Die WWE hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Internationalisierung erlebt, und deutsche Wrestler spielen dabei eine immer größere Rolle. Einer der bekanntesten Namen ist Ludwig Kaiser, der als erster Deutscher in das riesige „Royal Rumble“-Match stieg.
Ludwig Kaiser: Vom deutschen Talent zum WWE-Star
Über Jahre arbeitete sich Ludwig Kaiser hoch und schaffte den Sprung von kleinen deutschen Ligen bis in die WWE. Dort tritt er jede Woche bei „RAW“ auf und gehört dort zu den wichtigsten Stars.
Kaiser selbst sieht die Entwicklung positiv: „WWE live auf BILD ist natürlich eine fantastische Nachricht und zeigt, wohin die Reise geht. Das Geschäft boomt derzeit. Als einziger Deutscher macht es mich stolz, ein Teil von diesem Hype zu sein. Wir befinden uns wieder in einer goldenen Ära, wie Ende der 90er Jahre.“
Auch in Deutschland spürt man den Hype. Kaiser berichtet: „Die letzte Tour im Herbst war unfassbar. So voll waren die riesigen Hallen noch nie. Jeder Fan ging mit einem Lächeln nach Hause. Darum geht es bei uns: Den Menschen eine geile Show liefern. Action, Drama, Spannung. Die perfekte Unterhaltung.“
Vorurteile und Realität
Es gibt immer noch viele Vorurteile über Wrestling. Viele sagen: Ist ja nicht echt, alles fake. Kaiser entgegnet darauf: „Beim Fußball sagen die Leute, dass die immer nur am Boden rumliegen und simulieren. Jede Sportart hat seine Neider. Bei uns geht es darum, die Leute zu unterhalten. In meinen mittlerweile 16 aktiven Jahren kam noch nie einer zu mir und sagte, dass es uncool sei, was ich tue. Wenn man sich darauf einlässt, was wir im Ring machen, dann hat man eine gute Zeit. In Deutschland haben wir jetzt die Chance, dass noch mehr Menschen sich für diesen tollen Sport begeistern.“
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Ein großer Unterschied zu früher ist, dass die Wrestler heute besser geschützt werden. Kaiser erklärt: „Wir Wrestler werden vor Verletzungen mehr geschützt, medizinische Checks gehören zum Alltag. Man kümmert sich einfach sehr gut um uns. Dies ist ein riesiger Vorteil gegenüber den 80ern und 90ern. Nach außen präsentiert sich die WWE mittlerweile als Welt-Firma, nicht mehr nur als US-Firma.“
Die Rolle des Bösewichts
In der WWE gibt es die Guten und die Bösen. Kaiser spielt einen Bösen und genießt es: „Ich habe viel Spaß an dem, was ich mache. Ich weiß, wie ich rausgehe und was ich darzustellen habe. Da fühle ich mich sehr wohl mit. Das ist alles auch sehr viel von mir selber inspiriert. Man glaubt ja immer, dass die WWE das ganz streng vorgibt - ist aber gar nicht so. Wenn sie dir vertrauen, bekommst du viel Spielraum. Den habe ich von Anfang an gehabt und deswegen bin ich sehr happy mit meiner Darstellung.“
Der Weg zum Erfolg
Kaisers Vater war sein größtes Vorbild. Er erzählt: „Mein Vater liebte den Ringkampf und war ein so toller und stolzer Wrestler. Er hat mich mit seiner Liebe und Begeisterung für diesen Sport schon in der Wiege infiziert. Als Kind hat er mich in die Garderobe geschmuggelt, weil man erst mit 18 Jahren ins Catch-Zelt durfte. Ich werde nie den Anblick der Catcher vergessen, den Geruch der Umkleide, die Mischung aus Ölen und diversen Lotionen. Daran erinnere ich mich bis heute. Ohne ihn wäre ich heute nicht hier. Er hat mir alles ermöglicht.“
Um Wrestler zu werden, lernte Kaiser den Sport von der Pike auf. Zuerst war Boxen dran, da wurde ich mit 12 Jahren sogar Landesmeister. Danach ging es zum Ringen. Meine erste Wrestling-Schule war bei Christian Eckstein in Hannover. Später gings in die von Karsten Kretzschmer in Hamburg. Wie Eckstein eine echte deutsche Wrestling-Legende.
