Die Definition von Judo mit Worten

Judo ist eine japanische Kampfsportart, die von Prof. Jigoro Kano aus dem klassischen Jujutsu entwickelt wurde. Judo entstand in einer Epoche großer politischer und kultureller Umbrüche.

Während des Feudalismus wurden in Japan eine Vielzahl verschiedener Kampfkünste praktiziert. Bei den meisten war die Verwendung von Lanzen, Schwertern, Dolchen und anderen Waffen üblich.

Die Meister (Lehrer) dieser Kampfkünste waren Mitglieder der Samurai (eine Kriegerkaste). In dieser Zeit (1603-1886) entwickelte sich das Jujutsu zu einer komplexen Kampfkunst mit einer Vielzahl von Stilrichtungen.

Kano besuchte dort die Kaiserliche Universität. Während der Studienzeit begann Kano über die Möglichkeit nachzudenken, wie die Harmonie von Körper und Geist zu erreichen wäre.

Im Verlauf der nächsten Jahre lernte er Jujutsu bei verschiedenen Meistern, darunter auch Fukuda Hachinosuke und Iso Masatomo oder Ikubo Tsunetoshi. Er lernte dabei die verschiedenen Stile und Schwerpunkte der verschiedenen Meister kennen.

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Die einzelnen Jujutsu-Meister akzeptierten nur ihre eigene Meinung und verklärten die einzelnen Techniken mit blumigen Namen. Dadurch das Kano bei verschiedenen Meistern lernte, bemerkte er insbesondere die Unterschiede der verschiedenen Jujutsu-Stilrichtungen.

Kano musste oft entscheiden, welche Technik „richtig“ ist, da die Meister widersprüchliche Ansichten hatten. Um diesem Dilemma zu entrinnen, versuchte Kano das grundlegende Prinzip des Jujutsu zu entdecken.

Er wollte eine Prinzip finden, das sowohl bei den Wurftechniken als auch den Schlagtechniken gilt. Als allen Techniken zu Grunde liegendes Prinzip formulierte Kano: „den effizientesten Gebrauch der physischen und psychischen Energie“.

Kano untersuchte alle ihm bekannten Jujutsu-Techniken auf Einhaltung dieses Prinzips. Die Techniken, die nicht diesem Prinzip gehorchten verwarf er und ersetzte sie durch Techniken die ihm entsprachen.

Der Begriff Judo ist keine Erfindung von Kano, er wurde bereits in der Tokgawa-Epoche, eine der der vielen Jujutsu-Schulen nannte ihren Stil „Judo“. Kano wählte den Begriff Judo um diesen Stil von dem klassischen Jujutsu zu unterscheiden.

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Die Wörter jujutsu und judo werden beide mit zwei chinesischen Zeichen geschrieben. Das ju in beiden ist dasselbe und hat die Bedeutung „Sanftheit“ oder „nachgeben“. Die Bedeutung von jutsu ist „Kunst,Übung „, und do bedeutet „Prinzip“ oder „Weg“; der Weg als dem Leben zugrundeliegendes Konzept.

Jujutsu kann übersetzt werden als „die sanfte Kunst“ und Judo als „der sanfte Weg“, mit der Implikation erst nachzugeben, um schließlich den Sieg zu erringen. Das Kodokan ist, wörtlich, „die Schule um den Weg zu studieren“.

Judo ist mehr als eine Kunst des Angriffs und der Verteidigung. Dieses Grundprinzip erläutert Kano mit folgendem Beispiel:

Angenommen ein Mann mit der Stärke 10 steht vor mir, meine eigene Stärke hat den Wert 7. Wenn er mich so kräftig wie er kann stößt werde ich umfallen, egal wie stark ich dagegenhalte. Das ist das Gegenteil: Kraft gegen Kraft.

Gebe ich ihm den Weg (Platz) seinen Schlag auszuführen (weiche also aus), so wird er das Gleichgewicht verlieren während ich mein Gleichgewicht behalte. Geschwächt durch den Verlust den Gleichgewichts wird mein Gegner nicht mit seiner ganzen Kraft kämpfen können. Seine Stärke ist vielleicht auf 3 gefallen. Ich besitze immer noch eine Stärke von 7 und kann mich nun mit der Hälfte meiner Kraft verteidigen.

