Es läuft wieder beim Wrestling-Marktführer WWE, während bei Konkurrent AEW Chaos herrscht. Schlechte Stimmung bei AEW, während WWE als gelobtes Land erscheint: In den vergangenen beiden Jahren fühlte sich das oft genau andersherum an. Der WWE-Führungswechsel von Vince McMahon auf den neuen Kreativlenker „Triple H“ Paul Levesque und dessen sehr erfolgreicher Start hat allerdings vieles auf den Kopf gestellt.
Ein Aspekt, der dabei aber oft untergeht: WWE soll die Unruhe um wechselwillige Stars beim Konkurrenten aktiv mitverursacht haben. Mit verdeckten und unlauter anmutenden Mitteln. WWE soll AEW-Stars trotz gültiger Verträge umworben haben. Der hochbrisante Übergriff kam bereits vor rund zwei Monaten ans Tageslicht. Die Dimension der Affäre und ihre Konsequenzen wurde allerdings erst nach und nach klar.
Bereits Mitte August hatte Fightful vermeldet, dass das Managements eines ungenannten AEW-Stars von einem Mitglied der Talent-Relations-Abteilung von WWE kontaktiert worden sei, ob Interesse an einem Comeback bestehe - obwohl WWE klar hätte sein müssen, dass die Person einen „Vollzeitvertrag“ mit AEW abgeschlossen hatte.
Die umworbene Person hätte ablehnend reagiert und AEW-Boss Tony Khan ins Bild gesetzt - wie sich dann zeigen sollte, war der damals enthüllte Vorgang jedoch nur die Spitze des Eisbergs.
Der Wrestling Observer förderte im Lauf der folgenden Wochen zu Tage, dass WWE nicht nur einen, sondern viele Stars kontaktiert und ermuntert haben soll, bei AEW um die Kündigung zu bitten und sich wieder WWE anzuschließen.
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Der bekannte Wrestling-Journalist Dave Meltzer vermeldete Ende September beiläufig: „Mir wurde gesagt, dass de facto jeder, der dir einfällt, kontaktiert wurde - also jeder, der eine Vergangenheit mit Triple H hat.“
Besagter Kreis ist groß, denn als früherer Verantwortlicher des WWE-Aufbaukaders NXT hat Levesque mit unzähligen Stars zusammengearbeitet, die er als kommende WWE-Stars gesehen hatte. Viele von ihnen sind in den vergangenen beiden Jahren zu AEW gewechselt, weil Levesques Schwiegervater McMahon sie gefeuert hatte - oder sie von sich aus gegangen sind, weil sie unter dem Ex-Boss keine Perspektive sahen.
Andrade, Malakai Black und Buddy Matthews im Fokus
Andrade gehört zu dieser Gruppe, ebenso wie Malakai Black, der laut Observer definitiv unter den Umworbenen war - und selbst bestätigt hat, dass er zwischenzeitlich um die Entlassung aus seinem Langzeitdeal gebeten hatte. Khan hat sie ihm nicht gewährt und soll vor kurzem intern verfügt haben, dass dies für alle Wechselwilligen gelte. Andrades Prügel-Provokation war offensichtlich die nächste Eskalationsstufe.
Nach Angaben des Observer handelt es sich trotz des anhaltenden Ärgers nicht um eine Massenbewegung wechselwilliger Stars. Die Aufmerksamkeit fokussiert sich auf Andrade, Black und dessen Partner Buddy Matthews - letztere beiden scheinen sich bei dem Thema auch schon gefügt zu haben. Der Fall Andrade zeigt jedoch, dass die Sache für AEW noch nicht ausgestanden ist.
AEW droht juristisch - aber das Thema ist komplex
Dass WWE die Unruhe (die AEW zusätzlich zu dem Wirbel um den wohl aus anderen Gründen scheidenden Topstar CM Punk getroffen hat) offenbar aktiv mitgeschürt hat, ist mindestens anrüchig. Inwiefern die Causa juristisch relevant ist, ist allerdings umstritten.
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AEW soll zwar bereits ein an die WWE-Führung adressiertes Drohschreiben der Rechtsabteilung verschickt habe, für „contract tampering“ zwischen Wrestling-Ligen gibt es kein offizielles Regelwerk und Strafenregister wie im Fußball oder der NBA. Auch in der freien Wirtschaft sind Abwerbe- und Verhandlungsverbote ein weites Feld, in dem entsprechende vertragliche Vertragsklauseln vor Gericht oft nicht standhalten.