Seine Mutter unterstützte ihn ebenfalls tatkräftig. Kaiser erinnert sich: „Meine Mama hat mich damals extrem unterstützt. Sie hat mir jedes Wochenende Geld zugesteckt, damit ich mit dem ICE nach Hamburg fahren konnte - hat auf vieles verzichtet, um mir das zu ermöglichen. Das werde ich ihr nie vergessen. Sie ist die beste Mama der Welt. Als ein Familien-Umzug anstand, habe ich mich entschieden, alleine nach Hamburg zu gehen.“
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Hamburg wurde zu seiner Stadt. „Es waren harte Jahre, gerade finanziell - aber wunderschön. Hamburg ist meine Stadt, ich liebe Hamburg über alles. Ich bin Hamburger Junge. Für mich stand nur Wrestling im Mittelpunkt. Zwar habe ich nebenbei im Callcenter gejobbt und eine Ausbildung bei einem Autokonzern in Bramfeld gemacht - aber wichtig war nur Wrestling. Ich bin freitags möglichst zeitig von der Arbeit abgehauen und Montagmorgen komplett zerknittert und kaputt zurückgekommen, weil ich an den Wochenenden immer in den Ring gestiegen bin.“
Die WWE wurde auf ihn aufmerksam, nachdem er in Deutschland und England aktiv war. Doch dann kam ein Rückschlag: „Irgendwann wurde die WWE dann auf mich aufmerksam und luden mich zu einem Training nach England ein. Doch daraus wurde nichts, weil ich mir zwei Wochen vor dem Termin das hintere Kreuzband riss.“
Doch Kaiser gab nicht auf: „Als ich wieder fit war, riefen sie mich an und boten mir einen Vertrag an. Ohne Test-Training, einfach so. Ein paar Wochen später bin ich mit zwei gepackten Koffern in den Flieger Richtung Florida gestiegen und hab ein neues Leben begonnen. Das war ein kompletter Neustart und musste mich von unten wieder nach oben kämpfen.“
Sein Motto lautet: einfach immer weiterackern! Es gibt nur eine Richtung, es gibt nur nach Vorne, es gibt nur Vollgas. Aber einfach ist das nicht. Jeder spürt den Leistungsdruck, mental muss man auch immer alles geben und auch auf vieles persönliche verzichten. Ich habe viele Kollegen kommen und gesehen sehen - wer immer drangeblieben ist, der wurde auch erfolgreich.“
Zweifel und Kritik
Der Zweifel kam eher von anderen Leuten. Oft wurde ich belächelt. Wenn ich mal vor 20 Fans angetreten bin, fragten mich manche, ob ich mein Leben vergeuden will. Als die Events größer wurden, hieß es dann: ‘Schön und gut, aber aus Deutschland schaffst du es nie raus.’ So ging das immer weiter. Ich konnte allen Zweiflern eines Besseren belehren. Ich bin der richtige Mann, um Deutschland in der WWE zu repräsentieren und mache das mit stolzgeschwellter Brust. Ich gehe jedes Mal da raus und habe keinen Prozent Zweifel an dem, was ich tue. Das ist genau der richtige Weg. Höre nicht auf die negativen Stimmen, nur auf dich selbst. Daher werde ich auch 2024 nur Vollgas geben.“
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Weitere deutsche Talente in der WWE
Neben Ludwig Kaiser gibt es noch weitere deutschsprachige Talente in der WWE. Kaiser betont: „Wir haben so viele deutschsprachige Talente in den Shows wie noch nie zuvor. Neben Gunther, Giovani Vinci und mir haben wir noch Ilja Dragonov und Oro Mensah bei NXT. Das ist der Hammer. Fünf deutschsprachige Typen - das zeigt, dass wir alle auf dem richtigen Weg sind. Qualität, harte Arbeit und Talent zahlt sich am Ende immer aus.“
"Bash in Berlin"
Im August knallt es in Deutschland mit „Bash in Berlin“ so richtig. Kaiser freut sich darauf: „Oh ja - zum ersten Mal eine Großveranstaltung der WWE in Deutschland. Das wird historisch. Wir freuen uns alle tierisch auf die Show. Alle großen Stars werden dabei sein. Ich kann es kaum abwarten, in der Halle die deutsche Fahne zu schwenken. Die ganze Welt wird dabei zusehen, wie wir mit den deutschen Fans die Hütte abreißen.“
Die dunkle Seite des Erfolgs
Trotz des Traumjobs gibt es auch Schattenseiten. Kaiser erklärt: „Ich sehe meine Familie nur einmal im Jahr und dann auch nur für ein paar Tage. Viel Zeit für meine Freundin habe ich auch nicht. Alle Menschen, die ich gerne habe, sehe ich viel zu selten. Das ist schon hart. Ich habe aber das Glück, dass ich mit meinem besten Freund Gunther zusammen reisen kann. Wir sind immer gemeinsam unterwegs, das liebe ich. Dennoch sehen viele Leute oft nur die positiven Seiten. Es heißt ja immer: ‘Mach das, was du liebst, zu deinem Beruf und dann wirst du keinen kein Tag deines Lebens arbeiten müssen.’ Das stimmt auch, aber bei diesem Sport musst du wirklich an deine Grenzen gehen. Der Leistungsdruck ist hoch, mental wird dir viel abverlangt. Trotzdem kann ich mir kein schöneres Leben vorstellen.“
Kaisers Körper und Fitness
Die Arbeit an meinem Körper ist ein 24-Stunden-Job. Training, Ernährung - alles muss genau geplant sein, da wir so viel unterwegs sind. Neben der Belastung im Ring trainiere ich fünfmal die Woche, dazu kommen jeden Tag Cardioeinheiten. In den USA habe ich mich vor zwei, drei Jahren mit einem Coach hingesetzt. Ich wollte richtig in Shape kommen. 18 Wochen lang habe ich eine Diät durchgezogen - seitdem versuche ich die Figur zu behalten. Aber ohne harte Arbeit schafft man das nicht.“
Deutsche Wrestling-Pioniere
Ludwig Kaiser ist der Sohn von Axel Dieter, einem der großen Wrestling-Pioniere Deutschlands. Ringkampf war alles für ihn. Ich selbst habe zuerst - wie nahezu jeder - mit Fußball angefangen. Es war meinem Vater wichtig, dass ich eine sportliche Karriere anstrebe. Ich habe Verteidigung gespielt, weil ich groß war.
