Die XXXII. Olympischen Sommerspiele 2020 fanden in Tokio vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 statt. In 33 Sportarten und 51 Disziplinen wurden insgesamt 339 Wettbewerbe ausgetragen und Olympiasiegerinnen und -sieger gekürt. In fast allen Sportarten waren Sportsoldatinnen beziehungsweise -soldaten vertreten (Juli bis 8. August). 13 von 14 Gewichtsklassen besetzte der DJB, laut Reglement hatte er dabei jeweils einen Startplatz.
"Ich bin überglücklich, dass ich das Team Deutschland in Tokio unterstützen darf, und freue mich sehr, dass ich nach drei langen Jahren der Vorbereitung das Olympiaticket in der Hand habe", sagte Wagner, die Mitte Juni bei der WM in Budapest Gold in der Klasse bis 78 kg gewonnen hatte, nach der endgültigen Nominierungsbestätigung am Mittwoch. Mit dabei war auch Theresa Stoll (Großhadern/57 kg), die in Budapest Bronze gewonnen hatte.
"Olympische Spiele haben ihr eigenes Flair. Ich gehe davon aus, dass viele Sportler über sich hinauswachsen und um die Medaillen mitkämpfen werden", sagte DJB-Präsident Daniel Keller. 2012 in London (Silber durch Kerstin Thiele) und 2016 in Rio (Bronze durch Laura Vargas Koch) hatte das deutsche Team jeweils eine Medaille geholt.
Martyna Trajdos' Weg zur WM-Bronzemedaille
OSP-Athletin Martyna Trajdos sorgte einen Tag zuvor für den ersten Medaillenerfolg aus deutscher Sicht. Die 30-jährige EM-Dritte sicherte sich im „kleinen Finale“ der Klasse bis 63 kg die Bronzemedaille mit einem vorzeitigen Sieg gegen Gankhaich Bold aus der Mongolei.
Martyna Trajdos vom Bundesstützpunkt Köln dominierte in ihrem Auftaktkampf gegen Sanne Vermeer aus den Niederlanden, erzielte eine Wazaari-Wertung für Soto-maki-komi und beendete den Kampf nach 1:19 Minuten durch Haltegriff. Auch gegen Tina Zeltner aus Österreich ließ die 29-jährige Sportsoldatin der Sportfördergruppe Köln nichts anbrennen und machte von Anfang an Druck.
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Weltmeisterin Clarisse Agbegnenou aus Frankreich war die erwartet schwere Gegnerin. Der Kampf um den Finaleinzug war hauptsächlich vom Griffkampf bestimmt und keine der beiden Athletinnen konnte eine Wertung erzielen. Obwohl auch die Französin kaum Aktivität zeigte, erhielt nur Martyna Trajdos Shido-Bestrafungen und musste sich in der Verlängerung nach dem dritten Shido geschlagen geben.
Anna-Maria Wagner gewinnt Bronze in Tokio
Anna-Maria Wagner stand mit dem breitesten Grinsen und der schönsten Bronzemedaille der Welt in Tokios Judo-Tempel Budokan, und alles war vergessen: Die jahrelange Schinderei, die Entbehrungen der Pandemie, die bittere Halbfinal-Pleite und der so böse schmerzende Arm. "Ich bin einfach nur unfassbar stolz", sagte die 25 Jahre alte Ravensburgerin, ein "Kindheitstraum ist wahr geworden."
Als Deutschlands erste Judo-Weltmeisterin seit 28 Jahren war Wagner nach Tokio gekommen, entsprechend groß waren die Erwartungen. Doch im Halbfinale der Klasse bis 78 kg drohte der Traum von der Medaille dann zu platzen: Die 15 Zentimeter kleinere Japanerin Shiro Hamada, die im Finale Gold holte, besiegte die 1,82-m-Modellathletin Wagner nicht nur nach gerade einmal 83 Sekunden, sie verknotete ihr auch nach allen Regeln der Kunst den rechten Arm.
