Sauenhalter kennen das Problem: Nach dem Abferkeln kommt es häufig zur Erkrankung der Sau. Sie frisst nicht genug, sie hat nicht genügend Milch, sie eitert aus der Scheide, das Gesäuge ist entzündet, und als Folge kommen die Ferkel zu kurz, oft in Verbindung mit Durchfallerkrankungen. Spätestens jetzt hat sich ein wirtschaftlich bedeutendes Problem im Stall eingeschlichen: MMA.
Das Erkrankungsbild wird unter dem Sammelbegriff MMA (Mastitis, Metritis und Agalaktie) zusammengefasst. Im Schnitt erkranken 10 % bis 30 % aller Sauen eines Bestandes an MMA.
Was ist MMA?
Der MMA-Komplex steht für:
- Mastitis = Gesäugeentzündung
- Metritis = Gebärmutterentzündung
- Agalaktie = Milchmangel
Es müssen dabei nicht zwangsläufig alle drei Krankheitsbilder gleichzeitig auftreten, häufig kommt es aber zu einer Kombination. Typische Symptome der betroffenen Muttersauen sind Fieber, Appetitlosigkeit und Vaginalausfluss. Außerdem leiden die neugeborenen Ferkel unter dem Milchmangel und magern ab.
Das Erkrankungsbild wird unter dem Sammelbegriff MMA (Mastitis, Metritis und Agalaktie) zusammengefasst.
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Symptome von MMA
Entscheidend ist, dass die Erkrankung früh erkannt wird. Denn bei rechtzeitiger Behandlung können Schäden am Gesäuge und bei den Ferkeln vermieden werden. Einen entscheidenden Hinweis liefert dabei die Körpertemperatur. An MMA erkrankte Tiere weisen meist Fieber über 40 °C auf. Deshalb sollte man in den ersten drei Tagen nach der Geburt mindestens einmal täglich bei den Sauen Fieber messen. Fieber messen allein reicht jedoch nicht. Denn auch bei gesunden Sauen kann die Temperatur nach der Geburt steigen, gerade bei Erstlingen.
Deshalb empfiehlt es sich, auch das Gesäuge genauer anzusehen. Die entzündeten Gesäugebereiche fühlen sich warm an, sind geschwollen, gerötet und schmerzempfindlich. Deshalb versucht die Sau, Berührungen und das Saugen durch die Ferkel zu verhindern. Meist ist auch das Allgemeinbefinden der erkrankten Tiere gestört. Sie fressen nicht mehr, Herz- und Atemfrequenz sind erhöht, und die Sauen leiden unter Verstopfung.
In der Regel zeigen auch die Ferkel auffällige Verhaltensänderungen, weil ihnen die Milch fehlt. Sie wirken nervös und versuchen, andere Flüssigkeiten wie z. B. Harn aufzunehmen. Die betroffenen Tiere trocknen aus oder erkranken an Durchfall - insbesondere dann, wenn sie Urin saufen. Zudem bleiben die Ferkel antriebslos am Gesäuge liegen, anstatt das Ferkelnest aufzusuchen. Deutlich eingefallene Hungergruben zeigen an, dass der Ernährungszustand der Tiere zunehmend schlechter wird. Im schlimmsten Fall verhungern die Ferkel oder sterben an den Folgeerscheinungen der mangelhaften Ernährung.
- Fieber (über 40°C)
- Entzündetes, geschwollenes, gerötetes und schmerzempfindliches Gesäuge
- Appetitlosigkeit
- Erhöhte Herz- und Atemfrequenz
- Verstopfung
- Verhaltensänderungen bei Ferkeln (Nervosität, Harnaufnahme, Durchfall)
- Eingefallene Hungergruben bei Ferkeln
Ursachen von MMA
MMA ist eine Faktorenerkrankung. Das heißt, dass zu ihrem Entstehen vermutlich mehrere Auslöser beitragen. Vermutlich gelangen die krankheitsauslösenden Keime über die Zitzen aufsteigend in das Gewebe der Milchdrüse, wo es zu einer Keimvermehrung kommt, die zur Mastitis und zum Versiegen der Milchproduktion führt. Als Verursacher werden gram-negative, coliforme Keime wie z.B. Aber auch Infektionen und eitrige Entzündungen der Harnorgane können der Auslöser sein.
