Tai Chi als Kampfkunst: Mehr als nur sanfte Bewegungen

In vielen asiatischen Ländern werden verschiedene Arten von Kampfkunst schon seit vielen Jahrhunderten zur Erhaltung der Gesundheit empfohlen. Denn neben dem Aspekt der Selbstverteidigung fokussieren sich viele Kampfsportarten auch auf geistige Stärke.

Chinesische Kampfkunst erklärt

Wing Tsun, Tai-Chi, Qi Gong - alle diese Kampfkunstarten sind als Systeme zur Selbstverteidigung entstanden. Zusätzlich liegt in den Praktiken aber auch ein starker Fokus auf Dingen wie dem Erhalt der Gesundheit, Philosophie und die Stärkung der Persönlichkeit. In ihrem Ursprungsland China haben sie mitunter eine lange, jahrhundertealte Tradition und sind in Verbindung mit religiösen Aspekten aus dem Buddhismus oder dem Taoismus entstanden. Die beiden Glaubensrichtungen gehören zu den fünf Hauptreligionen in China.

Wussten Sie schon, dass…

  • chinesische Kampfsportarten in innere und äußere Stile unterschieden werden?
  • Tai-Chi und Qi Gong in der Chinesischen Medizin schon jahrhundertelang als gesundheitsfördernd angesehen werden?
  • die gesundheitlichen Vorteile sich sowohl körperlich als auch geistig äußern?

Innere und äußere Stile

In China werden bei Kampfkünsten traditionell zwischen äußeren und inneren Stilen unterschieden. Äußere Stile, auch harte Stile genannt, stellen neben mentaler Stärke vor allem athletische Fähigkeiten in den Vordergrund. Sporttreibende schulen in diesen Stilen vor allem ihre Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit und zielen allgemein auf körperliche Abhärtung ab, Die bekannteste Kampfkunst der äußeren Stile ist das Shaolin Kung-Fu.

Innere Stile oder auch weiche Stile, fokussieren sich auf das „Chi“. Unter „Chi“ wird in der traditionellen chinesischen Medizin die Lebensenergie verstanden, die allen Menschen innewohnt. Die inneren Stile zielen also darauf ab, die Lebensenergie zu erhalten und zu trainieren. Das passiert durch kontrollierte, sparsame Bewegungen, die mit geringem Kraftaufwand maximale Wirkung erzielen. Deshalb ist Meditation meist ein großer Bestandteil dieser Stile und wird auch in die Bewegungsabläufe miteinbezogen.

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Tai-Chi, Qi Gong und Wing Tsun

Tai-Chi und Qi Gong sind ganz eindeutig den inneren Stilen zugeordnet. Wing Tsun gehört als Unterform des Kung Fu zwar eigentlich zu den äußeren Stilen, wird aber durch die zugrundeliegenden Philosophien mehr zu den inneren Stilen gezählt.

Qi Gong

Qi Gong wird in der traditionellen chinesischen Medizin oft auch als Gesundheitssystem bezeichnet. Denn der Fokus liegt hier voll und ganz auf dem Erhalt der Gesundheit. Die Grundidee des Qi Gong ist es, das Qi oder Chi - also die Lebensenergie - zu stärken, ihren Fluss zu unterstützen und so die Gesundheit zu fördern und das Leben zu verlängern. In der Praxis umfasst Qi Gong eine große Anzahl an Bewegungs- und Atemübungen, die oftmals zu einer Serie zusammengefasst werden. Darin werden langsame und schnelle Übungen, leichte Selbstmassage und Schüttelbewegungen mit einer bewussten Atmung kombiniert. Die Serien werden entweder im Stehen, im Sitzen oder im Liegen ausgeführt.

Tai-Chi

Im Mittelpunkt der Übungen beim Tai-Chi stehen Körperspannung, Achtsamkeit und die Atmung. Den Ursprung findet das Tai-Chi in der chinesischen Kampfkunst. Mittlerweile wird es aber überwiegend zur Gesunderhaltung praktiziert und der Aspekt des Kampfsports spielt meist eine untergeordnete Rolle. Die Bewegungen ähneln die dem Qi Gong. Praktizierende absolvieren in den ersten Einheiten eine Abfolge von langsamen, konzentrierten Bewegungen, die fließend ineinander übergehen. Die Bewegungen nennt man Formen, die in der Regel mit oder ohne Waffen ausgeführt werden. Zu den Waffen, die im Tai-Chi mitunter verwendet werden, gehören Säbel oder der Stab. Die Abfolge der Formen bezieht sich dabei auf das Prinzip von Yin und Yang. Das bedeutet: Alles ist im Gleichgewicht. Auf eine Rechtsdrehung folgt eine Bewegung nach links, auf ein Heben ein Senken.