Sicher ist allerdings: AEW ist seinerseits spürbar bemüht, WWE keine juristische Angriffsfläche bei dem Thema zu bieten. Khan versichert regelmäßig, entlassene WWE-Stars stets erst nach Ablauf ihrer 90-tägigen „no compete clause“ kontaktiert zu haben (die tatsächlich schlicht Kündigungsfristen sind, bis zu deren Ende die Betroffenen noch offiziell WWE-Arbeitnehmer sind). Erst in diesem Jahr gab es Wirbel, als der von WWE entlassene Jeff Hardy schon vor Ablauf seiner Frist den Wechsel zu AEW verkündete. Khan beeilte sich umgehend klarzustellen, dass zu dem Zeitpunkt noch nichts spruchreif gewesen wäre.
WWE scheint sich umgekehrt sicherer zu sein, mit ihrem Verhalten durchzukommen. Die Masse der Kontaktaufnahmen spricht dafür, dass der Marktführer sich nicht darum scherte, dass sie kaum ein Geheimnis bleiben konnten. Die Liga hat die Berichte über ihre Abwerbeversuche auch bis heute nicht dementiert - sondern schlicht unkommentiert gelassen.
Weitere WWE-News und Entwicklungen
WWE-Gründer Vince McMahon tritt einen Tag vor dem Großereignis Royal Rumble zurück. Neue Anschuldigungen hatten ihn massiv unter Druck gesetzt. Infolge neuer, ebenso massiver wie verstörender Vorwürfe im Kontext seines Sex- und Schweigegeldskandals ist Firmengründer Vince McMahon am Freitag zurückgetreten, einen Tag vor dem Großevent Royal Rumble.
Die Anwälte der ehemaligen WWE-Büroangestellten Janel Grant waren zuvor mit einer Klage gegen McMahon, seinen früheren Vertrauten John Laurinaitis und WWE an die Öffentlichkeit. Grant wirft dem 78 Jahre alten McMahon Sexhandel, ein System sexuellen und emotionalen Missbrauchs inklusive einer Vergewaltigung vor. McMahon weist die Vorwürfe zurück, verkündete aber unter dem Druck der Ereignisse seinen Rückzug von WWE und dem Mutterunternehmen TKO an, das er als „Executive Chairman“ noch immer mitgeführt hatte.
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McMahon war schon im Sommer 2022 zwischenzeitlich zurückgetreten, nachdem investigative Recherchen des Wall Street Journal aufgedeckt hatten, dass McMahon mehreren Ex-Angestellten millionenteure Schweigegeld-Zahlungen zur Vertuschung unterschiedlicher Vorwürfe gezahlt hatte.
Nachdem Grant an die Öffentlichkeit gegangen war und es schnell handfeste Konsequenzen gab, hat McMahon seinen Rücktritt verkündet.
In einem Statement erklärte McMahon, dass Grants Anschuldigungen durchsetzt seien von „Lügen“ und „haltlosen Erfindungen“, gegen die er sich juristisch energisch wehren würde.
Weitere Entlassungen und Kontroversen
Es könnte sein, dass Brian Kendrick letzte Woche nicht das einzige Opfer der Entlassungswelle der WWE gewesen ist. Auf WWE.com wurde nun auch das Profil von Referee Marty Elias entfernt. Schade für den Referee. Brian Kendrick wurde nicht nur wegen seiner Backstageallüren entlassen. Auch nach einem verbalen Warnschuss und zwei gestoppten Pushversuchen reagierte Brian nicht. So hätte er längst entlassen werden sollen, hätte sich nicht Pat Patterson für ihn eingesetzt.
Wie es nun heißt, ist Brian Kendrick tatsächlich sein Marihuana Konsum zum Verhängnis geworden. Wie bereits berichtete, wurde er schon mehrfach deshalb bestraft und nach dem er sich weiter weigerte dies einzuschränken und ständiger Gast auf der WWE-Drogensünder Liste war, entschloss man sich von offizieller Seite aus, Kendrick zu entlassen.
Die WWE hat sich von SmackDown Wrestler Ricky Ortiz und seinem Rallye Towel getrennt. Ricky Ortiz, der mit richtigen Namen Richard Young heißt, ist eines der letzten verbleibenden Übrigbleibsel der XFL - der Football-Liga von Vince McMahon. Er spielte dort Linebacker für die Orlando Rage.
Nachdem es letzte Woche Ricky Ortiz traf, musste nun auch Nachwuchstalent Vic Adams seine Koffer packen.
Alberto Del Rio und Paige: Anschuldigungen und Drohungen
Nachdem es wiederholt zu öffentlichen Streitereien und Vorwürfen kam, trennte sich Paige im Dezember 2017. Im aktuellen Interview wirft Alberto seiner Ex vor, Lügen verbreitet zu haben. Er drohte ihr, alle Details öffentlich zu machen, wenn sie ihn nicht in Ruhe lassen würde.
Er beschuldigte sie auch, beim Schweigevertrag hinters Licht geführt zu haben.
Am Ende ließ er noch eine letzte Drohung vom Stapel. „Bitte lass mich in Ruhe, genug ist genug.
