Taekwondo Training beim TSV Schongau: Koreanische Einflüsse und Breitensport

Beim TSV Schongau wird Taekwondo mit viel Engagement betrieben. Der Kontakt zum TSV Schongau besteht bereits seit geraumer Zeit durch deren Abteilungsleiter Michael Gallinat.

Taekwondo Schongau WT (Abt. im TSV Schongau) bietet Training in der Grundschulsporthalle, Montags, Mittwochs und nach Absprache am Wochenende und in den Ferien an. Während der Trainingszeiten versuchen die Trainer, alle Wesenszüge des Taekwondo so gut wie möglich den Schülern beizubringen. Dies gilt sowohl in Bezug auf den Breitensport, als auch in die Richtung des Leistungssport für die Mitglieder, welche auch an Wettbewerben teilnehmen möchten.

So teilt sich das Training in 3 Grundrichtungen auf:

  • Das Kampftraining: Hier werden die Grundtechniken für Hand und Fuß - das "Tae" und das "Kwon" - erlernt und trainiert. Diese Grundtechniken werden im Anschluss in Angriffs- und Verteidigungskombinationen aneinandergereiht und in lockeren Freikampfübungen "Chayu Taeryon" weiter vertieft. Durch die fortwährende Wiederholung der Grundtechniken wird darüberhinaus die Kondition der Schüler gesteigert.
  • Das Techniktraining: In diesem speziellen Training werden die verschiedenen Techniken anhand von Formen, auch Poomsae genannt (vergleichbar einer Kür beim Tanzen oder Eiskunstlauf) erlernt, vertieft und perfektioniert. Weitere Themen hier sind Selbstverteidigung "Ho Sin Sul", Einsteppsparring "Il-bo Taeryon" und der Bruchtest "Kyòk-pa". Dieses Training dient vorallem zur Vorbereitung auf die mehrmals im Jahr stattfindenden Gürtelprüfungen, bei denen der Schüler die erlernten Techniken auf seinem Weg zum Meistergrad prüfen und bestätigen lassen kann.
  • Das Wettkampftraining (WT) für Technik/Formen.

Besuch vom Koreanischen Hochschulteam

Michael Gallinat konnte ein hochkarätiges Koreanisches Hochschul-Team für einen Tages-Lehrgang gewinnen. Anders als hier in Deutschland ist Taekwondo in Korea eine Hochschulsportart, hieraus rekrutiert sich auch die Koreanische Elite, die zu den großen internationalen Turnieren entsandt wird.

Am 20. Februar fand beim TSV Schongau ein von den Koreanern geleiteter Taekwondo Lehrgang statt. Eine Gruppe der Youngsan Universität war angereist, um mit Taekwondo-Sportlern hier in Deutschland zu trainieren. Mit dabei war sogar ein Team des Koreanischen Staatsfernsehens, welche das Geschehen mit der Kamera dokumentierten. Das Ergebnis wird wohl leider nur in Korea zu sehen sein.

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Ablauf des Lehrgangs

Insgesamt waren 120 Sportler aus 10 Vereinen angereist, darunter auch 14 ESV Taekwondoins welche den weitesten Weg hatten. Wie gewohnt begann der Lehrgang mit gemeinsamen Aufwärmübungen, Laufen, Sprinten und Stretchen. Danach konnte man zwischen Kampftechnik und Formenlauf wählen, so trainierten zwei getrennte Gruppen die unterschiedlichen Sparten jeweils 2 Stunden vormittags und nach der Mittagspause weitere 2 Stunden nachmittags.

Im Kampfbereich wurde Kampftechnik auf Schlagpolster/Pratze sowie Partnerübungen mit Schutzweste und am Ende noch Sparring trainiert. Die zweite Gruppe intensivierte den Formenlauf/Poomsae, hier wurde Wert auf möglichst exakte Ausführung der einzelnen Bewegungsabfolgen gelegt.

Die 2-stündige Mittagspause diente auch dem Austausch der einzelnen Vereine, hier lernte man neue Leute kennen und konnte sich mit altbekannten über vergangene Zeiten unterhalten.

