Schwingen des Adlers: Bedeutung und Symbolik

Der Adler steht für Stärke, Mut und ewiges Leben. Weltweit wird der Adler mit den Göttern in Verbindung gebracht. Völker auf der ganzen Welt setzten ihn mit Göttern gleich und wählten ihn zum Wappentier.

Der Adler in Mythologie und Geschichte

In der Mythologie steht der Adler für die Sonne. Der Adler steht für Weitblick, Mut und Kraft. Er ist der König der Lüfte und der Bote der höchsten Götter.

  • Indische Mythologie: Der in­di­sche Gott Wischnu wird von Garuda, einem Adler mit menschlichem Gesicht, getragen.
  • Europäische Mythologie: Auch in Europa wurde der Adler den höchsten Göttern zugeordnet: Zeus, Jupiter und Odin.
  • Keltische Mythologie: Nach keltischem Glauben saß auf der Weltenesche Yggdrasil stets ein Adler und beobachtete die Vorgänge auf der Welt.
  • Griechische Mythologie: Die Griechen setzten den Adler an Zeus’ Seite. Als dieser gegen die Titanen kämpfte, soll ihm ein Adler seinen Pfeil gebracht und ihm den Sieg verkündet haben. Mit dem Donnerkeil in den Klauen wurde er so zum Zeichen des Gottes.
  • Römisches Reich: In Rom sagte ein Adler die königliche Herrschaft Tarquinius’ voraus. Ein Zepter mit einem Adler aus Elfenbein soll eines der ersten und wichtigsten Attribute des späteren Königs gewesen sein. Der Adler blieb Sinnbild für das Römische Reich - als Feld­zei­chen wurde er den Legionen vorangetragen. Unter Cäsar waren diese Feldzei­chen aus massivem Gold. Bei der Apotheose (Erhebung eines Menschen zum Halbgott) römischer Kaiser ver­sinn­bildlichte ein von einem Scheiterhaufen aufsteigender Adler die Aufnahme in den Ring der Götter.
  • Christliche Symbolik: In der christlichen Symbolik stand der Greifvogel für die Himmelfahrt Christi.

Das Heilige Römische Reich, die Zaren Russlands und die deutschen Könige wählten den Doppeladler zum Wappentier. Ab 1804 trugen Napoleons Heere statt der Fahnen vergoldete Adler mit gehobenen Flügeln.

Der Adler in der Bibel

Auch in der Bibel ist der Adler das Symbol für Schnelligkeit, Kraft und göttlichen Schutz. Der Adler, der zum hohen Himmel aufsteigt, ist in der Bibel das Sinnbild für Verjüngung und Wiedergeburt. Im Kirchenlied „Lobe den Herren“ ist von den Adelers Fittichen (= Flügel) die Rede, auf denen wir geführt werden.

Nach 5. Mose hat das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt. Am Berg Sinai ist er Gott begegnet und hat von Gott die Zehn Gebote entgegengenommen. Nach 40 Jahren Wanderung durch die Wüste blickt Mose an seinem letzten Lebenstag auf sein Leben zurück und singt dem Volk ein Lied davon, wie gut und treu Gott zu seinem Volk ist: Gott gibt acht auf die Menschen, die er liebt. Er hütet sie wie seinen Augenstern. Gott ist wie ein Adler, der seine Jungen aus dem Nest scheucht und über ihnen schwebt. Er breitet seine Flügelschwingen aus und nimmt sie auf, wenn sie müde werden, und trägt sie auf seinem Gefieder (= auf seinen Fittichen).

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In der christlichen Theologie wird der Adler auch mit dem Heiligen Geist in Verbindung gebracht, insbesondere in Bezug auf die Schriftstelle Offenbarung 12,14: "Und es wurden der Frau gegeben die zwei Flügel des großen Adlers, dass sie in die Wüste flöge an ihren Ort, wo sie ernährt werden sollte eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit fern von dem Angesicht der Schlange."

