Andrew Tate: Vom Kickbox-Weltmeister zum kontroversen Internetstar

Wer ist Andrew Tate? Er ist eine der meistgegoogelten Personen im Netz, mit mehr Aufrufen als Rihanna, und behauptet sogar, Billionär zu sein. Trotz Vorwürfen, Teil des organisierten Verbrechens zu sein, hat er eine riesige Gefolgschaft junger Männer, und wird verehrt wie ein Guru. Andrew Tate war einst ein verheißungsvoller Kickboxer, gehörte zeitweise sogar zu den besten seiner Zunft und hielt zwei Weltmeistertitel gleichzeitig.

Frühe Jahre und Kickbox-Karriere

Andrew Tate wurde 1986 geboren. Sein Vater, Emory Andrew Tate Jr., war ein amerikanischer Schachmeister, der in seiner Karriere über 80 Turniere für sich entscheiden konnte. Er starb 2015 im Alter von 56 Jahren.

Tate ist in den USA, dem Heimatland seines Vaters, geboren und aufgewachsen. Nach der Scheidung seiner Eltern zog seine britische Mutter mit ihm, seinem Bruder Tristan und seiner Schwester Janine nach England. Als Kind eiferte Tate seinem Vater nach, lernte Schach und trat bei Turnieren gegen Erwachsene an. Mit 19 Jahren begann Andrew Tate seine Kampfsport-Karriere.

In den Jahren 2006 und 2007 bestritt Tate mehrere MMA-Kämpfe, zudem gab er im April 2007 sein Debüt als Kickboxer. Ab Juni 2007 wandte er sich komplett dem Kickboxen zu und wurde im April 2009 englischer Meister im Vollkontakt-Kickboxen im Verband ISKA. Im September 2009 kam der Titel als britischer Meister im Verband IKF dazu.

Weltmeistertitel und Erfolge

Im März 2011 kämpften Tate und der Franzose Jean-Luc Benoît um die ISKA-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht. Tate verlor nach Entscheidung der Jury. Den Rückkampf gegen Benoît im Juni 2011 gewann er jedoch und wurde damit Weltmeister.

Andrew Tate war von 2011 bis 2016 einer der besten Kickboxer der Welt. Entsprechend gut bezahlt wurde er für seine Kämpfe. Satte viermal wird Tate im Laufe seiner Karriere Weltmeister, ehe er diese 2016 beendet.

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Kontroversen und Skandale

Im Januar 2015 wurde Tate festgenommen, da er von zwei Frauen wegen Vergewaltigung und von einer weiteren wegen wiederholter Körperverletzung verklagt worden war. Da sich die Ermittlungen über vier Jahre hinzogen, wurden die Vorwürfe 2019 fallengelassen.

Im Juni 2016 nahm Tate an der britischen Version der TV-Sendung Big Brother teil. Währenddessen wurden die Produzenten auf ein Video aufmerksam, das Tate zeigt, wie er eine Frau mit einem Gürtel schlägt. Noch schwerer allerdings wiegt ein geleaktes Video. Darin ist zu sehen, wie Tate offenbar eine Frau mit einem Gürtel schlägt.

Später erklärt der Kickboxer, er sei mit der Frau befreundet gewesen und die Handlungen seien im Einvernehmen geschehen. Wenig später taucht ein weiteres Video auf. In diesem ist Tate zu sehen, wie er einer Frau sagt, sie solle die Blutergüsse zählen, die er ihr anscheinend zugefügt hat. Sowohl Tate als auch die Frauen bestreiten jeglichen Missbrauch und verweisen auf einvernehmlichen Sex.

Nach nur sechs Folgen allerdings wird der Kickboxer aus der Show geworfen. Der Grund: Zahlreiche Tweets des Sportlers, die als homophob und rassistisch gewertet werden.

Allerdings fiel er auch immer wieder durch frauenfeindliche Aussagen äußerst negativ in den sozialen Medien auf. Zudem wurden ihm Gewalttaten gegen Frauen angelastet - die letztlich auch zu seiner Inhaftierung im Dezember 2022 in Rumänien führten.

