variation an Stilen im Ring, Arten von Körperbau, Arten von Charakteren. Da ist es garnicht so einfach den Überblick zu behalten. Entscheidend ist, was die Zuschauer der entsprechenden Liga sehen wollen. Je mehr Leute von einem überzeugt sind, umso talentierter ist ein Wrestler. Oftmals wird dies jedoch auf die reinen In-Ring-Fähigkeiten begrenzt.
Ein Undertaker war als Wrestler reiner Durchschnitt, der Undertaker als Charakter meiner Meinung nach auf dem Zeichenbrett ein Projekt das eigentlich scheitern muss. Aber die Aura, welche Mark Calaway in diesen Charakter gelegt hat war einfach herausragend. Er hat geschafft, mit diesem seltsamen Gimmick zur Legende zu werden. Alleine dass dieses Gimmick zum funktioniert brachte ist aller Ehren wert.
Die Frage nach dem GOAT im Wrestling ist doch ungefähr so sinnvoll wie die Frage nach dem GOAT in Hollywood. Nach welchen Kriterien bewertet man das? Was kann die Person im Ring und was davon darf sie überhaupt zeigen? Wie viele Titel gewann sie? Wie gut waren die Promos? War die Person auch noch in anderen Bereichen wie Film, Musik oder anderen Sportarten erfolgreich? Da gibt es so viele Aspekte, die jeder unterschiedlich gewichtet.
Die Bedeutung der Fanbase und des Gimmicks
Das ist von Liga zu Liga verschieden, denn jede Liga hat ihr Zielpublikum. Die müssen auf den neuen Star reagieren. Das ist mal die Wahrheit im Kern. Du würdest keinen Wrestler zu deinem Champion machen, der die Fans kalt lässt. Bei vielen Ligen stehen die Matches im Vordergrund, derjenige der es schafft mit aller Arten von Gegnern was Sehenswertes auf die Beine zu stellen und dazu noch gute Reaktionen beim Publikum hervorruft, ja das ist ein Topstar.
Bei WWE ist die Fanbase anders, da WWE sich stark an Popkultur orientiert, dies bedeutet ihre Fanbase kennt zu einem großen Teil nur WWE und schaut nicht über den Tellerrand. Dies liegt daran, dass Vince seit 40 Jahren seinen Stil durchgesetzt hat. Bei WWE ist das Match selbst eher im Hintergrund, die Stories jedoch im Vordergrund. Das heißt nicht die Qualität des Matches steht im Vordergrund, sondern die Story die sich aus den Charakteren ergibt.
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Deshalb setzt WWE traditionell nicht auf starke Techniker diese bleiben wenn sie herausragend sind maximal als B+ Player in der Rangfolge, sondern vielmehr auf kamerataugliche Muskelpakete, die Geschichten erzählen können, welche auch ein Zuschauer der zufällig aufs WWE Programm zappt, verstehen könnte. Nicht ohne Grund wechselten viele WWE Topstars schon nach Hollywood.
Die Gratwanderung der Ligabesitzer
Und so ist es für jeden Ligabesitzer eine Gratwanderung, wen man nach ganz oben setzt. Man muss hierfür seine Fanbase sehr gut kennen, diese ist zumeist auch eine Mischung aus Leuten die schon mehr vom Wrestling gesehen haben und welchen die nur WWE gesehen haben. Wen man hierfür, also um die meisten zufrieden zu stellen, an die Spitze setzt, dafür gibt es viele Faktoren.
Im Indy-Wrestling (sämtliche Ligen die ohne Festverträge arbeiten) ist die Situation noch eine besondere, weil jeder Promoter experimentiert, man jedoch den Vorteil hat, dass theoretisch jede Indy-Liga weltweit jeden Indy-Wrestler weltweit für seine Show verpflichten kann, wenn beide Parteien das wollen, was den Nebeneffekt hat dass jeder Wrestler zeitgleich für viele kleinere Ligen zugleich arbeitet. Dies bedeutet man kann sich ansehen, was woanders schonmal funktioniert hat und es in ähnlicher Form bei sich bringen... oder man gibt als Erster eben Wrestler XY eine Chance auf einen Titlerun.
