Julia Irmen: Vom Kickbox-Champion zur Bundestrainerin

2015 jubelte sie als Weltmeisterin: Kickbox-Queen Julia Irmen bleibt ihrem Sport erhalten und wird Bundestrainerin. Eine große Herausforderung und ein extremer Aufwand, doch die Vorfreude auf die kommende Saison ist riesig.

Ein beeindruckendes Comeback

Eigentlich hatte Julia Irmen ihre unfassbar erfolgreiche Karriere bereits beendet und war im sportlichen Ruhestand, ehe sich die „Grande Dame“ des Kickboxens zu einem Comeback bewegen ließ, nachdem eine Athletin vor der Europameisterschaft in Athen verletzungsbedingt ausfiel. Der Rückzug vom Rückzug war ziemlich beeindruckend: „The Cop“, so ihr Kämpfername, lieferte trotz der langen Wettkampfpause und holte die Bronzemedaille in der Gewichtsklasse bis 70 kg. Mit 40 - ein perfekter Abschied von der internationalen Bühne.

Wechsel auf die Trainerseite

Endgültig? Nicht ganz. Sie bleibt weiter, wechselt allerdings die Seiten und wird Bundestrainerin. Zum ersten Mal in Deutschland ist Frau Irmen eine Bundestrainerin in einer Männer-Domäne.

Die Motivation hinter der Entscheidung

Warum hat sie sich nach mehreren Absagen nun doch für ein Engagement entschieden? Julia Irmen: Das sind zu 100 Prozent die Athleten selbst. Ich möchte diese hoch motivierten Menschen auf ihren Wegen begleiten und sie beim Erreichen ihrer Ziele unterstützen. Ich habe als Aktiver beim Kickboxen viele Leute kennen und schätzen gelernt und mit ihnen die Freizeit verbracht. Es ist wie eine große Familie für mich und das habe ich etwas vermisst.

Veränderungen und Erwartungen

Sie haben als Sportlerin tolle Erfolge gefeiert, sind ein extrovertierter Typ und waren für die gute Stimmung in der Mannschaft verantwortlich. Was wird sich ändern? Worauf müssen sich die Athleten einstellen? Julia Irmen: Oh, gute Frage: Jetzt bin ich in der Verantwortung und da wird sicherlich einiges anders. Grundsätzlich bin ich eine humorvolle und umgängliche Zeitgenossin. Aber ich war schon immer diszipliniert und streng zu mir selbst und weiß, dass man mit Spaß alleine nicht an die Spitze kommt. Da ich sehr zielstrebig bin, erwarte ich das natürlich von meinen Athleten ebenfalls.

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Der Fokus als Trainerin

Ein erfolgreicher Sportler ist nicht gleich ein erfolgreicher Trainer. Was ist für Sie wichtig: Das sportliche Ergebnis oder die persönliche Einwicklung oder beides? Julia Irmen: Diese Aussage unterschreibe ich zu 100 Prozent. Nur weil man individuell mit einem Weg erfolgreich war, lässt sich dieser nicht auf eine breite Masse kopieren. Mein Weg mag für mich „der Richtige“ gewesen sein, muss es aber definitiv nicht für andere sein. Am Ende hat aber dieser Weg vor allem meine persönliche Entwicklung gefördert. Und aus diesem Grund liegt neben den gewünschten sportlichen Zielen trotzdem darauf der Fokus.

Die Struktur des Trainerteams

Wie viele Athleten werden Sie denn betreuen? Wie groß ist das Trainerteam? Und wie sind hier die Kompetenzen verteilt Julia Irmen: Aktuell betreue ich im Elitekader 13 Kickboxer und im Nachwuchskader zehn. Im Vollkontakt-Nationalkader-Trainer-Stab sind noch Alexander Häußer, Peter Lutzny und Jörg Gottschalk sowie drei weitere Disziplintrainer. Die meisten Aufgaben betreffen mich in der Hauptverantwortung und die Disziplintrainer unterstützen bei der Ausführung.

Ziele und Termine als Bundestrainerin

Was sind die nächsten Termine für Sie als Bundestrainerin? Julia Irmen: Der Nationalkader-Lehrgang und der kurz darauf folgende World Cup in Italien - beides steht bereits in einigen Wochen auf dem Programm. Für die Athleten und für mich sind das die ersten bedeutenden Schritte in Richtung Weltmeisterschaft.

