Kampfsport für Kleinkinder: Ab wann ist es geeignet?

Hockey, Turnen oder vielleicht Kampfsport? Für Kinder ist das Angebot an sportlichen Aktivitäten groß. Da fällt die Auswahl nicht leicht.

„Kinder stark machen“ und viele Anbieter von Kampfsportarten teilen das gleiche Ziel: Kinder nicht nur körperlich zu stärken, sondern auch ihr Selbstbewusstsein.

Beim Kampfsport lernen Kinder ihre körperliche Kraft kennen und wie sie sich im Notfall verteidigen können. Gleichzeitig werden Werte wie Achtsamkeit, Disziplin und der Umgang mit den eigenen Gefühlen geübt. Den Kämpfenden wird Konzentration, Selbstbeherrschung und gegenseitiger Respekt abverlangt.

Viele Kampfsportarten eignen sich für energiegeladene extrovertierte Kinder genauso wie für schüchterne. Judo ist allerdings mehr auf Nähe ausgelegt als Karate oder Taekwondo. Deshalb kann es sein, dass zurückhaltende Kinder lieber Karate oder Taekwondo wählen.

Letztendlich sollten die Eltern auf die Bedürfnisse ihres Kindes achten. Nur Sport, der Spaß und Freude bereitet, wird ihr Kind körperlich und mental stärken.

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Die drei Kampfsportarten Judo, Karate und Taekwondo im Vergleich

Zu den bekanntesten Kampfsportarten zählen Judo, Ju-Jutsu, Karate, Kung-Fu und Taekwondo. In vielen Kampfsport-Vereinen werden Kinderkurse bereits ab vier Jahren angeboten.

Der Nachwuchs wird zunächst mit Spiel und Spaß an die der Kampfsportart zugrunde liegenden Bewegungsabläufe herangeführt. Wir stellen hier Judo, Karate und Taekwondo für Sie vor und zeigen auf, was sie voneinander unterscheidet.

Judo

Judo ist eine japanische Kampfsportart. Übersetzt bedeutet Judo „der sanfte Weg“. Damit ist nicht nur die Art des Kämpfens gemeint, sondern eine Lebenseinstellung. Im Judo geht es darum, sich auf den Weg des Gegenübers einzulassen und blitzschnell darauf zu reagieren.

Judo ist eine Kampfsportart mit viel Körperkontakt: Die Kinder packen sich beispielsweise an Armen oder Schultern und versuchen, ihre Partnerin oder ihren Partner, der im Kampf zu ihrer Gegnerin oder zu ihrem Gegner wird, auf die Matte zu schleudern.

Sie lernen Wurf- und Bodentechniken, weniger Stoß- und Tritttechniken. Judo-Techniken basieren auf der Ausnutzung der Kraft und Bewegung der Gegnerin oder des Gegners, um diesen auf den Boden zu werfen und anschließend zu kontrollieren.

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Wie groß oder klein man ist, ist hierbei nicht wichtig. Mit der richtigen Wurftechnik können hier auch die Kleinsten siegen.

Karate

Die Kampfsportart Karate kommt ebenfalls aus Japan. Karate heißt übersetzt „leere Hand“. Damit ist gemeint, dass man sich gegen eine Angreiferin oder Angreifer nur mit der leeren Hand, aber natürlich auch mit den bloßen Füßen verteidigen kann.

Im Gegensatz zum Judo gibt es beim Karate wenig Körperkontakt. Ziel ist, sich mittels gezielter Schläge, Tritte und Stöße gegen die Angreiferin oder den Angreifer zu verteidigen. Die Karatekinder lernen, ihren ganzen Körper zu trainieren, besonders Hände, Ellenbogen, Knie und Füße.

Eine hohe Konzentration und Schnelligkeit, aber auch Gelassenheit sind beim Karate besonders gefragt. Nur wer beim Angriff nicht in Panik verfällt, kann sich wehren. Deshalb werden den Kindern neben der Technik im Unterricht auch psychologische Inhalte zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung vermittelt.

Taekwondo

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst und bedeutet die Verbindung von Tae (Tritt), Kwon (Faust) und Do (Geist). Taekwondo scheint Karate sehr zu ähneln, doch die Konzentration liegt hier auf schnellen Fußtechniken und kräftigen Tritten.

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Im Training werden häufige Angriffe und wirksame Gegenreaktionen geübt. Dabei werden entweder verschiedene Formen gegen unsichtbare Gegnerinnen und Gegner durchgespielt oder der Freikampf gegeneinander trainiert. Die Techniken helfen, Schläge oder Tritte gezielt abzuwehren.