Wing Tsun

Auch Wing Chun genannt, ist immer noch stark in der Kampfkunst verwurzelt. Als Hilfe zur Selbstverteidigung zielt es vor allem darauf ab, in einer Kampfsituation die Kraft des Gegenübers für sich selbst zu nutzen und gegen die andere Person einzusetzen. Praktizierende lernen dabei Techniken und Bewegungsabläufe, mit denen sie sich in einer Gefahrensituation verteidigen können. Zusätzlich trainieren sie ihre geistige Stärke, um so innere Ruhe und Einklang zu erreichen. Aspekte, die auch im Alltag sehr hilfreich sind und die Selbstsicherheit Praktizierender erhöhen.

Gesundheitliche Vorteile chinesischer Kampfkunst

Tai-Chi, Qi Gong, Wing Tsun und andere Kampfkunstarten der weichen Stile werden in der traditionellen chinesischen Medizin schon lange als Ergänzung zur Behandlung von Krankheiten empfohlen. Und auch in der westlichen Medizin sind bestimmte gesundheitliche Aspekte dieser Sportarten bereits erforscht und bestätigt. Diese Vorteile äußern sich sowohl körperlich als auch geistig:

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  • Der Fokus auf die richtige Haltung fördert das Körpergefühl und kann Beschwerden wie Rücken- und Nackenschmerzen lindern und vorbeugen.
  • Regelmäßiges Praktizieren stärkt den Kreislauf und das Immunsystem.
  • Das Miteinbeziehen von meditativen Aspekten und Atemübungen bringt Körper und Geist zur Ruhe und kann Stress sowohl lindernd als auch vorbeugend wirken.
  • Die kontrollierten Bewegungen fördern Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer.
  • Der Fokus auf einen starken, ausgeglichenen Geist kann das Selbstbewusstsein stärken und so zum Beispiel bei leichten Angststörungen helfen.

Tai Chi: Praxis und Wirkung der Bewegungslehre

Tai Chi basiert auf Bewegungsabläufen, die langsam und konzentriert ausgeführt werden. Man erkennt sie an den langsamen, fließenden Bewegungen, die in einer festgelegten Reihenfolge - traditionell unter freiem Himmel - ausgeführt werden. Tai Chi wurde ursprünglich als Selbstverteidigungstechnik entwickelt. Heute wird sie hauptsächlich praktiziert, um die Konzentration zu steigern, Stress abzubauen und chronische Beschwerden zu lindern.

Wie Qigong ist auch Tai Chi Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Qigong-Übungen sind allerdings wesentlich kürzer und flexibler. Während es bei Tai Chi auch um Koordination und Balance geht, steht bei Qigong der meditative Aspekt im Fokus. Beide Bewegungslehren haben zum Ziel, die Lebensenergie (chinesisch „Qi“ oder „Chi“) zu stärken und damit die Gesundheit zu verbessern. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Durch die richtige Atmung und bewusst geführte Bewegungen soll die Lebensenergie richtig fließen können.

Wie sieht eine Tai-Chi-Übung aus?

Die Grundlage von Tai Chi bilden feste Bewegungsabläufe, auch „Formen“ genannt. Die Übungen laufen somit immer nach demselben Muster ab und sollten so oft wie möglich wiederholt werden. Wichtig ist: Die Bewegungen sollen langsam, fließend und weich sein. Laut der Tai-Chi-Lehre entsteht so eine Art Meditation in der Bewegung.

Disziplin und Durchhaltevermögen sind bei Tai Chi eine wichtige Voraussetzung. Denn eine Tai-Chi-Übung kann schon einmal über eine Stunde dauern. Wichtig ist hier nicht die Schnelligkeit, sondern der Bewegungsfluss und ein starker Haltungsapparat.

