Die Geschichte des Deutschen Karate Verbandes ist eng mit der Entwicklung der früheren Karateverbände Deutschlands verknüpft, die sich in den sechziger Jahren und später gebildet hatten.
So existierte eine Reihe mehr oder minder mitgliederstarker Verbände wie z.B. der Deutsch-Japanische Karateverband (DJKV), der Goju-Kai Deutschland (GKD), der Wado-Kai Deutschland (WKD) und andere kleinere Gruppierungen, die zumeist stilrichtungsbezogenes Karate praktizierten.
Insbesondere der Deutsche Karate-Bund (DKB, 1961), die Sektion Karate im Deutschen Judobund (SeKa DJB, 1965) und die Deutsche Karate Union (DKU, 1976) beeinflußten maßgeblich die Entwicklung des Deutschen Karate Verbandes.
Als der Deutsche Karate-Bund 1961 gegründet wurde, hatte sich der Deutsche Judobund, der seit 1956 Mitglied im Deutschen Sportbund war, schon als Fachverband für Judo etabliert.
Dieser erste und älteste Verband für japanischen Kampfsport in Deutschland war bestrebt, alle Budosportarten unter seinem Dach zusammenzuschließen.
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Die SeKa (1975: 10744 Mtgl.) war seit ihrer Gründung automatisch über den Deutschen Judobund im Deutschen Sportbund vertreten und damit offizieller Repräsentant der Sportart Karate.
Ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes vom 02.12.1974 verpflichtete den Deutschen Sportbund jedoch dazu, als Monopolverband vergleichbaren Bewerbern gleichrangige Mitgliedschaft zu gewähren.
Vergleichbare Bewerber gab es, so z.B. Da jedoch nur ein Verband Mitglied im DSB sein konnte, bestand die Notwendigkeit, die einzelnen Teilverbände in einem Dachverband zu organisieren.
In diesem „Verband der Verbände" sollten die bisherigen Teilverbände zwar eingegliedert sein, jedoch ohne damit ihre Autonomie zu verlieren.
Gründung des Deutschen Karate Verbandes e.V.
Die erste Möglichkeit zur Verwirklichung des Ziels, gemeinsame Veranstaltungen aller Verbände durchzuführen, war die 13. Meisterschaft des Deutschen Karate-Bundes am 29.05.1976 in Hamburg.
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Kurze Zeit später gründeten die drei Verbände den Deutschen Karate Verband, der am 17.06.1976, dem Tag der deutschen Einheit, in das Vereinsregister eingetragen wurde.
Auch nachdem die Konstituierung des DKV erfolgt war, blieb die SeKa DJB vorerst rechtmäßige Vertreterin des Karate im DSB und offizielle deutsche Repräsentantin für Karate auf internationaler Ebene.
Damit dem Deutschen Karate Verband auf nationaler und internationaler Ebene zukünftig die Kompetenz zur Vertretung des Karate formell zugesprochen werden konnte, einigten sich die Delegierten der Teilverbände auf ihrer Sitzung am 03.11.1976 in Frankfurt darauf, den DKV in dieser Hinsicht zu unterstützen.
Die Vereinigung aller deutschen Karateverbände im DKV verlieh dem nationalen Sportbetrieb enormen Aufschwung und intensivierte die internationalen Kontakte.
So war es möglich, einen gemeinsamen Bundestrainer über den DSB zu finanzieren.
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Horst Handel, früheres Mitglied der deutschen Nationalmannschaft, übernahm das Amt des ersten Bundestrainers des Deutschen Karate Verbandes.
Zahlreiche sportliche Veranstaltungen, die vormals von den Einzelverbänden ausgerichtet wurden, übernahm nun der DKV.
So z.B. wurde der Länderpokal, der künftig als Deutschlandpokal bezeichnet werden sollte, am 15.12.1979 durch den DKV ausgetragen.
Mit der Anstellung von Hideo Ochi als Bundestrainer gelang es dem Deutschen Karate Verband, einen der weltbesten Karatekas zu verpflichten.
Im Rahmen seiner Breitensportarbeit betreute der DKV ab 1980 die Bundesbestenlehrgänge.
Bei diesen beliebten Veranstaltungen bestand für die Kaderathleten Teilnahmepflicht, Karatekas ab dem 1. Dan durften ebenfalls an diesen gehobenen Breitensportlehrgängen teilnehmen.
Die Geschichte des deutschen Karate war im Hinblick auf die Beziehungen zu den internationalen Karateorganisationen EKU, WUKO, seit 1994 WKF (World Karate Federation), IAKF und EAKF in den siebziger Jahren von Wechselhaftigkeit geprägt.
Der DKV bemühte sich, mit einer gemeinsamen, aus den verschiedenen Teilverbänden rekrutierten Nationalmannschaft in beiden europäischen und Weltverbänden zu starten.
Spannungen zwischen der WUKO und der IAKF führten schließlich dazu, daß der DKV aus der WUKO ausgeschlossen wurde.
Auch die Teilnahme der deutschen Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft in Los Angeles 1977 änderte diese Entscheidung nicht.
