Eigentlich müsste Espenhain weltberühmt sein, denn mindestens die halbe Welt kennt das wunderbare Lied „Über sieben Brücken musst du geh’n“. Auf Deutsch von der Band Karat oder in der Version von Peter Maffay oder in einer anderen von mindestens einem Dutzend Sprachen, in die es übersetzt wurde.
Doch dass dieses Lied ganz eng mit dem Röthaer Ortsteil Espenhain verknüpft ist, wissen nicht einmal die meisten Espenhainer.
Die Verbindung zwischen Espenhain und dem Lied
Die Siedlergemeinschaft Espenhain hatte auf ihrer Jahresversammlung den Schriftsteller Helmut Richter zu Gast. Christian Schlegel, der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft, schrieb in der Einladung: „Ohne Espenhain keine Geschichte und kein Lied.“ Selbst Helmut Richter gibt zu, dass der Satz im Grunde wahr ist.
Helmut Richter kam am Beginn der 1970er Jahre als frisch gebackener Absolvent des Leipziger Literaturinstituts „Johannes R. Becher“ nach Thierbach, um dort eine Reportage über den Bau des Kraftwerkes zu schreiben. Die mündete nach zwei Jahren in dem Buch „Schnee auf dem Schornstein“, das erst veröffentlicht und dann von der Obrigkeit verboten wurde.
Richter machte aus dem gesammelten Stoff einige andere Veröffentlichungen, Filme und Hörspiele und unter anderem die Erzählung „Über sieben Brücken musst du gehen“, die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau aus einem Chemieort namens Zaspenhain und einem der damals hier tätigen polnischen Arbeiter.
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Die Entstehung des Liedes
Kurze Zeit später entdeckte das Fernsehen den Stoff. Helmut Richter schrieb das Drehbuch, Regie führte der junge Regisseur Hans Werner. Der wollte eine rockige Musik für den Film. Richter war einverstanden, verlangte aber einen Song, bei dem der von ihm geschriebene Text - anders als bei vielen Rock-Titeln - durchgängig zu verstehen sein sollte.
Da kam Ed Swillms ins Spiel, ein exellent ausgebildeter Musiker, der seit 1974 zur Gruppe Karat gehört. Er komponierte die Musik zu dem Lied „Über sieben Brücken musst du gehen“, das seit 1978 seinen noch immer anhaltenden Zug um die Welt antrat.
Die wahre Geschichte hinter dem Film
Der gleichnamige Film, der im Frühjahr 1978 im DDR-Fernsehen gezeigt wurde, wurde nicht so berühmt. Die Geschichte, die er erzählt, kann die Espenhainer jedoch immer noch stolz machen. Spielt sich doch darin die Freundschaft der Völker, wie sie die DDR damals propagierte und der, so sieht es Richter, schon damals ein europäischer Gedanke innewohnte, auf einer ganz bodenständige, persönlichen Ebene ab.
Diese deutsch-polnische Liebe, im Film gespielt von Viola Schweizer und Krzystof Jedrysek, hat es wirklich gegeben. Christa D. und Ramon Z. waren deren leibhaftige, authentische Vorbilder. Christa D., die in Hoyerswerda lebt, war damals wirklich Laborantin im Chemiewerk, Ramon Z. arbeitete am Kraftwerk und die beiden haben später im Espenhainer Kulturhaus geheiratet.
Gastwirt Peter Petters, dessen Gasthof im Film Zaspe heißt, kennt die Frau von Schulzeiten an und hat erst kürzlich mit ihr gesprochen. Noch immer kommen in Espenhain polnische Namen vor. Ein unmittelbarer Nachbar von Christian Schlegel ist gebürtiger Pole, hat damals am Kraftwerk mitgearbeitet, fand in Espenhain seine Frau und gründete eine Familie. Einige andere leben in der Umgebung.
