Chris Hero, besser bekannt als Kassius Ohno, ist eine bekannte Persönlichkeit in der Wrestling-Szene. Der 40-Jährige war viele Jahre lang ein Pfeiler der Independent-Szene in den USA.
Seine große Rivalität mit CM Punk in der ersten Hälfte der Nuller-Jahre trug nicht wenig dazu bei, den späteren WWE-Topstar als Phänomen zu etablieren. Auch gegen Bryan Danielson (Daniel Bryan) bestritt er mehrere vielgelobte Matches. Jahrelang war Hero zudem Partner von Cesaro (Claudio Castagnoli), mit dem er das populäre Tag Team "The Kings of Wrestling" bildete.
Hero war auch oft in der deutschen Szene aktiv, gewann zweimal das unter Fans mittlerweile weltbekannte 16 Carat Gold Tournament der Liga wXw.
Als Kassius Ohno war ihm bei WWE weniger Erfolg beschieden: Er stieg nie in eine der beiden Hauptshows auf, wurde auch bei NXT eher als Sprungbrett für kommende Stars eingesetzt, wie zuletzt in seiner Fehde gegen Matt Riddle.
Einige mögen sich vielleicht gefragt haben, warum Kassius Ohno, der frühere Chris Hero, nicht Teil der neuen Gruppierung geworden ist. Tatsächlich soll Ohno niemals im Gespräch gewesen sein, bereits jetzt zu debütieren.
Chris Hero: Ein Blick auf seine Karriere
Chris Hero ist ein ganz besonderes Schmuckstück der amerikanischen Indy-Szene. Auch wenn er es nie geschafft hat, mit wirklichem Erfolg in größeren Promotions wie WWE und TNA anzutreten, so hat er sich doch einen international sehr angesehenen Namen erarbeiten können.
In seiner Karriere als Independent-Wrestler hat er jeder wichtigeren Liga seinen unverkennbaren Stempel aufdrücken können, besonders in Europa sind seine Verdienste kaum zu hoch einzuschätzen. Vielleicht haben viele WWE-Fans nie von ihm gehört, ihn höchstens mal als Kassius Ohno bei NXT wahrgenommen, dennoch: Chris Hero ist eine echte Legende!
Hero startete im Jahr 1998 in einer Zeit ins Business, als die letzten traditionellen Territories die Segel strichen und ein moderneres Ligenkonzept die leeren Räume füllte, die WWF und WCW als Brosamen übrig ließen. In den neuen Indy-Promotions herrschte Aufbruchstimmung.
Viele nahmen sich die ECW als Vorbild und orientierten sich an den spektakulären Stilen Japans, Englands und Mexikos, die eine erfrischende Abwechslung zum festgefahrenen Mainstream-Produkt waren. Hero lernte in dieser Zeit unter amerikanischen Legenden wie Les Thatcher und Dory Funk Jr., Death Match-Ikone Ian Rotten dem Briten Dave Taylor und nicht zuletzt dem Luchador Skayde.
Ring of Honor ... Pro Wrestling Guerrilla ... CHIKARA ... Combat Zone Wrestling ... IWA Midsouth ... Hero war in allen Ligen aktiv und erfolgreich, von denen die meisten noch heute das Kernstück der Indy-Szene bilden.
In kleineren Promotions trat Hero zunächst unter dem Namen "Wifebeater" an, ein Slangausdruck für ärmellose Unterhemden, die damals zu seinem Ringoutfit gehörten. Nach Protesten von Frauenrechtlern änderte er seinen Namen in "Chris Hero", was seiner Karriere wohl nur förderlich sein konnte.
Sein Durchbruch gelang ihm im Jahr 2000 in Ian Rottens IWA Midsouth Promotion, in der die härtere Gangart sehr gefragt war. Er gewann dort das erste Sweet Science 16-Turnier, das später in "Ted Petty Invitational" umbenannt wurde, forderte Sabu um die NWA World Heavyweight Championship heraus und gewann im Jahr 2001 erstmals die IWA Midsouth Heavyweight Championship, die er insgesamt viermal halten sollte.
Es ist sehr schwierig von hier aus einfach chronologisch weiterzuerzählen, denn Heros Erfolge prasselten von nun an überall auf der Welt auf ihn nieder.
Chris Hero in Deutschland und Europa
Chris Hero gehört beispielsweise zu den Wrestlern, die nach dem Untergang der CWA zu den Gründervätern der neuen deutschen Wrestling-Szene zählten. Obwohl er selbst erst wenige Jahre im Business aktiv war, galt er doch schon im Jahr 2003 als hervorragender Trainer und "Wrestling-Versteher".
Er gab seine Kenntnisse unter anderem bei Auftritten für die IWW aus Hannover, die GWA aus Heidelberg und für die frühe wXw, die damals noch in Essen beheimatet war, an junge Talente weiter. Als angemessenen Lohn gewann er zu dieser Zeit auch den höchsten Titel der wXw. Heute wird davon ausgegangen, dass ohne Hero die deutsche Wrestling-Landschaft völlig anders aussehen würde. Natürlich hinterließ er auch in anderen europäischen Ländern ähnliche Spuren.
Zu seinen erfolgreichsten europäischen Schülern zählen die Schweizer Cesaro, Ares und Marc Roudin, die Italiener Kaio und Red Devil, die Niederländer Tommy End und Emil Sitoci, Adam Polak aus Polen und Absolute Andy aus Deutschland.
Tag Teams und Erfolge
Bei CHIKARA in Philadelphia bildete Hero ein Team mit Mike Quackenbush ... die berühmten "Super-Friends". Sein Verrat an Quack und die anschließende Fehde waren damals ein Highlight der jungen Lucha-Liga, doch wichtiger noch ist die daraus resultierende Geburt eines weiteren Teams, nämlich der Kings of Wrestling!
Hero hatte den jungen Schweizer Claudio Castagnoli a.k.a. Cesaro wahrscheinlich in Deutschland kennengelernt. Fortan bildeten sie mehrere Jahre lang das wohl wichtigste Tag Team der amerikanischen Independent-Szene. Im Jahr 2006 hielten sie gleichzeitig die Tag Team Titel von CHIKARA, Combat Zone Wrestling UND von Ring of Honor!
Zusätzlich war Hero damals auch noch CZW World Heavyweight Champion. Im Jahr 2010 gewannen die Kings of Wrestling den prestigereichen Tag Team of the Year-Award des Wrestling Observer Newsletters.
Zu Chris Heros weiteren Erfolgen zählen der Gewinn des Tag World Grand Prix 2006 bei CHIKARA, der zweifache Gewinn des 16 Carat Gold Turniers der wXw in den Jahren 2007 und 2014, der Sieg beim Survival of the Fittest-Turner von Ring of Honor im Jahr 2007, der Gewinn der World Heavyweight Championship von Pro Wrestling Guerrilla im Jahr 2008 und zuletzt der Gewinn der EVOLVE Championship im Jahr 2014. Auch seine Teilnahme an mehreren Touren von Pro Wrestling NOAH sollte dazugezählt werden, diese Ehre wird nicht jedem US Indy-Wrestler zuteil.
Kassius Ohno bei WWE/NXT
Auf Chris Heros Aufenthalt bei WWE will ich nicht lange eingehen. Als "Kassius Ohno" startete er furios, lieferte sich tolle Matches unter anderem auch mit seinem ständigen Begleiter Castagnoli, der sich nun Cesaro nannte. Den Sprung ins Main Roster schaffte er aus verschiedenen Gründen leider nicht, umso mehr freute sich die Indy-Szene, ihn wieder in ihren Main Events begrüßen zu können.
