Mixed Martial Arts (MMA) gehört zu den umstrittensten und gefährlichsten Sportarten. Man kann "Mixed Martial Arts" (MMA) ruhig als eine aus verschiedenen Sportarten zusammengesetzte Kampfkunst übersetzen. Am Samstag lässt das amerikanische Unternehmen UFC in der Kölner Lanxess-Arena sein erstes großes kontinentaleuropäisches MMA-Event steigen.
Die Mischung: Die Kämpfer benutzen Techniken des Boxens, des Kickboxens, des Ringens, des Jiu-Jitsu, des Judo und aller anderen denkbaren Kampfsportarten. Die Kämpfe werden auf einem mit Maschendrahtzaun abgegrenzten Achteck ausgetragen. Die großen Kämpfe gehen über fünf Runden à 5 Minuten. Die meisten enden jedoch vorzeitig.
Was die Kritiker eint, ist die Behauptung, durch MMA käme es zu einer Brutalisierung der Gesellschaft. Dabei stimmt nichts davon: Das Regelwerk der UFC wie auch der deutschen Free Fight Association (FFA) sieht strenge Schutzbestimmungen und den Einsatz von Ringärzten vor. MMA ist kein schöner Sport, das wird auch niemand behaupten. Aber es ist ein Sport.
Die Männer, die dafür trainieren, einen Gegner derart niederzukämpfen, dass er sich nicht mehr rühren kann, wollen, dass die Gesellschaft normal findet, was sie machen. Sie wollen, dass die Zuschauer, die sich jetzt noch angewidert abwenden, wenn eine Niere mit Faust oder Füßen malträtiert wird, irgendwann so richtig Spaß haben. Wer sich darüber aufregt, den bezeichnen die Apologeten der gemischten Kampfkünste gern als ahnungslosen Sportbanausen.
Ja, man darf nicht alles. Stiche in die Augen, Beißen, Haare ziehen sind verboten. Dennoch beruht das Geschäftsmodell der UFC auf dem Vorführen hemmungsloser, dumpfer und sinnloser Gewalt. Mixed Martial Arts ist ein Sport, den es zu ächten gilt. Verbieten? Warum nicht.
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Todesfälle und Verletzungen im MMA
Schock in der MMA-Szene: Käfig-Kämpfer Ivan "JP" Cole wurde am Wochenende tot in seiner Wohnung gefunden - er starb durch einen Kopfschuss. Erst im April starb der MMA-Fighter Joao Carvalho an den Folgen seiner Verletzungen eines Kampfes. Erst vergangene Woche machte die Nachricht vom frühen Tod der MMA-Legende Kimbo Slice Schlagzeilen.
Genauso wie der Fall Slice ist das nächste Todesopfer in der Szene nicht auf im Ring oder an den Folgen eines Kampfes gestorben. Die Umstände bei Ivan "JP" Cole, der am Samstag tot in seiner Wohnung im US-Bundesstaat Texas gefunden wurde, sind rätselhaft und schockierend zugleich. Die Geschichte hinter dem Vorfall wirft Fragen auf.
So behaupten einige Zeugen, dass es sich nicht um Mord handeln soll. Wie der US-Journalist J. D. Bekräftigt wird diese Annahme durch eine Stellungnahme seiner Ehefrau Kymberli Cole. Sie erklärt in einem Beitrag auf der Seite "GoFundMe", in dem sie um Spenden für die Beerdigung des MMA-Fighters und die gemeinsame Tochter (4) bittet, dass Cole selbst für seinen Tod verantwortlich ist. "Heute, am 11. Juni 2016, habe ich meinen Ehemann durch ein Pistolen-Spiel verloren", heißt es in ihrem Beitrag. Eine offizielle Stellungnahme der Polizei zur Todesursache gibt es noch nicht.
Boxer Justin Thornton ist tot. Er starb am Montag wenige Wochen nach einem Championship-Kampf. Beim Bare Knuckle Fighting wird ohne Boxhandschuhe geboxt. Das Verletzungsrisiko ist dadurch deutlich erhöht, da weder Faust und Knöchel noch Kopf oder Körper des Gegenübers geschützt sind. Auch deshalb sind Wettkämpfe in vielen Ländern, darunter auch Deutschland, nicht erlaubt. In den USA fand 2018 die erste legale Meisterschaft seit 130 Jahren statt.