Auf verschmutzten Liegeflächen dringen diese Keime aus Kot und Harn in die Milchdrüse ein und besiedeln diese. Dabei sind die vorderen und hinteren Striche in der Regel gleich häufig betroffen. Möglicherweise können krankheitsauslösende Bakterien aber auch direkt aus dem Darm über die Blutbahn in das Gesäuge gelangen. Dies würde erklären, wa-rum Sauen mit Verstopfung häufiger an MMA erkranken.
Rohfaserarme Fütterung, Bewegungsmangel und dadurch verursachte Verstopfungen begünstigen das Entstehen von MMA-Problemen. Jungsauen erkranken häufiger, weil ihr immunologischer Schutz noch nicht optimal ist. Giftige Bakterienbestandteile, so genannte Endotoxine oder Lipopolysaccharide (LPS), gelangen in die Blutbahn und führen zur Verschlechterung des Allgemeinzustands der Sau. Diese Gifte schädigen nicht nur alle Zellen direkt, sondern stören auch den Hormonhaushalt.
Als Ursache ist wie bei der Mastitis eine Keimbesiedlung von außen durch die noch weit offenen Geburtswege möglich. Auch durch manuelle Geburtshilfe besteht ein großes Risiko zur Keimeinschleppung.
Die Ursachen der Agalaktie sind vielfältig, z. B. kann eine ausgeprägte Mastitis zum Versiegen des Milchflusses führen.
- Bakterielle Infektionen (gram-negative Keime)
- Infektionen der Harnorgane
- Verschmutzte Liegeflächen
- Verstopfung
- Rohfaserarme Fütterung
- Bewegungsmangel
- Mangelnder Immunschutz bei Jungsauen
Diagnose von MMA
Neben dem Fiebermessen und der Untersuchung des Gesäuges kann auch eine Messung des pH-Wertes der Sauenmilch einen Hinweis auf MMA geben. Während eine gesunde Sau in den ersten Tagen nach der Geburt einen Milch-pH-Wert um 6,4 hat, steigt der pH-Wert bei einer erkrankten Sau in Richtung pH 7 und höher. Besonders gefährdet sind Ferkel, die die hinteren Zitzen der Sau besaugen. Diese Zitzen haben eine vergleichsweise geringe Milchleistung. Zudem sind die Ferkel durch die Nähe zum After und der Scheide einem massiven Infektionsdruck ausgesetzt.
Zusätzlich müssen noch weitere Kriterien wie Anzeichen einer Mastitis (Rötung, Schwellung, Wärme) und das veränderte Verhalten der Ferkel für eine MMA-Diagnose herangezogen werden. Das typische Bild von unterversorgten Ferkeln kennt jeder Sauenhalter. Zunächst laufen die hungrigen und durstigen Ferkel aufgeregt um die Sau herum und versuchen an das Gesäuge zu gelangen. Da das Gesäuge häufig schmerzhaft ist, liegen die Sauen auf dem Gesäuge, so dass die Ferkel nicht herankommen können. In ihrer Verzweifelung trinken sie Sauenurin oder Wasser vom Stallboden.
Mit zunehmender Entkräftung kauert dann ein Häuflein von zitternden, frierenden und von Durchfall (E. Coli, Clostridien) geplagten Ferkeln neben der Sau und es kommt unweigerlich zu Todesfällen.
- Körpertemperaturmessung (rektal, 12-24 Stunden nach der Geburt)
- Untersuchung des Gesäuges (Rötung, Schwellung, Wärme)
- pH-Wert der Sauenmilch (erhöhter Wert deutet auf MMA hin)
- Beobachtung des Verhaltens der Ferkel (Unruhe, Trinken von Urin, Unterernährung)
Behandlung von MMA
Deshalb sollte die Entzündung unverzüglich mit einer Antibiotika-Therapie sowie schmerz- und entzündungshemmenden Mitteln behandelt werden. Doch Achtung: Die Erreger neigen zur Resistenzbildung! MMA-wirksame Antibiotika töten die gram-negativen Keime. Dadurch werden massenhaft Endotoxine aus den Zellwänden der Bakterien freigesetzt, die den Organismus der Sau schädigen können.
