Hochster Dan und Träger im Taekwondo: Definitionen und Hintergründe

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst, die sich durch dynamische Kicks und präzise Handtechniken auszeichnet. Die Taekwondo Grundtechniken umfassen verschiedene Elemente wie Grundstellung, Blocks, Kicks und Handtechniken. Besonders wichtig ist dabei die korrekte Ausführung der Bewegungen, die durch jahrelanges Training perfektioniert wird.

Das Graduierungssystem im Taekwondo

Innerhalb des Traditional Taekwon-Do gibt es ein Rangsystem für Schüler und Meister. Die Schülerstufen werden Kup genannt, die Grade der Meister heißen Dan. Dieses System dient der Einteilung der Schüler beim Training, sowie in die verschiedenen Klassen bei Meisterschaften.

Um nun Stufe für Stufe weiterzukommen und den dafür entsprechenden farbigen Gürtel tragen zu dürfen, muß der Schüler das für die einzelnen Stufen erforderliche Können vorweisen. Um dieses festzustellen legt er in gewissen Zeitabständen eine Prüfung ab. Die Zeitabstände zwischen den einzelnen Prüfungen betragen im günstigsten Falle etwa vier Monate. Die Trainingszeit zwischen der höchsten Schülerstufe (1. Kup) und dem niedrigsten Meistergrad (1. Dan, frühestens im Alter von 16 Jahren zu erreichen) liegt zwischen einem halben und einem Jahr.

Wurde z.B. im Alter von 16 Jahren mit der Ausbildung im Traditional Taekwon-Do begonnen, so erreicht man den 6. Meistergrad (Dan) frühestens mit 32 Jahren. Meister mit höheren Graduierungen (7. bis 9. Dan) gelten als Großmeister.

Die Bedeutung der Gürtelfarben

Im Taekwondo unterscheidet man zwischen Schülerklassen - Kupgrade mit Zählung abwärts - und Meisterklassen - Poomgrade (bis 15 Jahre) bzw. Dangrade mit Zählung aufwärts.Jeder „vollen“ Gürtelfarbe liegt ebenfalls eine Symbolik zugrunde, die zweifarbigen Gürtel stellen Übergänge dar:

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  • Weißer Gürtel: Der weiße Gürtel wird von Anfängern getragen, die noch unwissend sind und dem Taekwondo offen und wissbegierig gegenüberstehen. Daher steht weiß für den Anfänger, den Unwissenden und symbolisiert die Farbe des Winters.
  • Gelber Gürtel: Das Gelb symbolisiert den im Winter vorbereiteten Erdboden, der einmal Früchte tragen soll. Der gelbe Gürtel steht für fruchtbaren Erdboden, auf dem Wissen und Können gedeihen sollen.
  • Grüner Gürtel: Grün, die Farbe des Frühlings und des Wachstums, zeigt daß bereits erste Knospen (kleine Erfolge) sichtbar sind. Der grüne Gürtel symbolisiert die ersten Sprösslinge und Früchte, Zeichen dafür, dass sich die Trainingsanstrengungen gelohnt haben und etwas im Schüler heranreift.
  • Blauer Gürtel: Blau aktiviert sowohl das Hals- als auch das Stirn-Chakra (drittes Auge). Der Schüler muss nun zeigen, dass er in der Lage ist, Höheres anzustreben und auch zu erreichen. Der blaue Gürtel steht für den Himmel und somit sinnbildlich für eine Grenze.
  • Roter Gürtel: Die Signalfarbe Rot bedeutet „Achtung“, hier entsteht etwas Bedeutendes. Der rote Gürtel repräsentiert die Sonne, von der schon eine große Kraft ausgeht, dient dem Schüler aber auch als Signal. Er steht nun kurz davor, Meister zu werden, und wird angehalten, sich noch intensiver und ausdauernder mit dem Taekwondo zu beschäftigen.
  • Schwarzer Gürtel: Schwarz und auch der "Schwarze Gürtel" ist die Farbe der Meisterinnen und Meister und nur diesen vorbehalten. Schwarz, steht für das Weltall, vereinigt alle anderen Farben in sich und ist somit die stärkste aller Farben.Schwarz symbolisiert ebenso die Autorität, das Wissen und die Erfahrung der MeisterInnen.

