40 Jahre Karat: Eine musikalische Reise durch die Zeit

Ein neues Album und ein großes Open Air - so feiert Karat ihren 40. Bandgeburtstag. Die Band Karat ist ohne Frage ein Schwergewicht im Ostrock.

Die Anfänge und der Durchbruch

Der Eintritt der Band 1975 in die Rock- und Popszene der DDR ist zugleich ein Senkrechtstart. Nach der Gründung 1975 und dem ersten Konzert in Heidenau bei Dresden nahm die Karriere der Musiker um Bassist und Bandgründer Henning Protzmann schnell Fahrt auf. Ursprünglich bestand Karat aus Sänger Hans-Joachim "Neumi" Neumann, den Gitarristen Herbert Dreilich und Ulrich Pexa, dem Bassisten Henning Protzmann, Konrad Burkert am Schlagzeug und dem Keyboarder Ulrich "Ed" Swillms.

Nach ihrem ersten Konzert in Heidenau gewann die Gruppe schnell an Bekanntheit und produzierte ein gutes Dutzend Aufnahmen. Pexa und Burkert verließen die Band im Sommer 1976. Es folgten Auszeichnungen und Preise, ein Vertrag beim DDR-Label Amiga und auch Auftritte in West-Berlin.

Nach zahlreichen erfolgreichen Titeln wird KARAT mit dem Lied "Über sieben Brücken" zur beliebtesten Band der DDR - und zum lukrativen West-Export. KARATs Alben werden in Westdeutschland mehrfach vergoldet. Als einzige DDR-Band tritt KARAT sogar in der Samstagabend-Show "Wetten daß…?" auf. Im eigenen Land werden die Musiker mit Kunstpreisen und dem DDR-Nationalpreis geehrt.

Erfolge in Ost und West

Wegen ihrer Erfolge durfte die Band ab 1979 auch "im Westen" auftreten und räumte hier ebenso ab: Für das Album "Der blaue Planet" gab es eine Goldene Schallplatte, ihr Konzert 1982 in der Berliner Waldbühne war ausverkauft, und sie waren als einzige Ost-Band zu Gast bei "Wetten, dass …?". Mehrere ihrer Alben erschienen sowohl bei Amiga in der DDR als auch bei Teldec in der Bundesrepublik. 1979 veröffentlichte die Hamburger Plattenfirma "Teldec" das zweite Album der Band auch außerhalb der DDR und begründete so den Erfolg von Karat in der Bundesrepublik. Songs wie "Albatros", "Der blaue Planet" oder "Jede Stunde" erfreuten sich in Ost und West großer Beliebtheit.

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1980 covert Peter Maffay den Song "Über sieben Brücken", der bis heute zu seinen erfolgreichsten gehört. Im Jahr der politischen Wende 1989 gelang ihnen mit der zusammen mit Peter Maffay als Duett aufgenommenen Version von "Über sieben Brücken musst du gehn" nochmal ein Riesenerfolg, bevor es auch um Karat still wurde.

Herausforderungen und Neuanfänge

Anfang der 90er Jahre droht die ostdeutsche Rock- und Popszene sang- und klanglos unterzugehen: statt vor Tausenden spielt KARAT plötzlich vor nicht mal mehr Hundert Leuten. Bis Ende der 90er-Jahre kämpfte sich die Band zurück, konnte aber nie ganz an frühere Erfolge anknüpfen. Erst Mitte der 90er Jahre entdecken die Ostdeutschen die Rock- und Pophelden ihrer Jugend wieder. Auch KARAT. Zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 2000 spielt die Band in der Berliner Wuhlheide vor knapp 20.000 Menschen.

Nach dem frühen Tod von Sänger Herbert Dreilich 2004 war es ein Glücksfall, dass dessen Sohn Claudius eine nahezu identische Stimme besitzt und 2005 an die Stelle seines Vaters trat. Als Herbert Dreilich - jahrzehntelang die Stimme der Band - 2004 im Alter von 62 Jahren stirbt, steht sein Sohn Claudius vor der wichtigsten Entscheidung seines Lebens: Manager in Shanghai werden oder Sänger von KARAT. Er entscheidet sich für die Musik. Der Sohn ersetzt den Vater - vielleicht ein einzigartiges Phänomen in der deutschen Rockszene.

Mitte der Nullerjahre entbrannte ein Markenrechtsstreit um den Bandnamen. Fast zwei Jahre zog sich die juristische Auseinandersetzung hin. "Das war wirklich eine schwere Zeit", erinnert sich Claudius Dreilich. Mit dem Namen sei zumindest zeitweise auch ein Stück Identität verloren gegangen, schildert sein Bandkollege Bernd Römer.

Die Musik und ihr Einfluss

Die Bandgeschichte von KARAT ist geprägt durch den Einfluss vieler hervorragender Musiker: Die Erfinder der Band Henning Protzmann und Ulli Pexa, verstärkt durch Ed Swilms, Herbert Dreilich, Bernd Römer und Michael Schwandt. Zeitweilig wird KARAT verstärkt durch Thomas Natschinski, ab Mitte der achtziger Jahre ersetzt Christian Liebig Hennig Protzmann am Bass, der Posten an den Tasteninstrumenten wechselt von Ed Swilms zu Thomas Kurzhals und seit 1992 zu Martin Becker. Nach dem Ausstieg von Michael Schwandt und Christian Liebig 2023 verjüngt und modernisiert sich die Band mit Heiko Jung am Schlagzeug und Daniel Bätge am Bass.