Deshalb ist es ratsam, ergänzend zum Antibiotikum einen Entzündungshemmer wie z. B. Metcam oder Finadyne einzusetzen. Zusätzlich kann man Oxytocin verabreichen, um den Milchfluss anzuregen.
Gilt die Diagnose MMA durch eine Hypo- oder Agalaktie mit gleichzeitigem Fieber und eventuell auch durch das Vorliegen einer Mastitis und Scheidenausfluss als gesichert, muss zügig eine Therapie eingeleitet werden. Die Gabe von Oxytocin ist bei der MMA die erste Maßnahme, um einen Milchabfluss zu schaffen und die toxinbildenden Erreger aus dem Gesäuge auszuschwemmen. Außerdem kann die Oxytocingabe in Kombination mit einem Analgetikum helfen, den Ferkeln das Saugen zu ermöglichen.
Aufgrund der kurzen Halbwertzeit (6-7 Minuten) muss Oxytocin allerdings häufig verabreicht werden. Für die Sau ist die Applikation von Oxytocin im Abstand von jeweils 2-4 Stunden ungefährlich. Aufgrund der Schmerzhaftigkeit der Mastitis, insbesondere beim Saugakt, sollten Entzündungshemmer mit analgetischer Wirkung gegeben werden. Dadurch kann u.U. die Versorgung der Ferkel mit Kolostrum resp. Milch sichergestellt werden. Außerdem wird einer dauerhaften Schädigung des Drüsengewebes entgegengewirkt.
- Antibiotika-Therapie (gegen gram-negative Keime)
- Entzündungshemmer (z.B. Metcam oder Finadyne)
- Oxytocin (zur Anregung des Milchflusses)
- Analgetika (zur Schmerzlinderung)
Prophylaxe von MMA
Der MMA- Komplex stellt in vielen Fällen ein Bestandsproblem dar, einer gezielten Prophylaxe kommt hier eine große Bedeutung zu.
Auch bei der Fütterung lässt sich vorbeugend einiges machen. Wichtig ist, dass die Sauen gut konditioniert in die Geburt gehen. Zur Kontrolle können Sie die Rückenspeckdicke per Ultraschall messen. Sie sollte bei Jungsauen zum Zeitpunkt des Belegens etwa 14 mm betragen, vor der Geburt etwa 24 mm und beim Absetzen rund 18 bis 20 mm. Hier hat jedoch auch die verwendete Genetik einen großen Einfluss. Auch Bewegung ist für die Sauen im Rahmen der MMA-Vorsorge wichtig. Denn übergewichtige, träge Tiere zeigen oft einen schleppenden Geburtsverlauf.
Um die Verdauung der Tiere nicht zu belasten, sollten Sie Futterumstellungen vor der Geburt unbedingt vermeiden. Wichtig ist, dass das Sauenfutter hochwertig, unverdorben und frei von Mykotoxinen ist. Vor der Geburt benötigt die Sau 30 bis 40 Liter Wasser pro Tag. Die Tränke sollte dazu eine Durchflussrate von 2 bis 3 Litern pro Minute aufweisen. Aber auch nach der Geburt ist eine gute Wasserversorgung enorm wichtig, um eine ausreichende Milchproduktion zu gewährleisten. Um Verstopfungen zu vermeiden, wird häufig die Gabe von Glaubersalz empfohlen. Glaubersalz wird von den meisten Sauen aber nur ungern bzw. gar nicht gefressen. Kurz vor der Geburt sollten Sie die Futtermenge dann deutlich reduzieren, um den Darmtrakt zu entlasten.
Die Futtermenge und -zusammensetzung der Sauen um die Geburt herum ist entscheidend für das vermehrte Auftreten von MMA. Das Futter sollte die Sau ausreichend mit Energie versorgen, aber den Darm nicht belasten. Die alte Weisheit: "ein voller Darm gebiert nicht gern" hat nach wie vor seine Bedeutung. Durch Verstopfung kann es zu verzögerten Geburten kommen; das Risiko der Gebärmutterentzündung steigt.