Weitere Kampfsportarten

  • Aikido: Das Ziel des Aikido besteht darin, die Kraft eines Gegners abzuleiten und sie auf intelligente Weise zu nutzen. Wettkämpfe werdet ihr im Aikido vergeblich suchen. Es entspricht einfach nicht der Philosophie dieser sanften Verteidigungstechnik.
  • Boxen und Kickboxen: Da für diese Sportart viel Körperbewusstsein erforderlich ist, liegt ein Schwerpunkt des Grundlagentrainings für Kinder und Jugendliche in Atemtraining, einer aufgerichteten Haltung und Dehnungsübungen. Kinder ab vier Jahren können mit dem Boxtraining beginnen. Im Unterricht lernen die Kinder sich in die Gruppe zu integrieren und mit Selbstbewusstsein zu agieren, falls sie sich verteidigen müssen.
  • Kendo: Charakterbildung und -festigkeit kommen also inklusive.
  • Tai Chi: Durch das Zurückziehen der Sinne aus dem Außen entsteht eine innere Zentrierung, die in die Meditation führt.
  • Kung-Fu: Posen wie Tiger, Leopard, Drache oder die Gottesanbeterin sind Bewegungen aus der Tierwelt, die beim Kung-Fu imitiert werden.
  • Capoeira: Alle, die Musik, Gesang, Akrobatik, Tanz und Körperausdruck lieben, kommen beim Capoeira voll auf ihre Kosten. Kinder trainieren mit Erwachsenen und Frauen mit Männern gemeinsam.
  • Kalaripayattu: Kinder ab sechs Jahren können Kalaripayattu erlernen. Finden werden sie ein umfassendes System, das ihr Körper- und Selbstbewusstsein schult.
  • KiJudo: KiJudo ist für Kinder von fünf bis zwölf Jahren konzipiert, die Spaß an Lauf-, Rauf- und Kooperationsspielen haben.
  • Karatekunst: Kinder ab vier Jahren werden von der Karatekunst sehr profitieren, wenn sie nach und nach die altersgerechten Stationen durchlaufen.
  • Taekwon-Do: Mit Händen und Füßen lernen die Schüler:innen also, im Falle eines Angriffs angemessene Maßnahmen der Verteidigung zu ergreifen.

Welche Kampfsportart passt zu deinem Kind?

Berichte über Gewalt, Mobbing und Fremdenfeindlichkeit gehören heute in unseren Informationskanälen schon fast zur Tagesordnung. Denn Kampfsportarten dienen häufig der Gewaltprävention. Welche Kampfsportart für Kinder am besten geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei der Auswahl einer Sportart kommt es auch auf das individuelle Interesse bzw. die Vorlieben deines Kindes an - auch Alter und Trainingsziele spielen natürlich eine Rolle.

Extrovertierte Kinder, die sehr viel Energie haben, finden für gewöhnlich gefallen an Karate, Taekwondo oder Kickboxen. Für etwas zurückhaltende Kinder werden hingegen oft Judo und Akido empfohlen, um Körperbeherrschung und Selbstbehauptung zu erlernen.

Ab wann Kampfsport für Kinder infrage kommt

Ab wann Kampfsport für Kinder infrage kommt, lässt sich nicht einheitlich beantworten. Viele Vereine bieten spezielle Kurse für Kinder an. Je nach Stadt bieten einige Kampfsportschulen Vorkurse für kleinere Kinder an. So können sich Kinder ab 3 Jahren bereits mit Bewegungen des Kampfsports vertraut machen.

Das beste Einstiegsalter dafür ist mit fünf, sechs Jahren“, sagt Kampfsporttrainerin Ana Yagües. Das hängt aber stark von den Voraussetzungen des Kindes ab.

Im Grunde genommen kann es (mit dem geeigneten Programm) schon ab dem dritten Lebensjahr losgehen. Dies gilt für Jungs und Mädchen.

Wichtig ist es, dass die Kampfsportschule spezielle Klassen für die jeweiligen Altersgruppen anbietet. Spaß, Motivation und verletzungsfreies Training sind nur möglich, wenn Kinder zu Beginn mit Gleichaltrigen trainieren. Mit zunehmendem Alter und Trainingserfahrungen ergibt sich ein gemischteres Training von selbst.

Vorteile von Kampfsport für Kinder

Kinder in die Welt des Kampfsports einzuführen, hat viele Vorteile. Jedoch nur unter der richtigen Anleitung. Kampfsportliches Training fördert die Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Reflexe und Koordination. Ein Kindertraining kann mit zweimal wöchentlich je 45 bis 90min einen guten Einstieg bieten.

Kampfsport und Selbstverteidigung für Kinder wirken sich auf die soziale, emotionale, intellektuelle und spirituelle Entwicklung sowie auf die körperliche Entwicklung aus.

Eine Studie hat gezeigt zeigte, dass das Üben von Kampfsportarten - speziell Taekwondo und Karate - die Aufmerksamkeit bei Kindern steigert. Die Kinder konnten auch in hitzigen Situationen ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung bewahren.

Hier eine Zusammenfassung der Vorteile:

  • Steigerung der körperlichen Fitness: Kraft, Ausdauer, Flexibilität
  • Verbesserung der motorischen Fähigkeiten: Beweglichkeit und Koordination
  • Förderung der kognitiven Entwicklung: Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung: Selbstbewusstsein, Selbstbeherrschung, Selbstdisziplin