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Um einen Gegner zu werfen, ist also manchmal das Prinzip des Hebels wichtiger als das des Nachgebens.

Wenn wir Jujutsu als die Kunst oder die Übung der effizientesten Nutzung der psychischen und physischen Energie akzeptieren, können wir Judo als den Weg, das Prinzip dies zu Tun auf|fassen.

Von den Vertretern des klassischen Jujutsu wurde Kanos Kodokan immer wieder als „Intellektuellen-Schule“ angegriffen. Sie sprachen Kano jegliche Kompetenzen ab und entfachten wahre Schlammschlachten in der Presse.

Dazu ordnete Sie einen Entscheidungskampf zwischen den Schulen Kanos und der Totsuka Hikosuke (Kanos größtem Widersacher) an. Beide Schulen traten mit einer Mannschaft aus je 15 Kämpfern an.

In 30 Kämpfen gewannen Kanos Schüler und zwei Kämpfe endeten unentschieden. Hatten die Schüler Kanos verloren, wäre das Kodokan (und damit Judo) sicher verboten worden, da die Polizeiverwaltung als Norm eine besonders effektive Schule auswählen wollte (und alle anderen verbieten).

Der triumphierende Sieg des modernen Judos über das klassische Jujutsu führte dazu, da Judo sehr rasch bei der Polizei und Armee eingeführt wurde.

Zum klassischen Judo gehören neben den Wurftechniken (Nage-waza) und den fixierenden Techniken (Ich verwende den Ausdruck „fixierende Techniken“ für die Katame-waza, da er mir am geeignetsten erscheint. Der Begriff „Festhaltetechniken“ ist bereits als deutsche Bezeichnung der Osaekomi-waza üblich.) (Katame-waza) auch die Schlagtechniken (Atemi-waza).

Mit Katame-waza werden Techniken bezeichnet, mit denen der Gegner fixiert, bzw. kontrolliert wird. Dazu gehören die Haltegriffe (Osaekomi-waza), die Hebel (Kansetsu-waza) und die Würger (Shime-waza).

Ziel der Techniken der Atemi-waza ist es, den Gegner durch Angriffe mit der Faust, der Handkante, den Fingerspitzen, den Ellenbogen, den Knien, Fußballen, den Zehen, der Stirn oder des Hinterkopfes außer Gefecht zu setzen. Es handelt sich dabei um Selbstverteidigungstechniken.

Kano verfolgte mit dem Judo-Training hauptsächlich zwei Aspekte, die geistige und physische Entwicklung des Körpers sowie das Training von Angriff und Verteidigung.

Randori bedeutet freie Übungform. Die Partner verhalten sich wie in einem Wettkampf. Sie dürfen werfen, hebeln, würgen und festhalten, aber nicht treten oder schlagen.

Kata ist eine formale Übung. Es handelt sich um ein System von vorgegebenen Bewegungsabläufen, um die Grundlagen des Angriffs und der Verteidigung zu lernen.

Die Kata sind in den meisten westlichen Ländern nicht so beliebt und werden oft nur im Zusammenhang der Dan-Prüfungen trainiert. Die Kata ist aber ein fester (und wichtiger) Bestandteil des klassischen Judo.

Zusätzlich zu den Techniken der Nage-waza und der Katame-waza beinhaltet die Kata auch Schläge, Stiche, Tritte und eine Vielzahl anderer Techniken und Angriffe.

Die Techniken der Atemi-waza werden nur in der Kata trainiert, da durch die Vorgaben jeder Partner weis was der andere machen wird, kann dies ohne Verletzungsrisiko geschehen.

Rhetorisches Judo

Viele haben es selbst schon erlebt: Sie werden in einer Diskussion mit unfairen Mitteln angegriffen. Statt solche Situationen wehrlos hinzunehmen oder es dem Gegenüber mit gleicher Münze heimzuzahlen, können Sie wie die Judoka agieren: Judo ist eine Kampfkunst zur Selbstverteidigung durch überraschendes Verhalten und geschicktes, intelligentes sowie flexibles Kontern.

