Carsten Marek ist eine schillernde Figur, deren Leben eng mit dem Hamburger Stadtteil St. Pauli verbunden ist. Seine Biografie ist geprägt von Kampfsport, dem Aufstieg im Rotlichtmilieu und schließlich der Übernahme der Kultbar "Zur Ritze".
Die Anfänge im Kampfsport
1978 kam Carsten Marek nach St. Pauli. Damals war er 18 Jahre alt und betrieb Kampfsport, Karate. Er hatte auch nur den Sport im Kopf. Marek besaß den schwarzen Gürtel im Karate und war in der Nationalmannschaft. "Ich war stink-solide", sagt er selbst über diese Zeit.
Der Weg ins Milieu
Erst später, so mit 20, habe ich verstanden, dass ich auf dem Kiez mit Leuten aus dem Milieu trainierte. Das waren Leute mit Benz und Rolex. Wenn die vor irgendeinem Club standen, brauchten die nur das Handgelenk zeigen und kamen rein. Aber auf einmal hatte ich die Möglichkeit, schnell viel Geld zu verdienen.
Naja, und dann ging das Schritt für Schritt, ich wurde Wirtschafter im Eros-Center, Mitglied von Nutella (Zuhälterzusammenschluss mit Hauptgeschäft in den 1980er-Jahren; Anm. d. Red.) und so weiter. So weit, dass Sie irgendwann einer der mächtigsten Männer auf dem Kiez waren.
Die Zeit als Kiezgröße
Marek beschreibt, dass er die damals geltenden harten Regeln zwar nicht abgeschafft, aber deutlich gemildert habe. "Ich habe das Milieu ein Stück weit menschlicher gemacht." So sorgte er dafür, dass die Frauen Urlaub machen konnten und während dieser Zeit keine Miete zahlen mussten.Allerdings räumt er ein, dass die Zusammenarbeit mit zu vielen Leuten die Sache komplizierter machte. "Als ich das alles alleine gemacht habe, lief das ganz harmonisch. Als wir irgendwann rund 20 Mann waren, wurde die Sache komplizierter, weil demokratischer. Es gab immer Diskussionen. Und ich bin ein Typ, der sich gerne überzeugen lässt. Dadurch wurde ich schwächer."
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Die Schießereien und der Auftragsmörder Werner Pinzer veränderten alles. "Man wusste ja gar nicht mehr, wer der nächste sein würde."
Übernahme der "Zur Ritze"
Vor rund zehn Jahren übernahm Carsten Marek die Kultbar "Zur Ritze" auf der Reeperbahn. "Schon ein tierischer Stolz." In den 1980er-Jahren habe ich hier noch im Boxkeller trainiert, bin Stück für Stück reingewachsen in den Laden. Außerdem weiß ich noch genau, wie schwierig es damals war, ihn zu übernehmen - und wer ihn sonst alles haben wollte. Da waren Leute, die von Konzernen vorgeschickt wurden. Welche, die eine Million geboten haben. Man kann sich vorstellen, dass ich es nicht unbedingt leicht hatte. Ich habe mich dann aber mit Kirsten (Ehefrau von Hanne Kleine, vorheriger Betreiber; Anm. d. Red.) geeinigt. Unter anderem habe ich ihr versprochen, dass alles so bleibt, wie es ist.
Heute gehört der Kiez niemandem mehr. Zwar sind noch einige meiner Leute aktiv und ziehen die Strippen, aber nichts ist mehr wie früher. Alles ist eher einvernehmlich.
Die Geschichten, die im Boxkeller der „Ritze“ präsentiert werden, kursieren seit mehr als 50 Jahren. Nein, denn es geht um bisher nicht erzählte Storys und auch um neue Geschichten, die unsere Originale in ihrem täglichen Wahnsinn auf St. Pauli erleben. Wer sich für das Leben auf dem Kiez interessiert, den interessieren auch die Originale, die bei „Kiezlife Live“ dabei sind, unter anderem Carsten, Schnecke, Fritz Forster und Milliarden Mike. Diese unfassbar spannenden Geschichten direkt zu hören - die Möglichkeit wird einem nicht häufig geboten. Das Publikum darf zudem auch Fragen stellen. Das alles ist schon etwas Besonderes. Unser Ziel ist es übrigens, das Ganze irgendwann nicht nur in der Ritze zu machen, sondern vor noch mehr Menschen.
Kiez-Legenden: Mehr als nur Rotlicht
Die Persönlichkeiten aus Rot- und Rampenlicht prägen den Mythos von St. Pauli und sind ein wichtiger Bestandteil seiner Geschichte. In den 1970er und 1980er Jahren erlebte das Rotlichtmilieu auf St. Pauli seine Hochphase. Reeperbahn, Davidstraße, Herbertstraße und Große Freiheit waren das Zentrum von Hamburgs Halbwelt, wo bekannte Zuhälter in Hamburg und verschiedene Kiezgrößen das Sagen hatten. In dieser Zeit wurden einige von ihnen zu echten Hamburger Kiez-Legenden, die bis heute unvergessen sind.
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Einige bekannte Kiez-Legenden:
- Thomas Born - Karate-Tommy: Der Kiez-Kämpfer mit harter Faust
- Klaus Barkowsky - Lamborghini-Klaus: Der Glamour-Zuhälter von St. Pauli
- Wilfried „Frieda“ Schulz - Der unantastbare Pate
- Kalle Schwensen - Der „Paradiesvogel“
- Stefan Hentschel - Charmant und tödlich
- Werner Pinzner - Der Killer vom Kiez
Diese und andere Kiez-Legenden trugen dazu bei, dass St. Pauli seine Niedergang in den 80ern und 90ern überstanden hat und auch heute einer der bekanntesten Stadtteile der Welt ist.
Die neue Generation: Kiez-Legenden aus dem Rampenlicht
Der Kiez brachte nicht nur durch das Rotlichtmilieu außergewöhnliche Persönlichkeiten hervor. St. Pauli als Ort von Toleranz, Vielfalt und Respekt ermöglichte auch Show- und Unternehmer-Karrieren, die woanders vermutlich nie in Fahrt gekommen wären. Sie fügten dem Bild der Reeperbahn neue Facetten hinzu und trugen entscheiden dazu bei, dass St. Pauli seiner Niedergang in den 80ern und 90ern überstanden hat und auch heute einer der bekanntesten Stadtteile der Welt ist.
- Olivia Jones - Die neue bunte „Königin der Reeperbahn“
- Lilo Wanders - Die »Grande Dame« St. Paulis
- Corny Littmann - Hamburgs bunter Vielseitigkeitskünstler
- Willi Bartels - Der König von St. Pauli
Fazit
Carsten Mareks Biografie ist ein Spiegelbild der Wandlungen, die St. Pauli im Laufe der Jahrzehnte erlebt hat. Vom Kampfsportler zum Teil des Milieus, vom Wirtschafter zum Barbetreiber - sein Leben ist eng verwoben mit der Geschichte dieses einzigartigen Stadtteils.
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