Wertungen im Judo: Eine umfassende Erklärung

Judo ist eine vielseitige Kampfsportart, die zusammen mit Boxen, Fechten und Ringen zu den bekanntesten Kampfsportarten überhaupt zählt. Erstmals 1964 und dann wieder seit 1972 ist Judo olympische Disziplin. Das Wort Judo setzte sich zusammen aus den japanischen Begriffen „JU“ (= edel, vornehm, sanft) und „DO" (= Weg, Grundsatz, Prinzip), was soviel heißt wie „der sanfte Weg". Beim Judo gibt es Wertungen. Bei jeder Aktion, die ein Kämpfer ausführt, beurteilt der Kampfrichter, wie gut sie war. Erfüllt sie bestimmte Kriterien, erhält der Judoka eine entsprechende Wertung.

Die Wertungen im Überblick

Im Judo gibt es drei Hauptwertungen, die der Kampfrichter während des Kampfes vergibt:

  • Ippon: Die höchste Wertung, die den Kampf sofort beendet.
  • Waza-ari: Eine mittlere Wertung. Zwei Waza-ari entsprechen einem Ippon.
  • Yuko: Die niedrigste Wertung.

Es entscheidet immer die Anzahl der höchsten Wertung, die vergeben wurde. Wer die höchste Wertung Ippon erhält, ist sofort Sieger (es ist egal, was für Wertungen der Gegner erzielt hat) und der Kampf ist zu Ende. Diese Wertung kann also nur einmal pro Kampf vergeben werden, und deshalb braucht sie auch nicht auf der Tafel angezeigt werden! Zweimal Waza-ari ist soviel Wert wie Ippon, auch dann ist man sofort Sieger.

Detaillierte Erläuterung der Wertungen

Ippon

Der Ippon ist die höchste Wertung im Judo. Sie beendet den Kampf vorzeitig. Ein Kämpfer kann einen Ippon erlangen, wenn er seinen Gegner mit großer Kontrolle und Wucht auf den Rücken wirft. Außerdem bekommt der Kämpfer einen Ippon wer er seinen Gegner im Bodenkampf durch einen Hebel oder einen Würger zur Aufgabe durch das Abklatschen bringt. Nach dieser Wertung ist der Kampf sofort beendet. Hierbei muss der Gegner mit Kraft und Schwung auf den Rücken geworfen werden. Ebenfalls mit Ippon wird ein Haltegriff bewertet, der 25 Sekunden gehalten wurde. Zwingt man den Gegner mit einem Armhebel oder einem Würgegriff zum Abschlagen ist das Ippon.

Waza-ari

Der Waza-ari ist ein halber Punkt im Judo. Ihn erreicht ein Kämpfer wenn er seinen Gegner auf den Rücken wirft, ihn allerdings nicht zu 100 % kontrolliert oder der Wurfansatz nicht bis zum Ende vollzogen wird. Der Waza-ari wird vergeben, wenn der Gegner auf den Rücken fällt, es aber noch ein wenig an Kraft und Schwung fehlte. Auch ein Haltegriff zwischen 20und 24 Sekunden wird mit Wazaari belohnt. Ein Wazaari zählt mehr als alle Yukos und Kokas des Gegners. Ein weiterer Wazaari beendet den Kampf vorzeitig. Die Ansage des Kampfrichters lautet dann Wazaari-Awasete-Ippon.

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Yuko

Nach dem Wegfall des Koka ist der Yuko nun die niedrigste Wertung. Ein Kämpfer muss seinen Gegner mit einem Wurf auf die Seite werfen um einen Yuko zu erreichen. Diese erhält Tori, wenn Uke auf die Seite fällt, oder sich zwischen 15 - 19 Sekunden im Haltegriff befindet. Ein Yuko zählt mehr als alle Kokas des Gegners.

Wertungen im Bodenkampf

Neben Würgern und Hebel zählt auch der Haltegriff zu den Möglichkeiten im Bodenkampf Wertungen zu erzielen. Sie werden nach der Haltegriffzeit gestaffelt.