Der Adler als Krafttier

Das Krafttier Adler ist ein wichtiges schamanisches Totem. Er wohnt dort, wie auch die Götter ihre Heimat haben sollen: In den Bergen. Der Adler gilt als König der Lüfte und ist mit seinem Hakenschnabel, seinen breiten Schwingen und seinen starken Krallen ein wahrhaft königliches Tier. Er ist ein sehr machtvolles Krafttier und gilt immer auch als Bote der Oberen Welt, als Gruß vom Großen Geist.

Er ermutigt uns, uns unseren höheren Aufgaben zu widmen und uns unseren höheren Zielen zu stellen. Der Adler als König der Lüfte erinnert uns daran, verantwortungsvoll zu handeln, zunächst mit uns selbst aber auch mit unseren Mitmenschen. Er hilft uns, uns aufzumachen und die Dinge aus einer höheren Perspektive anzusehen, uns auf den Weg in die (innere) Freiheit zu machen. Er ist ein Bote des Lichts, bis auf den Kondor ist kein Vogel so nah an der Sonne wie er. Er ist ein guter spiritueller Führer hin zu mehr Weisheit und dem Erkennen der eigenen Kraft.

Wer sich mit dem Adler verbindet, muss aber auch darauf gefasst sein, dass die Änderungen sehr schnell ins Leben treten, denn der Adler ist blitzgescheit und geht kompromisslos und schnell seinen Weg - oft auch über die eigenen Grenzen hinaus.

Der Adler im Traum

Siehst Du einen Adler im Traum in den Himmel aufsteigen, kann dies Erfolg und Aufschwung für Dein Geschäft bedeuten. Ein Adler mit Beute zeigt Erfolg und gewinne an. Es kann auch vorkommen, dass der Adler als Bote dient und Dir im Traum eine Botschaft aus der geistigen Welt übermittelt. Du wirst dies erkennen. Das Krafttier Adler bringt Dir nicht nur Botschaften oder ist selbst eine, er symbolisiert oft auch bestimmte Situationen, die Dir dadurch klar werden. Siehst Du ihn eine Beute schlagen, bist Du eventuell im Leben jemandem unterlegen. Nicht nur Positives wird angezeigt, auch Negatives, wie etwa ein Angriff des Adlers auf Dich zeigt, dass eine drohende Gefahr auf Dich zukommen könnte. Tötest Du ihn im Traum, wird ein Gegner besiegt und nichts steht Dir mehr im Wege auf Deinem Weg nach oben.

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Der Bundesadler

Um die Gestalt des Bundes- bzw. Reichsadlers ranken sich viele Legenden. U.a. wird zuweilen behauptet, der Adler mit 6 Schwungfedern pro Flügel (wie z.B. vorn auf dem Reisepass) sei "der Reichsadler", während der Adler mit 7 Schwungfedern pro Flügel (wie z.B. auf den einzelnen Innenseiten des Passes) sei "der Bundesadler". Diese Behauptung ist jedoch unzutreffend.

Zutreffend ist vielmehr, daß beide Adlerversionen bereits seit 1921 als Reichsadler in Gebrach waren: Der "sechsfedrige" als Adler des Kleinen Reichssiegels, der "siebenfedrige" als Adler des Großen Reichssiegels. Beide Adler sind von Sigmund von Weech entworfen worden und waren faktisch noch bis 1936 (also bis in die Zeit des Dritten Reiches hinein) in Gebrauch. Danach wurden sie durch den Adler mit Hakenkreuz ersetzt, der den römischen Legionsadlern nachempfunden war. 1949 wurden von der BRD nahezu alle Hoheitszeichen des Deutschen Reiches Weimarer Verfassung wieder eingeführt.

Das Gesetz über das Reichswappen vom 11. November 1919 besagt: "...daß das Reichswappen auf goldgelbem Grunde einen einköpfigen schwarzen Adler zeigt, den Kopf nach rechts gewendet, die Flügel offen, aber mit geschlossenem Gefieder, Schnabel, Zunge und Fänge von roter Farbe...Die künstlerische Ausgestaltung bleibt für jeden besonderen Zweck vorbehalten".