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Einziger Wermutstropfen
Zwar ist Zaspenhain wirklich Espenhain und die Zaspe ist tatsächlich Peter Petters Gasthof Aspe, gedreht aber wurde keine einzige Szene im Ort der Handlung. Die Kühltürme im Film standen irgendwo in der Lausitz, der Marktplatz in Gotha und der Gasthof Zaspe wurde im ehemaligen Kulturhaus in Borna eingerichtet, welches vor mehreren Jahren abgerissen wurde.
Beteiligt aber waren Espenhainer. Sylvia Ronneberger beispielsweise stand damals als Kleindarstellerin mit vor der Kamera und war am Donnerstagabend zu Gast bei den Siedlern.
50 Jahre Karat: Ein Jubiläum
In der Fritz-Wunderlich-Halle in Kusel feiert am 23. November 2025 mit Karat eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands ihr 50. Jubiläum. Damals im Ostberlin der 1970er war nicht abzusehen, als sich Musiker von Panta Rhei und der Horst-Krüger-Band zusammenfanden, dass diese neue Band einmal ihren festen Platz in den Annalen der Geschichte der deutschen Popularmusik einnehmen wird.
2025 laden Gitarrist Bernd Römer, Schlagzeuger Heiko Jung, Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Sänger Claudius Dreilich zu einem ganz besonderen Jubiläum: 50 Jahre Karat werden gefeiert.
Neben einer umfangreichen, über das komplette Jahr andauernden Geburtstagstournee wird es ein Album mit neuen Liedern sowie ein neues Karat-Buch, das alle fünf Dekaden umfasst, geben.
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50 Jahre Karat stehen nicht nur für Klassiker wie „Über sieben Brücken“, „König der Welt“, „Der blaue Planet“, „Schwanenkönig“, „Albatros“, „Jede Stunde“ oder „Mich zwingt keiner auf die Knie“, unzählige Preise und Chartplatzierungen sowie über zwölf Millionen verkaufte Tonträger, sondern auch für eine Band, die mit frischen Ideen, unbändiger Leidenschaft und kraftvoller Energie im Hier und Jetzt angekommen ist.
Karat und der "Schwanenkönig"
Überraschende Unterstützung für das geplante Schwanengehege am Graupaer Schlossteich kommt aus Dresden. Eine Fangruppe der bekannten Band Karat hatte vor Kurzem 1.000 Euro für das Projekt gespendet. Darüber freut sich das Dorf natürlich sehr. Näheres weiß Ortsvorsteher Gernot Heerde. "Eigentlich wollte die Band in diesem Jahr ihr 45. Jubiläum feiern, das aber corona-bedingt nicht wie geplant stattfinden kann. Deshalb spendete der Verein ,Freunde von Karat' das eigentlich für das Fest gesammelte Geld unserem Vorhaben", erzählt der Ortschef.
Die Fans fühlten sich ganz offensichtlich mit dem Schwanengehege-Projekt sehr verbunden, was nicht weiter erstaunt, denn eines der bekanntesten Songs der Gruppe Karat ist der Titel "Schwanenkönig". Im Gegenzug für diese großzügige Spende versprach Heerde dem Verein, nach Fertigstellung eine Spendentafel mit Nennung der Fangruppe an das geplante Gehege anzubringen.
Das Ostrock-Museum in Kröpelin
Deutschlands einziges Ostrock-Museum liegt auf dem flachen Land in Mecklenburg. Um nach Kröpelin zu gelangen, muss man nicht über sieben Brücken gehen, die Ortschaft liegt auf dem flachen Land, in Mecklenburg. Seit 20 Jahren tobt dort der Dorfrock.
Im "Ost-Rock-Museum", taucht Kropp - in Personalunion Rathaus- und Museumschef - ein in die wunderbare Welt von City und Co. Kropp: "Das ist der große Flur im Ost-Rock-Museum. Hier haben wir mit einer Wandtapete die Geschichte des Ost-Rocks.