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Aufstieg zum Internet-Phänomen

Die Karriere von Andrew Tate gilt angesichts dieser Skandale als beendet. Produktionsfirmen distanzieren sich von dem früheren Boxer, in den sozialen Netzwerken schlägt Tate ein enormer Gegenwind entgegen. Nicht trotz, sondern wegen seiner fragwürdigen Persönlichkeit gelingt es ihm, zahlreiche Anhänger um sich zu scharen.

Es ist die Methode Donald Trump, die Tate so erfolgreich macht: Hauptsache Provokation. Im selben Jahr erklärt Tate, dass Depressionen keine echte Krankheit seien, was massive Proteste auslöst.

Tate tritt bei „Infowars“ auf, der Plattform des rechtsextremen Verschwörungsideologen Alex Jones, was ihm in dessen Kreisen Anerkennung einbringt. Tate lässt sich mit dem rechtsextremen Youtuber Paul Joseph Watson ablichten - und auch ein Treffen mit Donald Trump jr. findet statt.

Geschäftsmodell und "Hustler's University"

Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere eröffnete er in Rumänien mehrere Casinos, mit denen er Schätzungen zufolge mehr als eine Million Euro im Jahr verdient. Zudem brachte er mehrere Online-Plattformen an den Start, die sein Vermögen wachsen ließen.

Tate zog im Jahr 2017 nach Rumänien und betreibt dort seitdem mehrere Casinos. Zudem eröffnete er die Online-Plattform Hustler’s University, über die zahlende Mitglieder Anleitungen von Andrew Tate erhalten, wie sie mittels Kryptowährungen, E-Commerce und auf andere Arten ihr Vermögen vergrößern.

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Er verspricht Männern, sie könnten mit Krypto-Investitionen und Dropshipping mehrere 10.000 Dollar im Monat verdienen. Ein weiteres Element, das Reichtum bringen soll: die Rekrutierung weiterer Mitglieder für die University. 48 Prozent Provision erhalten Teilnehmer für jede Person, die sie zur Mitgliedschaft bewegen.

Für den optimalen Erfolg rät Tate seinen Anhängern, besonders kontrovers in den sozialen Netzwerken zu posten, um die Möglichkeit zu erhöhen, Aufmerksamkeit zu erreichen. „Was ihr idealerweise wollt, ist eine Mischung aus 60-70 % Fans und 40-30 % Hassern. Du willst Streit, du willst Krieg“, heißt es in einem Leitfaden der „Hustler‘s University“.

Im August 2022 wurde die Webseite, die zu diesem Zeitpunkt mehr als 100.000 Abonnenten hatte, geschlossen, weil sich der zuständige Bezahldienst von der Seite distanzierte.

Toxische Männlichkeit und Einfluss auf junge Männer

Tate nutzt die sozialen Medien und verbindet sie mit alten, gewaltverherrlichenden Vorstellungen von Männlichkeit. Frauen sollten gehorsam sein wie Hunde, sagt Tate, dann könne er sich um sie kümmern. Aber sie sollten nicht seine Autos fahren, denn das könnten sie nicht, und seine Autos seien teuer. Und er sagt: Vergewaltigungsopfer müssten auch "Verantwortung für die Tat übernehmen". All das gehört zu seiner Inszenierung als fragwürdiges Vorbild für junge Männer.

Tates grundlose Misogynie und sein Narzissmus - "holt euch, was euch gehört" - scheinen für junge Männer verlockend zu sein. Auf der Videoplattform werden immer neue Ausschnitte von Podcastepisoden und Interviewshows veröffentlicht, in denen Tate zu Gast ist.

In den Clips macht sich Tate etwa über Männer lustig, die seiner Ansicht nach zu weich sind. Dazu gehört seiner Ansicht nach schon allein die Wahl des eigenen Haustiers: „Echte Männer haben Hunde“ - und eben keine Katzen, so Tate. Ein anderes Mal verhöhnt der Influencer Männer, die Leitungswasser statt Mineralwasser trinken.

