World Wrestling Entertainment (WWE) begeistert Millionen von Fans weltweit. Doch wer steckt hinter dieser Sport-Show? Wer legt fest, wer gewinnt? Ist Wrestling Sport oder Show, echt oder „Fake“?
Im Grunde wissen die meisten die Antwort: Die Wrestler von WWE liefern sich keine sportlichen Wettkämpfe im eigentlichen Sinne, sondern eine abgesprochene Show zur Unterhaltung der Fans. WWE nennt es "Sports Entertainment". Nicht der beste Kämpfer wird gesucht und mit Titeln belohnt, sondern der beste athletische Entertainer.
Wie funktioniert das WWE-Imperium?
Aber wie funktioniert das weltgrößte Showkampf-Unternehmen genau? Wer steckt hinter den wöchentlichen TV-Shows RAW und SmackDown, den Großveranstaltungen wie WrestleMania und den Touren durch die ganze Welt?
Die Geschichte von WWE
Im Jahr 1963 wurde WWE als eigenständige Liga gegründet. Schon 1933 hatte Jess McMahon Shows im amerikanischen Nordosten veranstaltet. Dreißig Jahre später löste sein Sohn Vince McMahon Sr. (1914-1984) die Promotion, die ursprünglich Capitol Wrestling Federation hieß, zwischenzeitlich aus dem Wrestling-Dachverband NWA und gab ihr einen neuen Namen: World Wide Wrestling Federation, WWWF. Später wurde daraus die WWF (World Wrestling Federation), dann WWE (World Wrestling Entertainment).
Anfang der Achtziger übernahm Vince McMahon, der Jüngere (geboren am 24. August 1945): Er formte die zunächst nur regional aktive Wrestling-Liga zu einem globalen Unternehmen, dessen Vorstandschef er bis zu seinem Aufsehen erregenden Sturz im Sommer 2022 war.
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Die neue Führungsriege
Über Jahrzehnte hinweg liefen bei WWE alle Fäden bei Vince McMahon zusammen, seit seinem Aus ist die Macht auf mehrere Schultern verteilt. Nachfolgerin als „Chairwoman“ und CEO des Unternehmens ist Vinces Tochter Stephanie McMahon. Co-CEO an ihrer Seite ist der frühere Sportmedien-Agent Nick Khan, vorher zwei Jahre lang Präsident und Finanzchef - und der Mann hinter den milliardenschweren TV- und Streamingdeals der Liga.
Allerdings hat ein anderer von McMahon das letzte Wort über das WWE-Programm geerbt: „Triple H“ Paul Levesque, Stephanies Ehemann, trifft als Verantwortlicher für den Kreativ- und Talentbereich alle Schlüsselentscheidungen zum Thema Kader, Gestaltung der Shows, Ausgang der Matches, Auswahl der Titelträger.
Wer bestimmt die Sieger der Matches?
Die aller wichtigsten Matches: Triple H. Für die Vorarbeit hat er wie vorher McMahon einen großen Mitarbeiterstab. Die Storys, die bei WWE im und um den Ring erzählt werden, denken sich - in Einklang mit den Richtlinien, die die Chefetage vorgibt - die für RAW, SmackDown und Co. zugeteilten Kreativteams aus. Die Autoren sind oft Seiteneinsteiger aus Hollywood, Schauspieler Freddie Prinze Jr. zum Beispiel war auch einmal WWE-Schreiber.
Für jede größere Show wird ein Skript verfasst, das einem klassischen TV-Drehbuch gleicht: Es legt die Matches und ihre Ausgänge fest, dazu Anordnung und Verlauf von Interviews, Promo-Segmenten und Prügeleien. Verdiente WWE-Stars dürfen sich auch selbst in das Schreiben ihrer Storys einbringen, unter Triple H dürften die Freiheiten größer sein.
Die Rolle der Producer
Für die Durchführung der Matches und anderer Segmente im Ring sind so genannte Producer zuständig, früher Road Agents genannt. Es sind Ex-Wrestler wie Jamie Noble, „Hurricane“ Shane Helms und Molly Holly, die Bindeglied zwischen Autoren und Aktiven sind. Wie stark ein Kampf durchchoreographiert wird, hängt von der Wichtigkeit des Kampfes und der Erfahrung der Beteiligten ab. Verlässliche Routiniers bekommen oft nur die Grundzüge vorgegeben.
