Jean-Claude Van Damme: Kickboxer – Eine Filmkritik

Die Neuauflage des unsterblichen Van-Damme-Klassikers „Kickboxer“ mit dem Titel „Kickboxer - Die Vergeltung“ wusste das Fandom nicht einhellig zu begeistern. Nachdem Dimitri Logothetis beim Remake des Jean-Claude van Damme-Films Kickboxer bereits das Drehbuch beisteuerte, übernahm er bei dessen Fortsetzung nach eigener Geschichte auch die Regie. Logothetis inszenierte seit bereits einigen Jahren keinen Film mehr. Neben Alain Moussi ist auch Jean-Claude van Damme wieder als dessen Trainer zu sehen.

Die Geschichte, die ähnlich in Hunderten Kampfsportfilmen (und z.B. auch in Rocky IV) erzählt wurde, ist sicher nicht der Grund, weswegen man sich „Kickboxer“, der in Deutschland übrigens unsinnigerweise als „Karate Tiger III“ vermarktet wurde, anschauen wird. Es ist die Action.

Kickboxer - Die Abrechnung

Die Tango-Szenerie in dem Zug, der vor Klischees schier zu bersten drohende thailändische Knast mit Fetisch-Einschlag, ein unlängst geblendeter Master Durand, der „Daredevil“ mit seinen Fähigkeiten Konkurrenz machen könnte, ein Fußbälle auf den Helden abfeuernder Ronaldinho, genetisch optimierte Superfighter, totgeschlagene Fighter, die ins Leben zurückgeholt werden und weiterkämpfen sowie Weisheiten wie „Du musst die Bewegung der Luft spüren, bevor sie sich bewegt!“ sind schon extrem drüber.

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film kommt von Ascot Elite und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten. „Kickboxer: Die Abrechnung“ erscheint am 27.

Sport-Promoter Thomas Moore (Christopher Lambert) sorgt dafür, dass Kurt Sloane (Alain Moussi) in einem thailändischen Gefängnis landet. Als Moore auch noch Liu entführt, hat er es geschafft: Kurt hat die Schnauze voll und will Moores Fighter in Grund und Boden stampfen.

Handlung und Charaktere

Diese steigt mit einem Tango in ihre Handlung ein. Richtig gelesen: Mit einem Tango. Kurt Sloane und seine Ehefrau Liu tanzen den eleganten Tanz im Waggon eines Zuges, bis sie von ein paar zwielichtigen Gestalten gestört werden. Schnell entpuppt sich der stilistisch perfekt umgesetzte, leider mit ein paar blöden Rückprojektionen arbeitende Einstieg als Vision, die Kurt ereilte, nachdem er im MMA-Ring einen richtig harten Treffer kassiert hat.

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Mit MMA-Fights macht Kurt inzwischen sein Geld und reist mit seiner Liu, die Polizistin aus „Kickboxer - Die Vergeltung“, durch die Welt. Eines Tages stehen auf einmal zwei vorgebliche FBI-Agenten auf Kurts Matte. Er sei angeklagt, einen Mord begangen zu haben. Irgendwann dämmert Kurt allerdings, dass die „Agenten“ nicht koscher zu sein scheinen. Doch bevor er etwas unternehmen kann, geht er getasert zu Boden. Als er wieder zu sich kommt, blickt er in die Augen von Thomas Moore. Ein Fight-Promoter, der von Kurt verlangt, einen Fight gegen seinen Champion Mongkut zu bestreiten oder eben rechtmäßig in den Knast zu wandern.

Der Knast entpuppt sich als mittlere Vorhölle, inklusive Auspeitschungen und immer wieder aufbrandenden Fights mit anderen Mithäftlingen. Immerhin war Tong Po deren Idol, wie Moore zu berichten weiß.

Die Action

Allgemein ist die Action sehr gut über den Film verteilt worden und präsentiert vornehmlich Hauptdarsteller Alain Moussi beim Kicken. Dabei fliegen vor allem die thailändischen Stuntmen mal wieder vollkommen lebensmüde durch die Gegend und kassieren sichtlich kaum abgebremste Tritte und Schläge.

Toll ist, dass „Kickboxer - Die Abrechnung“ für jeden Fight ein cooles Setting findet. Ob Thai-Knast, Zug, Underground-Fighting-Arena, MMA-Ring oder gar einer der berühmten schwimmenden Märkte Thailands, der Film bietet viel fürs Auge. Interessant ist dahingehend auch ein feiner Fight Moussis gegen zwei äußerst knapp bekleidete Thai-Miezen in einem Spiegelkabinett!