WWE live in Oberhausen
Am 27. August findet in der Rudolf Weber-Arena in Oberhausen ein WWE-Event statt. Deutsche Wrestling-Fans sind voller Vorfreude auf die letzten Tage im August. Auch Oberhausen steht wieder im Tourkalender von WWE (World Wrestling Entertainment). Nahe des Centros ist den „verlorenen Söhnen“ ein besonders freundlicher Empfang sicher.
Das WWE-Roster und deutsche Wrestler
Das WWE-Roster ist nicht nur so hochklassig, sondern auch so international besetzt wie nie zuvor. Auch einige deutsche bzw. deutschsprachige Wrestler hat der Marktführer unter Vertrag.
Weitere deutsche WWE-Stars:
- Lucky Kid
- Absolute Andy
- Ilja Dragunov
- Da Mack
- Alexander Wolfe
- Fabian Aichner
- WALTER (Gunther)
- Cesaro (Schweizer)
WWE: Stimmung außerhalb der USA begeistert auch die Veteranen
Worauf sich aber nicht nur die deutschsprachige Gruppe im Kader freuen darf, ist die Stimmung in der Halle, da ist sich Ludwig Kaiser Kaiser mit Blick auf die einheimischen Fans sicher: „Ich weiß, was unsere Leute können. Aber natürlich liegt Druck auf unseren Schultern“, konstatiert er im Interview. Denn: Erst in den vergangenen drei Monaten legte das Publikum in Lyon und Glasgow (dort fanden die Premium Live Events „Backlash“ und „Clash At The Castle“ statt) die Messlatte mit lautstarken, euphorischen und kreativen Gesängen sehr hoch.
Aktuell erlebt die Firma wieder einen Boom, fast bei jeder größeren Show, egal ob in Nordamerika, Europa, Australien oder Saudi-Arabien werden Umsatzrekorde pulverisiert, die Hallen sind ausverkauft. „Es sind absolut verrückte Zeiten. Wir sind überall vertreten und das ist ja auch WWEs Message: Auf der ganzen Welt Zuschauern ein Lächeln aufs Gesicht zu bringen“, sagt Kaiser.
WWE: Ludwig Kaiser freut sich auf das gute deutsche EssenEnde August hat Kaiser dann auch wieder die Möglichkeit, sich nach seinen Ansprüchen adäquat zu ernähren, was in der Wahlheimat Orlando nicht immer so einfach ist: „Es ist eine Touristenstadt mit Disney, Universal & Co. Von daher ist es immer ein bisschen schwierig mit der Authentizität der Speisen. Aber ich habe gehört, dass jetzt ein deutsches Restaurant aufgemacht hat, dem muss ich auf jeden Fall mal eine Chance geben. Denn Fitness und Figur dürfen allen kulinarischen Verlockungen zum Trotz keinesfalls vernachlässigt werden, will es mit der großen Karriere und Titel-Gold klappen.
Aktuell ist Kaiser auf einem guten Weg. Vor einem Rippenbruch, den er mittlerweile aber auskuriert hat, besiegte er den mehrfachen WWE-Champion Sheamus während der montäglichen Wochenshow „Raw“ und erfreute die deutschen Fans danach mit einer kreativen Promo in den Sozialen Medien, in der er seinen unterlegenen rothaarigen Kontrahenten wenig charmant, aber humorvoll als „Käpt‘n Rotbart“ und „Protein-Pumuckl“ bezeichnete. „Es gibt viele Seiten, Facetten von mir. Diese Promo ist passiert, nachdem ich gerade aus dem Match gekommen bin. Das war sehr physisch, da sind die Emotionen noch sehr oben, die Stimme laut. Und wir haben immer besonders viel Spaß mit den deutschen Promos. Da mache ich gerne Sachen, die nur Ihr versteht, die für ein kleines Lächeln auf deutscher Seite sorgen, die Euch einen kleinen Mehrwert bieten.“