Darminhalt, der zu lange im Darm steht, kann Toxine abgeben, die die Bildung von Hormonen beeinflusst, was zu Agalaktie führt. Die ideale Fütterungsstrategie ist von vielen Faktoren abhängig. Bei gehäuftem Auftreten von MMA ist immer daran zu denken, an der Fütterung etwas zu ändern. Der Einsatz von abführenden Substanzen kann die Darmfunktion unterstützen. Hierbei können quellfähige Bestandteile ebenso hilfreich sein wie Glaubersalz. Beim Glaubersalz ist jedoch auf eine ausreichende Menge zu achten, da es in einer Dosierung von 15 g/Tier eine verstopfende Wirkung haben kann.
Untersuchungen belegen, dass 0,6 g/kg KGW (entspricht 60 g/100 kg KGW) eine gute abführende Wirkung haben. Die Versorgung mit wichtigen Mineralien wie Calcium und Phosphor ist durch handelsübliche Sauenfutter in der Regel sichergestellt.
Die Zufütterung von Säuren mit dem Ziel den pH-Wert des Harns zu senken (bei einem niedrigen pH-Wert des Harn sinkt die Gefahr einer Blasenentzündung; diese ist häufig Ursache für eine Gebärmutterentzündung) ist vielfach untersucht worden. Durch die Zufütterung von Mineralsalzen ist es jedoch möglich, den Harn-pH zu senken. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Trinkwasserversorgung. Sauen sollten immer freien Zugang zu Wasser haben. Bei unterschiedlichen Tränkesystemen im Warte- und Abferkelbereicht ist es hilfreich, am Anfang Wasser in den Trog zu füllen, damit es nicht zu Verstopfungen kommt. Die Durchflussraten von Nippeltränken sollten min. 1 - 2 l pro Minute betragen, damit die Sauen genügend Wasser aufnehmen.
Ein gutes Hygienemanagement kann den Infektionsdruck für die Sauen (und auch für die Ferkel) deutlich herabsetzen. Sauen sind während und nach der Geburt empfänglicher für Infektionen. Sie liegen viel, Bakterien können durch die weit offenen Geburtswege leicht in die Gebärmutter und die Blase eindringen. Durch Verletzungen der Haut des Gesäuges (Ferkelzähne!) bestehen auch hier ideale Eintrittspforten für Erreger. Um dieses Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich, die Zähne der Ferkel abzuschleifen. Beim Abkneifen entstehen oft sehr spitze Ecken, welche die Zitze oft noch mehr verletzen. Idealerweise werden die Abferkelabteile im Rein-Raus-Verfahren mit Reinigung und Desinfektion belegt. Dennoch bieten Nachgeburtsteile und totgeborene Ferkel im direkten Umfeld der Sau ideale Vermehrungsbedingungen für jede Art von Keimen.
Eine weitere Möglichkeit, den Keimdruck zu senken, ist das Waschen der Sauen vor dem Einstallen in den Abferkelstall. Verschiedene Verfahren sind hier möglich, eine Duschvorrichtung im Treibgang, das Einsprühen mit einem Tierwaschmittel, das Schaum bildet oder auch das Abwaschen mit der Hand.
Belegen Sie die Abferkelabteile möglichst im Rein-Raus. Zwischen den Belegungen werden die Buchten gründlich gereinigt und desinfiziert. Stallen Sie die Sauen um den 110. Trächtigkeitstag in den Abferkelstall um. Dauert die Trächtigkeit länger als 115 Tage, sollten Sie die Geburt mit Prostaglandinen einleiten. Entfernen Sie Kot-reste regelmäßig aus der Bucht.
- Optimale Fütterung (ausreichend Energie, Vermeidung von Verstopfung)
- Hochwertiges, unverdorbenes und Mykotoxin-freies Futter
- Ausreichende Wasserversorgung (30-40 Liter pro Tag, Durchflussrate 2-3 Liter pro Minute)
- Gabe von Glaubersalz zur Vermeidung von Verstopfung
- Gutes Hygienemanagement (Reinigung und Desinfektion der Abferkelabteile)
- Waschen der Sauen vor dem Einstallen in den Abferkelstall
- "Rein-Raus-Verfahren" mit Zwischendesinfektion
Im Geburtszeitraum stellt zu fester Kot oder gar Verstopfung bei Sauen immer wieder ein Problem mit weitreichenden Folgen dar. Denn eine mangelnde Aktivität des Darmes ist Wegbereiter für die Entstehung von Vergiftungen: Toxine, die eigentlich zur Ausscheidung kommen sollten, bleiben länger im Verdauungssystem und gelangen über die gedehnte Darmwand in die Blutbahn. Diese Anflutung von Giftstoffen kann eine MMA-Erkrankung hervorrufen.
