Die asymmetrischen Kriege der Gegenwart werden mit hochqualifizierten Einzelkämpfern geführt. Auch die Bundeswehr verfügt über renommierte Ausbildungsstätten. Ihre Tradition geht auf Preußen zurück.
Die Einzelkämpferausbildung im Wandel
Die Lehrgänge für Einzelkämpfer haben den Sauwaldhof zu einem weltweiten Renommee verholfen. Hier werden die Elitetruppen gedrillt, mit denen die Bundeswehr mittlerweile auf drei Kontinenten im Einsatz ist. Anzumerken ist allerdings, dass die Einzelkämpferausbildung des Heeres seit 2014 wieder in der Infanterieschule Hammelburg stattfindet.
Beide Beiträge bieten Einblicke in die dramatischen Veränderungen, denen sich die Armeen der Industrienationen seit Ende des Kalten Krieges zu stellen haben. Nicht mehr ihresgleichen müssen sie auf den Schlachtfeldern erwarten, sondern die Kämpfer „asymmetrischer Kriege“: Guerillas in unzugänglichen Gebieten auf der ganzen Welt. Da helfen keine Panzerdivisionen mehr, sondern nur noch gut ausgebildete Fußsoldaten.
Seit aber mit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht die Politik die Konsequenz aus den veränderten Einsatzbedingungen der Bundeswehr gezogen hat, kommt der Ausbildung der neuen militärischen Elite entscheidende Bedeutung zu.
Inhalte und Ziele der Ausbildung
In dreiwöchigen Lehrgängen lernen die Teilnehmer - Offiziere und Unteroffiziere - an ihre Grenzen zu gehen. Autosuggestive Mantras wie „Lächeln, ich bin froh, dass ich hier bin“ erinnern an eine Gehirnwäsche, die es ermöglicht, immer und immer wieder die Grenzen des eigenen Körpers zu erleben. In Hitze, Schlamm, Flüssen, mit 40 Kilogramm Gepäck und womöglich einem verwundeten Kameraden auf dem Rücken muss dennoch die Waffenhaltung stets ordentlich sein.
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Fingierte Überfälle simulieren die Wirklichkeit des Krieges in Afghanistan und anderswo. Verordnete Schlaflosigkeit trainiert für eine Situation, in der die Soldaten nicht mehr Lehrgangsteilnehmer, sondern militärische Führer sind, von deren Können Leben und Erfolg von vielen Untergebenen abhängt.
Denn die körperliche Fitness ist kein Selbstzweck oder dient einzig der Erzeugung von Kampfmaschinen. Es geht darum, Menschen zu befähigen, an der körperlichen Leistungsgrenze zu führen und geführt zu werden. Das verantwortliche Führen lernen die Lehrgangsteilnehmer einmal mehr bei den 70-Kilometer-Märschen: Keiner darf verloren gehen. Jede Gruppe ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
Tradition und Auftragstaktik
Damit setzt der Sauwaldhof eine Tradition fort, die in den preußisch-deutschen Armeen seit den Kriegen gegen Napoleon I. entwickelt wurde: die Auftragstaktik. Danach ist es militärischen Führern auch auf der unteren Ebene in einem sehr weiten Rahmen freigestellt, wie sie ihren Auftrag ausführen. Anders als die Befehlstaktik, wie sie etwa in der russischen Armee üblich und nach der die eigenständige Veränderung von Anweisungen nicht vorgesehen ist, verlangt die Auftragstaktik die Fähigkeit auch untergeordneter Offiziere und Unteroffiziere, ihre Leute selbstständig und mit der „der ganzen geistigen und körperlichen Kraft“ anzuleiten, wie es der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld formuliert hat.
Nicht umsonst handelt es sich bei den Kandidaten für den „Schinderorden“ des Sauwaldhofs um Führer kleinerer Einheiten, die das Rückgrat des deutschen Engagements in Afghanistan stellen. Das gilt auch für die Fallschirmjäger, die in der Luftlande- und Lufttransportschule in Altenstadt ausgebildet werden. Im Gegensatz zum Absprung mit dem automatisch sich öffnenden Fallschirm sollen sie den freien Sprung mit anschließendem Gleiten lernen.
