Karat, eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands, feiert ihr 50-jähriges Bandjubiläum. Die Band, die in der DDR gegründet wurde, hat die deutsch-deutsche Musikgeschichte maßgeblich geprägt. Am 22. Februar 1975 spielten Karat ihr erstes Konzert in Heidenau bei Pirna in der Nähe von Dresden. 50 Jahre später ist die Band aus der deutschen Pop-Geschichte nicht mehr wegzudenken.
Die Anfänge in der DDR
Die Band Karat gehört zu den erfolgreichen deutschen Rockbands und steht seit 50 Jahren auf der Bühne. Am 21. Februar 1975 stand eine Kombo mit dem Namen "Karat" das erste Mal auf der Bühne des Kulturhauses "Otto Buchwitz" in Heidenau bei Dresden. Sie starteten als Tanzband, wie viele zu dieser Zeit.
1975 beschlossen Bassist Henning Protzmann (aus der Soul-Jazz-Rockband Panta Rhei) und der Gitarrist und Sänger Ulrich Pexa (aktiv bei Frank Schöbel), eine eigene Gruppe aus der Taufe zu heben. Mit an Bord waren Schlagzeuger Konrad Burkert der Gruppe Lift sowie Keyborder Ulrich (Ed) Swillms und der Gitarrist und Sänger Herbert Dreilich - beide ebenfalls von Panta Rhei. Die ersten Probenphasen fanden in einer Mühle im Elbsandsteingebirge statt.
Der Bandname sollte eine gewisse Wertigkeit haben und gleichzeitig auch international verständlich sein. "Da wurden zehn bis zwölf Vorschläge gemacht", erzählt Gitarrist Bernd Römer. "Und jeder im Bekanntenkreis hat dann sein Kreuzchen hinter seinen Favoriten gemacht.
Schnell wurde die neue Gruppe mit ersten eigenen Titeln wie «Leute welch ein Tag» im DDR-Rundfunk gespielt. 1976 bekam die junge Berliner Band beim III. Interpretenwettbewerb der Unterhaltungskunst in Karl-Marx-Stadt eine Silbermedaille. Die erste LP erschien 1978.
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Der Durchbruch mit "Über sieben Brücken musst du gehn"
Ein DDR-Fernsehfilm wurde zum riesigen Glücksfall. Er hieß «Über sieben Brücken musst du gehn». Keyboarder Ed Swillms, Verfasser vieler Hits der Band, vertont den gleichnamigen Titelsong. Als das DDR-Fernsehen 1977 eine Band für den Titelsong zum Film "Über sieben Brücken musst du gehen" sucht, setzt sich Karat-Keyboarder Ed Swillms an die Komposition. Der Film ist eine Liebesgeschichte, die in der Nähe der deutsch-polnischen Grenze spielt. Es geht um die Beziehung zwischen der deutschen Chemielaborantin Gitta und dem polnischen Bauarbeiter Jerzy.
Beim Internationalen Schlagerfestival 1978 in Dresden gewann Karat mit dem Lied den Grand Prix. Die Single schaffte es in der DDR-Jahreshitparade auf Platz 2 - hinter «König der Welt», ebenfalls eine Ballade von Karat. Auch beim «Klassenfeind» westlich der Mauer kam die Single «Über sieben Brücken musst du gehn» in die Läden.
Der Titelsong zu "Über sieben Brücken musst du gehen" aber entwickelte sich zum erfolgreichen Hit - nicht nur in der DDR, sondern auch in der BRD. Herbert Dreilich erzählte bei Antenne Brandenburg vom rbb über die Entstehung: "Meine Kollegen wollten es erst auch gar nicht spielen und haben gesagt: Nein, so eine Pferdeleiche will keine Sau hören. Und auch die Aufnahme ist ziemlich schlecht gewesen und ist ja immer noch schlecht: Im Ü-Wagen [des DDR-Fernsehens in Berlin-Grünau, Anm. d. Red.]".
Peter Maffay hörte den Titel im Radio und war so begeistert, dass er ihn coverte. Auch diese Version wurde ein großer Hit - im Westen Deutschlands. Seit 1990 sang Maffay ihn immer mal wieder zusammen mit seinen Freunden von Karat. Auch viele andere erfolgreiche Sänger haben die „Sieben Brücken“ gecovert, etwa Heinz Rudolf Kunze, Helene Fischer, Chris de Burgh und Roland Kaiser.
Karat als Devisenbringer für die DDR
Als erste DDR-Band durfte Karat ab 1979 alle Platten in Ost und West herausbringen. Sie wurden millionenfach gekauft und waren eine wertvolle Devisen-Quelle für den sozialistischen Staat: 80 Prozent der Einnahmen durch Schallplatten und Konzerte im Westen flossen in die Staatskasse der DDR, wie Claudius Dreilich berichtet.
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1982 wurde das Album «Der blaue Planet» ein Riesenerfolg. Die Single «Jede Stunde / Falscher Glanz» erklomm die Top Ten in der BRD. Karat trat in der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck auf, schaffte es dort mit «Jede Stunde» auf den zweiten Platz. Auch bei «Wetten, dass..?» sangen die DDR-Balladenkönige. Moderator Frank Elstner bezeichnete sie als „Diamant der Popgruppen der DDR“.