Spektakuläre Vorführung des Youngsan-Teams

Gekrönt wurde das Ganze mit der spektakulären Vorführung des Youngsan-Teams. Hier ließen die Asiaten mit Bruchtests mittels Rückwärtssalto, mehrfachen Kicks in der Luft oder mit 360 Grad Drehkicks Zweifel an den Gesetzen der Schwerkraft aufkommen.

Insgesamt ein Spitzen-Event der gut in unser eigenes Trainingskonzept passte, was auch deutlich zu sehen war. An dieser Stelle ein erfreuliches Plus an unsere Trainer/innen, welche zum Teil auch mit vor Ort waren.

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BTU-Breitensportlehrgang in Oberhaching

Am vergangenen Wochenende fand in der Sportschule in Oberhaching der mittlerweile schon legendäre BTU-Breitensportlehrgang statt, zu dem nahezu 200 Teilnehmer aus bayerischen Vereinen sowie Taekwondoler aus anderen Landesverbänden anreisten. Organisiert wurde der Lehrgang von BTU-Generalsekretär Wilfried Pixner.

Parallel zum Lehrgang wurde in Oberhaching auch eine Prüferausbildung unter der Leitung von Bundesprüfungsreferent Wilfried Pixner durchgeführt, an der 14 Teilnehmer aus ganz Deutschland teilnahmen. Unterstützt wurde Wilfried Pixner von Matthias Grün, dem Prüfungsreferenten von Schleswig-Holstein, und der Bundesbreitensportreferentin Chiara Kleemann.

Von Freitag bis Sonntagmittag standen den Teilnehmern für den Lehrgang fünf Sporthallen und ein Hallenbad zur Verfügung. Bei der Anmeldung und der Zimmerzuweisung wurde allen Teilnehmern eine Übersicht ausgehändigt, auf der alle angebotenen Einheiten aufgeführt waren. Die Entscheidung, bei welcher Einheit man mitmachen möchte, lag bei den Teilnehmern. Jeder konnte sein Trainingspensum selbst bestimmen und sich natürlich auch mal eine kleine Pause gönnen.

Am Freitagnachmittag begrüßten BTU-Präsident Hasim Celik und BTU-Vizepräsident Christian Sigl alle angereisten Teilnehmer. Er stellte die anwesenden Referenten vor und überreichte ihnen ein kleines Präsent. Bei den Referenten handelte es sich um:

  • Wettkampf und Pratzentraining:
    • Dong-Eon Lee (Asien-Meister 2012)
    • Iordanis Konstantinidis (3. Platz Weltmeisterschaft 2019)
    • Daniel Chiovetta (3. Platz Jugend-Olympia 2014)
    • Ela Konstantinidis (Vizeeuropameisterin 2017, 2019)
  • Poomsae:
    • Manfred Stadtmüller (Poomsae-Weltmeister 2024, TSV Schongau)
    • Michael Bussmann (Poomsae-Weltmeister 2010, 2011, Polizei-SV Eichstätt)
    • Tanya Stadtmüller (Poomsae-Weltmeisterin 2012, Polizei-SV Eichstätt)
  • Ilbo-Taeryon:
    • Jörg Steindl (Trainer des TuS Rosenberg, 5. Dan)
    • Kyung-Jin Kwak (Landesprüfungsreferent TUBW, 8. Dan)
  • Selbstverteidigung, Stockkampf:
    • Michael Bussmann (Taekwondo Defense Instructor)
    • Maik Heinke (Brazilian Jiu-Jitsu, BTU-Prüfungsreferent)
    • Daniel Rieß (Instructor Kyusho-Jutsu aus Fürth)
    • Enver Oluri (Goshin Jutsu beim KSG 04 Fürth)
  • Kummooye:
    • Dr. Frank Düren (Kummooyeh-Instructor, Verbandsarzt)
  • Capoeira:
    • Johannes Schreiner (Abteilungsleiter und Trainer beim Post-SV München)
  • Prüfungsvorbereitungen:
    • Maik Heinke (BTU-Prüfungsreferent)
  • Sportabzeichen:
    • Chiara Kleemann (Bundesbreitensport-Referentin)
  • Parcour:
    • Wolfgang Kaletta (BTU-Jugendleiter)

Nach dem gemeinsamen Abgrüßen stand am Freitag bereits das erste Training in einer der fünf Sporthallen auf dem Programm. Wer wollte, konnte sich nach dem Abendessen - die neuen Pächter sind ein Gewinn für die Sportschule - noch eine Einheit gönnen. Erst um 21 Uhr ging in den Sporthallen das Licht aus.