Julia Irmen im FS Team Becker

Julia Irmen, eine altverdiente Athletin und mehrfach Europa- und Weltmeisterin, feierte ein beeindruckendes Comeback im FS Team Becker. Die erfahrene Kämpferin, die zuletzt bei der WM 2017 in Budapest antrat, rutschte kurzfristig für eine verletzte Athletin in der Gewichtsklasse bis 70 kg nach.

Für Irmen war diese Europameisterschaft tatsächlich der letzte Auftritt im Amateurbereich, da sie die Altersgrenze von 40 Jahren erreichte, wie Trainer Becker berichtete. „Julia zählt natürlich zum Favoritenkreis, bei ihr ist alles möglich,“ sagte Becker, der sie bereits 2009 zu ihrem ersten WM-Titel in Deggendorf führte.

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Die Europameisterschaft 2024

Die Rede ist von Julia Irmen, die bei der jetzt anstehenden Europameisterschaft im Vollkontakt ein Comeback gibt. Warum die Osterhofenerin nochmals in den Ring steigt, hat einen ganz einfachen Hintergrund: Die mehrfache Weltmeisterin rutscht für eine verletzte Athletin nach. Aber nicht nur Irmen ist in der griechischen Hauptstadt am Start, auch sechs weitere Athleten aus dem Deggendorfer FS (Fighting Sports) Team Becker kämpfen um Medaillen und Platzierungen.

Schon der Austragungsort lässt aufhorchen: der Olympic Velodrome ist Schauplatz dieser Europameisterschaft, ausgerichtet von der WAKO (World Association of Kickboxing Organizations). Von diesem Wochenende an (2./3. November) wird es dann ernst, nach Registrierung, Wiegen und medizinische Kontrolle stehen ab Montag, 4. November die ersten Qualifikationsrunden auf dem Programm. Diese dauern bis zum Freitag, 8. November, ehe am Samstag, 9. November die finalen Wettkämpfe und Team-Events ausgetragen werden.

„Ich freue mich, dass sich die Situation im deutschen Verband aktuell beruhigt hat und in die richtige Richtung geht,“ erklärt Coach Kai Becker. Mit der Rückkehr von Peter Lutzny als Bundestrainer für Vollkontakt konnte der Verband zahlreiche Athleten wiedergewinnen, die zuletzt nicht mehr für den Verband gestartet waren.

Becker weiter: „Die Vorbereitungen für die Europameisterschaft verliefen sehr gut. Vor zwei Wochen absolvierte der Kader in Deggendorf gezielte Sparringskämpfe und drei intensive Trainingseinheiten als unmittelbare Wettkampfvorbereitung.“ Darüber hinaus standen auch noch zahlreiche Partnerübungen sowie Sparringseinheiten auf dem Programm, die im Rahmen von Bayernkader-Lehrgängen gemeinsam mit den bayerischen Teilnehmern und Gästen aus anderen Bundesländern, absolviert wurden.

Neben seinem Engagement im Bayerischen Verband ist Becker auch als Honorar-Bundestrainer für Liechtenstein tätig, wo er zusammen mit Cheftrainer Michael Lampert ein Team von drei Athleten betreut. Becker sieht großes Potenzial in beiden Teams und blickt optimistisch auf die bevorstehenden Wettkämpfe - und natürlich auf sein Sextett aus der Donaustadt.

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Vorstellung der Deggendorfer Kämpfer aus dem FS Team Becker

  • Studentin Laura Stettmer (22) wurde für die Klasse +70 kg Frauen nominiert.
  • Marco Stracker (20) ist derzeit Schüler an der Meisterschule für das Schlosserhandwerk und tritt in der Klasse bis 63,5 kg Herren an.
  • Studentin Melda Dursun (26) tritt in der Klasse bis 56 kg Damen an.
  • Asude Dursun (24) ist Vollzugsbeamtin bei der Bundespolizei und geht in der Klasse bis 48 kg in der Favoritenrolle in die Europameisterschaft.
  • Eugen Ill (24) ist Justizvollzugsbeamter aus Altötting und geht in der Gewichtsklasse bis 67 kg an den Start.

In den vergangenen acht bis zehn Wochen haben sich die Athleten nun intensiv auf die bevorstehende Europameisterschaft vorbereitet. Mit sechs bis zehn Trainingseinheiten pro Woche wurden sie individuell betreut - eine anspruchsvolle Aufgabe für den Trainer, der Fingerspitzengefühl und Flexibilität zeigen musste.