Mit dieser Methode können Einzelkämpfer unbemerkt in gegnerisches Gebiet eindringen, Nachschub transportieren oder per Tandemsprung Agenten absetzen. 50 Sprünge sind nötig, um zu lernen, wie man in der Nacht aus einer Höhe von 4000 Metern mit bis zu 80 Kilogramm Gepäck abspringt, um über 45 Minuten hinweg ein Ziel in mehr als zehn Kilometern Entfernung anzusteuern. Wird dabei der Schirm nur wenige Sekunden zu spät geöffnet, kann das zu einer Verzögerung von mehreren Stunden führen, bis sich die Truppe am Boden gesammelt haben wird.
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Die einzigen Hilfsmittel, die den Fallschirmjägern dabei zur Verfügung stehen, sind Kompass, Karte und ein Funkgerät. Am Ende schließen alle zwölf Teilnehmer den Lehrgang mit Erfolg ab.
Ein Oberst, der die Abschlusszeugnisse verteilt, formuliert die Aufgabe der Männer so: Sie wurden in die Lage versetzt, die Interessen Deutschlands, aber auch die übergeordneten Interessen der Weltgemeinschaft wahrzunehmen.
Herausforderungen und Konsequenzen
Zehn Kilogramm Gepäck, mehr als drei Kilometer im Laufschritt und mehr als 30 Grad Celsius - bei diesem Marsch brachen vier Bundeswehrsoldaten zusammen. Gegen eine Geldauflage von 2400 Euro ist der Prozess gegen einen Ausbilder der Bundeswehr wegen fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen nun eingestellt worden.
Der 41 Jahre alte Hauptfeldwebel hat am Dienstag ein entsprechendes Angebot des Amtsgerichts Bad Kissingen angenommen. Dem Mitarbeiter des Bundeswehr-Ausbildungszentrums im fränkischen Hammelburg war vorgeworfen worden, im September 2016 während eines anstrengenden Marsches bei großer Hitze nicht ausreichend auf den gesundheitlichen Zustand der Kursteilnehmer geachtet zu haben. Vier der insgesamt 30 Soldaten brachen nach dem Marsch zusammen und mussten teils lange auf Intensivstationen behandelt werden.
Der anstrengende Marsch bei Temperaturen von mehr als 30 Grad war Teil eines Eingangstests für einen Einzelkämpferlehrgang. Das ist eine Ausbildung, die in der Regel von besonders sportlichen angehenden Elitesoldaten absolviert wird. Die Männer hatten zehn Kilogramm Gepäck auf den Schultern.
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Deutsche Unterstützung für mongolische Gebirgsjäger
Seit 2019 fliegen deutsche Gebirgsjäger jährlich in die über 6.500 Kilometer entfernte mongolische Hauptstadt Ulaanbaatar. Der Grund: Das Deutsche Heer unterstützt den Aufbau einer Gebirgsjägertruppe für die Mongolei. Die mongolischen Streitkräfte sind schon lange ein gewachsener und zuverlässiger Partner der Bundeswehr.
Bei den gemeinsamen Ausbildungen lernten die Mongolen die Fähigkeiten der deutschen Gebirgsjäger kennen und schon bald entstand der Wunsch nach einer eigenen Gebirgsjägertruppe.
Insbesondere die taktische Gebirgsausbildung durch die Heeresbergführer in den mongolischen Gebirgen und die Verfahren zum alpinen Bergsteigen bringen unseren Soldaten unglaublich viel. Das war für uns alles komplett neu. Deswegen bin ich sehr dankbar für die deutsche Unterstützung.
Bei der Ausbildungsunterstützung erlernen Kameraden der mongolischen Streitkräfte deutsche Einsatzgrundsätze des Jagdkampfes.
Insgesamt sechs Module, jedes Jahr ein Modul, durchlaufen die etwa 70 mongolischen Kameradinnen und Kameraden von 2019 bis 2024, maßgeschneidert nach deutschem Gebirgsfähigkeitsprofil.
Der Kontingentführer und deutsche Ausbildungsleiter, Oberstleutnant Johannes Schwegler, erklärt die Grundidee der Mission im Land des blauen Himmels: „Die modulare Gebirgsjägerausbildung ist ein aufeinander aufbauendes, sich fortentwickelndes und angepasstes Spezialtraining von alpinen Verfahrensweisen sowie gebirgsspezifischen Gefechtstechniken und Taktiken. Ziel dabei ist es, die Kameraden, die den Ausbildungsstand für ein Mittelgebirge haben, für das Hochgebirge fit zu machen.“
Die Ausbildung selbst erfolgt bis dato an zwei Standorten in unmittelbarer Nähe zur mongolischen Hauptstadt und wird gestemmt von knapp 50 deutschen Soldatinnen und Soldaten. Die Schieß- und Gefechtsausbildung wurde in das Peace Support Operation Training Center (PSOTC) gelegt, circa 40 Kilometer westlich von Ulaanbaatar. Das klassische alpine Gebirgstraining läuft im Terelj-Nationalpark, östlich der Hauptstadt.