50 Jahre Karat - Eine deutsche Rockgeschichte (MDR-Doku)
Neben einem neuen Album und einer Tour erscheint im Jubiläumsjahr von Karat nun auch eine MDR-Doku zur Bandgeschichte. 50 Jahre Karat in 90 Minuten - geht das?
Die MDR-Doku „50 Jahre Karat - Eine deutsche Rockgeschichte“ wirft einen Blick zurück auf die Geschichte einer der erfolgreichsten Ostrock-Bands.
Die Band um Sänger Claudius Dreilich feiert dies mit einem neuen Album und einer Tour. Der filmische Blick zurück ergänzt das Jubiläumsprogramm. Abrufbar ist er ab sofort in der ARD Mediathek. Die Fernsehausstrahlung folgt am Sonntag, dem 30. März, um 20.15 Uhr, im MDR.
Umso besser, dass die aktuellen Bandmitglieder Claudius Dreilich, Bernd Römer, Martin Becker, Daniel Bätge und Heiko Jung Einblicke aus erster Hand geben. Auch ihre langjährige Managerin Adele Walther erzählt von „ihren Jungs“, genau wie prominente Karat-Fans, darunter Moderatorin Inka Bause und DDR-Sportikone Katharina Witt.
Es war das erste Mal, dass eine Rockband aus der DDR ein restlos ausverkauftes Konzert dort spielte - und für Karat zweifelsohne eine der spektakuläreren Live-Kulissen. Einlass gewährte Karat aber auch ins Tonstudio in Erfurt. Dort nahm die Band mit „Hohe Himmel“ ihr inzwischen 15. Album auf.
Frühe schwarz-weiß Bilder eines Panta Rhei-Auftritts etwa, der noch sehr bluesig-jazzigen Gruppe, aus der Karat wenig später hervorgehen sollte. Oder das körnig-bunte Flimmern aus „rund“ Mitte der 1970er. Beim Auftritt in der Jugendsendung des DDR-Fernsehens war noch Hans-Joachim „Neumi“ Neumann Frontmann von Karat, dessen unbestreitbares Charisma sich bis heute transportiert.
Der Film konzentriert sich deshalb auf die großen Entwicklungslinien. Etwa als Herbert Dreilich, zu Beginn lediglich der Mann für sanfte, einfühlsame Nummern, als Frontmann nachrückte, weil Neumi Neumann zur Armee musste.
Natürlich fehlen auch Wegmarken wie „Über sieben Brücken musst du gehen“ nicht, der das Fundament für den Erfolg von Karat auch im Westen begründete. Auch das Ringen um Auftritte im West-Fernsehen ist Thema. Lange von der DDR-Regierung verhindert, sah man Karat erst 1982 mit einem Gastspiel bei „Wetten, dass..?“.
Auch die in einer derart langen Bandgeschichte unvermeidlichen dunkleren Kapitel spart die Doku nicht aus. Den Versuch des alten Managers und Keyboarders Henning Protzmann etwa, Herbert Dreilich durch einen jüngeren Sänger zu ersetzten. Am Ende hielt die Band zu ihrem Frontmann und Protzmann war derjenige, der gehen musste. Oder das Durchhalten nach der Wende, die ein schwindendes Interesse am Ostrock mit sich brachte. Selbstverständlich ist auch der wohl größte Schicksalsschlag der Karat-Geschichte Thema: der Tod von Herbert Dreilich im Jahr 2004.
Seit mittlerweile 30 Jahre steht Claudius Dreilich nun schon am Mikrofon von Karat - und damit länger als sein Vater. Ein Ende ist nicht in Sicht.
In seinen 90 Minuten breitet er vor allem eine wohlwollende Hommage an eine Gruppe aus, die wie keine zweite zum Inventar der deutsch-deutschen Musikgeschichte gehört. Im Jubiläumsjahr muss dies auch erlaubt sein.