Becker: „Die Sportler kommen aus unterschiedlichen Berufen und bringen verschiedene Bedürfnisse und Voraussetzungen mit.“ Neben leichten, grippalen Infekten und kleineren Verletzungen erschwerten aber auch bürokratische Hürden die Planung. Zudem gab es für das Team wenig freie Wochenenden, da Lehrgänge und Trainingswettkämpfe absolviert wurden.

Julia Irmen: "The Cop"

„Olympische Luft schnuppern. Das ist mein Traum, seitdem ich denken kann.“, sagt Julia Irmen. „Ich werde dann zwar nicht mehr selbst im Ring dabei sein können, aber vielleicht darf ich irgendwann als Trainerin dann mal olympische Luft schnuppern“, ergänzt die sympathische Osterhofenerin.

Mit ihren sportlichen Leistungen wäre sie allemal eine Kandidatin für den Olympiakader. Mit dem Logo Ihres Heimatclubs „Fighting Sports Team Becker“ gewann Julia Irmen im Jahr 2017 die German Open und auch den Bayern-Pokal. Zum Ende des Jahres dann der ganz große Wurf. Die aus Stralsund stammende Kämpferin stand im WM-Finale in Ungarn und holte sich die Goldmedaille.

Hinzu kam die Auszeichnung zur besten Technikerin im Ringsport. Wenn die Wahlbayerin nicht gerade im Ring steht, zückt sie gerne einmal ihr Smartphone, um einen Blick bei ebay Kleinanzeigen zu riskieren. Und irgendwie wirkt es nicht verwunderlich, wenn auch ihr Lieblingsbuch - Ronda Rousey: „MyFight/YourFight“ - etwas mit Kampfsport zu tun hat.

Dass die zweifache Mutter im Jahr 2018 keine Wettkampfserie verfolgen wird, ist schon etwas schade, doch die Hobbys wie Snow- und Wakeboarden wollen halt auch gepflegt werden. … als Trainerin. Bei Olympia. Julia Irmen ist 4-fache Weltmeisterin im Profi-Kickboxen und engagiert sich gegen Mobbing.

Einblick in das Leben von Julia Irmen

Wo sind Sie zur Schule gegangen, woran erinnern Sie sich gerne, woran nicht so gerne? Ich bin auf die Hauptschule in Dingolfing gegangen und habe dort die mittlere Reife absolviert. Im Nachhinein erinnert man sich immer gerne an die Schulzeit zurück, diese Art von großer Gemeinschaft verläuft sich leider im Berufsalltag etwas.

Wie sind Sie zum Sport gekommen - und war es immer Kickboxen? Ich war recht wild als Kind würde ich mal sagen, daher hat mich meine Mama schon recht früh zum Sport geschickt. Meine Leidenschaft war damals das Volleyball spielen. Fast 8 Jahre habe ich das aktiv betrieben, bis mich eine Schulterverletzung zum Aufgeben zwang. Bei einem Tag der offenen Tür habe ich dann beim Kickboxen reingeschnuppert und war sofort begeistert.

Sie werden als Julia "The Cop" Irmen vermarktet - was steckt dahinter? Von Beruf bin ich eigentlich Polizeivollzugsdienstbeamte bei der Bundespolizei, daher lag mein Kampfname nahe. -> Julia Irmen - The Cop

Arbeiten Sie als erfolgreiche Sportlerin noch in Ihrem Beruf? Ich habe fast 10 Jahre hauptberuflich als Polizistin gearbeitet und nebenher in der Nationalmannschaft trainiert, seit ich jedoch Profi-Sportlerin bin, bin ich vom Beruf freigestellt.

Wie häufig trainieren Sie, was trainiert man beim Kickboxen? Ich trainiere mittlerweile 6 Tage die Woche zweimal täglich. Da das Training sehr umfangreich ist, würde das jetzt den Rahmen sprengen aber neben dem spezifischen Training fließen viele Lauf-und Krafttrainingseinheiten mit ein.

Wem würden Sie diesen Sport empfehlen? Quasi jedem, egal ob dick, dünn, alt, jung ... Man muss nur für sich selbst herausfinden, ob man sich für den Sport begeistern kann, denn nur dann bleibt man auch dabei.

Was ist Ihr Traum - sportlich und privat? Meine privaten Träume habe ich mir mit Mann, Haus und meinem kleinen Sohnemann bereits erfüllt, sportlich gesehen gibt es immer Ziele und somit auch Träume.

Haben Sie ein Rezept für Erfolg? Harte Arbeit, ich habe mir all meine Wünsche und Träume hart erarbeitet, aber genau das ist der Grund, warum ich sie auch in vollen Zügen genießen kann