ColoSan® - mit der Kraft der Natur
In einem Versuch (L. Leon et al., 2006) sollte geklärt werden, ob ColoSan®, ein natürliches Präparat auf Basis von Kümmel-, Anis- und Fenchelöl, den trägen Sauen-Darm in dieser kritischen Phase auf Trab halten kann und damit auch MMA vorbeugt.
Das traditionelle Tierarzneimittel ColoSan® wird seit über 50 Jahren mit sehr gutem Erfolg bei Rindern und Pferden zur Behandlung von Magen-Darmstörungen und futterbedingten Blähungen eingesetzt. Es basiert im Wesentlichen auf den ätherischen Ölen der Heilpflanzen Kümmel, Anis und Fenchel, ist frei verkäuflich und mit keiner Wartezeit belegt. Das Wirkprinzip beruht auf den Erkenntnissen der Phytotherapie, die insbesondere Kümmelöl eine krampflösende Wirkung zuschreibt. Zudem haben die genannten ätherischen Öle generell eine leicht antimikrobielle Wirkung.
Versuchsbeschreibung
Durchgeführt wurde der Versuch auf einem Praxisbetrieb mit 400 Sauen im Münsterland. Die tragenden Sauen werden dort in Gruppen gehalten und flüssig gefüttert. Nach dem Umstallen in die Abferkelabteile wird auf Trockenfutter umgestellt. Ein Teil der Sauen auf dem Betrieb weist vor der Geburt einen reduzierten Kotabsatz auf. Ausschließlich Tiere mit diesem Problem wurden in den Versuch genommen und zufällig auf die beiden Versuchsgruppen „ColoSan®“ und „Kontrolle“ verteilt. Die Kontrollgruppe wurde keiner Behandlung unterzogen, die Versuchsgruppe erhielt ColoSan® einmalig zwei bis drei Tage vor dem errechneten Geburtstermin. Vor der Applikation wurde das Gewicht der Tiere geschätzt und eine Dosierung von 0,3 ml/10 kg Lebendgewicht vorgenommen. Das Präparat wurde nach der Fütterung mit Hilfe einer Dosierspritze direkt in die Backentasche verabreicht. Die Tiere nahmen es problemlos auf und vertrugen es sehr gut.
In der Praxis gilt die Kotkonsistenz als Maßstab für die Darmmotilität. Deshalb wurde der Kot der Tiere über einen Zeitraum von zehn Tagen bonitiert, beginnend vier Tage vor dem errechneten Geburtstermin. Die Bonitierung wurde optisch vorgenommen und sah wie folgt aus:
- Note -1 = breiiger Kot
- Note 0 = normale Kotkonsistenz
- Note 1 = fester Kot
- Note 2 = sehr fester Kot
- Note 3 = Verstopfung
In die Auswertung aufgenommen wurden Tiere, deren Kot vier Tage vor dem errechneten Geburtstermin mit den Noten 1, 2 oder 3 bewertet wurde. Insgesamt waren dies 66 Sauen, je 33 Tiere aus der Versuchs- und der Kontrollgruppe.
Ergebnisse der Studie
- Bessere Kotkonsistenz
Der Kot der Sauen aus der Versuchsgruppe „ColoSan®“ weist nach der Applikation des Präparates eine verbesserte (= weichere) Kotkonsistenz auf.
- Weniger Vaginalausfluss der Sauen, besser Zunahmen bei den Ferkeln
Die Sauen der Versuchsgruppe hatten zudem weniger Vaginalausfluss: Bei der Kontrollgruppe war bei insgesamt 50 % der Sauen Vaginalausfluss über einen Zeitraum von fünf Tagen nach dem Abferkeln zu verzeichnen. Bei der ColoSan®-Gruppe waren es 41 %. Gleichzeitig war die Produktionsleistung der Versuchsgruppe tendenziell besser, die neugeborenen Ferkel verzeichneten vier Prozent höhere Tageszunahmen.