Eine Eskalation kostet Kraft sowie Nerven und ist riskant, schließlich kann eine solche Episode ein Verhältnis langfristig vergiften. Zudem kennen Sie oft die Gründe eines Angriffs nicht. Evtl. Wenn Sie mit aggressiven Äußerungen konfrontiert werden, sollten Sie daher dem Impuls widerstehen, zurückzuschlagen, um eine verbale Prügelei zu vermeiden.

Die Judoka nutzen die Angriffsenergie der Gegenseite, um diese zu kontrollieren und zu neutralisieren. Beim rhetorischen Judo ersetzen Argumente die Abwehrbewegungen.

Die rhetorischen Angriffe werden durch geschickte Gegenargumente abgewehrt und das Gegenüber (also das Gesprächsgegenüber) wird in der Argumentation irritiert.

Bevor Sie jedoch einen rhetorischen Angriff abwehren können, müssen Sie ihn als solchen erkannt haben. Ein Hinweis dafür, dass Sie jemand angreift, ist, dass Sie sich emotional angegriffen fühlen und sofort zurückschlagen wollen.

Oft läuft dann ein unbewusster Mechanismus ab, der in einem rhetorischen Schlagabtausch gipfelt.

Beispiele für rhetorische Angriffe:

  • Spott äußert sich in verächtlichen Bemerkungen, die darauf abzielen, das Gegenüber lächerlich zu machen oder zu erniedrigen, z.B.
  • Abwertende Kommentare dienen der Herabsetzung, indem sie dem Gegenüber Integrität oder Kompetenz absprechen, wie z.B.
  • Persönliche Angriffe bestehen aus beleidigenden oder abwertenden Kommentaren, die dazu dienen, die Persönlichkeit des Gegenübers zu diskreditieren oder zu demütigen. Insbesondere durch Kommentare über das Aussehen, die Kleidung oder die Persönlichkeit des Gegenübers.
  • Arrogantes Verhalten zeigt sich in überheblichen oder selbstgefälligen Äußerungen, die oft ein Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen zum Ausdruck bringen. Diese Äußerungen können herablassend, respektlos und beleidigend sein und zielen darauf ab, die andere Person herabzusetzen oder zu demütigen. Beispiel: "Warum verstehst du das nicht?
  • Diffamierung ist das Verbreiten falscher oder beleidigender Gerüchte oder Behauptungen, um jemanden vor anderen (oder hinter dessen Rücken) in einem schlechten Licht darzustellen oder dessen Ruf zu schädigen.
  • Verhöhnung von Schwächen oder Fehlern: Betonung von Fehlern, Schwächen oder negativen Eigenschaften, um die andere Person zu demütigen oder zu verletzen, z.B.

Wenn Sie mit solchen Äußerungen konfrontiert werden, sollten Sie dem Impuls widerstehen, zurückzuschlagen, um eine verbale Prügelei zu vermeiden. Der erste Schritt dabei ist, dass Sie das Spiel erkennen und stoppen.

Signalisieren Sie Ihrem Gesprächsgegenüber, dass Sie bereit sind, sich zu verteidigen, z.B. so:

  • Straffen Sie Ihre Haltung und wenden Sie sich Ihrem Gegenüber zu.
  • Nehmen Sie Blickkontakt auf und halten Sie diesen selbstbewusst.

Alle Techniken beruhen auf dem gleichen Prinzip: Sie lassen den rhetorischen Angriff ins Leere laufen oder drehen ihn so um, dass seine Wirkung verpufft.