Fazit: Es kann entweder ein Gimmick/Charakter von einem Wrestler sein, das große Reaktionen erzeugt, es kann deren technische Beschlagenheit sein, es kann sein weil eben dieser Typ 2,20m groß oder 200kg schwer ist und Leute das sehen wollen uvm.
Der Undertaker: Ein Phänomen
Gegenfrage: Hätte dieses Gimmick bei einer Liga funktioniert, deren Fokus auf der Matchqualität liegt? Wahrscheinlich nicht. Dementsprechend right place, right time. Hut ab.
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PS: Im Wrestling hat man nie eine Garantie was funktionieren wird. Nehmen wir Rikishi Fatu als Beispiel. Deren Erster Charakter als Einzelwrestler bei WWF war der eines Rappers, der als Message Kindern 'Hände weg von Drogen' mit auf den Weg gab. Das war 1995/1996 und scheiterte beim Publikum gnadenlos.
Man entschied sich ihm nach einiger Zeit zuhause mit einem neuen Charakter ins Rennen zu schicken. So bekam er eine Halbmaske verpasst, rasierte sich den Kopf kahl, nahm gut 50 weitere Kilo zu und wurde zum Sultan, einfach ein böser Mann aus dem Nahen Osten... ebenfalls keine Reaktionen beim Publikum...
Nach einiger Zeit ließ man ihn mit blond gefärbten, halblangen Haaren als Rikishi debütieren. Er tanzte, hatte einen Sumotori-artigen Gürtel um und drückte am liebsten seinen Gegnern seinen dicken Hintern ins Gesicht... und mit diesem Charakter wurde er einer der größten Charaktere seiner Zeit... die Fans wollten sehen dass er das den 'bösen' der Liga antut und wurde gefeiert deswegen... kann man nicht erklären warum... ist ein Wrestling Ding...
Naja, wenn ich heutige Wrestler wie Richochet, Finn Balor, Neville usw. sehe, finde ich die einfach nur langweilg. Die Charaktäre sind öde und dieses "spektakuläre" Rumgespringe spricht mich nicht wirklich an. Tag Teams wie die Bushwhackers oder Nasty Boys waren einfach sehr unterhaltsame Gimmicks.
Die Survivor Series und der Undertaker
Vor exakt 9125 Tagen, am 22. November 1990 passierten gleich zwei Ereignisse von historischer Tragweite. In London entschied sich Margaret Thatcher dazu in der zweiten Runde der Wahl zum Vorsitzenden der Conservative Party nicht mehr anzutreten und besiegelte damit ihr Ende als Prime Minister.
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Gut 5.400 km weiter westlich debütierte im Hartford Civic Center in Hartford Civic Center bei der dort statt findenden vierten Ausgabe der WWE Survivor Series ein Mann, der zu den größten seiner Zunft gehören sollte. Im zweiten Match der Show sollte es in einem Four-on-four Survivor Series Elimination Match zum Aufeinandertreffen des Dream Teams unter Führung von Dusty Rhodes und dem Million Dollar Team unter Führung von Ted DiBiase kommen.
Während das Dream Team mit Bret Hart, Jim Neidhart und Koko B. Ware schon komplett war, hatte der Million Dollar Man bisher nur den Honky Tonk Man und Greg Valentine auf seiner Seite. Dieser ergriff nun das Mic und kündigte sein letztes Team-Mitglied an: Ein enorm großer Mann, dunkel gekleidet mit langem Mantel, großem Hut, einer sehr breiten beigen Kravatte, rötlichen langen Haaren und einem stechenden Blick. The Undertaker.