Als Kracher schlechthin ist dann freilich der Showdown vorgesehen. Der Schauplatz (ein thailändischer Tempel mit nett designter Arena) rockt, es wurde eine laute Crowd um die Arena platziert und der Gegner von Sloane ist halt ein riesiger Berg von einem Menschen.

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Schauspielerische Leistungen

Jean-Claude Van Damme („Jean-Claude Van Johnson“) dürfte dank „Kickboxer - Die Abrechnung“ als der am wenigsten blinde Blinde in die Annalen der Filmgeschichte eingehen. Sein Spiel und seine Auslegung des Begriffes „blind“ sind ein Hort des unfreiwilligen Humors, was durch sein exaltiertes Spiel nur noch mehr unterstrichen wird. Damit trifft er den comichaften Grundton des Filmes perfekt und liefert eine wirklich irre, spielfreudige Show ab. Ernst nehmen kann man seine Figur so aber überhaupt nicht mehr.

Alain Moussi („Killing Soldier“) ist derweil in seiner Rolle als Kurt Sloane angekommen und macht als Held der Chose einen sympathischen Eindruck. Zumal wird er aufgrund der häufig aufbrandenden Action darstellerisch auch kaum gefordert, wodurch er kaum mehr machen muss, als auf seine physische Präsenz und sein Können zu setzen. Seine Liu wird erneut von sexy Sara Malakul Lane („Shark Lake“) gegeben. Als fieser Fieswicht legt Christopher Lambert („The Hunted“) einige Auftritte hin, hat sich seine Schauspieltipps aber sichtlich bei Van Damme geholt. Denn er überzieht seinen Schurken mit seinen ausladenden Gesten schon extrem.

Die wichtigste und größte Rolle, die von Moores Champion Mongkut also, hat allerdings Hafthor Julius Björnsson, Serienfans als Mountain aus Game of Thrones, Strongmanfans als Thor bekannt. Björnsson Physis ist mal wirklich irre, als Bösewicht mag er aber dank unterfütterter Charakterzeichnung nicht funktionieren und bei seinem großen Auftritt im Showdown ist seine Physis eher hinderlich. Schade.

Kritikpunkte

Während „Kickboxer - Die Vergeltung“ - von einigen absurden Trainingseinheiten abgesehen - zumindest versuchte, seine Story mit einem gewissen Ernst zu erzählen, geht das Drehbuch zu „Kickboxer - Die Abrechnung“ ganz andere Wege.

Warum etwa Master Durand geblendet wird, erschließt sich nie. Warum der Fight zwischen Mongkut und Sloane als Racheakt für den „Mord“ an Tong Po etabliert wird, bleibt ebenfalls ein großes Rätsel. Warum Kurt Sloane nach Niederschlägen Visionen von zukünftigen Events und Gegnern hat, verrät einem auch kein Schwein.

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Zudem vergisst sie vollkommen, irgendeine persönliche Beziehung zwischen Kurt Sloane und Mongkut zu etablieren. Auch weil Mongkut vom Drehbuch total vernachlässigt und überhaupt nicht als Gefahr aufgebaut wird!

Lässt man die beiden Kontrahenten dann auch noch vollkommen sinnloserweise mit Schwertern kämpfen, geht Mongkuts Übermacht total verloren, da er hier noch langsamer und unbeweglicher wirkt als ohnehin schon.

Fazit

Am Ende bleibt die Frage, wie man mit dem Franchise weiter verfahren wird. Immerhin ist ein weiterer Teil („Kickboxer: Armageddon“) bereits angekündigt. Anstelle etwas Neues zu wagen, war die Lösung für die Filmemacher allem Anschein nach die Vermittlung des Gefühls, dass man sich und den Film selbst nicht so ernst nehme.

Nehme ich den Film als das, was er ist, nämlich die Fortsetzung von „Kickboxer - Die Vergeltung“, verliert „Kickboxer - Die Abrechnung“ im direkten Vergleich. „Vergeltung“ fühlt sich in sich geschlossener und runder an und seine Story ist einfach stringenter, involvierender und mitreißender.

Nehme ich den Film aber als das, was er sein will, nämlich ein Larger-Than-Life-Comic, dann komme ich nicht umhin, „Kickboxer - Die Abrechnung“ ein wirklich hohes Unterhaltungspotential zuzugestehen. Dann bin ich auch bereit, diverse Dummheiten und hohle Momente zu schlucken und sehe auch über Overacting, ein holpriges Drehbuch, seltsame Dialoge und ebensolche Szenen, Versäumnisse in Sachen Involvement und üble Anschlussfehler gerne hinweg.