Die Zeit nach dem Mauerfall
Als Karat 15 Jahre alt war, verschwand die DDR. Im Jahr 2025 sind es 35 Karriere-Jahre im vereinten Deutschland. Dreilich hat sich darüber schon viele Gedanken gemacht und ist zum Schluss gekommen: «Es lässt sich nicht wegreden. Ich empfinde es als Güte-Siegel.» Musik von Bands mit DDR-Wurzeln sei ein richtiges eigenes Genre geworden.
Nach dem Mauerfall gab es auch für Karat eine Karriere-Delle, die Fans zog es zur Westmusik. Aber bald kehrten sie zurück. Doch im Oktober 1997 erlitt Sänger Herbert Dreilich bei einem Konzert einen Schlaganfall. Rund ein halbes Jahr später stand er wieder auf der Bühne, aber es blieben ihm danach nur noch einige Jahre.
Der Verlust von Herbert Dreilich und der Namensstreit
Im März 2004 gab das Karat-Management bekannt, dass Dreilich an Leberkrebs erkrankt ist. Am Ende des gleichen Jahres stirbt er - mit 62 Jahren. Für die verbliebenen Musiker folgte bald der nächste Schock: Dreilichs Witwe untersagte ihnen, den Bandnamen weiterzuverwenden. Der Sänger hatte sich 1998 beim Deutschen Patent- und Markenamt die Rechte an der Marke Karat gesichert. Die Band nannte sich deshalb ab 2006 «K...!». 2007 schließlich unterlag die Witwe vor Gericht. Karat hieß wieder Karat.
Gitarrist Bernd Römer schilderte später: „Wir waren echt fertig, wir saßen mit zitternden Knien im Gerichtssaal.“
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Claudius Dreilich übernimmt das Mikrofon
Zurück ins Jahr 2004: Als sein Vater an Krebs erkrankt, bekommt Claudius Dreilich einen Anruf von der Band. Er wird gefragt, ob er als Sänger einspringen kann. Der Musiker-Sohn hatte eigentlich eine andere Karriere eingeschlagen, Ausbildungen als Hotelkaufmann und Einzelhandelskaufmann absolviert. Er arbeitete bei Ikea, eröffnete die Filiale in Moskau mit.
Sechs Monate lang habe er sich dann nicht entscheiden können, welcher Weg der Richtige ist. «Ich bin ja mit Karat aufgewachsen und hab diese Musik geliebt», schildert er. Schließlich habe er beim damaligen Karat-Schlagzeuger Rat gesucht. «Er sagte mir: «Du wirst immer zu Karat gehören. Aber wenn Du es nicht machst, steht künftig ein anderer auf der Bühne»».
Dann entschied Claudius Dreilich, dessen Stimme der seines Vaters verblüffend ähnelt: «Ich muss es wenigstens versuchen.»
Die aktuelle Situation
Zwei Gesellschaftssysteme, zwei Sänger, zwei Bandnamen: Karat hat sich immer wieder neu formieren müssen. Es gab regelmäßig Umbesetzungen, zuletzt im Januar 2023. Aus der Anfangs-Ära ist noch Gitarrist Bernd Römer dabei. Er stieß 1976 zu Karat. Komplettiert wird die aktuelle Band von Keyboarder Martin Becker, Bassgitarrist Daniel Bätge und Schlagzeuger Heiko Jung.
50 Jahre Karat, das heißt auch: Es gibt ein neues Album samt ausgiebiger Jubiläumstour. Am 22. Februar, dem Band-Geburtstag, erschien das neue Album «Hohe Himmel». Dreilich beschreibt die Gemeinsamkeit der neuen Songs so: «Es geht einzig und alleine um den Menschen. Um die Schattenseiten und die Sonnenseiten.» Und es gilt weiterhin: «Wir arbeiten viel mit Metaphern und zynischen Andeutungen.
Die Band blickt nach vorne und auf die kommenden Aufgaben. Die Musik und die Texte von Karat treffen auf ein Lebensgefühl und erreichen die Leute.
Die Bedeutung von Karat
Karat ist ohne Frage ein Schwergewicht im Ostrock. Die Bandmitglieder sind ein streitbares Völkchen und ringen gemeinsam um den richten Sound, die passende Liedzeile. „KARAT ist man nicht nur auf der Bühne. KARAT muss man leben.“ (Adele Walter, Managerin)
Die Bandmitglieder bleiben aktiv und neugierig und stehen mitten im Leben. „Die Konstante bei KARAT ist die ständige Veränderung!“ so ein Mitglied der Band beim Blick zurück auf 50 Jahre und behaupten selbstbewusst von sich und ihrer Musik: „Wir waren gestern da. Wir sind heute da.
Viele ihrer Songs begleiten Menschen schon ihr Leben lang und wecken Erinnerungen. Aber auch junge Leute entdecken die Musik von Karat für sich und füllen die Konzertsäle. Musik als Kraftspender in schwierigen Zeiten. Dinge, die nicht gesagt werden durften und Befindlichkeiten mit und gegen den Staat in lyrischen Worten ausdrücken.
Diskografie (Auswahl)
| Jahr | Titel |
|---|---|
| 1978 | Karat |
| 1979 | Über sieben Brücken |
| 1982 | Der blaue Planet |
| 2025 | Hohe Himmel |
