Hier geht es um Comics, wie es sie vornehmlich in den späten 80er bis Mitte der 90er Jahre gab. Um Comics, ganz ohne bunter Farbe, in tiefstem Schwarz (und wenig Weiß). Um Comics, die zwar nix für Kinder, aber für das Kind im Manne sind. Um Comics mit hingebungsvollen, regelrecht obsessiven, von schwarzer Tusche dominierten Artwork. Um Comics, die fast nie als TPB nachgedruckt wurden.
Ihr sucht rum wie blöde? Oder seid einfach nur Liebhaber von Trash, Gore, Sex oder ganz normalem schwarz-weiß 90er-Independent-Wahn mit all seinen Auswüchsen und Stilblüten? Das Mahl ist angerichtet.
Outlaw Comics: Eine Bewegung am Rande der Gesellschaft
Dürfte sich dabei wohl um die erste Publikation handeln, in welcher der Terminus „Outlaw Comics“ ganz offiziell und uneingeschränkt im Sinne dieses Threads Verwendung fand - nämlich dunkle, harte, nicht mal unbedingt übertrieben gewalttätige, jedoch mit absoluter Hingabe und Liebe fürs Medium produzierte Comics am Rande der Gesellschaft.
Der Gottvater der Outlaw-Comics: Timothy B. Vigil
Timothy B. Vigil, Gottvater, Heiland, Outlaw-Comic-Übergott, gesegnet seie dein Name, deine ultradetaillierte Höllenvision komme, gehuldigt seie deine Lineart, dein intensives Artwork sei gepriesen, im Fegefeuer, wie im Himmel, als auf Erden. FAUST das Testament, die heilige Schrift, das Evangelium und die Herrlichkeit bis in alle Ewigkeit. Amen.
Hier ist er also, der Ursprung einer ganzen Generation, der Anfang einer neuen Zeitrechnung und die nächste wirkliche Untergrundbewegung in Sachen US-Comics seit der späten 70er Jahre SF-Bay-Area und so Leutz, wie Spain Rodriguez, S.
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Mit ca. ner 40.000er Auflage jedoch bereits seit Beginn mehr als nur umsatzstark und somit schon eher Gewerbe, Firma, Gelderwerb denn einfacher Indie Comicverlag. Und dennoch mit hobbymäßigen, passionierten und einfach mit Liebe bei der Sache arbeitenden Künstler - für die Zeichnungen gabs laut T. Vigil pro Heft in etwa gerade mal 200$, also nich ma nen 10er pro Seite.
Was jetzt aber gar nicht mal so abwegig und weltfremd ist, wenn ma mal die aktuelle „pro Seiten Gage“ bei so „Billigheimers“ wie Dynamite in Betracht zieht - iss ja schließlich och schon 35 Jährchen her, dat ganze.
Vigilante: Ein typisches Frühwerk
Ein Vigilante in seinen besten Jahren, maskiert, brutal, Nacht für Nacht durch die Straßen ziehend, um mit all dem kriminellen Pack und Gesindel in seiner Nachbarschaft aufzuräumen, ja regelrecht hinzurichten, während im Hintergrund in den Medien die übliche, altbekannte Debatte läuft: Superheld oder Verbrecher, Wohl- oder Übeltäter, Menschenfreund oder -feind,. . .
Für Tim Vigil Fans sind die vier Hefte ja sowieso Pflicht, ansonsten eher so lala - typisches Frühwerk eben. Also mehr Vorgeschmack, denn sättigendes Hauptmenü.
Die Nummern 3+4 fallen dann leider sowohl inhaltlich, besonders aber optisch stark ab, was nicht zuletzt den wirklich groben Inks von John Palmer geschuldet ist. Aber watt willste da als Zeichner schon groß machen?
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Der Einfluss der Teenage Mutant Ninja Turtles
Eastman´s Turtles bzw. der deren Erfolg waren definitiv eine der Initialzündungen, die diese Indiewelle an schwarz-weiß Comics - wie sie Ende der 80er über die US Comiclandschaft schwappte - erst so richtig ins Rollen (und kurz darauf regelrecht zum explodieren) brachte.
Ein Jeder haute Comics raus, ein jeder wollte ein Stück vom Kuchen abbekommen, ein jeder hatte es voll drauf und dabei gleich um noch mehr Dollarzeichen in den Augen - doch nur die Wenigsten haben wirklich was gerissen.