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„Es werden von uns Wrestlern viel mehr spontane, kreative Elemente in die Kämpfe eingebaut, als es die meisten vermuten“, erklärte der mittlerweile zu Konkurrent AEW gewechselte Claudio Castagnoli (Cesaro) einmal in einem Interview bei SPORT1.
Warum wurde die WWF zu WWE?
Die Abkürzung von WWWF zu WWF brachte die Liga in Konflikt mit der Naturschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF). Eine Weile konnte er noch beigelegt werden, weil die WWF dem WWF zusicherte, sich nicht über das Kürzel, sondern über die ausgeschriebene Variante zu verkaufen.
Die Popularität von Wrestling
Populär wurde das Wrestling-Geschehen vor allem Ende der 80er/Anfang der 90er-Jahre. Auch in Deutschland konnten Charaktere wie der Undertaker, Doink, Bam Bam Bigelow und weitere Legenden begeistern. Im aktuellen Jahrzehnt ist das Wrestling in der führenden Liga WWE etwas seriöser. Comic-ähnliche Figuren treten kaum noch im Ring auf, stattdessen sind reale Sportler in normalen Outfits zu sehen.
Wrestling: Mehr als nur Show
Die Inszenierung und die Charaktere
Geht es allein um die Ergebnisse und Match-Ausgänge, ist Wrestling eine reine Show. Die Stars steigen meistens nicht unter ihrem echten Namen in den Ring. Auch charakterlich nehmen sie nur eine Rolle („Gimmick“) ein, die sich im Laufe der Karriere ändern kann. So kann ein Kämpfer zunächst auf der „guten“ Seite stehen. Dann wird er als „Face“ bezeichnet. Wie im echten Leben können sich Einstellungen aber ändern. Greift ein Akteur auf unfaire Mittel zurück oder verhält er sich anderweitig problematisch, wird er zum „Heel“, der von den Fans ausgebuht werden soll.
Ablauf und Choreografie im Ring
Das Vorgehen im Ring, die Moves und die Resultate sind vorher abgesprochen. Die Aktionen wie Schläge werden nicht wirklich durchgezogen. Es geht im Ring also nicht zu wie etwa bei einer Kneipenschlägerei. Es ist auch kein Kampf wie bei „Mixed Martial Arts“-Events (MMA), etwa in der UFC. Die Schläge, Tritte und anderen Moves werden so ausgeführt, dass sie möglichst echt wirken, den Kontrahenten aber nicht verletzen sollen. Im Vordergrund steht nicht, den Gegner K.o. zu prügeln, sondern eine unterhaltsame Show zu liefern.
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In der WWE wird der Ausdruck „Wrestling“ (Deutsch: Ringen) als Sportart vermieden. Die Akteure sind auch offiziell keine „Wrestler“, sondern „Superstars“. Man verkauft sich nicht als Wettkampfsport, sondern als „Sports Entertainment“ (Sport-Unterhaltung).
Storylines und Dramaturgie
Die Matches sollen keine realen Auseinandersetzungen zeigen, sondern unterhalten. Eingerahmt sind die Kämpfe in verschiedene Geschichten, die Storylines. Die Kämpfe entwickeln sich also aus verschiedenen geschauspielten Ereignissen im Vorfeld. Gerade bei den WWE-Shows Raw und Smackdown nimmt das tatsächliche Geschehen im Ring nur einen kleinen Teil der Sendungen ein. Rund um die Matches gibt es verschiedene Interviews, Promos und Video-Clips, die die Vorgeschichte zu Matches oder andere Storys rund um die Superstars erzählen.
Man kann sich das „Sports Entertainment“ als Art Action-„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ vorstellen, bei denen Konflikte und Streitereien zwischen einzelnen Leuten oder Gruppen („Stables“) im Ring ausgetragen werden. Die Ergebnisse werden meist von einer Person bestimmt. Im Fall der WWE ist es Triple H oder der ehemalige Eigentümer Vince McMahon, bei der AEW ist es der Business-Man Tony Khan, der sich als reicher Fan seine eigene Liga aufgebaut hat. Diese geben vor allem die Richtung vor. Die Storys selbst werden von Autoren geschrieben, die die Superstars dann umsetzen sollen. Die Matches werden von „Producern“ (auch „Road Agents“ genannt) konzipiert.
Dabei handelt es sich oft um ehemalige Wrestler mit viel Erfahrung im Ring. Je bekannter ein Superstar ist, umso mehr kann er Einfluss auf seine Entwicklung nehmen und eigene Storys entwickeln. Je nach Erfahrung werden die Match-Aktionen mehr oder weniger konkret vorgegeben. Routinierte Akteure handeln häufiger spontan, während Neulinge stärker nach einer Choreographie arbeiten.