In fast genau einer Woche, also am 22. November 2015 jährt sich dieses Debüt zum 25. mal und damals konnte wohl niemand ahnen, dass dieser Mann zu diesem Zeitpunkt noch immer eine zentrale Schachfigur im Spiel der WWE sein würde. Auch wenn die WrestleMania-Streak vielleicht das größte Monument seiner Legacy sein dürfte, so waren die Survivor Series doch immer in besonderer Weise mit dem Undertaker verbunden.
Aus diesem Anlass möchte ich euch heute auf eine kleine numerische Reise durch die Geschichte des Undertakers bei dem Survivor Series mitnehmen. Die Survivor Series 2015 werden die 17. Survivor Series sein bei denen der Undertaker ein Match bestreitet.
Damit ist er allerdings nicht absoluter Rekordhalter, sondern zieht nur mit dem bisherigen Spitzenreiter Shawn Michaels gleich. Allerdings nicht nur er, auch sein Bruder und Tag-Team-Partner Kane wird diese Marke erreichen - und das in Rekordzeit. Kane wird es in nur 20. Jahren schaffen, Shawn brauchte ein Jahr mehr und der Undertaker ließ sich mit 25 Jahren am meisten Zeit.
Allerdings wrestle der Deadman bei den Survivor Series 1998 im Rahmen des Titelturnieres gleich zwei Matches und hatte bei der Survivor Series 2005 einen Auftritt ohne ein eigenes Match zu haben, weswegen man ihm guten Gewissens als moralischen Rekordhalter betrachten könnte.
Dass es bei ihm so lange dauerte ist vor allem dem Status des Teilzeitwrestlers der letzten Jahre geschuldet. In einer Woche wird es das erste Mal seit 2009 sein, dass der Deadman seinem PPV die Ehre erweist. Und es ist das erste Mal seit 2010, dass der Undertaker mehr als drei Matches in einem Kalenderjahr bestreiten wird (2011, 2012, 2014 je eins, 2013 drei).
Nun kehrt er zurück um an der Seite seines Bruders gegen zwei Mitglieder der Wyatt Family anzutreten. Wer auch immer das nun ist, die beiden werden die Gegner Nr. 28 und 29 bei diesem PPV.
Unter den Kontrahenten die es bei diesem PPV mit dem Undertaker zu tun bekamen waren sowohl absolute Giganten des Sports wie Hulk Hogan, Bret Hart, Dusty Rhodes, Steve Austin, The Rock, Triple H, Mick Foley und Vince McMahon höchstpersönlich, als aber auch illustre Gestalten wie Koko B. Ware, Jaques, Heidenreich oder Mr. Kennedy.
Interessanterweise gab es mit seinem Mitrekordhalter Shawn Michaels in all den Jahren kein einzige Aufeinandertreffen. Mit Kane dafür zwei - wenn man seine unrühmliche Phase als Zahnarzt mitrechnet. Ebenfalls zweimal standen ihm Yokozuna, Kurt Angle und The Big Show gegenüber. Während die beiden Erstgenannten aber jeweils einmal nur Teil eines Survivor-Teams waren, stand Big Show dem Taker einmal einzeln (2008) und einmal in einem Triple Threat (2009 mit Chris Jericho) gegenüber.
Die Matcharten des Undertakers bei den Survivor Series
Von den bisher 17 Matches des Undertakers waren tatsächlich nur vier traditionelle Survivor Series Elimination Matches: Nach der bereits erwähnten Konstellation 1990 bestritt er 1995 als Teil der Dark Side ein Match gegen die Royals und half abschließend 2001 mit die WWF gegen die WCW zu verteidigen.
Besonders bemerkenswert war hierbei sicher das Match. Besonders bemerkenswert war allerdings sicherlich sein Match 1993: Dort entdeckte der Undertaker seinen Patriotismus für sich und trat an der Seite von Lex Luxer und den Steiner Brüdern gegen die Foreign Fanatics an. Während seine Partner die gesamte Zeit nur so vor Darstellungen der eigenen Flagge strotzten, öffnete der Undertaker beim Beitritt seines Teams nur einmal kurz seinen Mantel und zeigte ein Innenfutter in Form einer Oldschool USA-Flagge.