Die Rolle der Temperatur bei der Diagnose von MMA
Zumeist wird die Körpertemperatur der Sauen als ein wichtiges Symptom zur Diagnose des MMA-Komplexes herangezogen. Aber welche Temperatur vor und nach der Geburt „normal“ ist und ab wann man tatsächlich behandeln sollte, zeigen Untersuchungen, die am Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Universität Kiel durchgeführt wurden. Im Rahmen der Untersuchung wurde bei Sauen die Körpertemperatur sowohl über einen im linken Halsbereich implantierten Temperaturtransponder als auch klassisch per Thermometer gemessen.
Wie die Abbildung zeigt, waren die Messwerte weitgehend deckungsgleich. Auffällig ist der Abfall der Temperatur einen Tag vor der Geburt sowie der unmittelbar nach der Geburt zu beobachtende Temperaturanstieg bis auf fast 39°C.
Ein leichter Temperaturrückgang ist 24 Stunden nach der Geburt zu verzeichnen, die Temperatur bleibt jedoch nahezu eine Woche lang auf einem hohem Niveau von ca. 39°C. Dies ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf die gesteigerte Stoffwechselaktivität nach Beginn der Milchproduktion zurückzuführen. Diese „normale“ (physiologische) Temperaturerhöhung ist bereits aus der Fachliteratur bekannt und scheint vor allem bei Jungsauen in noch höherem Maße vorzukommen.
TIPP: Die Temperaturmessung sollte rektal im Zeitfenster 12 bis 24 Stunden nach der Geburt erfolgen und muß wiederholt werden, um einen Temperaturverlauf erkennen zu können. Der kritische Grenzwert, nach dessen Überschreiten eine Behandlung auf jeden Fall erfolgen muß, sollte mit 39,5 °C ausreichend hoch angesetzt werden, um einen unnötigen Einsatz von Medikamenten zu vermeiden. Um einen maximalen Erfolg der MMA-Behandlung zu gewährleisten, sollten ein geeignetes Antibiotikum und ein schnell wirkender Entzündungshemmer eingesetzt werden.
Zur Diagnose einer MMA-Erkrankung ist das reine „Fiebermessen“ unzureichend. Oft tritt bei der Sau kein Fieber auf.
Weitere wichtige Aspekte
- Genetische Veranlagung: Mehrere wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass die MMA-Anfälligkeit erblich ist.
- Wichtigkeit der Biestmilchversorgung: Eine ausreichende Versorgung mit Biestmilch ist wichtig für die Abwehrkraft des Ferkels.
- Ausleitung und Entgiftung: Wegen der besseren Wirksamkeit der Homöopathika empfiehlt sich vor Beginn der Bestandsbehandlung eine Ausleitung und Entgiftung mit geeigneten homöopathischen Arzneimittel, da die meisten Bestände durch Impfungen und Fütterungsarzneimittel stark belastet sind.
- Homöopathische Arzneimittel: Die Gabe von Caulophyllum 1 - ½ Tag vor der Geburt beschleunigt den Geburtsvorgang und vermindert deutlich nachfolgende Hypo- oder Agalaktie, bei Auftreten von Fieber, Fressunlust oder Endometritiden hat sich Lachesis bewährt.
Atemwegserkrankungen bei Schweinen
Beim Schwein kommt es häufig zu Atemwegserkrankungen. Dementsprechend groß ist auch ihre wirtschaftliche Bedeutung für die Schweineproduzenten. Atemwegserkrankungen können sowohl durch Viren als auch durch Bakterien verursacht werden. Jedoch sind sie meist sehr komplex und selten auf einen einzigen Erreger zurückzuführen. In der Regel werden Atemwegeserkrankungen durch ungünstige Haltungsbedingungen wie Zugluft, hohen Ammoniak- und Staubgehalt der Luft oder Temperaturschwankungen begünstigt. Auch andere immunsuppressive Faktoren wie Transport, Umstallung oder Rangordnungskämpfe sind im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen von Bedeutung.