Die physische Seite des Wrestlings
Es reicht nicht, ein guter Schauspieler zu sein. Die Aktionen erfordern einen ausgezeichneten Fitness-Zustand, eine Top-Form, ein taktisches Verständnis und viel Leidensfähigkeit. Nicht umsonst gibt es vor jeder WWE-Show die Einblendung, gezeigte Aktionen nicht nachzumachen („Don't try this at home“).
Obwohl Schläge nicht durchgezogen werden, gibt es viele schmerzhafte und spektakuläre Stunt-Einlagen im Ring. Verletzungen sind manchmal nicht vermeiden, werden aber zu keinem Zeitpunkt von Gegnern bewusst provoziert. Im Sommer 2022 ist zum Beispiel der ehemalige Champion „Big E“ außerhalb des Rings nach einer Aktion unglücklich gelandet. Er zog sich eine schwere Nackenverletzung zu. Ob er jemals wieder in den Ring steigen kann, ist ungewiss.
Wrestling ist trotz des vorab feststehenden Ergebnisses für die Wrestler zu einem nicht unerheblichen Anteil Vollkontakt, gespickt mit Stunts, die auch bei korrekter Ausführung gefährlich für den Körper sind, vor allem auf Dauer, und wenn was daneben geht erst recht. Wrestler liefern mehrfach pro Woche höchste athletische Leistungen ab, arbeiten auch bei kleineren Verletzungen weiter als High-Performer, haben zudem einen lächerlich hohen Reisestress Und trainieren trotzdem täglich, selbstverständlich ohne die Familie zu sehen wenn man über 300 Tage im Jahr arbeitet.
Blut im Ring: Inszenierung oder Realität?
Manchmal bluten die Superstars im Ring. Ist das an der Stirn der Fall, ist die Blutung meistens per „Blading“ selbst zugefügt. Das soll Matches dann realer und brutaler wirken lassen. Die WWE hat vor allem Ende der Neunziger Jahre auf solche Mittel zurückgegriffen, vermeidet das aber inzwischen, um einerseits die Sportler zu schützen und andererseits seine Familien-freundliche Ausrichtung zu behalten. In der AEW ist hingegen regelmäßig Blut im Ring zu sehen.
Als im Hauptkampf von Wrestlemania im April Brock Lesnar kurz vor Schluss am Kopf blutete, passte dies einfach perfekt in die Dramaturgie. Daher kann angenommen werden, dass diese Platzwunde absichtlich herbeigeführt wurde.
Oft werden dabei Rasierklingen verwendet, mit der ein Wrestler sich leicht am Kopf ratzt, während er mit dem Kopf nach unten auf dem Boden liegt. Entweder steht er dann blutend wieder auf oder die Wunde öffnet sich beim nächsten härteren Kontakt.
Doch es gibt auch unbeabsichtigte Platzwunden, wenn ein Schlag oder eine Aktion mal daneben geht.
Der Ring: Mehr als nur eine Bühne
Viele fragen sich, aus welchem Material der Ring eigentlich besteht. Vergangene Nacht zeigte Brock Lesnar, aus welchem Holz die Spielwiese der Wrestler gemacht ist. Genau - Holz! Unter einer fünf Zentimeter dicken weichen Matte befindet sich tatsächlich hartes Holz. Daher ist ein Sturz auf die Matte garantiert kein Zuckerschlecken.
WWE im TV und live erleben
In Deutschland läuft die wichtigste TV-Show „RAW“ jeden Donnerstagabend ab 22.15 Uhr auf Tele 5. Die Show „Smackdown“ strahlt ProSieben Maxx jeden Freitag um 22 Uhr aus. Einmal im Monat veranstaltet die WWE eine meist dreistündige Großveranstaltung. Diese wird auf dem WWE Network übertragen.
Zweimal im Jahr tourt die WWE mit ihren Superstars auch durch Deutschland. Im November ist es wieder soweit.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
| Fakt | Information |
|---|---|
| Gründung WWE | 1963 (als eigenständige Liga) |
| Frühere Namen | Capitol Wrestling Federation, WWWF, WWF |
| Entscheidung über Matchausgänge | "Triple H" Paul Levesque |
| Material des Rings | Holz unter einer weichen Matte |