Die Meistergrade sind aufsteigend numeriert. Die Träger des 1. bis 4. Dan werden Meister (Kyosah-Nim) genannt. Die Träger des 5. bis 9. Dan werden mit dem Titel Sabum-Nim bezeichnet.

Die Meister Ränge

Die Meister Ränge - die "schwarzen Gürtel " - bestehen in der Regel aus neun Graden. Jeder Rang wird Dan 단 oder "Grad" genannt. Die Nummerierung beginnt mit dem 1. Dan und geht bis zum 9. Dan. Schwarze Gürtel Ränge können mit ihnen verbundenen Titel, wie "Meiter" und "Lehrer" variieren. Zum Beispiel könnte die Erreichung der 1. Dan mit dem Titel "Meister" verbunden sein.

In der International Taekwondo Federation werden die Lehrer, die den 1. bis 3. Dan halten Boosabum (Assistenzlehrer), die den 4. bis 6. bis 8. Dan als Sahyun (Meister) bezeichnet und die Halter des 9. Dan heißen Saseong (Großmeister).

Im Kukkiwon/WTF gelten die Halter des 1.-3. Dan als Instructor, sie sind "Lernende unter den Meistern" bzw. Meisterschüler. Träger, die den 4. - 6. Dan halten, gelten als Meister. Diejenigen, die einen 7. - 9. Dan halten, gelten als Großmeister. Dieser Rang setzt auch ein Mindestalter von +40 Jahren voraus.

Die Dan-Grade im Detail

Die einzelnen Dan-Stufen repräsentieren den persönlichen, technischen bzw. geistigen Entwicklungsstand der Weg-SchülerInnen in speziellen Bereichen. Meisterschaft ist die Bereitschaft zu gehen, Schritt für Schritt und sich selbst hinzugeben. Ich opfere mein kleines Ich und verschreibe mit mit Allem dieser einen Sache.

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  • 1. Dan: Den ersten Schwarzgurt (Shodan = kleiner Grad o. Anfangsgrad) zu erreichen meint, die Basis aller technischen Fähigkeiten - auf hohem Niveau - zu beherrschen, eine "Vorahnung" über das Wissen der Techniken. Die Trainierenden beginnen von vorn. Jetzt beginnt die eigentliche Ausbildung für die, welche bis hierher durchgehalten haben. All jene, für welche es um mehr geht, als möglichst schnell den nächsten Gürtel zu bekommen oder Pokale. Es geht um das tiefe Verstehen der Kampfkunst, des Weges.
  • 2. Dan: Die Reise auf dem Weg zu "wahrer" Meisterschaft stellt an die Reisenden gewisse Bedingungen. Es fällt der "Weg-Schülerin" leicht ihre Kompetenz im Lehren weiter zu verbessern. Dieser DAN steht im Besonderen für Ying & Yang, männlich & weiblich, Licht & Schatten und somit für die Ambivalenz und Unentschlossenheit seiner Trägerin. Bleibt die Schülerin beständig und bescheiden, wird der beschrittene Weg zum Erfolg führen.Sie spürt das sie den "Anfang des Weges" erreicht hat und ist sich der vielen Hindernisse, welche noch vor ihr liegen, durchaus bewusst.
  • 3. Dan: Das Ziel vor Augen, ist der Danträger unerschütterlich entschlossen den eingeschlagenen Weg (DO) bis ans Ende seiner Tage fortzuführen. Es gibt nichts was ihn davon abhalten kann.Von den kommenden Herausforderungen lässt er sich nicht (mehr) einschüchtern. Seinem Lehrer, seiner Schule, seiner Kampfkunst und seinem Weg bleibt er treu ergeben. Seine Kampfkunst ist ein untrennbarer Teil seines Lebens und Wesens geworden. Oft kann er den Meister in sich wahrnehmen und beginnt entsprechend zu handeln.
  • 4. Dan: Der Weg ist zum Lebensprinzip geworden und gleichzeitig der Beginn des Budo. Die körperlichen und technischen Grenzen sind erreicht, neue Herausforderungen stehen an. Die Schülerin ist fest mit ihrem Weg verbunden. Die Theorie, Praxis und vor allem die geistigen Aspekte der Kampfkunst haben sie durchdrungen und werden im Alltag gelebt. Bei allem, was sie tut, ist sie auf der Suche nach innerer Vollkommenheit und Wahrheit, dem Weg zu authentischer Meisterschaft.