Vermittlungsversuche des Deutschen Sportbundes waren zunächst zum Scheitern verurteilt, da die WUKO eine Doppelmitgliedschaft des DKV in beiden Weltverbänden ablehnte und den Austritt aus EAKF und IAKF zur Grundlage weiterer Verhandlungen machte.
Wiederholte Unterredungen zwischen Vertretern des DKV und der internationalen Verbände führten schließlich zu einer schrittweisen Annäherung.
Als ungewohnt erwies sich das für die deutschen Athleten in der EKU praktizierte Wertungssystem im Kumite-Shiai mit sechs Wazaari bzw.
Am 02.11.1986 beschloß die Mitgliederversammlung des DKV einstimmig die Umwandlung des Deutschen Karate Verbandes von einem Dachverband zu einem Fachverband.
Die bisherigen ordentlichen Mitglieder, DKB, DKU, GKD, DJKV und die SeKa DJB, gaben ihre Mitgliedschaft zu Gunsten der entstehenden Landesfachverbände auf.
Die deutsche Wiedervereinigung 1990 leistete der Entwicklung des Karate in Deutschland enormen Vorschub.
So konnte schon bald die magische Grenze von 100.000 Mitgliedern überschritten werden.
Mit rund 120.000 Mitgliedern und 2000 Vereinen zählt der Deutsche Karate Verband zur Mitte der neunziger Jahre zu den mitgliederstarken und zuwachsstärksten Fachverbänden im Deutschen Sportbund.
Die Gründung anderer Karateverbände in Deutschland konnte diese positive Entwicklung in keiner Weise beeinträchtigen.
Der enorme Mitgliederzuwachs ist das Ergebnis erfolgreicher Arbeit im Breitensport und die internationalen Erfolge dokumentieren die optimale Förderung des Leistungssports durch ein modernes Sportmanagement.
Im Rahmen der strukturellen Innovationen in den Jahren 1994/1995 beschloß die Bundesversammlung umfangreiche Struktur- und Satzungsänderungen für den Deutschen Karate Verband.
So z.B. öffnete sich der DKV anderen Gruppierungen und Stilrichtungen stärker als bisher.
Eine Rahmenprüfungsordnung gewährt den Gruppierungen weitgehende Autonomie.
Die für ihre Ressorts verantwortlichen Referenten im Präsidium wurden nicht wie bisher von der Mitgliederversammlung, sondern von den Landesreferenten direkt gewählt.
Die Ausbildungsordnung wurde den Richtlinen des Deutschen Sportbundes angepaßt und garantierte damit eine einheitliche Ausbildung der Übungsleiter und Trainer auf Bundes- wie Landesebene.
Ehrenamtliche Fachkompetenz und kontinuierliche Zuarbeit durch hauptamtlich angestellte Mitarbeiter gehen eine für das professionelle Verbandsmanagement wichtige Verbindung ein und gewährleisten eine professionelle und zügige Administration des Sportverkehrs.
Entstehung erster Karate-Interessengruppen
Karatepionier Jürgen Seydel gründet aus Mitgliedern der von ihm geleiteten Judoabteilung die erste Karate-Lerngruppe in Bad Homburg v.d.H..
Zur Festigung der erlernten Techniken trifft sich die kleine Gruppe zu einem einwöchigen Lehrgang auf der Freusburg bei Siegen.
Jürgen Seydel gelingt es, Murakami Sensei für einen zehntägigen Lehrgang in Bad Homburg-Dornholzhausen zu gewinnen.
Um den Lehrgang finanzieren zu können, versendet Seydel Einladungen an sämtliche Judoclubs in Deutschland.
Für viele von ihnen verläuft der Lehrgang jedoch unbefriedigend, da ihre Karate-Grundkenntnisse nicht ausreichen, den Vorgaben des japanischen Meisters zu folgen.
Jürgen Seydel legt die Prüfung zum ersten Dan ab und erteilt Elvis Presley, der 1958 in Bad Nauheim seinen Wehrdienst bei der US-Army leistet, einige Monate Privatunterricht in Karate.
Nach einem weiteren Sommerlehrgang unter Leitung von Tetsuji Murakami und Jürgen Seydel in Bad Homburg beschließen die Teilnehmer, einen eigenen Fachverband für Karate zu gründen.
Seydel, bis 1965 einziger Danträger in Deutschland, wird Leiter der technischen Kommission und ist damit verantwortlich für das Ausbildungs- und Prüfungswesen im Deutschen Karate-Bund e.V. (DKB).
Im Anschluß an einem mehrtägigen Karatelehrgang am Sportinstitut der Universität Göttingen wird die Erste Deutsche Karatemeisterschaft ausgetragen.
Vier japanische Top-Instruktoren besuchen auf ihrer Europa-Tournee den zweiten großen Wochenlehrgang des Deutschen Karatebundes e.V. in Bad Godesberg und übernehmen das Training: Taiji Kase, 6. Dan und JKA-Chefausbilder, Hirokazu Kanazawa, 5. Dan, Keino Enoeda, 5. Dan und Chefinstruktor von Großbritannien sowie Hiroshi Shirai, 5. Dan und Cheftrainer in Italien, unterrichten die deutschen Ausbilder und prüfen vier Teilnehmer zum 1.