Bei einem solchen Kampf wurde der langjährige Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Thornton im August schwer verletzt. Bereits nach 19 Sekunden war er von Dillon Cleckler K.o. geschlagen worden. Cleckler schrieb zudem, Thornton sei an einer Lungenentzündung gestorben, eine offizielle Todesursache wurde bisher nicht bekannt gegeben.
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Akute und chronische Folgen von MMA-Kämpfen
Regelkonformes Ziel des Boxkampfes ist die Verteidigungsunfähigkeit des Gegners, zum Beispiel durch Zufügen eines stumpfen Schädel-Hirn-Traumas mit der Folge einer passageren Bewusstlosigkeit (Knock-out, K. o.). Kampfentscheidend wirken sich vor allem Rotationsbeschleunigungen des Schädels aus. Dadurch führen Scherkräfte zu einer Stauchung, Zerrung und funktionellen Läsion zentraler Bahnen im oberen Hirnstamm (5).
Neben dem regelgerechten Niederschlag werden bei Boxkämpfen häufig weitere Verletzungen an Kopf und Gesicht beobachtet. Das Risiko derartige Verletzungen zu erleiden, war bei den Verlierern signifikant erhöht und bei Niederlage durch K. o. etwa vierfach höher. Das Risiko, in einem Kampf nichtregelkonforme Verletzungen zu erleiden, steigt mit der Zahl der Kämpfe und dem Alter der Boxer.
In Aufzeichnungen seit dem Jahr 1890 über Boxkämpfe nach unterschiedlichen Regeln wurden etwa 10 Todesfälle pro Jahr dokumentiert. Die absoluten Zahlen müssen also höher liegen. Potentielle Risikofaktoren für eine erhöhte Letalität sind: Alter, vorbestehende Hirnveränderungen, somatische Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Dehydrierung, starker Gewichtsverlust, eine hohe Zahl von Kopftreffern im Kampf und das sogenannte „Second Impact Syndrome“.
Eine Befragung von 632 japanischen Profiboxern ergab, dass fast die Hälfte der Athleten am Tag nach einem K. o. unter fortbestehenden Symptomen litt wie zum Beispiel: Kopfschmerzen, Tinnitus, Vergesslichkeit, Hörstörungen, Schwindel, Übelkeit, Gangstörungen. Etwa 10 % dieser aktiven Boxer gaben an, ständig unter Vergesslichkeit, Kopfschmerzen und anderen Beschwerden zu leiden.
Viele Boxer entwickeln bereits während ihrer aktiven Zeit zumindest leichte kognitive Störungen, die sich auch mit einfachen Mitteln erfassen lassen. Wie eine computerunterstützte neuropsychologische Untersuchung (ImPACT) zeigte, kann das verzögerte Wiedererinnern („delayed recall“) bereits bei Amateuren nach Trainingskämpfen mit Kopfschutz (Sparren) eingeschränkt sein. Auch prospektiv untersuchte Amateurboxer, deren Kampf abgebrochen werden musste, waren danach bei einfachen Reaktionstests und Mehrfachwahlaufgaben signifikant langsamer.
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Innerhalb von 24 Stunden nach einem Schädel-Hirn-Trauma wird bereits deutlich mehr beta-Amyloid, der Grundbaustein der Alzheimer-Plaques, gebildet. Diese Ergebnisse weisen auf eine akute neuronale und astrogliale Zellläsion hin.
Zehn bis 20 % der Profiboxer leiden unter anhaltenden neuropsychiatrischen Folgeerkrankungen. Die schwerwiegendsten Konsequenzen eines chronisch rezidivierenden Schädel-Hirn-Traumas bei professionellen Boxern mit langer Karriere sind: bezüglich Motorik: Tremor, Dysarthrie, Parkinson-Symptomatik, Ataxie, Spastik bezüglich Kognition: Verlangsamung, Gedächtnisstörung, Demenz bezüglich Erleben und Verhalten: Depression, Reizbarkeit, Aggressivität, Kriminalität, Sucht.