So, knappe 10 Jahre später, zieht Kevin Eastman nochmals alle Register und ballert mit Infectious - quasi als Autoren-Spätwerk :D - ein von Gewalt und Sex nur so strotzendes, doppelt ummantelndes, zur Hälfte eingeritztes, Stahlmantel-Geschoss in den Comic-Orbit, dass es nur so kracht - hart, dreckig, asozial.
Dogs: Eine Kultige Arbeit von Joe Vigil
Und auch wenn es sich bei seinem Gunfighters in Hell um das umfangreichere und deutlich bekanntere Werk handeln dürfte - dank EEE sogar hier bei uns in good old Germany - ist und bleibt sein Dreiteiler „Dogs“ für mich nach wie vor seine herausragendste, ja einfach halt kultigste Arbeit.
Ein typisches Frühwerk eben, jedoch dabei bereits deutlich ausgereifter, versierter, stilsicherer, als Joe Vigils wirkliche, noch während seiner Highschool Zeit für entsprechende „Schülerzeitung“ verfassten Anfänge rund um den Vampir Jäger „Fritz Whistle“.
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Im Gegensatz zu den allermeisten Comics der Los Vigil Bros, kommt Dog deutlich geerdeter daher und dementsprechend auch ganz ohne Dämonen, Teufel, der Hölle oder ähnliches aus - naja, zumindest fast. Eine, durch ein schwarzes Loch, direkt mitten in ein Vietnam-Krieg-Szenario teleportierte, Riesenspinne gibt’s dann doch.
Insbesondere Heft Nummer Eins ist Sraßenlevel pur - harter, ungeschönter, direkt auf die Fresse, Double Dragon 80er-Style. Ein einziger, von der ersten bis zur letzten Seite andauernder, schnell geschnittener Rachefeldzug, in dem in bester Straßenschläger-Manier ein Biker/Rocker/Gangmitglied nach dem anderen aufgemischt wird - ganz egal ob mit Faust, Messer oder Billardkugel, jedoch stets mit hoher Schlagzahl und Durchschlagskraft.
Gerade das erste Heft besitz ein verdächtig hohes Kultpotential und ist zweifelsfrei ein kleiner Klassiker des schlechten Geschmacks.
Carnage: Eine Einzige Arbeit von Richard Ferguson
Von Richard Ferguson, der Carnage - als Autor, Zeichner, Inker, Letterer - praktisch im Alleingang stemmte, kam weder davor noch danach irgendetwas.
Und zwar nicht nur nichts Nennenswertes oder gar Relevantes, sondern schlicht und einfach nichts. Nada. Nijente. Null. Übrigens eine nicht selten gesehene Charakteristika, jener Art hier vorgestellter Comics.
Deren Schöpfer stammen eben oftmals nicht aus den eigenen Reihen, der Comic-Szene oder deren Umfeld mit entsprechendem Background oder Interessen, sondern komplett von außerhalb, einer stinknormalen Arbeit nachgehend - wenn überhaupt.
Schreiben und Zeichnen als eine Form der Vergangenheitsaufarbeitung, Emotionsbewältigung und Selbsttherapie - James O`Barr lässt grüßen (um hier nur mal den bekanntesten Vertreter zu nennen).
Und so ist auch Carnage weder übertrieben gewalttätig noch besonders brutal. Es ist eben, wie so oft, diese direkt auf eine jede Comicseite kanalisierte Mischung aus Wut und Leidenschaft, welche sich in einer düsteren, rohen Atmosphäre mit einer, von schwarzer Tusche komplett vereinnahmten, harter Optik manifestiert.
Sketchbooks: Eine Einnahmequelle für Künstler
Sketchbooks, oder ins eingedeutschte wohl eher Sketch-Heftchen, sind bis heute eine relativ einfache und wenig Aufwendige Form, für Künstler/Comiczeichner ein paar Dollars nebenher zu generieren.
Während jedoch heutzutage die Heftchen größtenteils im Ashcan-Format, in Eigenregie ohne Verlag mit einer kleinen dreistelligen Auflage gedruckt und meist direkt über jeweiligen Künstler, Messen, Conventions, Homepage vertrieben werden, sind jene in der 90er Hochphase als ganz normale Hefte/Auskopplung in den Handel gelangt.
Begann Dark Utopia noch als nettes Sammelsurium kleiner Vigil Kostbarkeiten mit Comicseiten, unveröffentlichtem Material, kurzen Texten entwickelte sich die Reihe zunehmend Richtung reines Sketch-Heft mit dem Fokus auf Commissions und Convention Sketche.