"Das hat gut durchgescheppert", berichtete Wagner, "ich habe mich ordentlich verletzt. Auf die Schmerzen musste ich erstmal klarkommen." Dann aber wuchs sie über sich hinaus. "Medaille! Ich bin Anna-Maria Wagner. Ich zieh das Ding durch bis zum Schluss!", rief sie laut, nach dieser Kampfansage marschierte sie zum Bronzeduell gegen die Kubanerin Kaliema Antomarchi auf - und biss sich durch.
"Ich habe mich einfach selbst angeschrien, damit ich den Arm vergesse", sagte Wagner: "Ich habe mir gesagt, wenn ich den Fuß auf die Matte setzte, dann ist alles scheißegal, dann gibt es nur diese Medaille - und die will ich haben." Und sie bekam diese Medaille, die zweite für das deutsche Team nur 24 Stunden nach dem Sensationssilber von Eduard Trippel.
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Stabsunteroffizier Anna-Maria Wagner setzt sich im „kleinen“ Finale beim Halbschwergewicht im Judo gegen ihre Kontrahentin Kaliema Antomarchi aus Kuba durch und holt damit olympisches Edelmetall für Deutschland.
Nach dem Weltmeistertitel vor zwei Monaten setzt Stabsunteroffizier Anna-Maria Wagner mit Bronze in Tokio ihren Erfolg fort. Stabsunteroffizier (FAFeldwebelanwärter) Anna-Maria Wagner schrie ihre ganze Freude heraus und jubelte ihrem Erfolgstrainer Claudiu Pusa zu. 48 Tage nach ihrem WM-Triumph von Budapest hat Deutschlands beste Judoka bei den Olympischen Spielen von Tokio Bronze geholt und damit ihren sagenhaften Höhenflug fortgesetzt.
„Ich bin super glücklich. Natürlich ist man hergekommen, um Gold zu holen. Aber den letzten Kampf zu gewinnen und die Medaille mit nach Hause zu nehmen, macht mich einfach super froh.“, sagte Wagner bei Eurosport.
Mit Wagners anschließendem erfolgreichen Griff nach Bronze setzte in der Klasse bis 78 kg sich eine kleine deutsche Serie der deutschen Frauen fort: Nach 2012 (Kerstin Thiele) und 2016 (Laura Vargas Koch) gab es zum dritten Mal in Folge eine Medaille bei Sommerspielen.
„Wenn sie hungrig und durstig auf die Matte geht, kann sie weit wie eine Rakete fliegen.“, hatte Trainer Pusa gesagt. Und anders als ihre Nationalmannschafts-Kollegin Martyna Trajdos muss Pusa seine Musterschülerin nicht einmal vor dem Kampf als Aufwärmprogramm „einvernehmlich ohrfeigen“, damit Wagner auf der Matte durchstartet.
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Für Wagner fand damit ein traumhaftes Jahr 2021 einen weiteren Höhepunkt, in dem sie den Durchbruch in die absolute Weltklasse schaffte.
Unser OSP-Athletin Anna-Maria Wagner fand in ihrem Auftaktkampf gegen Linda Politi aus Italien zunächst kein Mittel und musste nach vier Minuten in die Golden-Score-Verlängerung. Hier gelang der 21-Jährigen vom Bundesstützpunkt Köln nach 24 Sekunden die entscheidende Wertung durch O-soto-gari.
Im Viertelfinale lieferte sich die Deutsche Meisterin einen offenen Schlagabtausch mit der WM-Dritten Natalie Powell aus Großbritannien. Schon nach 18 Sekunden konterte Anna-Maria Wagner den Angriff ihrer Kontrahentin und ging mit Wazaari-Wertung in Führung. Im weiteren Kampfverlauf gelang Powell der Ausgleich.
In der Trostrunde besiegte sie dann Patricia Sampaio aus Portugal, Dritte der Juniorenweltmeisterschaften, vorzeitig mit Uchi-mata. Der Kampf um die Bronzemedaille gegen Karen Stevenson aus den Niederlanden wurde zur Ausdauerleistung. Beide Kämpferinnen attackierten sich unentwegt, konnten aber über mehr als sieben Minuten keine Wertung erzielen.