Historische Entwicklung des Taekwondo

Taekwondo ist eine traditionelle koreanische Kampfkunst, die sich über viele Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Im 7. Jahrhundert war das Gebiet des heutigen Korea in drei Königreiche aufgeteilt: das größte, Koguryo, im Norden, Baek Je im Südwesten und Silla im Südosten. Dies führte dazu, daß die beiden südlichen Länder Baek Je und Silla in ständiger Wachsamkeit gegen die militärische und wirtschaftliche Bedrohung aus dem Norden lebten.

Man erkannte hier, daß eine geistige Überlegenheit die Grundlage für das Widerstandsvermögen gegen den Norden war, und so entwickelte man vielerlei Systeme, die die geistige Substanz des Volkes nährten und verbesserten. Zu diesem Zweck wurde unter anderem im 6. Jahrhundert n. Chr. Dieses Ideengut wendete man auf verschiedene Künste, Wissenschaften und die Selbstverteidigung an.

Die Anwendung des Zen auch auf den Bereich der waffenlosen Kampfkünste führte zu einer Harmonisierung von Geist und Körper, in der Art, daß es den Menschen in Silla möglich war, der Übermacht des nördlichen Nachbarn zu begegnen. Unter ihrer Führung wurden später die drei Königreiche vereinigt. In der folgenden Silla-Dynastie wurde Soo Bak Gi und Tae Kyon zur nationalen Kriegskunst erklärt, in der jährlich Wettkämpfe ausgetragen wurden, um den besten Kämpfer zu ermitteln.

Auch während der Koryo-Dynastie (918 - 1392 n. Chr.) erfreuten sich die kriegerischen Künste großer Beliebtheit. Da aber der äußere Anlaß der Auseinandersetzung mit den Nachbarstaaten im Laufe der Zeit verschwand, erlahmte die schöpferische Kraft des Volkes, und die Entwicklung des Do stagnierte. Als im 14. Jahrhundert die Lee-Dynastie folgte, wurde das Tae Kyon nur noch von kleinen Gruppen am Leben erhalten.

In der folgenden Yi-Dynastie (1393 - 1910 n. Chr.) wurde jedoch alles, was mit dem Militär zu tun hatte, abgewertet. Im Jahr 1910 erfolgte die Besetzung Koreas durch japanische Truppen, und Tae Kyon wurde in seiner öffentlichen Ausübung verboten. Damit war aber der äußere Anlaß, der das Tae Kyon zu seiner einstigen Blüte geführt hatte, wieder gegeben: die Bedrohung von außen.

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Gerade das führte dazu, daß das Tae Kyon von neuem ausgeübt und gepflegt wurde und auch diese schlimme Zeit ohne Schaden überstand. Nach der Niederlage und dem Abzug der Japaner 1945 war das Interesse vorhanden, das Tae Kyon der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, und es erfolgte schnell eine allgemeine Verbreitung. In dieser Zeit entstand eine Bewegung unter der Führung von General Choi, Hong Hi mit der Aufgabe, das Tae Kyon neu zu ordnen und eine umfassende äußere Organisation zu entwerfen.

Im Rahmen dieser Neuordnung änderte er auch unter Mithilfe eines Komitees, dem bedeutende Persönlichkeiten Koreas angehörten, den Namen des Tae Kyon in Taekwon-Do, was soviel wie „der Weg des Fußes und der Hand“ heißt. Zwischen 1950-1953 entwickelten die Meister Südkoreas unter Leitung von General Choi Hong Hi ein neuen Kampfsport nach dem japanischem Modell. Taekwondo vereinte die bestehenden Stilrichtungen Chang Hon Yu, Chang Moo Kwan, Chung Do Kwan, Jung Do Kwan (als Splitterrgruppe der Chung Do Kwan), Chi Do Kwan, Oh Do Kwan, Yul Kwan Sool, Kang Duk Kwan, Yun Moo Kwan und andere.