Die restlichen 13 Matches waren individuelle Matches des Undertakers in denen er quasi jede Facette seiner speziellen Matcharten präsentieren durfte: Hell in a Cell (2007 gegen Batista), Buried Alive (2003 gegen Mr. McMahon), Casket (1992 gegen Kamala, 1994 gegen Yokozuna, 2008 gegen Big Show) sowie First Blood (2006 gegen Mr. Kennedy).
Von diesen war er allerdings tatsächlich nur in den drei Casket Matches erfolgreich, alle anderen Special Stipulations konnten vom Gegner gewonnen werden. Die Niederlage gegen Batista war dabei der zweite fehlgeschlagene Versuch einen Titel zu gewinnen, bereits 2000 musste sich der Deadman Kurt Angle geschlagen geben.
Somit blieb der Titelgewinn gegen Hulk Hogan 1991 der einzige große Erfolg des Deadmans bei den Survivor Series, einzig 2009 steht noch eine Titelverteidigung gegen JeriShow im Buche.
Trotzdem können wir beim Undertaker eine positive Bilanz verzeichen: Mit zwölf Siegen und fünf Niederlagen hat der Undertaker eine Siegesrate von gut 70%. Nimmt man jedoch nur die Matches des neuen Jahrtausends so steht es 4:4 und die Bilanz ist ingesamt ausgeglichen. Dem wiederum steht gegenüber, dass der Undertaker bisher in jedem seiner Survivor Series Elimination Matches auf der siegreichen Seite stand.
1990 und 1993 wurde er jeweils ausgezählt, einmal weil er Dusty Rhodes verfolgte und einmal weil er sich mit Yokozuna prügelte. 2001 wurde er glatt von Kurt Angle eliminiert. Bei anderen Matches steht die Siegesquote bei etwa 62%, seit der Jahrtausendwende rutscht sie jedoch mit knapp 43% erstmalig in den negativen Bereich.
In einem normalen Tag Team Match stand der Undertaker allerdings bei den Suvivor Series noch nie. Am Ende dieser Woche könnten sich all diese Daten und Rekorde ändern wenn die Brothers of Destruction gegen die Wyatt Family antreten.
25 Jahre nach seinem Debüt schließt sich möglicherweise der Kreis. Nur um diesen Zeitraum mal in die richtige Perspektive zu rücken: November 1990 - da war Bray Wyatt gerade mal 3, Erick Rowan 8, Luke Harper 10 und Braun Strowman 7. Bo Dallas war gerade erst geboren und die Eltern von Sasha Banks und Paige hatten noch nicht einmal den schlussendlich erfolgreichen Geschlechtsverkehr vollzogen.
25 Jahre die der Deadman die Shows der WWE heimsucht. 25 Jahre in denen der Undertaker dann über 160 PPV-Matches bestritten haben wird. Viel hat sich in der Zeit in der WWE geändert. Karrieren endeten, Karrieren begannen. Viele taten sogar beides. Kriege wurden gewonnen und Ausrichtungen wurden geändert. Auch am Deadman ging die Zeit nicht spurlos vorbei. Zur breiten Krawatte gesellten sich bald violette Handschuhe; es folgten ein Satansmantel, Bandana und Motorrad, Ledermantel und MMA-Handschuhe.
Was bleibt ist der Undertaker. Er ist der Fleisch gewordene Sole Survivor der WWE. Seit 25 Jahren.
Tabelle: Undertakers Bilanz bei den Survivor Series
| Matchart | Siege | Niederlagen | Quote |
|---|---|---|---|
| Insgesamt | 12 | 5 | 70% |
| Matches ab 2000 | 4 | 4 | 50% |
| Survivor Series Elimination Matches | 4 | 0 | 100% |
| Einzelmatches | 8 | 5 | 62% |