Der Kern von Tates Aussagen ist aber vor allem eines: abgrundtiefe Frauenfeindlichkeit. In einem besonders häufig verbreiteten Video erklärt Tate, Frauen seien das Eigentum eines Mannes. Ähnliche Aussagen fallen auch in anderen Videos. Tates gesamte Ideologie ist darauf ausgerichtet, dass Männer das stärkere, wertvollere Geschlecht seien. Frauen hingegen seien dazu da, von Männern benutzt und ausgenutzt zu werden - nicht zuletzt, wenn es der eigenen Karriere diene. Mehrere Milliarden Mal werden die Clips angesehen.

Teenager lieben seinen Auftritt als Alphamann. Die Polizei ermittelt wegen Vergewaltigung und Menschenhandels.

Im australischen Bundesstaat Victoria sieht die Landesregierung der geballten Frauenfeinfeindlichkeit, die sich derzeit über „soziale Medien“ verbreitet, schon länger nicht mehr tatenlos zu: Bereits seit 2016 wird in Melbourne und Victoria das Curriculum „Respektvoller Umgang“ an 2000 staatlichen sowie 370 katholischen und unabhängigen Schulen unterrichtet, zu Jahresbeginn wurde es erweitert.

Verhaftung und Ermittlungen

Im Dezember 2022 wurden Tate, sein Bruder Tristan und zwei Frauen in ihrem Haus nahe Bukarest festgenommen. Ihnen wird Menschenhandel, Vergewaltigung und organisierte Kriminalität vorgeworfen. Sie sollen Frauen zur Prostitution gezwungen und mit ihnen gegen ihren Willen Pornofilme gedreht haben.

Seit Jahren laufen Ermittlungen gegen den früheren Kickboxer Andrew Tate. Nun hat ihn ein Gericht in Bukarest erneut unter Hausarrest gestellt.

Tate und dessen Bruder Tristan sollen Freundinnen als Webcam-Performerinnen engagiert haben, berichten britische Medien. Diese sollen dann gezielt Männer mit rührseligen aber unwahren Geschichten um ihr Geld gebracht haben. Einen Großteil der Einnahmen behielten er und sein Bruder, die Frauen sollen nur einen geringen Prozentsatz erhalten haben. Tate selbst bezeichnet das später stolz als „totalen Betrug“.

Verlust von Social-Media-Präsenz

Auf Instagram gingen ihm dabei rund 4,7 Millionen Follower verloren. Als Grund wurden Verstöße gegen die Richtlinien der Plattformen genannt, etwa in Form von Hassreden und falschen Informationen zu COVID-19. Zudem fiel Tate immer wieder durch frauenfeindliche Äußerungen auf.

Im selben Jahr allerdings bekommt Tates Karriere erstmals einen Knick. Gegenüber der BBC erklärt der Konzern, Tate habe mit seinen Inhalten gegen die Nutzungsbestimmungen verstoßen und sei darum gesperrt worden. Weitere Einzelheiten nannte der Konzern nicht.

Aktuelle Situation

Nach Monaten in Untersuchungshaft wurde Andrew Tate vergangenen Freitag aus einem rumänischen Gefängnis entlassen. Im Hausarrest wird er nun darauf warten, ob Anklage gegen ihn erhoben wird. Wegen sexueller Ausbeutung von Frauen, wegen Menschenhandels.

Mittlerweile hat der „schlimmste Influencer der Welt“ wieder ein bisschen mehr Reichweite. Tate gehört zu den Personen, die von Tech-Milliardär Elon Musk nach der Übernahme der Plattform X begnadigt wurden - er bekam seinen eigentlich gesperrten Account zurück. Dort teilt er seit jeher seine üblichen Inhalte ohne Einschränkungen.

Die Ermittlungen gegen Tate könnte aber auch diese Karriere wieder beenden. Statt bislang sieben haben die Ermittler inzwischen 34 Frauen identifiziert, die von den Tate-Brüdern zur Produktion pornografischer Inhalte gezwungen worden sein sollen. Unter den Opfern sei auch eine 15-Jährige gewesen, heißt es. Bei Hausdurchsuchungen haben die Ermittler 16 Luxusklasse-Autos beschlagnahmt und große Mengen Geld sichergestellt.