Es gibt verschiedene Formen von Tai Chi, die man erlernen kann. Zu den bekanntesten zählen:

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  • Chen
  • Wu
  • Sun
  • Yang
  • Hao

Die unterschiedlichen Formen des Schattenboxens, wie Tai Chi auch bezeichnet wird, berufen sich auf bekannte Lehrmeister und sind auch nach ihnen benannt. Da die Kampfkunst sehr gelenkschonend ist, ist sie auch für Menschen mit Arthrose oder Adipositas empfehlenswert. Wie bei allen Sportarten gilt auch beim Tai Chi: Übung macht den Meister. Mit ein bisschen Ausdauer können Sie mit regelmäßigen Tai-Chi-Übungen die eigene Gesundheit aktiv unterstützen.

Warum ist Tai Chi so gesund?

Es gibt verschiedene positive Auswirkungen, die Tai Chi auf Körper und Geist haben soll. Nicht umsonst ist die Kampfkunst in China ein anerkannter Volkssport. Tai Chi kann zum Beispiel Folgendes bewirken:

  • Erhöhung der Körperwahrnehmung und Korrektur von Haltungsfehlern
  • Entspannung der Muskulatur durch die weiche und geschmeidige Durchführung der Tai-Chi-Übungen
  • Stärkung der Rückenmuskulatur und Entlastung der Wirbelsäule
  • positive Auswirkung auf den Kreislauf dank der geübten tiefen Bauchatmung
  • Beruhigung des Nervensystems
  • mentale Entspannung und Stressbewältigung

Durch die sanften Bewegungen ist Tai Chi auch für Patienten und Patientinnen mit schweren Erkrankungen und Gelenkproblemen geeignet. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sich Tai Chi positiv bei Depressionen, Burnout, Morbus Parkinson, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Kniearthrose auswirken kann. Tai Chi senkt den Blutdruck langfristig stärker als Ausdauertraining und sorgt zudem für einen niedrigeren Ruhepuls.

Wie bei allen Sportarten gilt: Achten Sie auf Ihren Körper und erzwingen Sie nichts.

Tai Chi für verschiedene Zielgruppen

Kinder

Tai Chi eignet sich hervorragend für Kinder. Dank dieses Kampfsports werden sie spielerisch an die Techniken herangeführt. Sie können von den Übungen nur profitieren. Zum einen trainieren sie mit den Bewegungen ihren Körper, zum anderen schulen sie dank der Meditationsübungen ihren Geist. Meditation verhilft den Kindern in der heutigen schnelllebigen und von digitalen Medien dominierten Welt zu ihrer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit zu finden. Darüber hinaus trainieren sie in jungen Jahren ihren Körper dazu, sich zu bewegen. Das wiederum wirkt sich positiv auf ihre Schlafqualität aus. Diese ist wiederum für eine gute Konzentrationsfähigkeit in der Schule unabdingbar.

Frauen

Frauen können sich ebenso dem Schattenboxen anschließen. Sie erzielen mit einem regelmäßigen Training eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls und des Selbstbewusstseins. Diese strahlen sie auch aus. Somit senken sie effektiv die Wahrscheinlichkeit, von einem Täter angegriffen zu werden. D iese suchen sich ihre Opfer gezielt aus. Frauen, die dank ihres aufrechten Ganges eine ordentliche Portion Selbstsicherheit ausstrahlen, befinden sich in der Regel nicht auf der Liste von Tätern.

Frauen mit Menstruationsbeschwerden

Darüber hinaus können Frauen mit den Meditationsübungen des Tai Chi Chuan Menstruationsbeschwerden lindern oder gar komplett beseitigen. Des Weiteren berichten Frauen, die Sportarten samt Meditation wie Yoga oder das Schattenboxen praktizieren von einem regelmäßigen Zyklus, der vor dem Praktizieren jedoch durch lästige Unregelmäßigkeiten gezeichnet war. Somit wirkt sich das Training für Frauen in vielerlei Hinsicht auf ihr gesamtes Wohlbefinden positiv aus.