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Am Samstag wurden in jeder der fünf Sporthallen jeweils fünf Einheiten angeboten. Die Teilnehmer konnten sich für Zweikampf, dem Formenlauf, Kummooyeh, Ein-Schritt-Kampf, Selbstverteidigung, Capoeira, den Prüfungsvorbereitungen, dem Sportabzeichen oder dem Stockkampf entscheiden. Am Sonntag standen die letzten drei Einheiten auf dem Plan.

Die Geschichte des Taekwondo

Taekwondo ist eine rund 1800 Jahre alte Kampfsportart. Am Anfang stand die einfache Kampftechnik "Subak" in der vorwiegend Handtechniken angewendet wurden. Etwa 300 bis 400 Jahre später kam als weitere Kampfart das "Taekyon" hinzu, bei der die Beintechnik dominierte. Dieser Name blieb, als sich beide Kampfarten zu einem System vermischten.

Interessant wurde es ca. 100 Jahre später. Korea war damals in drei Königreiche geteilt. Sylla, das kleinste jener drei, lebte in ständiger Furcht, entweder aus dem Norden vom Königreich Koguryo oder aus dem Westen von Baekchae überfallen und besetzt zu werden. Sylla´s König Chin-Hung rief die Jugend auf, das Vaterland zu verteidigen. Es wurde eine Organisation mit dem Namen Hawarang-Do gegründet, welche die Kriegskunst, aber auch Literatur und Musik förderte. Dieser gelang es schließlich um 700 n.Ch. die drei Königreiche zu vereinigen.

In der folgenden Dynastie Yi erreichte das Taekyon seinen Höhepunkt. Nach der Besetzung durch Japan, wurde die Kampfart nochmals mit Karate vermischt. Der Name Taekwon-Do wurde erst 1955 durch die höchsten Dan-Träger Koreas geprägt.

Heute wird Taekwondo von Menschen der verschiedensten Altersstufen und mit unterschiedlichsten Ansichten als Sport oder zur Selbstverteidigung ausgeübt. In aller Welt gibt es verschiedenste Verbände, welche sich den unterschiedlichen Stilen - von traditionell-(ITF) bis modern-(WTF) - des Taekwondo widmen. Obwohl seit 1973 Taekwondo Weltmeisterschaften nationale und internationale Meisterschaften veranstaltet werden, ist es erst seit dem Jahr 2000 olympisch (WTF).

Der Grundgedanke des Taekwondo

Taekwondo ist eine Kampfsportart. Aber Taekwondo ist auch mehr, so soll während des Trainings nicht nur die Kampfkunst - Hände und Füße werden zu Waffen -, sondern auch Selbstverteidigung, Bewegungs- und Körperlehre dem Schüler näher gebracht werden. Eine wichtige Rolle hierzu spielt das "Do", die geistige Einstellung zu diesem Sport, zur Umwelt und zur Gesellschaft.

Beim Training wird nicht nur besonderer Wert auf die Technik, sondern auch auf die theoretischen und moralischen Werte dieses Sportes gelegt. Das Wesen lässt sich somit am besten durch den Begriff Taekwondo, welcher sich aus folgenden drei koreanischen Worten zusammensetzt, verdeutlichen:

  • (TAE) - bedeutet Springen, mit dem Fuß schlagen und beschreibt alle Fußtechniken des Taekwondo
  • (KWON) - bedeutet Hand, Faust und beschreibt alle Handtechniken. Sie bestehen aus Block-, Schlag- und Greiftechniken
  • (DO) - Hat die sinnbildliche Bedeutung der geistigen Entwicklung -des "Weges" - und soll verdeutlichen, dass nicht nur körperliches Training, sondern auch eine intensive geistige Auseinandersetzung mit dem eigenen Bewusstsein erforderlich ist, um diese Kampfkunst zu erlernen und zu perfektionieren.