Techniken des rhetorischen Judo

  • Schweigen: Bei dieser Technik vermeiden Sie es bewusst und demonstrativ, die Äußerung mit einer Antwort zu würdigen. Demonstrieren Sie durch eine aufrechte Körperhaltung, dass Sie nicht verlegen sind. Falls Sie den Impuls zu reagieren verspüren, unterdrücken Sie diesen und schweigen Sie. Dann widmen Sie Ihre Aufmerksamkeit anderen Themen. Sie können Ihr Schweigen durch Mimik und Gestik aktiv gestalten. Wie z.B. durch ein erstauntes oder trauriges Gesicht, durch Kopfschütteln oder völlig neutral ohne jede Regung. Auf die Bemerkung: "Du machst immer Fehler, das ist lächerlich" schweigen Sie und machen ein erstauntes Gesicht. Anschließend nehmen Sie Ihren Gesprächsfaden wieder auf.
  • Zweisilbige Kommentare: Statt zu schweigen, kommentieren Sie den Angriff. Der bewährteste zweisilbige Kommentar ist: "Ach was!" Diesen sollten Sie bewusst und aus vollem Herzen machen. Auf die Bemerkung "Du bist unfähig, diese Aufgabe zu erledigen" antworten Sie mit einem ironischen "Ach was!" und gehen zu Ihrem Thema über.
  • Entgiftende Gegenfragen: Greifen Sie das Wort auf, das Sie besonders getroffen hat, indem Sie nachfragen, was dieses Wort bedeutet, oder fragen Sie nach, was die gesamte Aussage bedeuten soll.
  • Ironische Komplimente: Mit dieser Technik verstärken Sie die Energie des Angriffs. Bildlich gesprochen rennt die gegnerische Person auf Sie zu, und Sie geben ihr zusätzlich noch einen Schubs. Rhetorisch verstärken Sie das Argument Ihres Gesprächsgegenübers. Auf den Angriff "Warum verstehst du das nicht?
  • Umleitungen: Bei einer Umleitung antworten Sie Ihrem Gegenüber, ignorieren aber dessen Äußerung und wechseln das Thema. Die Äußerung "Man sagt ja von dir, dass du nie fleißig warst" kann folgendermaßen umgeleitet werden: "Oh, wo Sie das gerade ansprechen, fällt mir ein …" und dann leiten Sie zu einem anderen Thema über.
  • Unpassende Sprichworte: Hier antworten Sie mit einem Sprichwort, das zunächst vernünftig klingen mag, aber nichts mit dem Thema zu tun hat, mit dem Sie angegriffen wurden. Ihr Gegenüber sucht erfolglos nach einer logischen Erklärung, was es aus seinem Konzept bringt. Dann können Sie das Gespräch in Ihrem Sinne fortsetzen.

Es geht hier darum, den Angriff möglichst effizient abzuwehren, um das Gespräch sachlich fortsetzen zu können. Ergreifen Sie bei Ihrem Gegenangriff bestimmt das Wort und signalisieren Sie Dominanz durch eine aufrechte Körperhaltung und einen festen Blick.

Lassen Sie sich jedoch nicht provozieren und schlagen Sie nicht unterhalb der Gürtellinie zurück. Falls Ihr Gegenüber Ihr Angebot zur Deeskalation ignoriert und Sie weiter provoziert, bleiben Sie dennoch ruhig und behalten Sie Ihre offene Körperhaltung bei.

Sollte das rhetorische Judo nicht helfen, können Sie auf die Metaebene wechseln. Schildern Sie, wie die Bemerkung auf Sie gewirkt hat. Beispiel: "Deine Bemerkung hat mich getroffen.

Wichtiger als eine Vielzahl von Techniken zu kennen, ist die Fähigkeit, spontan auf unfaire Äußerungen zu reagieren. Selbst wenn Ihnen im Nachhinein einfällt, dass Ihr Gegenangriff nicht optimal war: Die Hauptsache ist, dass Sie gekontert haben - Schnelligkeit ist wichtiger als Perfektion.

Aber nutzen Sie dies auch als Chance, sich auf einen nächsten Angriff vorzubereiten, indem Sie überlegen, wie Sie sich besser hätten wehren können. Hier ist Ihre Kreativität gefragt.

Kontern Sie auch Angriffe gegen Ihre Kolleg:innen. Dadurch trainieren Sie Ihre Fähigkeit, gute Gegenstrategien zu entwickeln, und verbessern nebenbei Ihr internes Standing.