Dieses Gesetz wurde von der BRD wortwörtlich wieder in Kraft gesetzt; lediglich das Wort "Reichswappen" wurde durch "Bundeswappen" ersetzt. Der Satz "Die künstlerische Ausgestaltung bleibt...vorbehalten" (übrigens eine Formulierung, die sich auch in Hitlers "Verordnung über das Hoheitszeichen des Deutschen Reiches" vom 7. März 1936 findet) dient als Rechtfertigung für die Verwendung jeweils unterschiedlicher Adler auf Wappen, Siegeln, Flaggen, Amtsschildern, Dokumenten, Münzen usw.

Im Einzelnen hat die BRD folgende Hoheitszeichen des Deutschen Reiches Weimarer Verfassung übernommen:

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  • Bürgerliche Nationalflagge (Reichsflagge/Bundesflagge) schwarz-rot-Gold ohne weitere Zusätze, seit 1949 zugleich Handelsflagge
  • "Dienstflagge der übrigen Reichsbehörden zu Lande" (jetzt "Bundesdienstflagge" zu Lande und zur See, zugleich als Kriegsflagge zu Lande in Gebrauch)
  • Reichs-/Bundespräsidentenstandarte
  • Reichswappen in der Ausführung von 1927/8 (Adler mit nur 5 Federn pro Schwinge), jetzt "Bundeswappen" genannt. Entwurf: Tobias Schwab (1926)
  • Großes Reichssiegel (jetzt "Großes Bundessiegel genannt: Adler mit 7 Federn pro Schwinge, umgeben von einem Lorbeerkranz)
  • Kleines Reichssiegel (jetzt "Kleines Bundessiegel" genannt: 6 Federn pro Schwinge)

Einziges neu eingeführtes Staatssymbol in der BRD ist die Seekriegsflagge ("Bundesdienstflagge der Seestreitkräfte"): Sie gleicht der Bundesdeinstflagge, ist jedoch am fliegenden Ende dreieckig ausgeschnitten (sog.

Anzahl der Federn im Familienwappen

Kürzlich tauchte die Frage auf, ob die Schwingen eines Bundesadlers eine bestimmte Anzahl an Federn haben müssen. Oder die Schwingen eines beliebigen anderen Adlers in einem Familienwappen. Es gibt Meinungen, die besagen, dass ein Adler sechs oder sieben Schwungfedern an jedem Flügel haben muss. So ist beispielsweise der deutsche Bundesadler für das Kleine Bundessiegel mit sechs Federn pro Schwinge dargestellt. Und im Großen Bundessiegel sind die Adlerschwingen im Familienwappen mit sieben Federn pro Schwinge gezeichnet.

Der Bundesadler als Hoheitszeichen im Bundeswappen und als Logo der Bundesregierung hat fünf Federn pro Schwinge. Der deutsche Bundesadler der Fußballnationalmannschaft auf dem Abzeichen vom deutschen Fußball-Bund hat übrigens nur vier Federn pro Schwinge. Allerdings spielt es keine Rolle, mit wie vielen Federn ein Adlerflügel dargestellt ist. Die unterschiedliche Feder-Anzahl ergibt sich aus der Art der Darstellung. Beziehungsweise ist sie eine rein künstlerische Interpretation des Wappenkünstlers in der Wappenzeichnung.

Das bedeutet für ein Familienwappen, dass bei einem Adler als Helmzier mehr Federn als bei einem Adler im Wappenschild gezeichnet werden können. Ein Adler als Helmzier ist größer, hat mehr Volumen und wird somit großzügiger gezeichnet. Wohingegen ein Adler im Schildbild weniger Details haben sollte. Er ist kleiner dargestellt und kann somit weniger Federn haben.

Der Adler muss der Beschreibung entsprechen. Beispiel Bundesadler „ . . . auf goldgelbem Grunde einen einköpfigen schwarzen Adler zeigt, den Kopf nach rechts gewendet, die Flügel offen, aber mit geschlossenem Gefieder, Schnabel, Zunge und Fänge von roter Farbe.“ Die Detail-Gestaltung des Adlers mit der Anzahl der Federn bleibt dem Wappenkünstler vorbehalten. Sie richtet sich nach der Gestaltung des Wappens, beziehungsweise der Vorlage des Wappens, des Familienwappens.

Merkmal Kleine Bundessiegel Große Bundessiegel Bundeswappen DFB-Adler
Federn pro Schwinge 6 7 5 4