Senioren

Senioren können sich ebenfalls dem Schattenboxen anschließen. Die sanften Übungen und Formen eignen sich auch super für ältere Personen. Sie bleiben dadurch in Bewegung und stärken weiterhin ihre gesamte Muskulatur. Des Weiteren trainieren sie ihre Konzentrationsfähigkeit und können Gedächtnisproblemen effektiv Vorbeugen. Dank eines regelmäßigen Trainings haben sie eine interessante Freizeitbeschäftigung, die zudem wirkungsvoll gegen Rückenschmerzen, die oft mit einem zunehmenden Alter eintritt, entgegenwirkten.

Wie man mit Tai Chi kämpft

Es gibt verschiedene Techniken, die dir helfen, die Kraft des Gegners gegen ihn zu verwenden. Wichtig ist immer ein stabiler Stand. Umso fester du stehst, desto besser kannst du bei einem Angriff dagegen halten. Du solltest fest stehen, aber trotzdem flexibel in Bewegung bleiben.

Eine Faust bahnt sich zügig den Weg in dein Gesicht. Du weichst zu aller erst aus und lenkst gleichzeitig mit deiner Handfläche die Faust des Gegners ab und packst sein Handgelenk. Nun nutzt du den Körperschwerpunkt deines Kontrahenten aus, indem du ihn zügig in deine Richtung ziehst. Somit bringst du ihn aus dem Gleichgewicht und kannst ihn dabei mit deiner anderen Handfläche, die du in sein Gesicht drückst, von dir wegstoßen.

Nutze den Körperschwerpunkt sowie die Schwachstellen deines Gegners aus und verwende sie zu deinem Vorteil!

Chinesische Kampfkünste lernen

In Sachsen-Anhalt gibt es zahlreiche Schulen, in denen Sie verschiedene Kampfkünste erlernen können - von traditionellen Disziplinen bis hin zu modernen Varianten. Wie oft Sie dort trainieren möchten, hängt ganz von Ihren Zielen ab. Einige Schulen in der Region ermutigen ihre Schüler sogar dazu, zwischen den Kursen privat zu üben, um die Techniken weiter zu vertiefen. Ob Sie die Kampfkunst als Ausgleich zum Alltag praktizieren oder eine professionelle Laufbahn anstreben - die Trainingsfrequenz lässt sich flexibel anpassen und spielt eine entscheidende Rolle für den persönlichen Fortschritt.

Kurse, die sich mit Tai-Chi und Qi Gong befassen, können Sie auch über unsere Gesundheitskurse finden und buchen.

Wir raten Ihnen allerdings davon ab, die Übungen ohne Vorkenntnisse zu Hause durchzuführen. Ohne professionelle Anleitung können sich so nämlich Fehlstellungen einschleichen, die sich auf Dauer negativ auf die körperliche Gesundheit auswirken. Wenn Sie körperliche Beschwerden haben, die sich zum Beispiel auf Ihre Gelenke auswirken, sollten Sie außerdem mit Ihrer Hausarztpraxis sprechen. Tai-Chi, Wing Tsun und Qi Gong könnten dann unter Umständen keine passenden Sportarten für Sie sein, da durch das lange Stehen ein gewisser Druck auf die Gelenke ausgeübt wird.

Tipps für Anfänger

  • Frage dich, warum du genau diesen Kampfkunststil gewählt hast.
  • Gibt es Trainer in meiner Nähe? Gibt es Kurse in der Natur?
  • Ist es möglich, gleichzeitig die Kampfkunst außer den Entspannungsübungen zu erlernen?
  • Wäre Tai-Chi mit Selbstverteidigung für dich interessant?

Wo kann man Tai Chi lernen?

Tai Chi Kurse werden von manchen Krankenkassen, Volkshochschulen, Kampfsport Schulen, Gesundheits-Coaches und in Shaolin Tempeln angeboten. Alternativ oder unterstützend lernst du die Übungen über Bücher oder Tai Chi DVDs. Du kannst Tai Chi online lernen, über YouTube Tutorials oder speziellen Onlinekursen im Internet.

Doch raten wir für Anfänger eher zu einem realen Training in einer Schule. Es hat einige Vorteile, direkt vor Ort zu sein. Du kannst deinen Meister bei Fragen immer gleich ansprechen. Auch Haltungsfehler erkennt dein Betreuer sofort und korrigiert diese schnell. Ebenso lernst du Gleichgesinnte besser kennen und knüpfst neue Kontakte.