  • 15-19 Sekunden eines Haltegriffes ergeben einen Yuko.
  • Von 20-24 Sekunden erhält der Kämpfer einen Waz-ari.
  • Nach 25 Sekunden ist der Kampf beendet und der Kämpfer der den Haltegriff hält erreicht einen Ippon.

Strafen im Judo

Beim Judo wird nicht nur belohnt, es gibt auch Strafen. Die verbotenen Handlungen sind in „leichte“ Regelverstöße und in „schwere“ Regelverstöße unterteilt.

Leichte Regelverstöße (Shido)

Werden mit Shido bestraft. Die kleinste Strafe ist das Shido. Einen Shido verhängt der Kampfrichter z.B. bei Passivität wenn der Kampfrichter also der Meinung ist, dass die Kampfaktivitäten des Bestraften durchaus steigerungsfähig sind. Dabei zeigt der Kampfrichter eine Rolle an (siehe Handzeichen). Steht einer der Kämpfer mehr als 5 Sekunden mit beiden Füßen auf der roten Warnfläche ohne einen Ansatz zu machen, wird er mit Shido bestraft. Der erste Shido zählt wie eine Kokawertung für den Gegner.

Das Aussprechen eines zweiten oder anschließenden Shido, wirkt sich automatisch auf die technische Bewertung des Gegners aus. Die vorherige Bewertung, entsprechend der früheren Strafe, wird entfernt und die nächsthöhere Bewertung wird sofort angezeigt.

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Schwere Regelverstöße (Hansoku-make)

Werden direkt mit Hansoku-make bestraft. Der Kampfrichter soll eine Shido oder Hansoku-make Strafe aussprechen, entsprechend dem Grad des Regelverstoßes. Die höchste Strafe heißt Hansoku-Make. Diese wird beim vierten kleinen Vergehen, oder bei einem sehr schweren Vergehen sofort verhängt. Stützt man sich z.B. bei einem Wurfansatz mit dem Kopf auf der Matte ab (idealerweise Uchi-Mata - hohe Verletzungsgefähr), oder besteht die Absicht den Gegner vorsätzlich zu verletzen, ist das Hansoku-Make.

Golden Score und Kampfrichterentscheid

Hat innerhalb der Kampfzeit keiner der Kämpfer eine Wertung erzielt, bzw. beide die gleiche, dann wird der Kampf um die gleiche Kampf- dauer verlängert. Der Kämpfer, der jetzt die erste Wertung erzielt, wird sofort als Sieger erklärt (Golden Score). Ist bis zum Ende der Verlängerung keine Wertung erzielt worden, entscheiden die Kampfrichter, wer der bessere Kämpfer ist (Hantei).

Beim Kampf im Stand gilt: Je mehr der Gegner auf den Rücken geworfen wird, und je schwung- und kraftvoller die Wurfausführung ist, desto höher die Wertung. Landet der Gegner dagegen auf dem Bauch gibt es keine Wertung! Im Bodenkampf gilt: je länger man es schafft, den Gegner in einem Haltegriff fest-zuhalten, desto höher die Wertung. Ein Haltegriff zählt aber nur dann, wenn der Partner auf dem Rücken liegt! Bei höheren Altersstufen kommen Hebel und Würgegriffe dazu. Bei wirkungsvoll angesetzten Hebeln oder Würgegriffen signalisiert der Unterlegene durch Abklopfen auf der Matte seine Aufgabe.

Zusammenfassung der Wertungen und Punkte

Wertung Beschreibung Punkte in der Unterbewertung
Yuko Wurf auf die Seite 5
Waza-ari Unvollständiger Wurf auf den Rücken 7
Ippon Vollständiger Wurf auf den Rücken, Hebel, Würger, Haltegriff (25 Sekunden) 10

Die Wettkampf-Regeln im Judo wirken auf den Laien zunächst kompliziert und nicht auf Anhieb verständlich. In diesem Beitrag erfahren Sie die Grundlagen der japanischen Kampfkunst.

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