1955 führte dann General Choi Hong Hi im Auftrag der südkoreanischen Regierung Taekwondo als Nationalsport ein. Die Disziplin wurde schnell zum koreanischen Volkssport und als Pflichtfach auch an allen Militärakademien und Polizeischulen des Landes gelehrt. Ein Graduierungssystem (Dan Gup Jedo) wird gegründet und Regeln für den Wettkampf erstellt und 1961 wird General Choi Hong Hi der erste Präsident der Korean Taekwondo Association (KTA). 1965 brach eine Abordnung höchster Danträger von Korea auf, um das Taekwondo in der ganzen Welt zu verbreiten.

Formenlauf (Hyong) im Taekwondo

Im Traditional Taekwon-Do gibt es verschiedene Formenläufe (Hyong), die eine wichtige Rolle im Training spielen. Jede Hyong hat eine spezifische Bedeutung und repräsentiert historische oder philosophische Konzepte.

Hier eine Übersicht einiger Hyong und ihrer Bedeutung:

  • Chon-Ji: Stellt eine Ausnahme dar und heißt wörtlich übersetzt „Der Himmel - Die Erde“. Symbolisch steht das für die Erschaffung der Welt oder den Anfang der menschlichen Geschichte. Deshalb ist das der erste Formenlauf, der im Traditional Taekwondo gelehrt wird.
  • Dan-Gun: Diese Hyong ist nach dem Heiligen Dan-Gun benannt. Den Mythen nach war er der Sohn des Himmelskönig und einer Menschenfrau (Dan = Helligkeit, Licht von Sonne und Mond zusammen, Erleuchtung; Gun = König und hoher Priester).
  • Won-Hyo: War der buddhistische Name des bekannten Mönches (617 - 686). Zur Zeit der Silla-Dynastie hat er die verschiedenen Glaubensrichtungen des Buddhismus (eingeführt durch Bodhidharma, auch Dharma genannt, im Jahre 372 n. Chr.) vereinigt.
  • Toi-Gye: War das Pseudonym des Gelehrten und Schriftstellers Yi-Hwang (16. Jh.), eine anerkannte Autorität auf dem Gebiet des Neu-Konfuzianismus. Die 37 Bewegungen des Formablaufes beziehen sich auf seinen Geburtsort auf dem 37. Breitengrad.
  • Hwa-Rang: Ist die Bezeichnung einer Jugendorganisation aus Silla (übersetzt: Jugendblüten oder Blumenjugend), die im Jahre 576 n. Chr. von König Chin Hung ins Leben gerufen wurde. Die Lehre der Hwa-Rang (Hwa-Rang Do) nannte man auch „Weg des schönen Lebens“ (Pung-Yu Do).
  • Ch’ung-Mu: War der Rufname des Großadmirals Yi Sun-Sin. Er lebte zur Zeit der Yi-Dynastie und stand im Ruf, 1592 das erste gepanzerte Kriegsschiff (Ku Book Sun) erfunden zu haben.
  • Kwang-Gieto: Der Name dieser Form beruht auf dem 17. König in der Kokuryo-Dynastie „Kwang-Kieto“, der die koreanischen Kolonien bis in die Mandschurei ausweitete.
  • Po-Eun: Ist das Pseudonym des bekannten Physikers und Dichters Chong Mong-Chu (1400 n. Chr.).
  • Ge-Baek: Wurde nach Ge-Baek (660 n. Chr.), einem bedeutendem General der Paekchae-Dynastie benannt.
  • Yu-Shin: Diese Hyong wurde nach dem zur Zeit der Silla-Dynastie lebenden General Kim Yu-Shin benannt. Er einigte im Jahr 668 n. Chr. Korea.
  • Eui-Am: Ist das Pseudonym des Son Byong Hi, der am 1. März 1919 die koreanische Unabhängigkeitsbewegung ausrief.

Die Formenlaufnamen und ihre Bedeutung

Die Namen der Formenläufe im Taekwondo sind oft von historischen Persönlichkeiten, Ereignissen oder philosophischen Konzepten abgeleitet. Hier eine Tabelle mit einigen Beispielen:

FormenlaufBedeutung
Chon-JiDer Himmel - Die Erde (Erschaffung der Welt)
Dan-GunHeiliger Dan-Gun (Sohn des Himmelskönigs)
Toi-GyePseudonym des Gelehrten Yi-Hwang
Hwa-RangJugendorganisation aus Silla
Ch’ung-MuRufname des Großadmirals Yi Sun-Sin