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Insgesamt sind bis heute 15 Studio-Alben erschienen, sieben davon in der DDR. Aus dieser Fülle von Songs eine Auswahl zu treffen, ist schwierig: Musikalisch hat die Band mehrere Entwicklungsphasen durchlaufen - sicher auch beeinflusst von der über die Jahre immer mal wieder wechselnden Besetzung. Typisch für Karat sind Keyboards, satter Gitarrensound und kraftvolle Drums, die Texte sind berührend poetisch, manchmal philosophisch, auch politisch und manchmal auch von überraschender Leichtigkeit.

Jubiläum und Ausblick

Doch die Band ruht sich nicht auf ihrem Legendenstatus aus, bleibt innovativ und experimentierfreudig. Es entstehen die Alben "Weitergehn" (2010), "Seelenschiffe" (2015), "Labyrinth" (2018) und 2025 das aktuelle Jubiläumsalbum "Hohe Himmel".

2025 feiert die Berliner Band ihr 50-jähriges Bestehen. Ein wichtiger Fokus liegt auf einem ersten Höhepunkt im Jubiläumsjahr 2025: der Auftritt in der restlos ausverkauften Elbphilharmonie zu Hamburg am 02. März. KARAT wird als erste Rockband aus der ehemaligen DDR den ehrwürdigen Saal rocken.

Die Doku "50 Jahre Karat - Eine deutsche Rockgeschichte" trifft die Musiker und ihre Managerin Adele Walter, die Musikmanager Peter Schimmelpfennig (West) und Jörg Stempel (Ost) und prominente Begleiter der Band wie Ute Freudenberg, Katarina Witt, Inka Bause und Gregor Meyle. "Es ist eigentlich gar nicht zu beschreiben - 50 Jahre, das ist Wahnsinn", sagt Bernd Römer, der seit 1976 mit dabei ist, dem MDR.

Heute sind die schweren Zeiten vorbei: "Es hat sich immer nur in eine Richtung entwickelt und das ist die, die wir wollen: Nämlich nach vorne", sagt Claudius Dreilich, der seit mittlerweile 20 Jahren Teil von Karat ist.

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Karat sei heute "eine gesamtdeutsche Band", sagt Claudius Dreilich dem MDR. Schon als Kind wohnte er Konzerten der Rockband bei.

Karat sei keine parteipolitische Band, aber politisch sei man immer, sagt Dreilich dem MDR. "Was hier passiert, in unserem Land, macht uns fassungslos." Die politischen Entwicklungen auf der Welt, aber auch in Deutschland gehen nicht spurlos an den Rockern vorbei, gibt Bernd Römer zu: "Wir sollten uns immer daran erinnern, dass wir Menschen sind."

"Hohe Himmel" heißt das neue Album von Karat. Die Band wolle an den Sound der 1980er-Jahre anknüpfen und hat daher alle Aufnahmen mit analoger Technik durchgeführt, findet MDR-Reporter Tobias Kluge. Die Band sei mit ihrer aktuellen Platte stellenweise "stehen geblieben".

Intimes Studiokonzert im MDR Landesfunkhaus

Beim Besuch im Landesfunkhaus Ende März packen Claudius Dreilich und Bernd Römer von Karat noch eins drauf: Es wird ein intimes Studiokonzert im MDR LANDESFUNKHAUS in Erfurt geben. Doch die Karten dafür kann niemand kaufen...

Knapp 200 Fans haben Tickets für das exklusive Studiokonzert gewonnen. Sie werden von MDR-Moderatorin Nadine Witt herzlich begrüßt.

Mit dem "Schwanenkönig" in der Akustik-Version beginnt das Konzert. Es folgen viele Hits aus den vergangenen Jahrzehnten und einige Stücke vom neuen Album "Seelenschiffe".

Dichtes Gedränge bei der Autogrammstunde nach dem Konzert. So mancher Fan lässt sich gleich die neue CD signieren.

Für die Band gibt es zum Abschluss auch ein Geschenk - schließlich feiert Karat in diesem Jahr den 40. Geburtstag. Die schönsten Fotos und Geschichten der MDR THÜRINGEN-Hörer haben wir in einem Besuch und auf einer Collage versammelt.

Erinnerungen der Fans

Wir wollen von unseren Hörern, Zuschauern und Usern wissen: Wann haben Sie Ihr erstes Karat-Konzert erlebt und wo? Was bedeutet Ihnen die Musik der Band? Das Feedback ist großartig: Fast 400 Geschichten, dazu viele Fotos erreichen den MDR THÜRINGEN innerhalb weniger Wochen. Und die interessantesten Schilderungen werden das Tor zum Glück...

... zum Beispiel für Gerlinde Erdmann. Seit 40 Jahren liegen die signierten Plakate der Vorgänger-Band Panta Rhai schon in ihrer Schrankwand. Und sie hat die Entwicklung der Musiker in den vergangenen Jahrzehnten verfolgt - auch den Wechsel am Mikro, wo nach dem Tod von Frontmann Herbert Dreilich im Jahr 2004 sein Sohn den Gesang-Part übernahm.

"Als ich Claudius Dreilich beim ersten Auftritt auf dem Weimarer Zwiebelmarkt gesehen habe, da wusste ich es gleich: Das passt!"Die Plakate bringt Gerlinde Erdmann auch zum Konzert am 29. April ins MDR LANDESFUNKHAUS in Erfurt mit.

Doch bevor das Konzert beginnt, gibt es erst noch ein paar Anekdoten zu erzählen - zum Beispiel die von Ellen Schneider:Sie hält hier nicht ihre eigene Leder-Hotpants hoch. Es ist die Hose von Schlagzeuger Michael Schwandt.