Im Bezug auf Dementia pugilistica („Punch-Drunk-Syndrome“, chronische Boxer-Enzephalopathie) konnten ähnliche Risikofaktoren gefunden werden wie für die akuten Komplikationen des Boxens: Alter (> 28 Jahre), Karrieredauer (> 10 Jahre), Zahl der Kämpfe und schlechte Abwehrreflexe. Zusätzliche Faktoren sind häufige Knock-outs, längeres Sparren, „gutes Stehvermögen“ und Apolipoprotein E4.
Histologisch ist die chronisch traumatische Enzephalopathie der Boxer vorwiegend charakterisiert durch gesteigerte Tau-Phosphorylierung und eine fleckförmig verteilte Neurofibrilleneinlagerung vor allem in den oberen Schichten des Frontal- und Temporallappens. Wie bei einer Alzheimer-Krankheit wird der neurodegenerative Prozess bei der Boxerdemenz durch den Apolipoprotein-E4-Polymorphismus gefördert. In Übereinstimmung mit diesen neurobiologischen Belegen verdichten sich die epidemiologischen Hinweise auf einen Zusammenhang von Schädel-Hirn-Traumata und Alzheimer-Demenz.
Sicherheitsmaßnahmen und Verantwortung
Auch wenn Kampfsport aufgrund seiner martialischen öffentlichen Außenwirkung durch die Presse (aber auch durch unser Werbeauftreten a la UFC / ONE / etc.) von Außenstehenden als gefährlich eingestuft wird, sind schwere Verletzungen selten. Zu allererst sollten wir alle aus den Fehler der „alten Schule“ lernen.
Euer Trainer sollte gerade in den Anfangsmonaten viel Wert darauf legen, dass ihr grundsätzliche Konzepte versteht. Vor allem Verteidigung, richtiges Fallen - und ganz wichtig, frühzeitiges Aufgeben! Der Tap schützt vor Schmerzen - rechtzeitig auch vor Verletzungen. In einem Zweikampf muss jeder seine Grenzen kennen lernen und die des anderen.
Die Lernkurve im ersten Halbjahr ist extrem steil, wenn alle an einem Strang ziehen und im Team die richtige Atmosphäre herrscht. Kampfsport ist ein Marathon, kein Sprint! Ruckartige Bewegung sind Gift! Lerne auf deinen Körper zu hören. Er wird dir Warnsignale geben, wenn etwas nicht stimmt.
Der begrenzende Faktor ist der Staat. Und hier muss man ansetzen, indem man die Beteiligten (Gegner, Veranstalter, Refs) in eine echte Verantwortung zwingt. Stirbt jemand im Ring, muss das Konsequenzen für diese Leute haben. Man muss sich in diesem Zusammenhang immer verinnerlichen, dass die Leute dort typischerweise nicht einem Herzinfarkt oder Krebs erliegen, sondern einen gewaltsamen, brutalen Tod sterben.
Generell kriegt man im Boxen halt viel mnehr und härtere Schläge auf den Kopf, Handschuhe, Bandagen, anzählen bis zu 3 x eine Runde a 10 Sekunden! Längere Kämpfe usw... Die Entscheidung, ob der Kampf abgebrochen wird, muss von außen kommen, denn beide Kämpfer, sowohl der, der schon verletzt am Boden liegt, wie auch der in dem Moment überlegene sind in dem Moment meistens gar nicht in der Lage dazu.
MMA und das Recht
Gilt das als Arbeitsunfall? Würde der andere Kämpfer angezeigt werden? Sofern kein Regelverstoß zum Tode führte sondern der normale Kampfablauf, ist keine Strafbarkeit gegeben. Für den Gegner hat das keine rechtlichen Folgen.
Im Kampfsport wirst Du weder Mord noch Totschlag finden - oder zeigt mal einen einzigen Fall auf, wo jemand tatsächlich im Ring so lange jemanden geschlagen hat bis dieser an Ort und Stelle verstorben ist. Hier wäre - wenn überhaupt - also max.
Es werden vereinzelt im Ring Leute verletzt, die dann später an diesen Verletzungen (oder aufgrund von Vorerkrankungen) versterben - meist im Krankenhaus. Im Ring selbst ist während eines offiziellen Wettkampfs inkl. Ringrichter und Ärzten noch keiner zu Tode gekommen.
