In den östlichen Kampfkünsten spielen verschiedene Tierstile eine bedeutende Rolle, wobei jedes Tier spezifische Eigenschaften und Techniken repräsentiert. Der Kranich nimmt hierbei eine besondere Stellung ein. Vom Kranich erfahren wir das richtige Zusammenspiel in Muskeln, Sehnen und Knochen, damit ein Stoß schnell und kraftvoll wird.
Die Symbolik des Kranichs
Kranich als Symbol des Südens
Der Kranich ist ein Symbol des Südens. In China repräsentiert der Kranich Langlebigkeit und Beweglichkeit. Sein weißes Federkleid macht ihn auch zu einem Symbol für Reinheit.
Der Kranich in Legenden und Geschichten
In vielen Geschichten und Legenden um die östlichen Kampfkünste spielt der Kranich eine bedeutende Rolle. Der Stil des Weißen Kranich beeinflusste maßgeblich alle okinawanischen Te-Stile, Vorläufer des modernen Karate, und ist eine Grundlage für das berühmte Werk Bubishi.
Die Techniken des Kranichs
Beweglichkeit und Anmut
Der leichte und geschickte Vogel scheint schwerelos in der Luft und doch majestätisch und unbewegt am Boden. Groß gewachsen (der Kaiserkranich wird bis zu 1,70 m), schlagen seine Schwingen in weiten, runden Bewegungen anmutig und doch mit enormer Kraft, so dass kein Gegner ihm nahe zu kommen vermag.
Verteidigung und Angriff
Der Kranich ist ein Meister im schnellen Ausweichen. Über die Kreuzstellungen, nach hinten, zu den Seiten und auf einem Bein stehend (Sagi ashi dachi), weicht er jedem Angriff mit edler Leichtigkeit aus. Diese Kunst und die Beherrschung hoher geistiger Konzentration erlaubt ihm, den Angriff des Gegners geduldig abzuwarten, um schließlich furchteinflößend und mächtig von Vorn und den Seiten zu schlagen und zu stoßen.
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Einsatz der Körperteile
Der Kranich lehrt, das sich alle Körperteile als Einheit bewegen müssen, denn erst in genauer Abstimmung im Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen und Knochen wird ein Stoß schnell und kraftvoll. Seine starken Beine treten gezielt in die Knie und Knöchel. Sein Schnabel schnappt tödlich in Teile des Gesichts oder fängt, zieht und drückt das Opfer, um Muskeln, Sehnen, Gelenke und Knochen gefährlich zu traktieren.
Der Weiße Kranich Kung Fu
Ursprung und Entwicklung
Das Weißer Kranich Kung Fu gilt als einer der schönsten und elegantesten Kung Fu Stile. Es entstand nicht im Shaolin Kloster. Es ist im Süden Chinas populär geworden. Darum wird es auch oft „Südlicher Weißer Kranich“ genannt oder „Fujian Weißer Kranich“.
Merkmale und Prinzipien
White Crane Kung Fu gehört, wie das Tàijíquán, zu den „Inneren Kampfkünsten“. Im White Crane wird zudem eine intensive Atemtechnik praktiziert. Die Bewegungen der Füße und Beine sind dabei lebhaft und geschmeidig. Die Techniken des White Crane sind effektiv und werden mit entspannter Dynamik, nicht aber roher Kraft, ausgeführt.
Die Legende von Fang Chi-Niang
Der Legende nach wollte Fang Chi-Niang als junge Frau am Bach Wäsche waschen. Sie wurde dabei von einem neugierigen Kranich gestört, und versuchte, diesen mit einem Stock zu verjagen. Doch der Kranich war geschickt, schnell und hartnäckig. Er wich mit dem Kopf aus und blockte die Schläge mit seinen Flügeln ab. Fang Chi-Niang hatte von ihrem Vater Kampfkünste gelernt, doch war sie beindruckt, dass sie damit den Bewegungen des Kranichs nicht beikommen konnte.
Der Kranich in verschiedenen Stilen
Kranich im ShaoLin Kung Fu
Der Kranich im ShaoLin Kung-Fu ist eines der 5 „Basistiere“ des ShaoLin. Die 5 „Basistiere“ sind: 1. Drache, 2. Tiger, 3. Leopard, 4. Schlange und 5. Kranich. Die Stärke des Kranichs sind seinen nachgebenden, weichen Bewegungen. Ein Angriff wird selten direkt geblockt, sondern eher abgelenkt.
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Kranich im Hung Gar Kung-Fu
Das berühmteste dieser Systeme wurde das Hung Gar Kuen, auch „Tiger Kranich“ Kung-Fu genannt. So wird gesagt, dass die Nonne FONG WENG CHUN ihrem Ehemann und Begründer des Hung Gar HUNG HEI GWOON, die Weiße Kranich-Schule des Süd-ShaoLin lehrte.
Kranich im Lama-Kung-Fu
Eine besondere Kampfschule wurde von den tibetanischen Lama-Mönchen entwickelt. Der „Stil“ des „Weißen Kranich“ im Lama-Kung-Fu ist allerdings nicht einheitlich. Tatsächlich gib es heute mehrere Stile, die den gleichen Namen (Bak Hoc Paai, Weißer Kranich) tragen, die aber dennoch verschieden (vor allen in den Formen) sind.
Die fünf Basistiere im ShaoLin Kung Fu
Die fünf Basistiere im ShaoLin Kung Fu und ihre Eigenschaften sind:
| Tier | Eigenschaften |
|---|---|
| Drache | Geistige Dimension, Wachsamkeit, Selbstvertrauen |
| Tiger | Kraft, Mut, Tapferkeit |
| Leopard | Behändigkeit, geschicktes Vorgehen |
| Schlange | Qi, psychologischer Kampf, Flexibilität |
| Kranich | Nachgebende, weiche Bewegungen |
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