„Die Rahmenbedingungen und natürlichen Gegebenheiten könnten für die Ausbildungsinhalte an beiden Stationen nicht besser sein“, berichtet der Kommandeur des mongolischen Gebirgsjägerbataillons 331, Oberstleutnant Khorolgarav Zoljargal. Die Soldatinnen und Soldaten seines Verbandes bilden nahezu 100 Prozent der Ausbildungsgruppe. Ihre Teilnahme ist unabdingbar, denn sie sind das zukünftige Rückgrat der mongolischen Gebirgsjägertruppe.
In diesem Jahr läuft bereits das vierte Modul an. Das heißt: sechs Wochen hochintensive Ausbildung im Jagd- und Gebirgskampf. Dafür werden die mongolischen Kameraden in zwei Ausbildungsgruppen unterteilt und jeweils drei Wochen am PSOTC (Gefechtsausbildung) und drei Wochen im Terelj-Gebirge (Gebirgsausbildung) trainiert.
In der Steppe westlich Ulaanbaatars lernen die jungen Gebirgsjäger die Grundlagen des Jagdkampfes und werden durch erfahrene Ausbilder in den Einsatzgrundsätzen Handstreich, Hinterhalt und Versteckaufbau geschult. Das Erlernte gilt es dann, am Ende der drei Wochen, in einer großen Abschlussübung anzuwenden.
„Kommuniziert wird mithilfe von Sprachmittlern. Dafür haben die mongolischen Streitkräfte uns insgesamt sieben Kameraden zur Verfügung gestellt, die alle selbst in Deutschland an der Offizierausbildung teilgenommen haben“, erklärt Kontingentführer Schwegler.
Im Terelj-Nationalpark läuft es ähnlich wie im Training Center. Unter Führung des Hochgebirgsjägerzuges aus Mittenwald verfestigen die Mongolen innerhalb von 21 Tagen alpine Techniken und Grundsätze militärischer Operationen im Gebirge. In diesem Jahr neu hinzukommen sind die planmäßige Bergrettung und das Arbeiten mit der Faserseilwinde.
Knapp 15 militärische Führer verbleiben jedoch durchgängig im Terelj-Nationalpark. Sie erhalten ein gesondertes Sechs-Wochen-Training im militärischen Bergsteigen und Gebirgskampf. Dabei ist das Ausbildungsniveau weit höher als bei vergleichsmäßigen Lehrgängen in Deutschland. Das ist auch nötig, denn diese Kameraden sollen später die eigene Gebirgsausbildung im Heimatstandort im Westen des Landes übernehmen.
„Die mongolischen Kameraden sind hoch motiviert, arbeiten außerordentlich gut mit und sind vom Mindset her sehr professionell. Das ist schon beeindruckend und macht Freude auf mehr“, berichtet Stabsfeldwebel Sebastian Sachse. Er ist der Ausbildungsleiter des Hochgebirgsjägerzuges im Terelj-Nationalpark.
Die ausgebildeten Kameraden jedenfalls sind begeistert von den deutschen Gebirgsjägern. „Wir sind froh, von dieser großen Erfahrung und Expertise profitieren zu können.
Tabelle: Module der Gebirgsjägerausbildung in der Mongolei
| Jahr | Modul | Inhalt |
|---|---|---|
| 2019-2024 | 1-6 | Grundlagen der Sicherungs- und Kletterausbildung, Schießausbildungen, Jagd- und Gebirgskampf, Alpine Techniken und Grundsätze militärischer Operationen im Gebirge, Bergrettung und Arbeiten mit der Faserseilwinde |
Im Jahr 2023 geht es dann für alle Beteiligten in das Hochgebirge, um das Erlernte in einem gesteigerten Schwierigkeitsgrad anzuwenden. Dafür prädestiniert ist der Heimatstandort des Gebirgsjägerbataillons 331 in Sagsai. Das dortige Gelände bietet optimale Bedingungen, um die Ausbildung auf die nächste Stufe zu heben und dem Ziel näherzukommen, dass die mongolische Armee ab 2024 über eine einsatzbereite Gebirgsjägertruppe verfügt.
